Christa Astl

Haarspielereien



 
(Beobachtung)
 
Wieder einmal hatte ich Gelegenheit, Kindern beim Erforschen ihrer Welt zuzusehen. Mit drei Jahren ist alle Neugierde, alle Entdeckerlust bereits vorhanden. Ständig wird gefragt nach dem Was, Wie, Wo und vor allem dem "Wuum" (=Warum)
Und alles wird untersucht, zerlegt (um dann hilflos zu uns Erwachsenen zu kommen, die aus den Teilen wieder was Ganzes erstellen sollen)
Einmal spielte der Kleine still zu meinen Füßen, als ich am PC saß. So viel Stillsein ist meist verdächtig, deshalb versuchte ich seine Tätigkeit zu erkunden. Er hatte eine Dose in der Hand, bereits gefüllt mit für ihn äußerst wichtigen Dingen. In der anderen hielt er ein Haar, ein langes blondes lockiges, kann also nur eines von ihm gewesen sein. Soeben versucht er, dieses über die Dose zu spannen. Immer wieder, loslassen, spannen, und sich wundern, als es sich entspannt wieder in eine Haarlocke verwandelt. Wieder spannt er es, diesmal zu fest, es reißt am Dosenrand. Er schaut auf die Dose, auf das Haar, auf mich, verwundert, fragend. Nimmt den Rest des Haares, versucht es aufs Neue. Wieder bis zum Zerreißen gespannt. Mit voller Konzentration versucht er es erneut, vorsichtig schon, wie weit er es spannen darf. - Nun hat er den Dreh heraußen, wenn es reißt, grinst er mich an. Hört er ein leises Bllb?
Nur gut, dass Oma öfter Haare verliert, die auf ihrem schwarzen Pullover gut sichtbar hängen bleiben, so kann er den Versuch noch öfter wiederholen.
 
Das Kind hat wohl geschafft, Haare zu zerreißen, der Weg bis zur Haarspalterei bleibt ihm aber hoffentlich doch fremd.
 
 
ChA 19.05.15

 

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