Wolfgang Küssner

Quallenqualen - Eine Thailand-Impression

In Rückenlage auf der Luftmatraze ruhend, schaukelte Marijke auf den kleinen Wellen des klaren, warmen Meereswassers. Blauer Himmel, Sonnenschein, kleine Fische schwammen im türkisfarbenen Meer. In anbetracht der intensiven Sonneneinstrahlung nur wenige hundert Kilometer vom Äquator entfernt, war eine Positions-Änderung ratsam. Marijke legte sich ins Wasser, umklammerte mit den Armen die Luftmatraze. Während die Beine im Wasser baumelten, konnten Rücken, Schulter, Nacken bräunen.

Diese total entspannte Lage war für Marijke leider nur von kurzer Dauer. Plötzlich berührte sie etwas an Bauch und Oberschenkel. Im Meer war nichts zu sehen, doch der Kontakt bereitete höllische Schmerzen. Sie verliess sofort das warme Wasser. Bauch und Oberschenkel waren gerötet, kleine Blasen hatten sich gebildet und verursachten brennenden Schmerz.

Was war passiert? Nicht nur Marijke schwebte im Wasser, sondern offensichtlich auch eine Qualle. Da beide sich nicht rechtzeitig sahen, konnten sie sich nicht aus dem Weg gehen. Über die Tentakeln entstand ein erster, unangenehmer Kontakt.

Quallen gehören zu den Nesseltieren und bestehen zu über 95 Prozent aus Wasser. Sie müssen Nahrung zu sich nehmen und sich gegen Fressfeinde verteidigen können, also verfügen sie über eine Waffe: Nesselzellen in ihren Fangarmen enthalten ein giftiges Sekret. Mit fadenförmigen Ausstülpungen wird ein Feind oder ein Beutetier ausgemacht. Mit einer ungeheuren Geschwindigkeit können die Quallen dann Nesselfäden aus dem Innern der Nesselkapsel herausschleudern, in die Haut des Gegners einbohren und dort Gift injizieren. Bei kleineren Lebewesen kann das zu Lähmungen führen; bei Marijke zu Hautrötungen, ähnlich wie bei Brennnesseln, zu Blasenbildung und im Extremfall könnte es gar zum Gewebstod führen. Das kann in den Tropen mal passieren, ist aber sehr selten.

Doch was tun? Die „gebrennesselte“ Hautfläche nicht mit Süsswasser spülen. Dadurch würde der Kapselfaden noch mehr Gift abgeben. Nur mit Meerwasser abwaschen. Essig würde hilfreich sein, doch wer hat schon Salat-Zutaten am Strand dabei.  Ein Hilfsmittel ist allerdings direkt am Strand zu finden: Die Blätter der Prachtwinden bzw. Prunkwinden, auch Ipomoea genannt, kurz abwaschen und kleinhacken, anschliessend auf die betroffenen Hautpartien legen – und Linderung tritt ein. Eine Attacke der Natur wird mit einem Mittel der Natur behandelt. Marijke hat´s geholfen – andere haben es sich gemerkt.
 
Juli 2015
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.09.2015. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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