Winfried Hau

Gespräch unter Leichen

Es war einmal eine Leiche, die ihre Einsamkeit im Sarg nicht mehr ertragen konnte.
Es ist ja nicht so, dass man als Leiche wirklich tot ist, absolut fort, völlig aufgelöst. Der Leib zerfällt zwar, aber das, was man so "Seele" nennt, lebt weiter.
Und die Seele besteht zum größten Teil aus Ängsten.
"Kommt denn demnächst der Himmel, das Fegefeuer, die Hölle, die Wiedergeburt, oder das absolute Nichts?", das sind die ängstlichen Fragen, die unter der Erde eine viel größere Brisanz besitzen als oberhalb des Erdreiches, wo der Körper mit seinen Sinnen noch funktioniert 
Die Sinne lassen sich  gerne ablenken von solchen Fragen  durch Berufsroutine, Sex, Betrachten von Sonnenuntergängen, Urlaub am Meer, Jogging,...

Unter der Erde ist nichts sicherer als oberhalb. Schmatzende Maden geben keine Antworten und  keinen Trost.auf wirklich existentielle Fragen.
Vielleicht aber die Seele nebenan.

Also kroch die Seele unserer Leiche in den Sarg nebenan, wo sie eine Seele fand, deren Körper sich in einem ähnlich fortgeschrittenem Verwesungszustand befand wie der ihre.

Sie begannen miteinander zu reden, redeten und redeten, fühlten sich zunehmend noch einsamer und verlassenener als  zuvor- und die Ängste wuchsen.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.10.2015. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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