Winfried Hau

Polizeikontrolle

Herr W., 47, Filialleiter, verheiratet, zwei Kinder, fährt in den wohlverdienten Feierabend.

Ein Polizeiwagen hält ihn an. Zwei Beamte fordern die notwendigen Papiere, an denen es nichts zu beanstanden gibt.
Einer der Beamten fragt Herrn W., ob er etwas getrunken haben, was dieser, angeführt von einem kurzen Gelächter, verneint.

 Die Beamten blicken sich mit besorgten Mienen an.
"Sie haben wirklich nichts getrunken? Sie ertragen dieses Leben ohne Alkohol? Aber Sie nehmen doch sicher andere Drogen, Gras, Speed oder irgendsowas?
Herr W. verneint amüsiert: "Also wirklich nicht!"
Die Beamten blicken sich mit noch besorgteren Mienen an.

"Aha", sagt der Jüngere, "mal wieder ein Vertreter der Spaßgesellschaft! Sicherlich finden Sie dieses Leben alles in allem vollkommen in Ordnung. Die Ehe funktioniert, die Kinder sind erfolgreich in Schule, Beruf oder Studium und kerngesund. Sie selbst sind zufrieden mit Ihrem Job, haben alles erreicht, was in Ihren Möglichjkeiten stand. Es gibt keine großen Ängste, keine Zweifel am Sinn des Lebens!"

Herr W. zuckt lächelnd mit den Schultern.
"Ja", so könnte man tatsächlich meinen Gemütszustand bezeichnen."

Die Beamten entfernen sich ein paar Meter von Herrn W. und beraten sich.
Herr W. versteht ihre Worte nicht, aber er sieht, dass sie heftig gestikulieren. Nach etwa fünf Minuten haben die Beamten einen Beschluss gefasst.

"Also", sagt der ältere Beamte zu Herrn W.:
"Diesmal wollen wir noch einmal ein Auge zudrücken. Wenn wir Sie allerdings noch einmal nüchtern und clean erwischen, dann ist nicht nur der Führerschein weg, sondern dann wartet auch ein Verfahren wegen oberflächlicher Lebensführung auf Sie. Und dann brauchen Sie schon einen verdammt guten Anwalt, um glimfplich davonzukommen. Haben Sie das verstanden?"

Herr W. will loslachen, aber die Gesichter der Polizisten zeigen richtige Wut, ja eigentlich Ekel, und ihre Hände erfassen die Gummiknüppel.
"Ja", flüstert Herr W. "Ich habe verstanden!"

Er startet den Wagen, drückt auf´s Gas.
An der nächsten Tankstelle kauft er sich eine Flasche Wodka und trinkt sie bis zur Hälfte leer. Schließlich wird ein unbescholtener Ehemann und Vater gebraucht.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.10.2015. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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