Wolfgang Küssner

Songkran - Eine Thailand-Impression

Wir schreiben das Jahr 2558 und doch geht es hier nicht um Science Fiction, um Fantasy oder ähnliches. Wer zum Beispiel mit dem Flugzeug aus Frankfurt nach Thailand kommt, darf seine Uhr – je nach Jahreszeit – um fünf bzw. sechs Stunden, und ausserdem den Kalender – unabhängig von der Jahreszeit – um 543 Jahre vorstellen.

Bekanntlich beginnt im christlichen Abendland die Zeitrechnung bei Christie Geburt mit Null. Man hat sich um ein paar Jahre verrechnet, was aber nichts an diesem Prinzip ändert; die Zeit davor wird mit „v.Chr.“ gekennzeichnet, die Zeit danach sollte dem Leser vertraut sein.

Was einigen Menschen auf diesem Planeten die Geburt des Jesus von Nazaret bedeutet, ist in anderen Teilen des Globus Siddhartha Gautama – besser als Buddha, der Erleuchtete bekannt – von Relevanz.

Christliche Feiertage wie Weihnachten, Ostern, Pfingsten etc. haben im überwiegend buddhistischen Thailand keine Bedeutung. Hier bestimmen Ereignisse aus Buddhas Leben und Wirken den Feiertags-Kalender. Zur Erinnerung an Buddhas erster Rede der Makha Bucha Tag, der Visakha Bucha Tag als das heiligste Fest zur Feier der Geburt, der Erleuchtung und des Eintreten Buddhas ins Nirvana, der Asanha Bucha Tag zur Erinnerung an die erste Predigt Buddhas und natürlich Beginn und Ende der buddhistischen Fastenzeit. Die Termine orientieren sich jeweils am Vollmond.

Selbst das Neujahrsfest – hier heisst es Songkran – wird nicht am 1. Januar, sondern vom 13. bis 15. April eines jeden Jahres gefeiert. Heute ist es ein fester Termin, früher gab es dafür kein fixes Datum, es musste nur im Frühling sein. Denn Songkran kommt aus dem Sanskrit und beudetet den Eintritt der Sonne in das Sternbild der Widders, dem ersten der Tierkreiszeichen.

Dieses Songkran-Fest wird ausgesprochen intensiv gefeiert. Je nach Region und Tradition kann es bis zu 7 Tage andauern. Nebenbei bemerkt: Da der Thai gern feiert, weiss er natürlich auch das Neujahrsfest nach dem gregorianischen als auch nach dem chinesischen Kalender würdig feucht zu begehen.

Wasser, das Symbol des Lebens, fliesst zu Songkran reichlich aus Schüsseln und Eimern, aus Tonnen und Bechern, aus Flaschen, Schläuchen und Wasserpistolen, aus überdimensionalen Spritzen und und und. Songkran wird deshalb manchmal auch als das Wasserfest bezeichnet.

Traditionell und stilvoll wird an Songkran Wasser mit Jasmin-Blüten über Buddha-Figuren oder Mönchs-Schultern gegossen, ebenso wie über Blumenkranz haltende Hände von Angehörigen, Freunden und Bekannten geschüttet. Immer verbunden mit den besten Wünsche für das neue Jahr. Bei der etwas einfacheren Variante wird eine kleine Schüssel mit Wasser über die Schulter der anderen Person geschüttet, natürlich ebenfalls mit allen guten Wünschen.

Zur Tradition gehört es auch, den Mitmenschen mit Baby-Puder das Gesicht einzureiben. Dieses Puder symbolisiert Fruchtbarkeit und viel Nachwuchs, denn Kinder sind hier häufig immer noch die einzigste Art von Rentenversicherung.

Und dann gibt es regelrechte Wasserschlachten auf den Strassen und Plätzen. Jeder darf jeden überschütten, Thais haben hier natürlich ein Vorliebe für urlaubende Langnasen, besonders wenn diese auf eine solche Attacke nicht vorbereitet sind. Gern wird das Wasser auch schon mal mit Eis gekühlt, oder mit einem Farbstoff versetzt. Kann doch so recht simpel die Treffsicherheit überprüft werden.

Für Urlauber kann es zu Songkran nur heissen: Kleidung zu tragen, die Wasser verträgt und farbliche Veränderungen verkraften kann, Kameras oder Phones unterwassertauglich zu verstauen, Geld in eine wasserdichte Plastiktüte zu verpacken – und dann hinein ins feuchte Vergnügen. Erinnerungen an eine Songkran-Party vor vielen Jahren werden wach: In einer Diskothek wurde knöcheltief im Nass stehend getanzt, während permanent von der Empore aus Wasser auf die Gäste geschüttet wurde. Die Disco trug zum Glück den Namen „Boatbar“, die Gäste konnten trinken und wurden vor dem Ertrinken bewahrt.

Ähnlich dem deutschen Weihnachtsfest ist Songkran das Fest der Familie. Halb Thailand ist in diesen Tagen unterwegs, Kinder reisen zu den Eltern, um die Neujahrstage mit der Familie zu feiern. Natürlich fliesst in diesen Tagen neben Wasser auch reichlich Alkohol. Der Preis ist ein sehr hoher. Das Fest des Lebens bezahlen jedes Jahr leider hunderte Thais mit dem Leben.
 
Juli 2015
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