Klaus Albers

Das Weihnachtsmeerschweinchen

Meine früheste Erinnerung ist die an meine Mama. Es war dunkel, feucht und kalt, aber sie hat mich und meine Geschwister gewärmt - bei ihr fühlten wir uns sicher. Leider ging die Zeit mit ihr viel zu schnell vorbei.
Der Mensch der einmal am Tag Gemüsereste, feuchtes Heu und Trockenfutter in unsere Kiste geworfen hat griff uns wortlos und steckte uns in eine Transportbox. Er brachte uns an einen Ort an dem es nach vielen verschieden Tieren und nach Futter roch …... wir wurden wieder gepackt und in einen Schaukäfig gesteckt. Das Einstreu hier war sauber und trocken und es war warm. Aber glücklich waren wir nicht. Es war viel zu hell und viel zu laut...... und keine Mama die uns beschützte.
Wir hatten keine Möglichkeit uns zu verstecken und drückten uns ängstlich aneinander und beobachteten die Menschen die den ganzen Tag an unserem Käfig vorbei liefen. Einige blieben stehen, klopften an die Scheibe und machten uns damit noch mehr Angst.

Eines Tages griff der „Futtergeber“ nach mir. Er nahm mich hoch, hielt mich an sein Gesicht und sagte: „ Du hast Glück du kleiner Bursche – es ist Heiligabend und du wirst ein Weihnachtsmeerschweinchen“ …..... und schon wurde ich wieder in eine dunkle Transportbox gesteckt ….... alleine ohne meine Brüder. Glück ist anders. Man ist dann nicht alleine. Und vor allem hat man dann nicht so schreckliche Angst wie ich in diesem Moment.

Ich wurde von dem Menschen der mich gekauft hat nach Hause gebracht. Unter einer prächtig geschmückten Tanne wurde mein Käfig aufgebaut. Einstreu, duftendes Heu und frisches Gemüse im Überfluß ….. und das Beste – ein kleines Häuschen in dem ich mich verstecken konnte. War es vielleicht doch gut ein Weihnachtsmeerschweinchen zu sein ?

Nein. Es wäre zu schön gewesen. Die nächsten Tage waren der Horror. Dauernd rüttelte jemand aus der Familie am Käfig oder wollte mich auf den Arm nehmen.
„ Das Meerschweinchen ist doof. Das versteckt sich ja nur“ sagte der kleine Junge dessen Geschenk ich war enttäuscht. Das Interesse an mir ging schnell verloren …... damit aber leider auch das Interesse daran mich zu füttern und meinen Käfig zu reinigen. Bereits nach wenigen Wochen wollte die Mutter des Jungen meinen Käfig nicht mehr in der Wohnung haben. Ich wurde in die Garage ausquartiert.

Hier lebe ich jetzt schon den größten Teil meines Lebens. Futter gibt es jeden Tag …....auch Einstreu wird auch ab und an gewechselt. Aber ich bin alleine und vergessen. Es ist wieder dunkel, feucht und kalt. Aber es ist kein anderes Schweinchen da das mich tröstet und wärmt. Das einzige was ich habe ist die Erinnerung an meine Mama und meine Geschwister. Es ist ganz bestimmt kein Glück ein Weihnachtsmeerschweinchen zu sein ….......

Autor: Klaus Albers

Verschenkt keine Tiere zu Weihnachten.
Die Anschaffung eines Tieres sollte gründlich überlegt werden und nicht spontan oder aus einer Laune heraus erfolgen. Informiert euch vorher gründlich über die Bedürfnisse des Tieres ….... Tierschutzvereine beraten und informieren euch gerne.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.12.2015. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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