Andreas Rüdig

Geiz und Völlerei

Der Geiz ist die zwanghafte und übertriebene Sparsamkeit. In der katholischen Kirche gilt sie als zweite der 7 Hauptsünden.

Kommst du mit, Johannes?

Wo gehst du hin?

In den Puff; ich habe mal wieder Lust auf eine Frau.

Nein, danke. Ich habe zu Hause schon eine Frau, die auf mich wartet. Und im Zweifelsfall habe ich ja noch meine Gummipuppe.

Ganz schön kess, der Johannes, nicht wahr? Nur weil er verheiratet  und angeblich glücklich mit seiner holden Angebeteten ist, verzichtet er auf jegliches Vergnügen.

Ich vermute einen ganz handfesten Grund für seine Keuschheit und Abstinenz. Er ist nicht Herr im Hause und steht unter der Knute. Da muß es eine ganz schöne Ebbe in seinem Portemonnaie geben. Und ein Drachen, wie sie ist, wird er sie ja kaum um Geld für seinen Bordellbesuch bitten können, nicht wahr?

Sag mal, Johannes, würdest du denn mitkommen, wenn ich dich einlade?

Nein.
 

Feigling.

Stimmt. Ich bin aber aus gutem Grund so zurückhaltend. Du weißt, daß ich Ende nächster Woche einen runden Geburtstag feiere. Und da habe ich mal wieder Ausgang. Ich möchte meinen Geburtstag ganz groß feiern, mit viel gutem Essen, Wein, Sekt und Champagner. Und ich darf auch zu meiner Lieblingsnutte.

... Wie - du hast eine Lieblingsnutte?

Ja, natürlich. Wußtest du das nicht?

Nein, erzählt.

Meine Frau hat mir diesen Seitensprung erlaubt. Du weißt ja selbst, wie Freudendamen sind. Sie wollen verwöhnt werden ohne Ende. Daher hält mich meine Frau kurz. Sie möchte sicherstellen, daß ich nicht zu viel Geld für ihre Nebenbuhlerin ausgebe, wir dann mit unserem Geld nicht über die Runden kommen und am Ende des Monats am Hungertuch nagen müssen...


Die Völlerei wird auch als Freßsucht, Schwelgerei, Gefräßigkeit, Maßlosigkeit und Unmäßigkeit bezeichnet. Das üppige und unmäßige Essen und Trinken ist damit gemeint. In der Lehre der katholischen Kirche wird man damit Gott gegenüber und seiner Gabe des Lebens undankbar. Dementsprechend handelt es sich hierbei um die sechste der 7 Todsünden. Die Strafe für Völlerei ist die Verbannung in die Hölle und das Erleiden ewiger Schmerzen.

Ich hätte auf meinen Freund hören und mit ihm schon eine Woche vor meinem Geburtstag in den Puff gehen wollen. Die Feier mit meiner Lieblingsnutte war ein voller Reinfall. Zum Geschlechtsverkehr ist es gar nicht erst gekommen. Das Essen, das wir vorher genossen haben, war sehr nahrhaft und reichhaltig. Es war auch so üppig, daß mir anfangs ziemlich übel war. Kaum, daß sich das Sättigungsgefühl einsetzte, kam auch schon die Müdigkeit - und prompt war ich eingeschlafen. Die Dame meines Herzens habe ich also völlig umsonst bezahlt - von ihren Bemühungen habe ich schließlich nichts mitbekommen.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.11.2015. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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