Sie lag ganz friedlich im Gras, als ob sie schlief. Neben sich die Maus, die sie mir bringen wollte, bevor der Pkw sie überfuhr.
Ich hob sie in meinen Fahrradkorb, um sie nach Hause zu bringen. Sie war noch ganz weich und ihre Augen glänzten noch, weshalb ich sie erst am nächsten Tag begrub.
Tags zuvor lag sie noch zusammengerollt auf dem Sofa und streckte genüßlich ihre Krallen aus, als ich leise ihren Namen flüsterte.
Nach einer Woche wurde ich so unruhig, daß ich mich auf den Weg ins Tierheim machte.
Es war ein wunderbarer Frühlingstag und ich ging gebannt an den Gittern vorbei, durch die mich hunderte Augenpaare schweigend anblickten.
Die Leiterin des Tierheims erwartete mich schon und erklärte mir kurz die Bedingungen. Hier hatte sich jeder ihrem Diktat zu beugen. Ihre Mannschaft aus ehrenamtlichen Helfern hatte sie fest im Griff. Alle Einrichtungsgegenstände blitzten vor Sauberkeit.
Die Katzen waren in geräumigen Pavillons untergebracht, die auf dem weitläufigen Gelände zwischen blühenden Obstbäumen verteilt waren. Drinnen waren alte Teppiche ausgelegt und auf ausgedienten Sofas hatten sich die Tiere ausgebreitet. Jedes wie ein gemütliches Wohnzimmer im Freien.
In einen dieser Pavillons verfrachtete mich Frau K. nun und ließ mich mit den Tieren allein. Vorher steckte sie mir noch einige Katzensticks durch das Gitter.
Ich ließ mich gleich von der Anmut dieser geschmeidigen Wesen gefangen nehmen, die mich nun umgarnten.
Erst später fragte ich mich, ob ich nicht sogar meinen Finger gedankenverloren hinausgestreckt hatte, damit die Alte ihn prüfend betasten könnte...
Ich hätte ewig zwischen diesen anmutigen Geschöpfen verbringen können, doch irgendwann befahl die Chefin: „Besuchszeit zu Ende!“
Ich rappelte mich auf und brauchte eine Weile, um von meinem Katerdasein in die Realität zurück zu finden...
Verlegen verabschiedete ich mich von der Alten und meinte für einen kurzen Augenblick in geschlitzte Pupillen zu blicken...
Auf dem Nachhauseweg fiel mir auf, daß ich ja völlig vergessen hatte, mich für eine Katze zu entscheiden. Nun mußte ich die kostbare Zeit der unheimlichen Leiterin noch einmal in Anspruch nehmen! Um sie zu entschädigen, nahm ich eine Kiste Honig aus meiner kleinen Imkerei mit, obwohl die Honigernten damals oft mager ausfielen. Es kam immer wieder zu Völkerverlusten.
Frau K. nahm den Honig dankend an und geleitete mich in eine andere Voliere.
Auch hier erwarteten etliche Samtpfoten einen Leckerbissen. Die meisten verhielten sich jedoch trotzdem sehr scheu. Nur ein honigfarbener Kater machte es sich ganz zutraulich auf meinem Schoß bequem. Ein bildschönes Tier. Ich wußte sofort: Der ist es.
Ich sollte noch eine Woche warten, bis er gebracht wurde. Solange hielt ich nicht durch. Mit meinen letzten Honiggläsern verschaffte ich mir Zutritt zu meinem Liebling, um mich zu vergewissern, daß er nicht versehentlich woandershin vermittelt wurde.
„Aller guten Dinge sind drei“, sagte die Katzenmutter verständnisvoll.
„Ihren Honig habe ich übrigens an unsere Mitarbeiter verteilt. Ich tue mir abends immer einen Teelöffel davon in den Grog“ lächelte sie und es schien, als glühten ihre Augen kurz dunkelrot und geheimnisvoll... „viel Glück mit dem Kater und ihren Bienen.“
Mit meinem Löwenzahntiger bin ich dann auch wirklich ganz glücklich geworden. Er hat die ungewöhnliche Angewohnheit, sich manchmal auf meine Brust zu legen und mir direkt in die Augen zu schauen.
Irgendwie kommt mir dieser Blick bekannt vor...
Auf wundersame Weise gibt es seitdem jedes Jahr reichlich Honig. Frau K. bekommt davon stets ihren Anteil. Sicher ist sicher...
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.10.2015.
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75 Tage Donnerstag (Gedichte)
von Edith van Blericq-Pfiffer
Der Liebe kann man immer und überall begegnen, auch donnerstags; sie kündigt sich nicht an.
Sie ist von einer auf die andere Sekunde da. Sie kennt weder Gesetze noch Grenzen. Sie stellt augenblicklich alles und jeden auf den Kopf. Alter hat für sie keine Bedeutung. Allerhöchstens die von ihr Getroffenen fühlen sich mitunter in ihre Teenager-Zeit versetzt, verstehen sich selbst am wenigsten und fragen mit einem
Kribbeln im Bauch und ziemlich verwirrt: „Warum?“
Die poetische Antwort der Autorin, die hierbei auf Erlebtes zurückgreift, lautet hingegen: „WARUM NICHT!“
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