Wolfgang Küssner

Geschützter Verkehr - Eine Thailand-Impression

Um es gleich vorweg zu nehmen, lieber Leser, um ehrlich zu sein und nicht drumherum zu reden: Es ist ein Märchen, es ist eine Illusion, das mit dem geschützten Verkehr. Den gibt es ganz einfach nicht. Weder der Verkehr, noch seine Akteure, seine Betreiber sind geschützt. Thailand ist momentan der weltweit grösste Natur-Kautschuk-Produzent; doch das mit dem Schutz ein ganz  anderes Thema. 70 Prozent der Natur-Kautschuk-Produktion gehen in die Herstellung von Autoreifen, 12 % in die Erzeugung von Latexprodukten (Präservative inklusive), 8 % finden in technischen Artikeln Verwendung.

In puncto Verkehr hat Thailand Gemeinsamkeiten mit Timor und den Seychellen, mit Tansania, Mauritius und Kenia, mit Süd-Afrika, Fidschi, Australien, Indien, Gross Britannien, Malta und einigen anderen Staaten, wenn es um Ausgangs-Positionen, um Start-Bedingungen, um Stellungen geht. Doch Thai sein heisst immer noch frei sein und was interessieren da Einschränkungen, Verordnungen, Verhaltensregeln, Gesetze. Die Freiheit nehmen sich die Thais auch für den Verkehr, egal, ob nun Rechts- oder Linksverkehr. (Hatte der Leser an etwas anderes gedacht, erwartet?)

Wie wohl in allen anderen Ländern auf diesem Gobus, so gibt es auch in Thailand Verkehrsregeln, Vorschriften, Verbote  und Gebote, Empfehlungen usw. usf. Es gibt Verkehrsschilder und sogar Ampeln, es gibt Markierungen auf den Strassen, um den Verkehr zu regeln. Selbst Einbahnstrassen sind als solche kenntlich gemacht und ausgeschildert. Eine Fahr-Lizenz ist für Verkehrsteilnehmer erforderlich, für ausländische Besucher sogar der internationale Führerschein.

Ein Thai kann die Erlaubnis zum Führen von Fahrzeugen nach wenigen Fahrstunden und einer kleinen Prüfung (Einparken, oder eine Acht fahren, während der Prüfer aus dem Fenster seines Büros im 2. Stock zuschaut) sein Eigen nennen.

War es bis vor wenigen Jahren noch möglich, dem Polizeibeamten in der Provinz bei Verkehrs-Kontrollen eine Sondermarke der Post als Ausweis zu präsentieren, so hat man zwischenzeitlich das Fehlen eines entsprechenden Dokuments als Einnahme-Quelle erkannt und sich darauf vorbereitet. Also die Sondermarke mit Otto von Bismarck, Maria Schell oder anderen Köpfen aus Geschichte, Politik, Literatur, Gesellschaft, Unterhaltung, Wirtschaft etc. ist kein zeitgemässer Ersatz mehr.

Einbahnstrassen mögen dem Verkehrsfluss förderlich sein, doch es wird einen Thai nicht daran hindern, auch in die Gegenrichtung zu fahren. Notfalls mit dem Moped oder Motarrad auf dem Fussweg. Der Urlauber ist gut beraten, immer in beide Richtungen zu schauen und auf den Gehwegen das Terrain bei Bedarf temporär zu räumen.

Linksverkehr wird von Thais eher als ein Angebot, denn als eine Vorschrift betrachtet. Auf der Autobahn bewegen sich die langsamsten Fahrzeuge meistens auf der rechten Spur und es muss links überholt werden. Der ausländische Gast möge aufpassen. Und das Thema Ampeln: Wenn sie denn überhaupt in Betrieb sind ist Rot eine der möglichen angebotenen Farben. Warum sollte diese Farbe besonders beachtet werden? Fahrzeugbeleuchtung? Solange der Fahrer sehen kann, wird er fahren, ob nun mit oder ohne Beleuchtung. Wenn andere Verkehrsteilnehmer sein Auto nicht erkennen können, so ist das doch deren Problem, oder? Ausserdem funktioniert die Beleuchtung nicht bei jedem Fahrzeug. Und TÜV – Technischer Überwachungs-Verein – was ist das denn?

Wie steht es um die Vorfahrt? Langnasen, sprich Urlauber aus Europa, Nord-Amerika, Australien müssen sich nur zwei Faustregeln merken: Erstens haben Mopeds immer Vorfahrt und zweitens klärt die PS-Stärke die Rangfolge im Strassenverkehr. Anders formuliert, der Fussgänger hat die Ars...karte gezogen, er hat immer das Nachsehen, ist auf jeden Fall das schwächste Glied. Schliesslich sind wir beim Thema Verkehr.  Was könnte – abschliessend gefragt - der Leser anhand vorstehender Zeilen eventuell gelernt haben? Die Wahrscheinlichkeit, geschützten Verkehr zu erleben, steht in Korrelation zur PS-Stärke. Eine grosse, leistungsstarke Limousine bietet nicht nur mehr Komfort, sondern auch mehr Schutz vor dem Treiben auf Thailands Strassen.
 
August 2015
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