Die Erde, ein Planet voller Leben und wir sind mitten drin. Die Menschen verbrauchen täglich immense Rohstoffe und die Ölfirmen suchen immer an neuen Orten nach Erdgas und Öl. Bereits 1863 wurde auf Java und weitere Indonesische Inseln Ölvorkommen gefunden. Und im Jahre 1888 wurde das erste mal erfolgreich Öl abgebaut. Man vermutet das etwa 830000 Tonnen Erdöl unter Java liegen.
Nun wollen einige Leute, darunter auch Selatan Huan, der Chef der Firma Laxinda, im Osten von Java nach Öl bohren.
Java beherbergt mehrere Vulkane und viele von ihnen schweigen schon lange. Allein schon in der Nähe der Hauptstadt Jakarta sind zwei Vulkane, die allerdings schon seit Jahrtausenden schweigen. Auch im Westen der Insel, sind einige schon seit mehr als drei Jahren inaktiv. Nur Mittel- und Ost-Java haben immer noch aktive Vulkane.
So auch der Gunung Merapi, der nördlich der Stadt Yogyakarta, liegt. Es ist ein sogenannter Schichtvulkan und somit wirft er, wenn er ausbricht, abwechselnd mal Lava und mal Asche aus. Dieser Vulkan wird seit den dreißiger Jahren von den Forschern überwacht, viele Einrichtungen existieren noch heute und teils auch die Geräte.
So sind auch zwei Forscher in Richtung des Berges unterwegs, der eine heißt Taman und der andere Yuda. Der ältere und damit erfahrenere ist Taman, der seinen Kollegen noch viele Tricks zeigen kann. Zuerst überprüfen sie die Messgeräte und Werte der Ausdrucke, ob sie noch die richtigen Werte zur Station übertragen. Dann packen sie das neue Gerät aus, was sie mitgebracht haben und suchen sich geeignete Orte am Vulkan aus.
Nach ein paar Stunden Fußmarsch erreichen sie den ersten Ort.
"So dann wollen wir das Ding mal anschalten", sagt Yuda.
"Das Ding heißt Seismisches Ortungsgerät."
"Ja, hast ja recht Taman."
Das Gerät erzeugt kleine Schwingungen und gibt damit einen Schall ab, es reflektiert Hohlräume im Inneren der Erde. So auch hier, die beiden sind verwundert. Was haben sie da per Zufall gefunden? Mehrere Stunden vergehen, während sie weitere Orte abklappern. Bei fast allen Orten, finden sie eine große Höhle unter dem Vulkan. Sie kommen zu dem Schluss, das es sich um eine riesige Magmakammer handeln muss.
"Oh man", sagt Yuda, "wenn sie aufbrechen sollte, haben wir ein sehr mächtiges Problem."
"Kennst du einen Vergleich, der dies beschreibt?"
Yuda überlegt und schüttelt dann mit dem Kopf.
"Du kennst doch den Tambora!", sagt Taman.
"Ja. Da war doch vor über hundert Jahren ein Vulkanausbruch, wo zehntausend Menschen direkt und siebzigtausend Menschen an den Folgen starben."
"Stimmt, und weißt du, worauf wir uns gerade befinden?"
"Auf einer gleichen Magmakammer?"
"Nein, auf einer dreimal größeren und wenn sie Explodiert, dann sterben Millionen von Menschen", sagt Taman zu Yuda. "Yogyakarta wird definitiv nicht mehr existieren."
Der in die Jahre gekommene Bima Supaman lebt schon seit Jahren am Berg Merapi und dreimal musste er damals den Berg und sein Haus, mit seiner schon verschiedenen Frau verlassen. Immer wieder besteigt er den Berg, und gibt ihm ein Opfer, damit er sein Haus in ruhe lässt. Es klappt, auch andere Anwohner nutzen dieses Ritual.
In ein paar Tagen ist es soweit, da will er wieder den Berg besteigen und sein Opfer darbieten. Er hat schon alles besorgt, was er brauch und hofft damit, die Götter milde zu stimmen.
Ein Mann erscheint an seiner Tür und fängt gleich ohne ein Hallo zu sprechen an.
"Wir haben erhöhte seismische Aktivitäten festgestellt und sie sollten sich auf eine mögliche Evakuierung vorbereiten."
Der Mann verschwand wieder um andere Vorzuwarnen. Also ist es wieder so weit, das sie es für möglich halten, das er ausbricht. Wenn man all die Jahre auf dem Berg lebt, spürt man oft leichte Beben, aber nur selten kommt so eine Warnung. Dies bedeutet, das es wieder Gefährlich wird. Aber Bima ist es Leid, sein Haus für längere Zeit zu verlassen. Er hat nichts mehr, außer seinen Sohn Eko Supamanputra, der in Yogyakarta lebt.
Mitte April, mehrere Wochen nach der Bekanntgabe einer möglichen Evakuierung, wird Bima durch eine laute Druckwelle aus den Schlaf gerissen. Er fällt quasi aus dem Bett und sitzt durch den Schock aufrecht im Bett. Was war passiert, bis ihm Dämmert was los ist. So ein Geräusch hat er seit fast zwanzig Jahren nicht mehr gehört und des wegen wusste er es im ersten Moment nicht. Er steht auf, geht auf die andere Seite des Hauses und schaut dort aus dem Fenster. Es ist zu dunkel, um etwas zu sehen und ein Blick auf die Uhr bestätigt es. Kurz vor vier Uhr ist es, in etwa zwei Stunden kommt die Sonne über den Ausläufern des Berges. Zum schlafen kommt er nun nicht mehr, es ist nun zu Gefährlich den Berg zu besteigen, um das Opfer darzubieten. Auf jedenfalls wird er den Berg beobachten und eine günstige Zeit abwarten, bis zum Gipfel wird er nicht mehr kommen. Aber er will versuchen so nah wie möglich das Opfer zu bringen, um den Gott des Berges zu besänftigen.
Bima geht in die Küche, setzt ein Topf Wasser auf und bereitet das Frühstück vor. Wenn man so lange wie er, an einem aktiven Vulkan lebt, wird es vollkommen normal und kann das Getöse ignorieren. Seine Eltern lebten hier, sein Sohn wuchs hier auf, bis er runter in die Stadt zog und er wird hier auch wohl sterben.
Die Nachbarn bringen immer Lebensmittel aus der Stadt mit, die er hier im Dorf nicht bekommt. Das erleichtert ihm das Leben und wenn er hier wegziehen würde, könnte er so nicht leben, da er alles selbst machen müsste. Er kennt es von seinem Sohn, zwei Jahre hat es gedauert, bis er sich mit seinen Nachbarn verstand. Aber noch ist es nicht so wie hier, wo man sich ohne ein Wort zu wechseln, sich sofort verstand.
Die Sonne erklimmt langsam den Himmel, die Helligkeit erobert die Finsternis, ein neuer Tag ist geboren. Der gealterte Bima hat gerade Gefrühstückt und wäscht nun ab. Es ist zum Glück nicht viel, da er alleine lebt. Früher haben seine Frau und er die Arbeit im Haushalt geteilt, nun ist er allein. Jeden Tag putzt er, macht die Wäsche und den Nachmittag sitzt er entweder im Garten oder auf einer Bank an der Straße, wo er mit anderen Bewohnern über dies und das redet.
Der Abwasch ist erledigt und weicht nun von seiner Routine ab. Er geht hinter das Haus und schaut den Hang hoch zum Berg. Eine graue Rauchwolke strömt aus dem Vulkan, sie ist nicht höher als achtzig Meter, was nicht gerade ungewöhnlich ist. Alle paar Jahre bricht er aus, aber nur alle zwanzig Jahre wird es ungemütlich. Er ist langsam fällig, entweder dieses, oder die nächsten drei Jahre. Aber eines darf Bima nicht vergessen, das Opfer dem Berg zu geben, damit er sein Haus und das Dorf in ruhe lässt.
Der Tag verlief soweit ruhig und der Vulkan entlud sich sanft. Bima hat den Tag im Haus verbracht, den Vulkan hat er fast vergessen. Ursprünglich wollte er die Wäsche draußen aufhängen, aber das hat einen Nachteil, der Staub des Vulkans würde sie gleich wieder dreckig machen. Des wegen hing er sie im Haus auf und geht nach der ganzen Arbeit auf den Markt.
Während er über den fast täglichen Markt wandert, trifft er viele bekannte Leute, die ihre Waren aus Yogyakarta mitbringen, wo ihr Hauptgeschäft ist. Allerdings verlangen sie hier oben meist paar Rupien mehr, da sie noch den Sprit mit einberechnen. Er stellt auch fest, nach dem er von einem Markthändler angesprochen wurde, das der Rauch aus dem Krater eine fünffach höhere Auswurfhöhe als gestern erreicht hatte.
Die Zeit rennt davon, denkt sich Bima, er muss die Tage auf den Berg. Auch wenn es nur die Hälfte ist, sollte es den Berg etwas besänftigen.
So wandert Bima weiter durch die Gänge und kauft sich das, was er benötigt. Unterwegs trifft er noch weitere Bekannte, mit denen er sich unterhält. Sie alle sind in Sachen Vulkan abgehärtet, nur die jüngeren, die es nicht kennen, geraten schnell in Panik.
Am nächsten Tag passierte nicht viel, zwar kommt immer noch Rauch heraus, aber das ist alltäglich bei einem Vulkanausbruch.
Nun ist der zweiundzwanzigste April und Bima hat sein Reiserucksack und sein kleines Zelt geschnappt. Er will heute sein Opfer darbringen. Er geht am frühen Morgen los und hofft das er heute Abend wieder auf dem Rückweg ist. So bepackt wandert er den halben Tag und zur Mittagszeit schlägt er sein Lager auf, um sich eine Mahlzeit zu kochen. Er hat etwas Mühe die Dose aufzubekommen, aber nach paar gefühlten Minuten schafft er es doch noch.
Als er gerade fertig mit dem Zusammenpacken war, spürt er, wie ihm der Boden unter den Füßen weggerissen wird. Ein Erdbeben erschüttert die Region um den Vulkan und mehrere teils stärkere und auch schwächere Beben folgen. Insgesamt neun Beben werden gezählt, und Bima hat mühe aufzustehen, da er beim Fall sein Knie etwas Blutig geschlagen hat. Aber er schafft es, rafft seine Sachen zusammen und macht sich auf den Weg zum Gipfel. Er hat durch dieses Manöver viel Zeit verloren und wird wohl erst Morgen Abend zurück sein.
Am frühen Morgen des nächsten Tages, fährt ein Bus in das Dorf von Bima. Mehrere Busse fahren so zu jedem Dorf an den Hängen des Berges. Ihre Aufgabe ist es, ältere Menschen und Kinder zu evakuieren.
Der Bus hält vor Bima`s Haus und der Fahrer hupt, als keine Reaktion erfolgt steigt der Fahrer aus und geht zu dem Haus rüber. Er klopft mehrmals an und gibt dann auf. So geht er zu dem Bus zurück und zeichnet ein Fragezeichen auf seinen Bogen. Sollen sich andere darum kümmern, es sind noch einige Häuser abklappern, wo ältere und Kinder abzuholen sind.
Mit der Zeit füllt sich der Bus immer mehr, aber nicht alle steigen bereitwillig ein. Es gibt oft so Szenen, wie jetzt auch, wo der Mann stur ist und nicht weg will. Aber die Frau wird hysterisch und will ihren Mann mit Geschrei und wildes Gezerre in den Bus bekommen. Beide Geschlechter haben ihre eigene Masche, den anderen Gefügig zu machen.
Der Busfahrer hat da auch keine Lust stundenlang zu warten, solche Szenen sind meistens Endlos. Er ermahnt sie und da es nicht funktioniert, schließt er die Türen und fährt ein Stück vor. Keine Reaktion von den beiden Personen, also bleibt ihm nichts anderes übrig, als sie stehen zu lassen. Falls eine Endgültige Evakuierung von Nöten ist, werden sie dann mitgenommen.
Bima kommt immer näher an den Vulkan heran, der Wind weht in dieser Jahreszeit meistens aus Westen und bringt regnerisches Wetter mit sich. So lange er den heißen hellen Staubgasgemisch nicht zu nah kommt ist alles gut. Nur noch paar Meter, dann hat er es geschafft. Er freut sich schon, das er gleich wieder vom Berg kommt und dann passiert etwas, woran er nicht dachte. Der Wind dreht sich, normalerweise passiert dies erst Anfang Mai und nicht Ende April. Jetzt muss er das Ritual schnellstens beenden, er legt das Opfer auf den Boden des Vulkans, kniet sich hin und fängt an zu beten.
Der heiße Rauch umschließt ihn und lässt seine Lunge brennen, zumindest denkt er es. So muss er das Gebet abbrechen und schnellstens den Berg verlassen. Er bekommt immer schlechter Luft, er kann nichts sehen, seine Augen schmerzen durch den beißenden Qualm. Die Lungen füllen sich nun mehr mit Gasen aus den Vulkan als mit Sauerstoff und so bricht er zusammen. Verliert das Bewusstsein und nach mehreren qualvollen Minuten stirbt Bima. Seine letzten Gedanken waren:
"Das tue ich für dich mein Sohn Eko."
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.01.2016.
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