Il poliziotto (39) (Der Polizist
Schneidig sah er aus auf dem Foto des Singleportals – und er suchte ab 35 bis 55. Trotz meiner
Schnapszahl 60 setzte er sich per Chat mit mir in Verbindung. Ob er gesehen hätte, dass ich 60 bin
und nicht in Mailand wohne. Aha – nicht in Mailand –er wohne entweder in der Polizeikaserne oder bei
den Eltern. Seine eigene Wohnung in Mailand Nord stehe zum Verkauf, da er sich vor ein paar
Monaten von seiner Freundin getrennt habe. Da ich aber 2-3 Mal im Monat in Mailand bin, war er sehr
interessiert mich zu treffen. Sein Vorschlag – Motel. Ich versuchte ihm klar zu machen, dass ich ihn
vorerst einfach mal treffen würde – unverbindlich – zu einem Drink.
Massimo – so hiess der Poliziotto – holte mich dann am Bahnhof Mailand ab. Er erkannte mich sofort.
Offenbar entspricht mein Foto auf der Single-Plattform einigermassen der Realität. Ich hätte ihn nicht
auf Anhieb erkannt, aber er steuerte geradewegs auf mich zu. Nach zwei Begrüssungs-Küsschen
schlug er vor, dass wir zuerst etwas essen gehen. Ja gerne – natürlich – es war ja Mittag. Er lotste
mich noch in der Mailänder Bahnhofhalle geradewegs zum ersten Schnell-Imbiss und fragte mich, was
ich essen möchte. Von all den Fastfood Angeboten sagte mir lediglich der Fruchtsalat in der
durchsichtigen Plastikdose zu. Während er sich in die Reihe stellte, setzte ich mich an ein freies
Tischlein – übersät mit Brosamen vom Vorgänger. Kurz darauf gesellte er sich zu mir und stellte mir
den Fruchtsalat in einer Papiertüte vor die Nase. Während ich noch mit dem Oeffnen der Packung
beschäftigt war, hatte er schon sein Sandwich hinuntergeschlungen. Das wäre eben ein
Polizistenmittagessen, meinte er.
„ Und – c`è feeling?“ fragte er. Er meinte wohl, ob er mir gefällt. „Non lo so ancora“, erwiderte ich
ausweichend und versuchte ein Früchtestücklein mit dem viel zu kleinen Löffel aus der Plastikdose zu
fischen. „Warum er sich von seiner Freundin getrennt habe, wollte ich wissen. „Non siamo andati
d`accordo“. Ich sah seinen verbissenen Mund, sein gequältes Lächeln – alles klar, sie hat ihn
verlassen. Mit ihm würde ich mich wohl auch kaum verstehen – und im Strassenverkehr (er war bei
der Polizia stradale) möchte ich mich schon gar nicht mit ihm anlegen.
Auf dem Weg zu seinem Auto – einem älteren VW Passat – fragte er mich, ob es mir recht wäre in ein
Motel zu gehen.“ Aber nicht jetzt - vielleicht nächstes Mal – oder Du könntest doch mal nach Zürich
kommen“, erwiderte ich abermals ausweichend. „ Also was willst Du jetzt machen?“, fragte er
ungeduldig. „In der Innenstadt muss ich in der Boutique Marina Rinaldi noch etwas erledigen – aber
den Corso Vittorio Emmanuelle kann man nicht mit dem Auto befahren“, meinte ich.
„Ich kann überall hinfahren“ verkündete er überheblich – natürlich mit seinem Sheriff Stern hinter der
Frontscheibe. Nochmals die Frage nach dem Motel. Erneut verneinte ich und erklärte ihm, dass dies
nicht ganz mein Stil ist. Zähneknirschend setzte er mich vor dem Eingang meiner Lieblingsboutique
ab.
.
Er wollte schnell sein Auto in der Kaserne parkieren und mich dann im Pub an der Piazza San Carlo
wieder treffen. Inzwischen stöberte ich bei Marina Rinaldi herum und ergatterte dank des starken
Frankens ein Top, das in der Schweiz sündhaft teuer wäre. Anschliessend schlenderte ich zu unserem
Treffpunkt an der Piazza San Carlo. Anstelle von Massimo kam ein SMS: “Besser wir treffen uns nicht
mehr!“ Auch ich wünschte ihm alles Gute - atmete auf – und bestellte mir voller Genuss Ravioli con
Carcioffi und einen Insalata caprese. Selten habe ich ein Mittagessen so genossen, beobachtete die
Leute, die vorbeigingen und freute mich über meinen günstigen Kauf. Ich fühlte mich grossartig - trotz
der tierischen Hitze, die ich mit einem Gelati bekämpfte.
Uebersetzung: Non lo so ancora -:ich weiss noch nicht
Non siamo andati d`accordo – wir haben uns nicht verstanden
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.01.2016.
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