Iris Klinge

Leben auf dem Äquator

Die Franzosen mit ihren vielen ehemaligen Kolonien rund um den Globus haben ein Sprichwort, das ich immer wieder bestätigt sah:
„Plus cela change, plus c´est la mème chose »  - was bedeutet, je mehr sich etwas verändert, desto mehr ist es immer wieder dasselbe.

Dies trifft ganz besonders auf die Tropen zu. In früheren Zeiten  - z.B. als Albert Schweitzer nach dem 1. Weltkrieg nach Lambarene, Gabun zog, um dort ein Urwaldkrankenhaus zu eröffnen – war es für die Weißen extrem schwer, mit dem mörderischen Klima, der Mückenplage und den vielen Krankheiten zurecht zu kommen. Auch in Neu Kaledonien lebten die ausgewanderten Franzosen unter schwersten Bedingungen zusammen mit den dortigen Volksstämmen. Der Urwald schien überall die gleichen schlechten Bedingungen zu haben.
 
Im Jahr 1935 reiste der legendäre Ethnologe Claude Lévi-Strauss in die brasilianischen Tropen, um die dort lebenden Indianerstämme zu studieren. In seinem berühmten Buch „Die traurigen Tropen“ spricht er von den menschenleeren Tropen in Südamerika und den überbevölkerten Tropen auf dem asiatischen Kontinent.
 
Heute hat sich das Bild leider stark gewandelt. Der Urwald Amazoniens wird systematisch abgeholzt, um Weideflächen für die Rinder Brasiliens zu schaffen, deren Fleisch bis nach China exportiert wird. Immer mehr Menschen bevölkern die einst leeren Gebiete Amazoniens, seitdem quer durch den Urwald eine breite Autobahn von Ost nach West geschlagen wurde.
Claude Lévi-Strauss schreibt in seinem Buch:

„Meine Reisen führten mir den Schmutz vor Augen, mit dem wir das Antlitz der Menschheit besudelt haben. Nie wieder werden uns die Reisen diese Zaubertruhen voll traumhafter Versprechen und ihre Schätze unberührt enthüllen. Eine überreizte Zivilisation stört für immer die Stille der Meere. Eine Gärung von zweifelhaftem Geruch verdirbt die Düfte der Tropen und die Frische der Lebewesen.“
 
Dieser Text stammt aus dem Jahr 1955 als das Buch „Traurige Tropen“ erschien und Furore machte. Um wie viel schlimmer geht es heute in Afrika und Asien zu, wo schon lange das moderne Leben auf dem Äquator durch Überbesiedelung und Rodung der Wälder Einzug gehalten hat. Wer es sich leisten kann, der hat eine Klima Anlage und entgeht somit den vielen Gefahren der Tropenkrankheiten.
 
Das Leben auf dem Äquator ist ein ganz anderes, wenn es in 3000 m Höhe statt findet, so wie in Ecuador. Dort waren die Nächte kalt und nur die Tage heiß, wenn die Sonne schien. Als ich in Quito einen Vulkanausbruch miterlebte, und der Aschenregen eine Woche lang den Himmel verdunkelte, sanken die Temperaturen auch tagsüber stark ab, und das Leben kam zum Stillstand, weil der Präsident seinem Volk verbot, das Haus zu verlassen. Kein Auto durfte mehr fahren, um nicht die dicke Aschendecke auf den Straßen hoch zu wirbeln.
 
Nun verbringe ich den Winter nah am Äquator in Asien und werde mit den immer gravierenderen Problemen der Überbevölkerung konfrontiert. Die Wasserverschmutzung, die Müllberge mitten in der Natur sind die Folge von rücksichtslosem Bau Boom, um die Menschenmassen unterzubringen. Die Fische werden zunehmend in Agua-Kulturen gezüchtet, weil durch Überfischung immer weniger frei lebende Fische die Meere bevölkern. Die Antibiotika in der Fischzucht eingesetzt, belasten zusätzlich die Meere.
 
Für mich hat der Titel von Claude Lévi-Strauss´s Buchs „Traurige Tropen“inzwischen eine ganz andere Bedeutung bekommen.

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