Wolfgang Küssner

Loi Krathong - Eine Thailand-Impression

Loi Krathong ist zwar das Lichterfest, hat aber doch sehr viel mit Wasser zu tun. Allein schon die Übersetzung der Worte: Loi bedeutet soviel wie schwimmen und krathong ist ein kleines Floss. Gefeiert wird Loi Krathong im ganzen Land  am Tag des Vollmonds im zwölften Monat des traditionellen thailändischen Lunisolar-Kalenders. Der an Mond (luna) und Sonne (sol) orientierte Kalender ist hier in Thailand ein Mondkalender und war bis 1888 der offizielle Almanach des Landes. Alle buddhis-tischen Feiertage orientieren sich noch heute an diesem Kalender. Und so findet das Fest manchmal Ende Oktober, doch meistens im November statt.

Zu Loi Krathong werden aus Bananenblättern kleine Flösse gebastelt und mit Blumen, Kerzen und Räucherstäbchen geschmückt . Diese hübschen Mini-Boote werden bei Eintritt der Dunkelheit zu Wasser gelassen; das kann der kleine Dorffluss sein, das kann der mächtige Mae Nam Chao Phraya, die See, das Meer oder gar der Ozean sein. Doch halt: Bevor das Floss zu Wasser gelassen wird, sollte man sich noch eine Haarsträhne  und einen Fingernagel abschneiden und als Beigabe ins Bananenboot legen, vielleicht noch eine Münze und ein kleines Nahrungsmittel hinzufügen. Muss aber nicht sein. Dann Kerze und Räucherstäbchen entzünden und alles dem Spiel des Wasser übergeben.

Die dunklen Wasserflächen werden dank der leuchtenden Kerzen in den Krathongs zu schwimmenden Lichtergärten, die langsam mit dem Wasser dahinfliesssen; während auf den Meereswellen das Lichterspiel unter Umständen nur von kurzer Dauer ist.

Mit dieser Zeremonie erweist der Thai der Flussgöttin Phra Mae Khongkha die Ehre, zollt ihr Respekt und bittet um Verzeihung. Der Monsun hat den benötigten Regen gebracht, der Fluss hat das Wasser transportiert und man ist von Katastrophen meist verschont geblieben.
Mit den kleinen Bananenbooten sollen Ärger und Groll, Verunreinigung der Seele, aber auch die persönlichen Sorgen und Nöte dahintreiben, entschwinden. Liebespaare trauen den kleinen Flössen ihre geheimen Wünsche an. Mit dem Lichterfest beginnt ein neuer Start ins Leben. Und so schaukeln zu Loi Krathong ungezählte Lichter auf dem Wasser dahin, driften mit dem Erlöschen der Kerzen ins Dunkel der Nacht.

Wasser ist das Symbol des Lebens und ist in der nun zurück-liegenden Zeit des Monsun reichlich geflossen. Und so endet mit dem Lichterfest Loi Krathong - zumindest kalendarisch - die jährliche Regenzeit.

Der Autor dieser Zeilen wollte im vergangenen Jahr der Fluss-Göttin seinen Respekt zollen; an diesem Abend war es zwar dunkel, doch alles andere als ein freundliches Wetter. Ein heftiger Wind bliess aus den Weiten des Indischen Ozeans auf die Insel, die Wellen erreichten Höhen bis zu zwei Metern. Nach ungezählten Versuchen gelang es, Kerze und Räucherstäb-chen zu entzünden. Die Streichholzschachtel war längst aufgebraucht, das Feuerzeug eines anderen Besuchers half weiter. Die Beigabe einer Haarsträhne musste mangels Masse entfallen, der Fingernagel wurde bei diesem Wetter einfach vergessen. Trockenen Fusses das Schiffchen dem Meer zu übergeben, war unmöglich. Bis zur Hüfte reichte schliesslich das Wasser. Wenn auch durchnässt, so blieb doch das gute Gefühl zurück, Phra Mae Khongkha an diesem stürmischen Abend - mit vielen anderen - gedacht zu haben.

Dieses Fest ist zwar kein offizieller Feiertag, doch es wird überall im Land begangen. Familien treffen sich in schöner Kleidung zu abendlichen Diners, nachdem zuvor die Krathongs dem Wasser übergeben wurden. In unterschiedlichen Regionen haben sich eigenständige Traditionen entwickelt. Hier werden die Krathongs aus Bananenblättern geformt, in anderen Teilen erfüllen Kokosnusshälften die Funktion. In Chiang Mai und Ayutthaya steigen hunderte, tausende kleiner Heissluft-Ballons in den Himmel, befeuert von kleinen brennenden Kerzen.

Ursprünglich ist Loi Krathong wohl ein Hindufest in Indien gewesen. Im Rahmen dieser Feierlichkeiten wurde die Göttin des Ganges gefeiert.
Eines der schönsten Feste in Thailand findet jährlich in den Tempelanlagen von Sukhothai – dem ersten thailändischen Königreich - statt. Hier hat die Tradition vor ca. 700 Jahren  ihren Ausgang genommen und ist, wie diese Geschichte zeigt, bis heute in Thailand lebendig.
 
August 2015
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.09.2015. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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