Christa Astl

Esel Felix beim Nikolaus



 
Heute ist Nikolausabend. Am späten Nachmittag kommt der Nikolaus in die Kirche. Die Kinder sind schon ganz aufgeregt. Im Kindergarten haben sie Lieder und Gedichte gelernt, und daheim üben sie fleißig, dass sie dem Nikolaus etwas vorsingen oder aufsagen können.
Nori geht noch nicht in den Kindergarten, aber den Nikolaus möchte er auch gerne sehen. Also fragt er die Oma, ob sie mit ihm zur Kirche geht. Die Mama hat diesmal keine Zeit.
Schnell ist er in seine Stiefel geschlüpft, hat den Anorak zur Oma gebracht, dass sie ihm anziehen hilft, alleine geht es doch noch nicht so gut. Da fällt ihm ein, der Felix möchte auch mit! Felix ist ein Esel, eigentlich eine Handpuppe, weil man mit der Hand in seinen Bauch hinein schlüpfen kann. Wenn man den Zeigefinger in den Kopf vom Felix steckt und den Daumen und den Mittelfinger in die beiden Arme, kann Felix nicken, den Kopf schütteln und mit den Händen etwas halten. Und reden kann Felix natürlich auch, wenn ihm die Oma ihre Stimme leiht. Dieser Felix hat gesagt, dass er den Nikolaus auch sehen möchte. Ob er überhaupt mit den Kindern und den großen Leuten in die Kirche darf? Nori nimmt ihn ganz einfach mit, er kann ihn ja immer noch unterm Anorak verstecken.
Beim Gehen schlüpf Nori in den Esel, er ist so warm wie ein Handschuh. Die andere Hand darf die Oma wärmen. Am Platz vor der Kirche stehen schon viele Leute, auch die zwei Engel, die den Nikolaus begleiten, hat man schon kurz gesehen. Die Kirchturmuhr schlägt fünfmal, gleich wird er kommen. Die Engel sind fort, aber nicht lange danach kommen sie - und mitten zwischen ihnen schreitet der Nikolaus, den schönen Bischofsstab und das dicke Buch in seinen Händen. Der Pfarrer begrüßt ihn und gemeinsam gehen sie den Berg hinauf in die Kirche. Der Nikolaus wartet, bis alle Leute in der Kirche sind, und kommt als letzter herein.
Ein paar Musikanten spielen eine Weise, während der Nikolaus nach vorne zum Altar geht. Alle singen ein Willkommenslied. Der Pfarrer erzählt, wer der Bischof Nikolaus früher war, warum er ein Heiliger ist, und fragt die Kinder, ob sie brav waren, besonders aber, ob sie nicht gelogen haben. Ganz still ist es.
Die Erwachsenen singen nun das Adventlied. Dann tritt der Nikolaus wieder hervor und lädt alle Kinder ein, zu ihm nach vorne zu kommen, dass sie von ihm einen Apfel bekommen. Auch Nori stellt sich an, geht aber nicht zum Nikolaus, sondern läuft gleich zur Kiste, sucht sich den schönsten Apfel aus und beißt herzhaft hinein. Die Oma konnte gar nicht so schnell schauen, schon klettert Nori wieder zu ihr in die Bank. Der Esel Felix blickt erstaunt, was der Bub Gutes hat. Leise stupst er ihn an und sagt zu Nori: Ich möchte auch was! Aber der hört es nicht, denn nun singen alle ein bekanntes Nikolauslied.
Viele Äpfel sind noch in der Kiste übrig, sind denn so wenige Kinder gekommen? Die Kirche hat noch viele leere Plätze, stellt Nori fest, und Oma erinnert sich, dass sie damals immer ganz voll war, als ihre Kinder so klein waren.
Weil so viele Äpfel übrig sind, teilen die Engel noch welche an die Erwachsenen aus. Oma hört, wie Felix wieder bettelt, aber Nori hat seine Hände voll mit seinem Apfel. Da nimmt die Oma den Esel, schlüpft hinein, und als sie ihren Apfel bekommt, darf ihn Felix mit seinen beiden Pfoten nehmen. Die Engel lächeln, und Felix verneigt sich ganz höflich und dankbar.
Am Dorfplatz verabschiedet sich der Nikolaus von den Kindern. Jedem gibt er die Hand. Auch Nori geht hin und sagt: "Pfiat di!" und dann sagt er noch: "Danke für den guten, süßen Apfel", und Felix winkt ihm zu. Da freut sich der Nikolaus.
 
ChA 05.12.15

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.12.2015. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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