Iris Klinge

Die Ya-ba Epidemie

Ya-ba bedeutet in der Thai Sprache so viel wie „verrückt, durchgeknallt“. So werden die kleinen, meist roten Tabletten genannt, die vor allem in Myanmar hergestellt und auf Schmuggelpfaden ins Nachbarland gelangen  - laut Polizei sind es inzwischen 180 Millionen pro Jahr. Bei uns ist die Party Droge unter den Namen Chrystal Meth oder Aquarust bekannt. Es sind Kristalle, die wie Zucker aussehen und leicht in Wasser aufgelöst getrunken werden können, wie gerade erst in Hamburg beim Konkress von Homöopathen geschehen. Ob die 29 Ärzte, die mit Halluzinationen ins Krankenhaus transportiert werden mussten, die Droge wissentlich oder versehentlich eingenommen hatten, ist noch ungeklärt.
 
Ya-ba Pillen bestehen aus Methamphetaminen und Coffein, wobei heute in Myanmar oft auch noch etwa 6% Heroin beigefügt wird, um die Wirkung zu verstärken. Ein Aroma aus Vanille soll  den Geschmack für Teenager attraktiver gestalten, denn leider ist diese Zielgruppe Hauptabnehmer der Droge, zumal sie billig zu haben und in Bangkok fast an jeder Straßenecke zu kaufen ist. Sie kann geschluckt oder auch pulverisiert werden, um dann erhitzt den Rauch einzuatmen.
 
Das Teufelszeug hat eine Wirkung von 6-10 Stunden nach der Einnahme. Die Menschen sind aufgeputscht und kommen kaum noch zum Schlafen. Je länger die Abhängigkeit dauert, desto mehr wird ihr Gehirn zerstört. Sie haben Verfolgungswahn und greifen zu Waffen, um sich gegen eingebildete Gegner zu wehren. So haben Mütter schon die Polizei alarmiert und sie gebeten, ihre Söhne fest zu nehmen, weil diese sie massiv bedroht hatten und jeden Tag mehr Geld forderten, um ihre Sucht zu stillen.
 
In den siebziger Jahren benutzten in Thailand vor allem Fernfahrer dieses Putschmittel, um länger auf den Straßen durchzuhalten. Doch nachdem sich unter der Droge die schweren Verkehrsunfälle häuften, verbot die damalige Regierung den Verkauf an den Tankstellen. Seitdem ist Ya-ba illegal.
 
Es wurden schon Kinder im Alter von 8 Jahren aufgegriffen, die von Ya-ba abhängig waren.  Wer einmal süchtig ist, wird zum Kurier, denn die Bezahlung erfolgt nicht in Geld sondern in Ware, was die Abhängigkeit garantiert.
 
2014 fanden insgesamt 33.000 Verhaftungen statt, ein Zuwachs von 700 % gegenüber dem Jahr 2008. Die Polizei kontrolliert jetzt vorwiegend die Nachtlokale und lässt die dort Anwesenden eine Urinprobe abliefern, um der Ausbreitung der Epidemie Einhalt zu gebieten. Jedoch ist dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Vor allem soll verhindert werden, dass die Touristen mit dieser Droge in Berührung kommen, doch diese Vorsichtsmaßnahme ist vergebens. Wie viele Ausländer in Thai Gefängnissen einsitzen, wird geheim gehalten. Eine britische  Reporterin, die mit einem Team der BBC vor Ort war und filmen wollte,  wurde mit fadenscheinigen Gründen abgewiesen. Man will kein Aufsehen in den Medien hervorrufen und die Verbreitung der Sucht unter den so dringend benötigten Touristen verhindern.
 
Wer von den jungen drogenabhängigen Männern Glück hat, kann in einem Kloster eine 15 tägige Rehabilitation machen. Die ersten 5 Tage verbringen die Junkies damit, nichts anderes als bitteren Tee zu trinken, der sie zum Erbrechen bringt. So sieht man die ausgemergelten Gestalten kotzend über einer Regenabfluß Rinne sitzend. Mit dieser Maßnahme sollen sie einen Teil des Giftes loswerden. Die restlichen 10 Tage müssen sie in Schwitzkammern in mit Heilkräutern angereicherter Luft das Gift aus ihrem Körper auszuschwitzen. Die restliche Zeit wird meditiert und gearbeitet  - das Kloster und den Garten sauber halten.
 
Dies ist ihre letzte Chance, wieder in die Gesellschaft integriert zu werden. Dass es den meisten gelingt, von ihrer Sucht los zu kommen, liegt sicher auch an der Hingabe der Mönche und ihrer buddhistischen Lehre.
 
 
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.10.2015. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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