Barbara Schmid

Stimmen im Kopf

Ich sitze hier im dunkeln auf einer einsamen, verlassenen Bank. Mein Kopf fühlt sich an als wütete ein Sturm darin. Mir ist schwindlig und mein Magen droht an, mein letztes Mahl wieder auszuwerfen. Tief ziehe ich den heissen Rauch in meine kaputte Lunge. Ein Hustenanfall überkommt mich schon wieder, doch ich unterdrücke ihn wie so vieles in meinem Leben. Der Rauch zieht an meinem Gesicht vorbei und ich könnte schwören, dass ich sein Gesicht in einer Wolke sah. Er grinste mich an wie so oft. Dieses Grinsen werde ich niemals vergessen, denn es hat sich in meine Netzhaut eingebrannt. Ich hasse ihn! Ich hasse ihn dafür was er alles getan hat. Ich habe mir schon etwa tausend Ideen ausgedacht wie ich ihm alles heimzahlen kann. Doch leider bin ich nicht der Typ Mensch der dazu fähig wäre. So grausam kann und will ich nicht sein. Dann wäre ich nicht besser als er.
Meine Seele brennt vor verlangen nach ihm. Sein Geruch trage ich immer noch in meiner Nase herum und ich fühle immer noch seine Babyweiche haut unter meinen Fingern und jedes Mal wenn ich die Augen schliesse, dann sehe ich seine haselnussbraunen Augen vor mir. Die Augen die tiefer sind als jedes Meer auf unserer Welt. Ich habe mich mehr als einmal in diesen Augen verloren. Wenn ich nur an ihn denke dann randaliert mein Magen und in meinem Kopf schreien tausende von Stimmen immer nur seinen Namen. Ich kann nicht mehr. Ich bin der Stimmen müde. Warum hat mein Ka dafür gesorgt das ich ihm über den Weg laufen musste? Warum kann man liebe nicht einfach abschalten. Gibt es keinen Notfallschalter der man umlegen kann wenn das System überlastet wird? Doch, einen gibt's. Aber der kann man nur einmal benutzen und ich bin bereit dazu. Ich ziehe meine Kopfhörer über und drehe die Musik bis zum Maximum auf. Tränen steigen mir in die Augen, doch ich wische sie weg. Ich habe nie in meinem Leben geweint und jetzt will ich nicht damit anfangen. Ich nehme meinen letzten zug und schmeisse den Filter weg. Dann öffne ich meinen Rucksack und hole meine clock19 heraus, entsichere und überprüfe sie nochmals. Sieht alles in Ordnung aus. Ich betrachte zum letzten Mal den Sonnenuntergang, lege den Lauf an meine Schläfe, atme tief ein und drücke ab.....

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.06.2003. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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