Sandra Lenz

Stürmisches Herz - Teil VIII

Ashley erreichte mit Mühe und Not ihr Zimmer. Den ganzen Abend hatte sie immer wieder mit Marcus tanzen müssen und vor lauter Kummer hatte sie ebenfalls mehrere Gläser Rotwein getrunken. Irgendwie hatte sie versucht ihr Leid in dem roten Getränk zu versenken. Jetzt konnte sie sich gerade noch auf den Beinen halten und in ihr Zimmer schleppen. Sie schloss die Tür und wankte auf den Frisiertisch zu. Ihr Spiegelbild sah sie ernst an. „Was willst du von mir. Niemals werde ich hier glücklich werden, lieber sterbe ich ...“ Ashley sank auf den Stuhl und vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. Bitterliche Tränen ergossen sich über ihr hübsches Gesicht. Leicht zitternd erhob sie sich und begann damit, sich zu entkleiden. Sie legte ihren Schmuck ab und streifte das Kleid von ihrem Körper. Nachdem sie ihr Gesicht mit dem kalten Wasser aus der Waschschüssel gesäubert hatte, schlüpfte sie in das große Bett. Automatisch suchten ihre Finger den kleinen golden Anhänger auf ihrem Nachttisch. Mit zitternder Hand legte sie ihn um ihren Hals. Sie wartete auf das Wunder, welches ihr hier heraus helfen würde. Hoffentlich würde es auch kommen und sie nicht im Stich lassen. Anderenfalls müsste sie selbst handeln müssen ...
Nervös und unruhig schlief sie ein.

Marcus saß mit gekreuzten Händen in seinem Arbeitszimmer und blickte in das knisternde Kaminfeuer. Vor ihm stand ein Glas Rotwein und es brannte eine Zigarette in dem schwarzen Aschenbecher. Sein Gesichtsausdruck war ernst. Aus der Dunkelheit löste sich eine Gestalt und näherte sich Marcus von hinten. Sanft legte sie ihre Hände auf seine Schultern. „Lorinda, du musst dich damit abfinden, das wir uns dann nicht mehr sehen werden. Wenn ich Ashley geheiratet habe, werde ich damit beginnen einen Erben zu zeugen. Ich habe dann für dich keine Zeit mehr.“ Die rothaarige junge Frau kraulte den Nacken von Marcus. „Ach mein liebster Marcus“ säuselte sie ihm ins Ohr. „Du weißt genauso gut wie ich, das Ashley dich niemals so glücklich machen kann wie ich. Das arme unschuldige Ding hat doch überhaupt keine Ahnung davon, wie man einen Mann richtig befriedigen kann. Denkst du sie wäre nur halb so gut wie ich?“ Lorinda warf ihre Locken in den Nacken und begann zu lachen. „Dieses arme unschuldige Lämmchen. Du wirst zu mir zurück kommen Marcus und mich anflehen mit dir zu schlafen. Weil du nicht befriedigt sein wirst.“ Ihre grünen Augen flackerten teuflisch und sie küsste ihren Liebhaber auf den Nacken. „Du wirst an meine Worte denken, Marcus.“ Er drehte sich seiner Geliebten zu und schaute sie an. Diese Frau hatte ihn schon mehr als einmal die größten Freuden bereitet und sie wusste genau was ihm gefiel und wie sie es zu handhaben hatte. Auf Lorinda konnte er sich blind verlassen. Außerdem störte es sie nicht im Geringsten, wenn er mal wieder ein perverses Spiel mit einer anderen spielte.
Vermutlich hatte sie sogar recht mit dem was sie sagte. Ashley war zwar wunderschön und intelligent, aber mit ihr konnte er bestimmt nicht seine krankhafte Phantasie ausleben.
Er griff nach ihren Handgelenken und bog sie nach hinten. Die junge Frau lachte auf. „Aber noch bin ich nicht verheiratet.“ Marcus senkte seine blassen Lippen auf die Lorindas und küsste sie leidenschaftlich. Mit einer Handbewegung fegte er seinen Schreibtisch leer und ließ alle Dinge achtlos zu Boden fallen. Er drängte sie auf den Tisch und nahm sie gleich hier und jetzt. Überrascht werden würden sie nicht, denn alle Gäste lagen bereits seit geraumer Zeit in ihren Betten und niemand hatte auch nur das Erscheinen von Lorinda mitbekommen. Marcus könnte sich jetzt die nächsten Stunden in aller Ruhe mit ihr amüsieren.

~.~

Jason hatte sich gleich noch in dieser Nacht auf den Weg in den Norden gemacht, um Ryan von den bevorstehenden Hochzeitsplänen von Marcus und Ashley zu berichten. Er musste das so schnell wie möglich erfahren. Auch wenn er es letztendlich nicht verhindern konnte, aber Jason schuldete ihm diese Mitteilung. Er trieb seinen Hengst zur Eile an. Seine langen schwarzen Haare hatte er zu einem Zopf zusammen gebunden und unter seinem langen dunklen Mantel versteckt. Die Sterne standen hoch am Himmel und die eisige Nachtluft brachten Jason trotz Mantels zum Frösteln. Aber er wollte so schnell wie möglich in den Norden und konnte sich deshalb keine unnötigen Pausen gönnen.
Er dachte an Ryan. Sein guter Freund würde die Neuigkeit nicht besonders schön finden - garantiert würde er sich fürchterlich aufregen. Jason erinnerte sich an eine Geschichte, die schon ein paar Jahre zurück lag.
Damals waren Ryan und Marcus in einer heruntergekommen Spelunke aufeinander getroffen. Marcus war aus irgendwelchen Beweggründen in dem ihn sonst so verhassten Teil der Stadt gekommen und hatte ein paar Biere zu sich genommen. Er hatte sich dann an eine rothaarige Prostituierte herangemacht und sie belästigt. Obwohl keine Dame von Welt, war es der jungen Frau irgendwie zuviel geworden mit den plumpen Annährungsversuchen von Marcus und sie hatte angefangen sich zu wehren. Ryan hatte das ganze Spiel eine zeitlang aus der anderen Ecke der Bar mitangesehen und war dann dazwischen gegangen. Er mochte es nicht wenn ein Mann eine Frau bedrängte. Auch wenn es sich nur um eine Prostituierte handelte, aber das ging ihm entschieden zu weit. Wenn eine Frau nein sagte, dann meinte sie es auch so und jeder Mann hatte dies zu akzeptieren. Zwischen den beiden jungen Männern war es anfänglich zu einem heftigen Wortwechsel gekommen, den die junge Frau zur Flucht nutzte. Die Beleidigungen zwischen den Männern wurde immer heftiger bis es schließlich zu einer handfesten Rangelei kam. Nachdem das erste Blut vergossen wurde, waren die Männer von Ryan dazwischen gegangen und hatten die beiden Streithähne getrennt. Marcus hatte Ryan tödliche Rache geschworen und seitdem galten sie als Todfeinde. Soweit Jason wusste, waren die Beiden seitdem nicht mehr aufeinander getroffen. Und das war auch gut so. Umso mehr war es ihm verhasst Ryan die Nachricht von der Hochzeit überbringen zu müssen. Ausgerechnet sein Todfeind wollte sein Mädchen ehelichen.
Jasons Hände umfassten die Zügel härter und er peitschte seinen Hengst noch einmal zur Eile an...

~.~

Der nächste Morgen war nicht sehr angenehm für Ashley. Sie erwachte durch die hereinfallenden Sonnenstrahlen, die ihre Haut liebkosten. Völlig benommen öffnete sie die Augen und ein starkes Hämmern dröhnte in ihrem Kopf. Schmerzerfüllt fasste sie an ihre Stirn. Das Zimmer drehte sich und ihr wurde übel. „Oh mein Gott ... was ist mir schlecht“ hauchte sie. Mühselig richtete sie sich auf und blieb auf der Bettkante sitzen. Der ganze Rotwein war ihr überhaupt nicht bekommen und jetzt hatte sie die Folgen zu tragen. Ashley versuchte aufzustehen, doch in Anbetracht ihrer Lage gelang ihr dies überhaupt nicht. Plump fiel sie zurück aufs Bett. Nach zwei weiteren Versuchen gab sie es schließlich auf und legte sich zurück in die Kissen. Sie hatte eh keine große Lust darauf, mit der Familie zu frühstücken. Lieber würde sie den Tag im Bett verbringen und sich unter der Bettdecke verkriechen.

Das Mädchen hatte am Frühstückstisch Bescheid gegeben, das es Miss Ashley nicht gut ging und sie im Bett bleiben würde. Henriette Winston wollte sich direkt vom Tisch erheben, um nach ihrer Tochter zu schauen, doch Marcus nahm ihr diese Aufgabe ab. „Liebste Schwiegermama, ich werde mich um meine zukünftige Braut kümmern. Schließlich trage ich jetzt die Verantwortung für sie und ich muss sehen, wie es meinem Augenstern geht.“ Marcus erhob sich raubtierartig vom Tisch und schritt durch den großen Speiseraum geradewegs zur Tür. Henriette sah ihrem künftigen Schwiegersohn hinterher, bevor sie sich zu Emilie Manson hinüber neigte und ihr zuflüsterte, was sie doch für einen netten und gut erzogenen Sohn hätte. Die beiden älteren Frauen nickten sich verschwörerisch zu.
Marcus war die große breite Treppe in großen Schritten heraufgeeilt und nun stand er vor der Tür zu Ashleys Schlafzimmer. Er klopfte an und trat gleich ein, ohne die Reaktion von Ashley abzuwarten. Blass lag sie in dem großen Bett und ihre langen Haare ergossen sich über die Kissen. Verführerisch sah sie aus, so blass und unschuldig. Marcus trat ans Bett und betrachtete sie eine Weile. Sie schlummerte friedlich und ihre Brust hob und senkte sich gleichmäßig. Ihre roten Lippen waren herrlich geschwungen und ihre Wimpern sahen wie lange Goldfäden aus. Ihre Haut verströmte einen lieblichen Duft nach Lilien. Marcus nahm vorsichtig auf dem Bettrand Platz, ohne sie zu wecken. Seine dunklen Augen wanderten über ihren Körper und blieben schließlich auf ihrem Gesicht hängen. Langsam beugte er sich ein Stückchen vor und seine Finger berührten sie sacht an der Wange. Ashley zuckte leicht zusammen, bevor sie benommen ihre hübschen Augen öffnete. Zuerst ein wenig irritiert sah sie Marcus erschrocken an.
„Ashley, du brauchst keine Angst zu haben. Ich bin es nur.“ Er streichelte sie. Ashley versuchte ein Stück nach oben zu rutschen, um seiner Hand entgehen zu können. „Marcus, was machst du hier?“ Sie griff nach der Bettdecke und zog sie bis unter ihr Kinn. Sie lehnte sich mit dem Rücken an das Kopfteil des Bettes und schaute ihn fragend aus ihren veilchenblauen Augen an. „Uns wurde gesagt, es ginge dir nicht gut. Ich war besorgt und wollte nach dir schauen, Liebes. Jetzt weiß ich auch, warum es dir nicht gut geht. Du hast gestern zuviel Wein getrunken, stimmt es?“ Auf seinen Lippen lag ein Grinsen. „Dann kann ich dir helfen meine Liebe.“ Er stand auf und ging Richtung Tür. „Ich bin gleich wieder zurück.“
Ashley atmete auf, als er die Tür hinter sich geschlossen hatte. Wie lange war er bereits hier gewesen und hatte sie beobachtet? Sie hob die Bettdecke und betrachtete ihren eigenen Körper. Das nachtblaue Nachthemd verdeckte nicht allzu viel von ihrem Körper. Wie viel hatte er gesehen? Sie schüttelte sich. Von nun an würde sie nur noch hochgeschlossene Nachtkleider tragen, die nichts preisgaben. Noch nicht einmal im Schlaf war man vor diesem Kerl sicher.
Einen Augenblick später kam Marcus zurück mit einer Flasche in der Hand. Er goss etwas von dem bräunlichem Getränk in einen Becher und reichte ihn Ashley. „Nimm’ einen Schluck hiervon, danach wird es dir besser gehen.“ Ashley nahm den Becher in ihre Hand und roch an der Flüssigkeit. Sie roch stark und unangenehm und hinterließ ein beißendes Gefühl in ihrer Nase. „Keine falsche Scham meine Liebste. Trinke.“ Zögernd führte sie den Becher an ihre Lippen, um einen kleinen Schluck zu nehmen. Das Zeug war stark und brannte in ihrer Kehle. Sie musste husten. „So ist es gut, mein Engel.“ Diabolisch grinste Marcus und ließ dabei seine weißen Zähne aufleuchten. Ashley stellte den Becher zur Seite und schüttelte den Kopf. „Es schmeckt fürchterlich. Ich will das nicht trinken.“ Schmollend verzog sie ihren Mund und war sich gar nicht bewusst, wie erotisch sie das machte. Marcus sah sie plötzlich mit einem ganz anderen Blick an und sie begann sich unwohl zu fühlen. Sie rutschte ein Stück tiefer zurück in die Kissen, um ihn auszuweichen. Doch Marcus nahm wieder Platz auf ihrem Bettrand und neigte sich tiefer zu ihr herab. Er beobachtete sie eine Weile stumm und das Schweigen lag unerträglich über dem Raum. Ashley hörte ihren eigenen Atem in ihren Ohren und diese ganze Situation war vollkommen unangenehm für sie. Was war Marcus nur für ein Mensch? Sie schaute ihm ins Gesicht und versuchte in seinen kalten dunklen Augen etwas über sein Wesen lesen zu können. Doch nichts als Kälte konnte sie in ihnen erkennen. Seine weiße Haut ließ ihn unnatürlich blass aussehen und diese dunklen Augen stachen aus seinem Gesicht förmlich heraus. Augen, die kalt waren und hinter denen eine Grausamkeit lag, die Ashley nicht weiter beschreiben konnte. Seine schwarzen Haare reichten ihm bis zum Kinn und auch heute morgen trug er ausnahmslos schwarz. Um seinen Hals baumelte eine silberne Kette mit einem eigenartigen Medallion. Dieser Mann trug irgendein Geheimnis mit sich, von dem niemand anderes wusste. Darin war sich Ashley sicher. Sie wusste nur nicht was es genau war. Aber sie würde es herausfinden müssen, bevor sie ihm gänzlich ausgeliefert war als seine Ehefrau.
„Marcus, könnten wir heute einen Ausflug in die Stadt unternehmen? Mir ist langweilig und ich möchte ein wenig unter Leute. Würde es dir etwas ausmachen mich dorthin zu begleiten?“ Sie hoffte auf diesem Wege etwas über ihn erfahren zu können. Seine Augen blitzen auf und ein Lächeln legte sich auf seine blassen Lippen. Er griff nach ihrer Hand und führte sie zu seinen Lippen. „Aber natürlich Ashley. Du weißt, nichts wäre mir ein größeres Vergnügen. Sicher wird dir die frische Luft gut tun.“ Er küsste ihren Handrücken und seine Lippen verweilten einige Zeit auf ihrer Haut. „Jetzt habe ich gelogen.“ Ashley sah ihn erstaunt an. „Wieso hast du gelogen Marcus?“ Er grinste. „Ich habe gelogen, als ich sagte nichts wäre mir ein größeres Vergnügen als dich in die Stadt zu begleiten.“ Er sah sie eindringlich an und dieser Blick erzeugte eine Gänsehaut bei Ashley. „Du weißt, es gibt etwas das mir noch viel mehr Vergnügen bereiten würde. Dir ebenfalls, liebste Ashley. Aber ich verspreche dir, diese Freuden werden nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.“ Seine Augen funkelten und er erhob sich von dem Bett. „Ich lasse die Kutsche vorfahren und schicke dir das Mädchen, damit sie dir beim Ankleiden behilflich ist.“ Er schritt zur Tür und drehte sich noch einmal zu ihr um. „Ich würde dies gern selbst tun, allerdings glaube ich dann das wir überhaupt nirgends mehr hinfahren würden und das Zimmer nicht so schnell verlassen könnten.“ Er grinste sie erneut an und ließ sie dann allein. Ashley schüttelte sich und rieb ihre Hand auf dem Laken ab. Dieser Kerl ekelte sie vollkommen an und am liebsten hätte sie so wenig wie möglich mit ihm zu tun. Aber sie musste mehr über ihn in Erfahrung bringen. Vielleicht würde ihr der Ausflug in die Stadt mehr Erkenntnis über den Menschen Marcus Manson bringen.

~.~

Die Fahrt in die Stadt verlief äußerst ruhig. Ashley verspürte nicht die geringste Lust sich mit Marcus zu unterhalten und auch er schwieg beharrlich. Er blickte hinaus zum Fenster und schien mit den Gedanken meilenweit fort zu sein. Ashley betrachtete ihn verstohlen aus dem Augenwinkel. Was mochte in seinem Kopf vor sich gehen ?
Hätte Ashley Gedanken lesen können, hätte sie vermutlich fluchtartig die Kutsche verlassen. Marcus durchdachte nämlich gerade seinen neuesten perversen Plan. In einer Woche würde wieder eine kleine Feier stattfinden, zu denen Marcus regelmäßig einlud. Kein Ball, wo sich die Leute der besseren Gesellschaft zu einem netten Plausch trafen, sondern eins jener speziellen Treffen, bei denen nur gewisse Herren mit viel Geld in der Tasche mitwirkten. Hierbei handelte es sich um Herren, die einem festen Kreis angehörten und die sich regelmäßig von Marcus kleine Feiern ausrichten ließen. Dafür bezahlten sie ihm eine Menge Geld und außerdem erlangte Marcus dadurch noch in vielen anderen Bereichen gewisse Vorzüge. An der nächsten kleinen Feier würden insgesamt fünf der acht Herren teilnehmen, die diesem geheimen Kreis angehörten und es wurde diesmal der Wunsch nach zwei blutjungen Mädchen geäußert. Eine davon sollte weiß sein, die andere schwarz und beide nicht älter wie vierzehn Jahre. Marcus hatte bereits Leute entsandt, die ihm diese Mädchen besorgen sollten. Für das Geld welches er bereits erhalten hatte, würde er schon das passende finden. Außerdem war die anschließende Entsorgung bereits in der äußerst großzügigen Summe enthalten. Und er hatte natürlich wie immer das besondere Vergnügen die Mädchen erst antesten zu dürfen. In der Stadt würde er einen seiner Kontaktmänner treffen, um zu erfahren wie die Suche voran ging. Seine Mundwinkel zuckten nervös bei diesem Gedanken.
Er spürte plötzlich den Blick seiner Verlobten auf sich ruhen und drehte sich ihr zu. Er lächelte sie an. „Ashley meine Liebe, woran denkst du gerade?“ Sie fühlte sich ertappt und schaute zu Boden. „An nichts.“ Er verzog seine Augenbraue. „Aber du hast mich doch die ganze Zeit über beobachtet.“ Er sah ihre aufkeimende Nervosität und das sie nun mit ihren Handschuhen spielte. Was hatte dieses Weib vor?
Ashley musste sich schnell eine passende Ausrede einfallen lassen. „Ich dachte nur gerade darüber nach, wie du wohl in deinem Hochzeitsfrack aussehen wirst.“ Ihr fiel einfach nichts besseres im Moment ein. Hoffentlich schluckte er dies, sonst wäre sie geliefert. Seine Zweifel waren auf einen Schlag weggeräumt und er grinste. „Ach so ist das.“ Er strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und legte seine Hand anschließend in Ashleys Schoss. „Meine liebste Ashley, mache dir darüber keine allzu großen Gedanken. Ich werde schon das passende tragen an jenem großen Tag. Für dich dürfte es wohl viel interessanter werden zu sehen, wie ich aussehe wenn ich gar nichts trage?“ Er sah, das er sie mal wieder aus der Fassung brachte und das amüsierte ihn. Dieses unschuldige Lämmchen ... aus ihr würde er schon noch ein eiskaltes Luder machen, die ihm aus der Hand fraß. Notfalls mit Gewalt. Diese dürfte er nämlich anwenden, wenn sie erst seine Frau war. Dann hatte nichts und niemand mehr das Recht sich in seine Angelegenheiten einzumischen und dann würde er Ashley schon die Flötentöne beibringen. Ashley hustete verlegen und blickte wieder zum Fenster hinaus. Ein tiefes Rot überzog ihre Wangen und Marcus lächelte zufrieden.
„Ashley, ich werde dich an einem der großen Geschäfte für Damenmode absetzen. Ich muss einen Geschäftstermin wahrnehmen, der nicht länger wie eine Stunde dauern wird. Anschließend stoße ich zu dir und hole dich wieder ab. Ist dir das so recht, meine Liebe?“ Sie nickte und lächelte ihn an. „Aber natürlich Marcus. Alles so, wie du es wünschst.“

~.~

Nach vielen Tagen, die Jason wie Monate oder gar Jahre vorkamen, erreichte er endlich sein Ziel. Das Versteck der teuflischen Fünf hoch oben im Norden. Die ganze Zeit über hatte sich Jason so gut wie keine Pause gegönnt und hatte sein Pferd unermüdlich zur Eile angetrieben. Er hatte stets bei kleinen Gasthöfen angehalten, nahm eine Mahlzeit zu sich, gönnte sich einige Stunden Schlaf. Dann hatte er den Wirten sein Pferd für ein frisches überlassen, damit er wieder stundenlang weiterreiten konnte. Seine langen Haare hingen ihm nun strähnig und schweißverklebt im Gesicht und seine Wangen waren staubig. Doch für ihn hieß es keine unnötige Zeit zu verlieren. Nur noch einige Stunden und er würde vor Ryan stehen. Er ritt einen Fluss entlang und brachte sein Pferd zum Stehen. Ein wenig frisches Wasser würden ihm und dem Pferd gut tun. Er führte den Hengst einen kleinen Abhang hinab und ließ ihn trinken. Auch er beugte sich dem kühlen Nass entgegen und ließ seine Hände in das kalte Wasser abtauchen. Nach ein paar Schlucken fühlte er sich wieder frisch. Er füllte seine beiden Hände mit Wasser und wusch sich sein Gesicht. Das Wasser perlte an seinem Kinn herunter und kleine Tropfen bahnten sich ihren Weg seinen Hals entlang. Ständig musste er an Marcus denken und seine Hand formte sich zur Faust. Dieser Kerl sollte all seine grausamen Taten bereuen. Schon sehr bald ...
Ein Rascheln ließ Jason herumfahren. Wer oder was schlich dort durch den dunklen Wald? Er griff unter seinen langen Umhang und zog einen Dolch aus seiner Tasche. Geduckt und mit lauerndem Blick ging er den kleinen Abhang wieder hinauf; stets darauf gefasst gleich angegriffen zu werden. Seine eisblauen Augen wanderten durch den Wald und er lauschte angestrengt. Dort, da war es wieder. Ein Rascheln in seiner Nähe. Es musste sich noch jemand hier im dunklen schwarzen Wald befinden. Jason versteckte sich hinter einem dicken Baumstamm und wartete auf diesen jemanden.




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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.06.2003. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Es wurde sehr viel geschrieben über jene Jahre der unseligen Diktatur eines wahnwitzigen Politikers, der glaubte, den Menschen das Heil zu bringen. Das meiste davon beschreibt diese Zeit aus zweiter Hand! Ich war dabei, ungeschminkt und nicht vorher »gecasted«. Es ist ein Lebensabschnitt eines grünen Jahzehnts aus zeitlicher Entfernung gesehen, ein kritischer Rückblick, naturgemäß nicht immer objektiv. Dabei gab es Begegnungen mit Menschen, die mein Leben beeinflussten, positiv wie auch negativ. All das zusammen ist ein Konglomerat von Gefühlen, die mein frühes Jugendleben ausmachten. Ich will versuchen, diese Erlebnisse in verschiedenen Episoden wiederzugeben.

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