Wolfgang Küssner

Kleine Urlaubs-Geschichten 7 - Ein Thailand-Mosaik

Kreuzfahrer
Von Anfang November bis in die ersten April-Tage hinein, liegen sie in der Bucht vor Anker: Kreuzfahrtschiffe. Häufig von Singapur aus startend, befahren sie die Andamansee bis hoch nach Phuket, oder das Süd-Chinesischen Meer bis rauf nach Hongkong.

So ist die „Superstar Libra“ mit ihren bis zu 1.500 Gästen nahezu wöchentlich Gast in der Bucht. Ein fast ebenso häufiger Besucher ist die „Mariner of the Seas“. Das Schiff lag 2013 im Ranking der grössten Kreuzfahrtschiffe auf Platz 8. Hier können es schon mal 3.110 Reisende sein. Zählt man noch die 1.200 Crew-Mitglieder hinzu, darf man das Schiff gern mit einer schwimmenden Kleinstadt vergleichen.

Die „Costa Victoria“ liegt mehrmals in der Saison vor Anker, ebenso wie die auf der Meyer-Werft in Papenburg gebaute „Superstar Virgo“. Da werden einerseits Massen in  schwimmenden Hotels transportiert, und dann geht wieder der pure Luxus in der Bucht vor Anker: „Azamara Journey“, „Seadream II“, „Le Soleal“, „MS Europa“ oder sogar die königliche Variante in Form der „Queen Mary II“.

Alle Kreuzfahrtschiffe einer Saison hier zu nennen, würde eventuell langweilig werden. Doch ein Schiff muss noch Erwähnung finden: „The World“. Die Eigentümer dieses unter der Flagge der Bahamas kreuzenden Schiffes sind seine Bewohner. Das Schiff verfügt über lediglich 165 Studios von 27 bis 360 qm Grösse – verteilt auf 12 Decks - und diese Appartments auf See waren von Privatpersonen zu kaufen. Für z. B. 130 qm Wohnraum mussten schon mal bis zu 13,5 Millionen US-Dollar hingeblättert werden. Die jährlichen Unterhaltungskosten liegen bei schlappe 300.000 US-Dollar incl. Verpflegung.

Für die Besitzer dieser Elablissements mag es eine schwimmende Eigentumswohnung auf den Weltmeeren sein. Ein kleines, in den Wellen schaukelndes Dorf, mit 165 Wohneinheiten und maximal 200 Bewohnern. Jeder dürfte jeden kennen, von temporären Besuchern abgesehen. Sie kommen irgendwo an Bord und verlassen zwei, drei Häfen weiter das Schiff wieder. Für andere mag die Phantasie eher in Richtung schwimmendes Luxus-Gefängnis gehen, „The World“ ein treibendes Altersheim sein. Und dann stellen sich natürlich Fragen: Wie hoch mag das Durchschnittsalter der Insassen, Entschuldigung, der Eigentümer wohl sein? Wie hoch die Rollator-Dichte?
 
Tiger
Ob nun Primera Disivion, ob Seria A oder Bundesliga, ob es die Premier League ist oder wie immer die nationalen Fussball-Wettbewerbe heissen mögen, Tiger kennt sie alle. Er weiss, welches Team wann spielt, sich auf welchem Tabellenplatz befindet. Arsenal hat es ihm besonders angetan; man kann den Eindruck haben, es sei mit jedem der dortigen Protagonisten befreundet.

Wenn Fussball-Übertragungen laufen, weilt er vor dem Fernseher, egal, zu welchen Tageszeit. Hier in Thailand ist es wegen der Zeitverschiebung meistens – was die europäische Wettbewerbe betrifft – Mitternacht und später. Ein richtiger Fan wie Tiger, kennt da keine Zeit und vor allen Dingen keine Müdigkeit. Was nicht im TV zu sehen ist, wird Online im Internet verfolgt, recherchiert. Wetten mit ihm, kennen meistens nur ihn als Gewinner. Sei ihm gegönnt.

Wie Tiger – natürlich ein Nickname – sind die Burmesen wie auch die Thais begeisterte Fussball-Freunde.

Doch Tiger hat auch noch einen Job als Beachboy. D.h. er hatte diesen Job. Auch er hatte das Pech, einem jener Arbeitgeber zu dienen, die der Korruption verdächtigt wurden und temporär nicht aktiv sein konnten. Als sein Chef an den Strand zurückkam, wurde er nicht mehr gebraucht. Er hatte in der arbeitslosen Zeit für einzelne Urlauber gejobt, um sich, seine beiden Kinder und seine Frau durchzubringen. Darüber war der alte Arbeitgeber offensichtlich nicht sehr amüsiert, war Tiger doch nun so etwas wie ein Konkurrent geworden.

Tiger scheint – Vorsicht vor Neidern war immer angebracht – jetzt offensichtlich fürs erste über die Runden zu sein. Seine Frau hatte den Putzjob zum Glück nicht verloren. In den über zehn Jahren in Thailand hatte er seine Eltern und Geschwister im benachbarten Myanmar zweimal besuchen können.

Er ist immer freundlich, lacht häufig und zeigt dabei seine rotgefärbten Zähne. Tiger kaut fast täglich Betelnuss. Die  Betelnusspalme – auch Katechupalme, oder Arekapalme genannt – ist eine in Südost-Asien seit tausenden von Jahren bekannte Kulturpflanze. Die unreifen Nüsse werden hier kleingehackt und gekaut. Dieser Konsum führt zu vermehrtem Speichelfluss und Wohlbefinden; reduziert den Appetit, wirkt ein wenig wie Alkohol. Ein wenig Rausch, so etwas wie eine natürliche Droge der armen Leute. Die Betelnüsse färben Speichel, Zähne und Zahnfleisch rot. Da die Wirkstoffe der Pflanze giftig sind, wird der Speichel – keine schöne Angele-genheit – überall ausgespuckt. Natürlich schnell mit Sand überdeckt.

Wie bei Tiger, kann man bei vielen Burmesen die vom Betelgenuss verfärbten Zähne sehen.
 
Sonnenuntergang
Nun ist sie gegangen, die Sonne, unter ist sie gegangen. Rudi Schuricke sang 1949 „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt...“ und drückte damit die Sehnsucht der Deutschen nach Italien aus. Mit dem Wirtschaftswunder ging der Traum einige Jahre später in Erfüllung. Mal versinkt sie, mal geht sie in unseren romatischen Phantasien unter. Dabei wissen wir alle, oder sollten es zumindest wissen, ein Teil der Erde wendet sich temporär einfach der Sonne ab. Das ist die sachliche, nüch-terne Realität. Doch träumen ist auch schön.

Ob nun Sylt oder Capri, Acapulco oder Santorin, Fregatte oder Varadero – dieses täglich wiederkehrende Naturschauspiel zieht immer wieder die Menschen in seinen Bann; weckt Sehnsüchte, lässt sie träumen. Das ist hier, im süd-thailändischen Phuket, nicht anders. Die Weiten des Indischen Ozeans im Westen vor der Insel lassen Abend für Abend hunderte, tausende zum südwestlichsten Zipfel der Insel pilgern, um auf der Anhöhe Phrom Thep Cape die letzten Sonnenstrahlen des Tages einzufangen.

Doch auch von den vielen Stränden und Buchten ist das stimmungsvolle Schauspiel der Natur zu beobachten. Logenplätze bieten einige Hotels mit höher gelegenen Bars an, um bei Gin Tonic, Sundowner oder Mai Tai den Tag ausklingen zu lassen. Besonders reizvoll werden jene Minuten, wenn Wolkenformationen mit den letzten Sonnenstrahlen spielen, das Licht durch einzelne Lücken auf das Meer fällt, oder einem Spot gleich gen Himmel zielt.

Die Oberfläche des Meeres schimmert dann in warmen Tönen von Rot, Gold und Bronze, der Himmel bietet die unterschiedlichsten Blau-Färbungen und pastellene Orange-Töne auf der der Sonne gegenüber liegenden Seite des Firmaments. Das Glutrot der Sonne scheint das Meer zu berühren und nach wenigen Augenblicken ist sie darin versunken. Die Farbspiele am Himmel klingen noch ein wenig nach, bevor dann schnell – der Äquator ist nicht allzuweit entfernt – die Dunkelheit das Zepter übernimmt.
 
Nachwort
Unter der Überschrift „Kleine Urlaubs-Geschichten“ habe ich viele kleine Ereignisse, Erlebnisse in Thailand versammelt, zusammengefasst. Ein kleines Urlaubs-Mosaik ist entstanden.

Alle diese Geschichten haben so oder so ähnlich stattgefunden. Nette Geschichten müssen einfach erzählt, öffentlich gemacht, festgehalten werden. Die Namen der Personen, der Orte wurden natürlich verändert.
Der Autor war immer bemüht, die Stories voller Charme, Humor und Witz so zu erzählen, dass niemand sich verletzt fühlen sollte. Es lag ihm ebenso fern, sich über die Protagonisten lustig zu machen. Der Leser und die beschriebenen Personen mögen selbst urteilen. Vielleicht ist der Autor seinen Vorsätzen gerecht geworden.
Andererseits gilt das Sprichwort: „Wem der Schuh passt, der möge ihn sich anziehen.“ Doch in diesem Fall ist der Schreiber aussen vor.
 
Fortsetzung denkbar. Siehe auch die Kurzgeschichten mit dem Zusatz "Thailand-Impression".
Juli 2015
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.08.2015. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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