Christian Scheffel

Airfighter: Gipfeltreffen

 

Vorwort:

Diese Geschichte spielt im Anschluss an die Ereignisse aus „Hot zone“: Nach einem Drohnenanschlag in Green-Stone-Town auf den britischen Verteidigungsminister und das Airfighter-Team trifft sich President Brunt mit Abgesandten der britischen Regierung zu einem Gipfelkongress. Gerade sind erste Schritte getan, um das Vertrauensverhältnis zwischen der US- amerikanischen und der britischen Regierung zu erneuern, da kommt es zu einem desaströsen Anschlag durch Carl Schwartz auf den Gipfelkongress.

Gleichzeitig haben die Commodores Mitglieder aus dem Trainingscamp angeheuert, um Juan bei einer Team-Übung in den Bergen zu eliminieren, wo Juan ganz auf sich allein gestellt ist.

 

 


Gipfeltreffen

 

  • 1 –

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Hoch über Green-Stone-Town steigt die Ansicht zu Sektion Alpha empor, deren metallene Außenbereiche das Sonnenlicht glänzend vor dem Hintergrund des strahlend blauen Himmels reflektieren: als die Ansicht bis über die Glaskuppel am oberen Ende des zentralen Turmes aufgestiegen ist und sich ins Innere herabsenkt, sind hier Chris, Jessica und Bill zusammen mit President Brunt und vier Sicherheitsoffizieren am großen Konferenztisch zu sehen.

Brunt: „Von der deutschen Bundeskanzlerin gibt es keine Stellungnahme zu der verdeckten Operation des BND in der Wolf Gorge, offiziell hat es diese natürlich nie gegeben.“

Chris: „Und wieso Schwartz einen deutschen Stealth-Flieger in der Gorge abschießen ließ, bleibt somit ebenfalls weiterhin ein Rätsel.“

Brunt nickt: „Leider ja, Commander.“

Brunt steht vom Konferenztisch auf und tritt zu dem großen Wandschirm, der zur Zeit noch deaktiviert ist: „Allerdings hat die britische Regierung auf mehr oder weniger inoffiziellen Kanälen durchsickern lassen, dass sie gern eine Unterredung mit den USA wünschten, unter anderem bezüglich Operationen des deutschen BND.“

Chris, Jessica und Bill sehen Brunt sogleich mit großen Augen an.

Jessica: „Auf mehr oder weniger inoffiziellen Kanälen?“

Brunt: „Offiziell ist der Dialog zwischen den USA und Großbritannien wie zu Deutschland, aber der MI6 hat dem CIA dieses Anliegen vorbei an den üblichen Irrungen und Wirrungen der Geheimhaltung zugespielt.“

Bill lächelt ironisch: „Selbstverständlich werden Sie hier nicht ins Detail gehen wollen, Mister President?“

Brunt bleibt ernst: „Selbstverständlich nicht. Aber danach hat der CIA dem MI6 eine eindeutige Bestätigungsgeste signalisiert, und seitdem läuft ein geheimer Austausch zwischen MI6 und CIA. Dieser mündet nun darin, dass der britische Verteidigungsminister Collin Bancroft hierher kommt, um mit mir persönlich in Dialog zu treten.“

Das Gesicht Collin Bancrofts wird jetzt auf dem großen Wandschirm angezeigt: Collin ist schlank, hat markante Gesichtszüge und rotblonde Haare.

Chris, überrascht: „Mister Bancroft muss inoffiziell hierher reisen, denn ansonsten kommt der wahre Hintergrund Ihrer Gespräche schnell ans Licht!“

Brunt: „Genauso ist es: Mister Bancroft wird unauffällig auf dem Green-Stone-Airport eintreffen und sicher zum ehemaligen Truppenübungsgelände eskortiert werden. Von dort aus können wir ihn mit einem Senkrechtstarter, ohne Aufsehen zu erregen, hierher befördern.“

Chris: „Kein Airfighter-Einsatz, Mister President?“

Brunt: „Nein, diesmal nicht, Commander. Es muss so unauffällig wie möglich ablaufen. Und wir haben immer noch keine Anhaltspunkte darauf, ob der BND über weitere geheime Horchposten in der Umgebung von G.S.T. verfügt.“

Bill: „Police-Airbase_002 hat auf jeden Fall die routinemäßige Scanabtastung der Umgebung intensiviert, versichert uns Captain Towers.“

Brunt: „Ja. Leider haben unsere Leute beim Durchforsten der Wolf Gorge bisher noch nichts Intaktes zwischen den Gesteinsmassen finden können.“

Chris: „Sollten wir bei Mister Bancrofts Ankunft anwesend sein, Mister President?“

Brunt: „Darum möchte ich Sie bitten, und dass Sie ebenfalls bei der Eskorte dabei sind.“

Chris, Jessica und Bill nicken zustimmend.

 

  • 2 –

  •  

Tief in der dunklen Wolf Gorge durchkämmt gerade ein Trupp von CIA-Agenten vorsichtig die wuchtigen Felsen, die von dem Einsturz der Geheimanlage herrühren: eine elektronische Abtastung kann nach wie vor nicht erfolgen, da das massive Felsgestein stört. An einer Stelle, die der Trupp vor etwa zehn Minuten passiert hat, öffnet sich beinahe lautlos ein als Fels getarntes Schott in einigen Metern Höhe über dem Grund der Schlucht, und vier schwarze Drohnen kommen heraus geschwebt, die einen zylindrischen Rumpf und vier in 90°-Winkeln angeordnete Einsatzarme aufweisen – sie ähneln übergroßen, fliegenden Spinnen. Der CIA-Trupp ist gerade um einen weiteren Fels gebogen, so dass niemand mitbekommt, wie die Drohnen in die entgegengesetzte Richtung die Wolf Gorge entlang fliegen.

 

 

 

Inmitten des Green-Stone-Forests ist ein kleines Zeltcamp aufgeschlagen, das von mehreren Wachposten abgesichert ist: aus dem Wald steigen noch vereinzelte Nebelschwaden auf, und das frühe Sonnenlicht durchdringt die feuchte Waldluft in Form langer Strahlen. Aus den Zelten sind nach und nach die Inhaftierten aus dem Lager herausgekommen, unter denen sich auch Juan befindet. Der gewalttätige Ex-Cop ist auf ein bestätigendes Nicken mit einem der Aufseher hin zwischen ein paar Tannenzweigen verschwunden, um kurz auszutreten. Allerdings trifft er auf der anderen Seite der Tannen zwischen ein paar großen Felsbrocken auf den Mann, der kürzlich die Beute aus dem Transporterüberfall für die Commodores entgegengenommen hat.

„Sorgen Sie dafür, dass Juan Gutierrez von diesem Teamspiel nicht mehr zurückkehrt – und die Commodores haben einen sehr ansprechenden Posten für Sie im Angebot, Mister Mason!“

Er überreicht Mason einen Rucksack: Mason bemerkt mit einem zufriedenen Grinsen das nicht geringe Gewicht des Rucksacks.

Mason: „Was ist mit – nun ja, Kollateralschäden?“

„Solange Sie Juan Gutierrez ausschalten, ist alles vertretbar. Wir werden Ihre Abholgelegenheit organisieren, so dass Sie unbekümmert ein kleines Schlachtfeld hinterlassen können.“

Mason grinst mit böser Zufriedenheit: „Die Commodores können sich auf mich verlassen.“

„Unterschätzen Sie nur bitte Juan Gutierrez nicht, Mister Mason!“

Mason, abwertend: „Solche Jungs habe ich früher regelmäßig platt gemacht – ich habe da gewisse Erfahrung.“

Mit einem Nicken verschwindet der Mann wieder zwischen den Felsbrocken, während Mason seinen Rucksack hier zurücklässt und stattdessen mit dem gerade erhaltenen zum Lager zurückkehrt.

 

  • 3 –

  •  

Vom blauen Sommerhimmel senkt sich eine vermeintliche Passagiermaschine auf den Green-Stone-Airport herab und setzt zum Landeanflug an. Unauffällig steigt Collin Bancroft inmitten der Passagiere aus dem Flugzeug aus und mustert einmal kurz den Airport und den umliegenden Green-Stone-Forest; bei den vermeintlichen Passagieren der Maschine handelt es sich ausnahmslos um Bodyguards des Verteidigungsministers und britische Sicherheitsagenten. Bancroft und drei seiner Bodyguards steigen vor dem Airport in einen unauffälligen Wagen ein, der sie am Rande von Green-Stone-Town entlang zu einem Wanderparkplatz am Waldrand fährt. Hier stehen Chris, Jessica und Bill zusammen mit ein paar CIA-Agenten bereit. Bancroft und seine Sicherheitsbegleiter steigen aus, und Collin schüttelt Chris, Jessica und Bill mit einem sympathischen Lächeln die Hände: „Da fühle ich mich doch gleich noch sicherer.“

Sofort zeigt Collin aber wieder seinen konzentrierten Gesichtsausdruck, während alle anwesenden Agenten die Umgebung genau im Auge behalten. Mit zwei anderen Autos fahren jetzt alle vom Parkplatz aus über einen Waldweg, der zunächst an der Peripherie der Stadt entlang führt und dann in eine Seitenstraße mündet. Über wenig frequentierte, unscheinbare Straßen gelangen die beiden Autos am gegenüberliegenden Ende der Stadt zu einem weiteren Waldweg, der mit stetiger Steigung auf den mittlerweile überwucherten Berg mit dem ehemaligen Truppenübungsgelände hinaufführt.

 

  • 4 –

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Juan ist zusammen mit seiner Gruppe, die aus Mason, den vier Männern, die Mason schon zuvor mit ins Boot gezogen hat, Juan zu töten, und noch drei weiteren Männern besteht, am Rande einer breiten Schlucht angelangt: Hier ist ein Stahlseil vom einen Rand zum anderen gespannt, unter dem zunächst ein Gebirgsstreifen unten in der Schlucht zu sehen ist und am anderen Rande ein Gebirgsbach, der durch die Felsen nach unten rauscht.

Mason: „Also dann, hier ist dann wohl jetzt Teamwork angesagt!“

Die anderen vier haben Juan unauffällig umzingelt.

 

  • 5 –

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In der Einsatzzentrale von Police-Airbase_002 dreht sich der Offizier an der Überwachungsstation ruckartig zu Captain Towers: „Die Scanabtastung der Umgebungsüberwachung erfasst vier unregistrierte Energieechos, Captain!“

Towers reagiert sofort: „Senden Sie das Warnsignal, Lieutenant!“

„Aye, Sir.“

 

Im zentralen Turm von Sektion Alpha befindet sich in einer der nicht ganz oben gelegenen Etagen eine große Überwachungszentrale. Einer der hier arbeitenden Agenten öffnet gerade einen Funkkanal, indem auf dem kleinen Bildschirm vor ihm ein empfangenes Funksignal mit daneben angezeigter Frequenzauswertung angezeigt wird.

„Mister President, Police-Airbase_002 hat soeben das Warnsignal gesendet!“

 

In seinem Büro sitzt President Brunt hinter seinem großen Schreibtisch, wo er augenblicklich auf den eingehenden Funkspruch reagiert: „Schicken Sie sofort einen Deeskalationstrupp nach unten!“

Über Funk antwortet der Agent aus der Überwachungszentrale: „Aye, Mister President.“

Hinter Brunt bietet sich durch die große Panzerglasscheibe der Ausblick in den blauen Himmel.

 

Die beiden Autos fahren quer über den ehemaligen Truppenübungsplatz und halten dann mitten auf dem überwucherten Gelände an. Beim Aussteigen registrieren Bill und Chris die vereinzelten Brandstellen in der Umgebung, die noch von ihrem brutalen Kampf gegen einen der Robotpiloten des CIA herrühren. Als auch Bancroft die Brandspuren sieht, blickt er die beiden fragend an:

„Was um alles in der Welt ist denn hier geschehen?“

Chris: „Das ist eine lange Geschichte, Mister Bancroft.“

Bill: „Wir waren halt schon mal hier, müssen Sie wissen.“

Jetzt müssen Bill und Chris kurz grinsen.

Einer der CIA-Agenten weist in Richtung einer der verfallenen Baracken: „Von dort aus fliegen wir mit einem Senkrechtstarter zu Sektion Alpha, Minister. Wenn Sie bitte folgen wollen?“

Bancroft grinst: „Also ist Sektion Alpha tatsächlich nicht so einfach zu erreichen. Soviel hatte unser Geheimdienst auch schon herausgefunden.“

Während die CIA-Agenten vorausgehen, folgen Chris, Jessica und Bill dem Sicherheitstrupp um Collin. Plötzlich piepen die Watchcomms der drei, und Airfighter gibt über Funk durch:

„Vorsicht, ich habe vier unbekannte Ortungsechos erfasst, die sich eurer Position schnell nähern!“

Augenblicklich brüllt Chris nach vorn: „Alle runter, sofort!“

Und schon richten Chris, Jessica und Bill ihre Hochenergielaser in die Umgebung aus: die Agenten und Sicherheitsleute tun dasselbe mit ihren Automatikwaffen. In derselben Sekunde zischt ein blau gleißender Laserstrahl mit Lichtgeschwindigkeit einmal quer über den verwilderten Übungsplatz und durchbohrt gleich zwei Agenten auf einmal: hinter ihnen fangen die Büsche Feuer! Indem Chris, Jessica und Bill angestrengt das Areal mit ihren Blicken absuchen und die Agenten blind in die Richtung des Beschusses das Feuer erwidern, registriert Chris im Augenwinkel eine Bewegung: dort kommt eine der vierarmigen schwarzen Drohnen aus den Büschen geschwebt und schießt sogleich weitere Laserstrahlen ab.

Chris rollt sich zur Seite und schießt genau auf die Drohne, die jedoch präzise ausweicht und wieder hinter den Büschen verschwindet. Gleichzeitig halten Bill und Jessica die Richtung im Auge, aus der der erste Laserstrahl gekommen war. Hinter der Baracke taucht im selben Moment Airfighter im Tiefflug auf, der hier offensichtlich versteckt gestanden hat. Da taucht die dritte Drohne hinter einem großen überwucherten Stein auf und schießt ebenfalls brutal mitten in den Agententrupp hinein. Die Agenten und das Airfighter-Team erwidern das Feuer auf diese Drohne, die jedoch ebenfalls präzise ausweicht und wieder in Deckung schwebt. Sofort richten Chris, Jessica und Bill ihre Gewehre wieder in die verschiedene Richtungen aus, aus denen der Beschuss erfolgt ist.

Chris betätigt seinen Watchcomm:

„Airfighter, kannst du ein großes Energiestörfeld um uns alle aufbauen?“

Im Airfighter-Cockpit ist eine Skizze des Trupps um Collin Bancroft auf Bildschirm_1 zu sehen, sowie der vergebliche Versuch, darum herum ein Störfeld aufzubauen.

Airfighter: Negativ, Chris – die Drohnen senden ihrerseits EM-Störwellen aus, deren Interferenzen die Errichtung eines stabilen Feldes verhindern.“

Chris: „Sie sind auf alles vorbereitet!“

Ein weiterer blauer Laserstrahl zischt mit tödlicher Präzision mitten in den Agententrupp hinein.

Chris: „Dann senk dich vor dem Minister und seinem Sicherheitstrupp nach unten, um sie abzuschirmen, Airfighter!“

Airfighter: „Verstanden, Chris.“

Airfighter senkt sich im Gegenschub seiner Positionstriebwerke bis dich über den verwilderten Boden herab, so dass weitere Laserstrahlen an seinem Störfeld entkohäriert werden: jedoch bricht das Störfeld bei jedem Versuch Airfighters, es auszuweiten, immer wieder in sich zusammen. Erneut tauchen die drei Drohnen aus dem Gebüsch auf, und erstmals tritt auch die vierte in Erscheinung: alle vier nehmen die Baracke aus unterschiedlichen Richtungen unter Beschuss.

Airfighter: „Ich kann nur einen Teil des Beschusses abhalten!“

Chris brüllt Bancroft und den Agenten zu: „Raus da, sofort!!“

Obwohl Airfighter, Chris, Jessica und Bill das Feuer auf die reaktionsschnellen Drohnen erwidern, können sie nicht verhindern, dass diese die Baracke unter Dauerfeuer nehmen, bis die Wände zerplatzen und das Dach mit einem gewaltigen Schlag nach unten kracht: inmitten des donnernden Stoßes wird Airfighter zur Seite geschmettert und prallt seitlich auf den Boden, überschlägt sich und stürzt am Rande des Truppenübungsplatzes eine Böschung hinunter; auch der bereitstehende Senkrechtstarter wird weg geschmettert. Chris, Jessica und Bill blicken entsetzt in Richtung der aufsteigenden Staubwolke, indem sie aber unentwegt das Feuer auf die Killerdrohnen erwidern müssen.

Chris brüllt erneut: „Minister Bancroft, sind Sie noch da?!“

Nach ein paar Sekunden, in denen nur das Zischen der Laserstrahlen sowie die Brandherde auslösenden Einschläge zu hören sind, antwortet Collin: „Wir sind noch hier, Commander!“

Hinter der Staubwolke liegen Collin und die verbliebenen Agenten auf dem überwucherten Boden inmitten der allmählich abziehenden Staubwolke, als der erste der Agenten wieder aufsteht, um das Feuer zu erwidern: jedoch wird er sogleich von einem aus der Staubwolke schießenden blauen Laserstrahl frontal durchbohrt. Indem der aus dem Rücken des Agenten austretende Strahl im Hintergrund einen weiteren Busch in Brand setzt, fliegt dem Agenten sein Gewehr aus der Hand, das wiederum Collin reaktionsschnell auffängt, sich damit abrollt und jetzt selbst das Feuer in Richtung der Drohnen erwidert.

Chris ruft Bill und Jessica zu:

„Vielleicht können wir ja zur Abwechslung mal die Drohnen verwirren!“

Bills und Jessicas Blicke zeigen, dass sie verstehen, was Chris vorhat: Unerwartet ändern alle drei präzise ihre Schussrichtung, und keine Sekunde später nimmt jeder der drei eine andere Drohne als vorher unter Beschuss. Tatsächlich scheint das taktische Programm der Drohnen damit für einen Moment überfordert zu sein, so dass alle drei Treffer landen können: die Drohnen werden kurz von elektrischen Blitzen durchzuckt, und jeweils zwei der vier Arme fallen rauchend zu Boden. Dann jedoch haben sich die Drohnen wieder erholt und eröffnen aus den beiden verbliebenen Waffenarmen erneut das tödliche Laserfeuer. Chris nickt Bill und Jessica zu, und indem sie sich gegenseitig Feuerschutz geben, rennen sie durch die staubenden Trümmer der eingestürzten Ruine zu Collin Bancroft und den verbliebenen Agenten. Rücken an Rücken postieren sie sich hier zusammen mit dem jetzt ebenfalls bewaffneten Collin, so dass sie in vier Richtungen das Feuer der sie umzingelnden Drohnen erwidern. Inmitten des brutalen Lasergefechtes, bei dem die vier und der Agententrupp von allen Seiten beschossen werden und zugleich in alle Richtung das Feuer erwidern, stürzt sich plötzlich mit aufheulenden Triebwerken ein Kampfgleiter auf den Truppenübungsplatz herab, zieht dicht über den Köpfen aller wieder hoch, indem Unmengen an Staub und Blättern aufgewirbelt werden und drei Robotpiloten des CIA abspringen, deren schwarzmetallene Körper das Sonnenlicht glänzend reflektieren. Nach dem Aufprall brauchen die Robotpiloten keine zwei Sekunden, um sich zu positionieren, und in einem apokalyptischen Anblick eröffnen sie das präzise und gnadenlose Dauerfeuer auf die Drohnen: Maschine gegen Maschine haben die Robotpiloten die gleichen Reaktionsfähigkeiten wie die Drohnen und können deren Beschüssen ausweichen sowie zugleich präzise Treffer bei den Drohnen landen.

Chris blickt über die Schulter den anderen zu: „Okay, jetzt erledigen wir sie!“

Zusammen mit den Robotpiloten, deren Beschuss den Drohnen all ihre taktischen Fähigkeiten abverlangt, können das Airfighter-Team, Collin Bancroft und die verbliebenen Agenten präzise Treffer bei den Drohnen landen, und schließlich explodieren alle vier Killerdrohnen in Flammen speienden Feuerbällen, die weitere Brandherde auf dem überwucherten Truppenübungsgelände auslösen. Indem die Robotpiloten ihren Beschuss einstellen und sich in bewegungsloser Bereitschaft halten, überfliegt der Kampfflieger ein weiteres Mal den Übungsplatz, und der Pilot funkt das Airfighter-Team an: „Wie ist der Status?“

Chris: „Einige Agenten getroffen, Minister Bancroft ist aber noch unter uns.“

Bancroft nickt Chris bestätigend zu. Da taucht auch Airfighter wieder auf, der allerdings einige Beulen und Schrammen aufweist, und beginnt, die zahlreichen Brandherde überall auf dem Gelände im Tiefflug zu löschen.

Chris wechselt einen Blick mit Jessica und Bill: alle drei sind in Ordnung.

Chris tritt zu Collin: „Minister, Sie können sehr gut schießen!“

Collin: „Bevor ich in die Politik ging, hatte ich bei der British Army gedient.“

Bill, überrascht: „Das ist definitiv von Vorteil.“

Collin, mit ironischem Beiklang:

„Als Verteidigungsminister kann es nicht schaden, wenn man sich auch selbst verteidigen kann.“

Erneut meldet sich der Pilot des Kampffliegers zu Wort: „Sektion Alpha schickt Ihnen in wenigen Minuten einen neuen Senkrechtstarter zu – halten Sie sich in Bereitschaft.

Jessica weist auf die Robotpiloten: „Zum ersten Mal bin ich froh, dass wir auf derselben Seite stehen!“

Bill: „Oh ja, beim letzten Mal lief das hier oben deutlich anders!“

Chris: „Du sagst es.“

 

  • 6 –

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Juan und noch ein weiterer Mann hinter ihm hängen als letzte an dem Stahlseil, an dem sie die breite Gebirgsschlucht überqueren. Am anderen Rande der Schlucht wechselt Mason einen Blick mit seinen vier Komplizen und wirft ihnen jetzt schallgedämpfte Schusswaffen aus seinem Rucksack zu. Juan sieht, wie Masons Männer die beiden übrigen, die schon bei ihnen am anderen Rande der Schlucht stehen, mit kaum hörbaren Kopfschüssen einfach erschießen. Indem die beiden Erschossenen stumm in die Tiefe stürzen, richtet Mason seine Waffe auf das Stahlseil aus und ruft: „Guten Flug, Mister Gutierrez – das ist mir ein großes Anliegen!“

Mit entsetztem Blick versucht Juan sich zu fokussieren, indem er hilflos über dem Felsenhang am Stahlseil hängt; der Mann hinter ihm schreit in Todesangst auf: „Nein!“

Mit mehreren schallgedämpften Schüssen zerfetzt Mason das eine Ende des Stahlseils. Juan lässt im Moment des freien Falls sofort los und stürzt nach unten in den die Felsen hinunter rauschenden Gebirgsbach, während der Mann hinter ihm, laut schreiend am abreißenden Stahlseil tief nach unten in das Gebirge stürzt, wo sein Schrei hallend verstummt.

Einer der Männer neben Mason grinst zufrieden: „Das war´s dann wohl mit Juan Gutierrez!“

Mason verzieht unzufrieden sein Gesicht: „Die Commodores wollen seine Leiche sehen.“

Die anderen vier verziehen ebenfalls ihre Gesichter, indem sie nach unten in den durch die Felsen rauschenden Bach blicken.

Mason: „Also, los – suchen wir ihn da unten!“

 

  • 7 –

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Der Senkrechtstarter dockt an einer der peripheren Luftschleusen von Sektion Alpha an, und beim Verlassen des Flugzeuges wird Collin Bancroft und den verbliebenen seiner Sicherheitsleute die Augenbinde wieder abgenommen, die sie auf dem Weg nach oben tragen sollten. Offensichtlich imponiert blickt Collin durch die Panzerglasscheibe nach draußen in den freien Himmel.

„Wenn Sie uns bitte folgen, Verteidigungsminister!“

Sie fahren mit der Transportgondel zunächst horizontal den langen Gang von der Peripherie ins zylindrische Zentrum von Sektion Alpha, wo die Gondel automatisch zum Aufzug wird und sie bis zum oberen Ende des zentralen Turmes fährt. Hier steigen sie aus und werden durch die einzelnen Abteilungen bis zur großen Treppe geführt. Collin betrachtet im Vorbeigehen die überall arbeitenden Sicherheitsagenten und Nachrichtenoffiziere. Am oberen Ende der großen Treppe wird Collin ein weiteres Mal zutiefst beeindruckt, als er durch die große Panoramascheibe frei in den blauen Himmel hinaussehen kann. Zum gegenüberliegenden Ende hin werden sie in den großen Konferenzraum mit dem Glasdach geführt, wo President Brunt ihnen entgegentritt und insbesondere Collin Bancroft gemäß dem Protokoll angemessen in Empfang nimmt. Die Metalltüren schließen sich zischend.

 

Inzwischen haben alle am Konferenztisch Platz genommen.

Bancroft: „Die britische Regierung ist in der Tat sehr interessiert daran, den guten Dialog mit den USA weiterhin aufrecht zu erhalten beziehungsweise sogar zu verbessern, Mister President.“

Brunt: „Und ich versichere Ihnen, Herr Verteidigungsminister, dass dieser Wunsch ganz auf Gegenseitigkeit beruht.“

Bancroft: „Etwas verwirrt ist unsere Sicherheitsabteilung allerdings über den – nun ja – unorthodoxen Präsidentenwechsel.“

Bancroft wartet einen Moment lang ab und blickt Brunt stumm in die Augen.

Bancroft: „In diesem Punkt sieht unsere Regierung dringenden Klärungsbedarf, Mister President. Und hinzukommt der angebliche Spionageakt gegenüber Deutschland mit einem Satelliten der ESA, der dann abgestürzt ist.“

Brunt, in diplomatischem Tonfall: „Selbstverständlich werden wir die Fakten diesbezüglich der Regierung Ihrer Majestät offenlegen, Herr Verteidigungsminister.“

Bancroft: „Angesichts des aktuellen Zwischenfalls haben Sie sicherlich Verständnis dafür, Mister President, wenn der Premierminister für das Gipfeltreffen einen neutralen Ort bevorzugt, idealerweise ohne Funknetz.“

Brunt zögert einen Moment: „Wenn es Ihre Regierung so wünscht, Herr Verteidigungsminister.“

Bancroft lehnt sich mit übereinander gefalteten Fingern in einer insistierenden Geste zurück.

Nach einem weiteren kurzen Zögern nickt Brunt in einer deutlichen Geste des Gewährens.

 

Kurze Zeit später stehen Chris, Bill und Jessica zusammen mit President Brunt in dessen Büro an Bord von Sektion Alpha.

Chris: „Der Mount Winterstone?“

Brunt: „Den hat Minister Bancroft stellvertretend für die britische Regierung vorgeschlagen.“

Chris: „Kein Funknetz, keine Fernkontrolle über Drohnen.“

Brunt: „Exakt, das ist der Grund.“

Jessica: „Die Briten wissen aber schon, wie kalt es da oben ist?“

Brunt, leicht grinsend: „Minister Bancroft deutete an, dass er einen dringenden Kleidungswechsel vornehmen müsse.“

Bill: „Dann wird dort oben das Gipfeltreffen unserer Regierungen stattfinden?“

Brunt: „Genau. Leider sind unsere Leute noch nicht weiter gekommen in der Untersuchung der Drohnen-Überreste auf dem Truppenübungsgelände. Aber wir haben unsere Suchtrupps in der Wolf Gorge verdoppelt und schwer bewaffnet.“

Jessica: „Sie vermuten, dass der BND hinter dem jüngsten Anschlag steckt?“

Brunt: „Der CIA verfolgt selbstverständlich nicht nur diese eine Annahme, aber sie kann auf keinen Fall von der Hand gewiesen werden.“

Chris: „Trotz dem Verlangen nach neutralem Boden, findet das Gipfeltreffen somit doch nahe genug an G.S.T. statt.“

Brunt: „Deswegen sind wir überhaupt nicht abgeneigt vom Vorschlag der britischen Regierung, den Mount Winterstone zu wählen – für uns ist das fast vor der Haustür.“

Chris: „Sicherlich hat für die Briten der schlechte Funkempfang dort oben überwogen.“

Bill: „Zusammen mit einer gewissen Zurückhaltung, was offizielle Treffen mit unserer Regierung angeht.“

Brunt: „In Europa müssen sie mit sehr viel Fingerspitzengefühl vorgehen, wenn sie nicht ihre diplomatischen Beziehungen zu Deutschland empfindlich stören wollen.“

Brunt und das Airfighter-Team wechseln einen stummen Blick miteinander.

Dann fügt Brunt abschließend hinzu:

„Ich hätte Sie gern wieder zur taktischen Unterstützung auf dem Mount Winterstone dabei. Vor allem nach dem jüngsten Anschlag auf dem Truppenübungsplatz!“

Bill, Jessica und Chris nicken bestätigend mit nach wie vor festem Blickkontakt zu Brunt.

Jessica: „Unser letzter Winterurlaub ist ja schon wieder etwas her!“

 

  • 8 –

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Vor der Turnhalle in Green-Stone-Town spielen Jonathan und die anderen Jugendlichen aus Juans Gruppe auf dem großen Spielfeld Basketball, indem Manuel und Marc etwas abseits auf einer steinernen Treppe sitzen und sich unterhalten.

Manuel grinsend: „Wir haben schon echt ein Talent dafür, von einem Schlamassel in den nächsten zu geraten, nicht wahr?!“

Marc: „Oh ja, aber der Ausflug neulich zum See war trotzdem cool!“

Manuel: „Freut mich sehr, dass er so gut bei euch ankam.“

Marc: „Juan hat uns darauf gedrillt, auch hin und wieder eine Wanderung über uns ergehen zu lassen. Irgendwie hat er´s geschafft, dass wir sogar richtig Spaß daran gefunden haben.“

Manuel: „Ja, mein Bruder ist sehr gut darin, andere zu begeistern.“

Marc: „Wir vermissen ihn. Hoffentlich ist er bald zurück.“

Manuel: „Das Programm läuft zum Glück nicht mehr lang, und dann ist er wieder hier.“

Manuel liest in Marcs Gesichtsausdruck neben der Freude trotzdem etwas, das ihn noch zu beschäftigen scheint.

Manuel: „Hey, Marc – beschäftigt dich noch etwas?“

Marc blickt Manuel offen an: „Ich kann vor dir nichts zurückhalten, oder?“

Manuel wartet einen Moment schweigend ab, indem sich die beiden genau in die Augen sehen.

Dann lächelt Marc freundschaftlich: „Darin bist du sehr gut!“

Manuel erwidert das Lächeln: „Ich kümmere mich um dich als Freund.“

Marc: „Da ist in der Tat etwas, was mich nicht loslässt.“

Manuel blickt Marc fragend, aber zugleich nicht drängend an.

Marc: „Als diese Frau mich als Geisel genommen hatte und Lieutenant Bowers aufforderte, seine Waffe fallen zu lassen, ist er lieber das Risiko eingegangen und hat sie erschossen.“

Manuel nickt langsam, wartet aber weiter ab, was Marc noch sagen will.

Marc: „Irgendwie hatte er es geschafft, dass ich genau wusste, wie ich reagieren sollte, und alles lief glatt – aber es beunruhigt mich im Nachhinein doch sehr, wie das abgelaufen war.“

Manuel: „Ja, ich kann dich sehr gut verstehen. Ich hatte nicht gewusst, dass es so abgelaufen war, Marc.“

Marc: „Ich meine, er ist mit Sicherheit ein Profi, und du wirst schon ähnliches erlebt haben, aber...“

Manuel ergänzt verstehend: „Aber du bist nicht auf solche Situationen trainiert.“

Marc: „Genau, das meine ich.“

Manuel denkt einen Moment nach: „Ich werde Bill mal im Vertrauen darauf ansprechen. So wie ich mitbekommen habe, kennen er und Justin Bowers sich schon seit der Schule. Bill wird damit vertrauensvoll umgehen. Aber du hast völlig Recht, Marc: dieses Vorgehen war sehr gewagt.“

Marc nickt und zeigt Manuel zugleich einen dankbaren Blick:

„Danke, dass du wieder einmal nicht locker gelassen hast, Manuel.“

Manuel grinst: „Aufgeben hat mir noch nie gestanden.“

Marc erwidert ein breites Grinsen, als Jonathan nach dem Spiel mit den anderen zu beiden kommt.

Jonathan: „Hast du heute schon mit Juan telefoniert?“

Manuel: „Nein, sie müssen heute so eine Team-Aufgabe in den Mountains bewältigen – aber eigentlich wollte er sich vom Lager aus später über Funk melden. Bisher noch nichts.“

Manuel wirft einen Blick auf seine Uhr.

Jonathan: „Okay, schade – wenn du mit ihm sprichst, grüße ihn unbedingt nochmal von uns allen!“

Manuel: „Klar!“

Manuels Blick ändert sich allmählich und zeigt ein offenbares Unbehagen.

 

  • 9 –

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Mason ist mit zwei Begleitern nach unten in die Felsen geklettert, wo der Bach nach unten rauscht. Die zwei übrigen Männer sind oben stehen geblieben, wo das Stahlseil befestigt war, um die Umgebung im Blick zu behalten. Mason und seine beiden Begleiter teilen sich auf:

„Schaut euch mal um, irgendwo hier muss er ja liegen!“

Einer der Männer klettert mit gezogener Waffe zwischen den Felsen hindurch, als er ein paar Bluttropfen auf dem Boden entdeckt. Er betätigt sein Funkgerät:

„Connor hier, ich glaube, ich habe etwas entdeckt.“

Plötzlich nimmt ihn von hinten ein Arm in den Würgegriff und lässt ihn abrupt verstummen.

 

An einer anderen Stelle in den Felsen betätigt Mason sein Funkgerät wiederholt:

„Connor, was ist los? Connor?“

Mason blickt hoch zu den beiden, die alles im Auge behalten sollen, und spricht ins Funkgerät: „Könnt ihr Connor sehen?“

Schon von unten sieht Mason ihre zuckenden Schultern und leicht erhobenen Arme, als die Antwort über Funk kommt: „Nein, keine Spur von ihm zu sehen.“

Mason und der andere gehen in die Richtung, in die Connor gegangen ist. Schließlich entdecken sie eine Blutspur direkt vor einem kleinen Wasserfall, in dem der Bach nach unten stürzt. Mason nickt seinem Begleiter zu, und beide schießen einfach blind in den Wasserfall hinein, als an dessen unterem Ende das Wasser rot gefärbt wird.

Mason: „Volltreffer!!“

Da wird ein zunächst nicht identifizierbarer Körper, der sich sich hinter dem Wasserfall befunden haben muss, mit nach unten gespült: als der reglos Treibende von einem Felsen auf den Rücken gedreht wird, ist Connor zu erkennen, der mit offenen Augen in die Tiefe gespült wird.

Mason: „Scheiße!“

Sein Begleiter schnaubt vor Wut: „Das werden ihm heimzahlen!“

 

  • 10 –

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Der verschneite Mount Winterstone, der hoch aus dem ihn umgebenden Gebirge herausragt: momentan ist der Himmel wolkenfrei und strahlend blau, hin und wieder streicht ein eisiger Wind über die Landschaft hinweg. Die Oberseite des Berges ist sehr weitläufig, so dass sich verschiedene Landschaftsstriche abwechseln. Inmitten einiger Krüppelkiefern erhebt sich eine Anhöhe, zu der eine halb umrundende kleine Straße hoch führt: oben befindet sich ein schick aussehendes, kreisrundes Hotel im Schnee liegend, aus dessen Mitte sich ein 60 Meter hoher Turm erhebt. Im strahlenden Sonnenlicht fahren ein paar Limousinen nacheinander vor dem Hotel vor, aus denen Regierungsabgeordnete, unter ihnen auch Verteidigungsminister Bancroft, mit dunklen Sonnenbrillen aussteigen, in denen sich die weiß glänzende Schneelandschaft reflektiert. Gerade steigt der britische Premierminister aus der als letzte vorgefahrenen Limousine aus: beim Aussteigen spiegelt sich in seinen dunklen Sonnenbrillengläsern der dem Hotel gegenüberliegende kleine See auf der anderen Seite des Parkplatzes wider, dessen klares, eiskaltes Wasser den blauen Himmel auf beeindruckende Weise reflektiert.

Hoch über dem Hotel patrouilliert Airfighter im Gegenschub seiner Positionstriebwerke.

Im Cockpit verfolgen Chris, Jessica und Bill das Eintreffen der Abgeordneten auf dem Bildschirm der Umgebungsüberwachung.

Jessica: „Die Abgeordneten sind jetzt vollzählig versammelt, Premierminister Farrell ist gerade als letzter eingetroffen.“

Bill: „Die unmittelbare Umgebung ist weiterhin geräumt, außerhalb dieses Areals herrscht der normale Skibetrieb – hoffe ich zumindest.“

Airfighter: „Meine Sensoren erfassen keinerlei verdächtige Aktivitäten, Bill.“

Chris: „In einer halben Stunde wird Brunt das Gipfeltreffen eröffnen – und dann sind wir mittendrin.“

 

Eine halbe Stunde später ist zu sehen, dass das runde Hotel in alle Richtungen von bewaffneten CIA-Agenten gesichert ist, die unentwegt die Umgebung im Auge behalten: inzwischen durchziehen schon wieder erste Schneeflocken die Landschaft.

Im Haupteingang des Hotels gibt der Sicherheitschef gerade per Headset durch:

„Unsere Agenten stehen bereit, das gesamte Areal ist gesichert, Mister President.“

Der Sicherheitschef klopft dem neben dem Haupteingang stehenden Agenten kurz auf den Rücken, der wiederum wachsam in die andere Richtung in die Landschaft hinaus schaut.

In 60 Metern Höhe über der verschneiten Landschaft nehmen soeben die britischen Abgeordneten und President Brunts Delegation an einem großen, ebenfalls runden Konferenztisch Platz, der sich in der großen Turmspitze befindet, die eine Panoramasicht ringsum in alle Richtungen über den verschneiten Mount Winterstone bietet: draußen ziehen ein paar Wolken über den blauen Himmel, aus denen Schneeflocken fallen. Chris, Jessica und Bill stehen zusammen mit vier weiteren CIA-Agenten am Rande des Konferenztisches als Sicherheitsposten.

Nachdem President Brunt Premierminister Farrell begrüßt und die britische Delegation willkommen geheißen hat, fährt er fort:

„Ich bin es Ihnen schuldig, Sie über die Hintergründe des Amtswechsels und des Anschlages auf die amerikanische Regierung, insbesondere auf Ex-President Cavanaugh aufzuklären.“

Farrell und seine Delegation widmen Brunt ihre ganze Aufmerksamkeit.

Brunt: „Tatsache ist, dass die russische Regierung einen offiziell nicht existierenden Exekutionstrupp in die USA geschickt hatte, um als Terrorakte getarnte Anschläge an zentralen Machtpositionen zu verüben und darüber hinaus den Präsidenten zu liquidieren.“

Farrell zeigt einen erschrockenen, aber weiterhin gefassten Blick.

Brunt: „Ersteres konnten wir – zumindest größtenteils – verhindern, letzteres jedoch nicht.“

Chris, Bill und Jessica wechseln einen Blick miteinander.

Farrell: „Aber welche Rolle haben Sie damals beim globalen Anschlag auf die Weltmächte gespielt, Mister President?“

Chris, Jessica und Bill sind offensichtlich sehr gespannt auf Brunts nächste Antwort.

Brunt: „Es handelte sich dabei um ein von unserem CIA erstelltes Szenario, das planmäßig durch das Airfighter-Team hier ja beendet wurde; in Wirklichkeit diente es nur dem Zweck, die russische Regierung zum Zuge zu zwingen. Und danach erhielten wir leider die Bestätigung für die Befürchtungen des CIA.“

Collin Bancroft neigt den Kopf leicht: „Und der Absturz des ESA-Satelliten, der angeblich zu Spionagezwecken vom CIA missbraucht worden war?“

Brunt: „Eine Täuschung, inszeniert durch das russische Exekutionskommando, das offiziell gar nicht existiert hat.“

Bancroft nickt.

Brunt: „Für uns stellt sich jetzt leider die Frage, wie die deutsche Bundesregierung zu diesem latenten Zweifrontenkrieg steht.“

Chris sieht, wie die von Brunt gewählte Formulierung eine kurze emotionale Regung in Bancrofts Mimik auslöst.

Farrell, nach einem Moment des Überdenkens: „Ich stimme Ihnen im Namen der britischen Regierung in Gänze zu, Mister President.“

Brunt neigt seinen Kopf in einer höflichen Geste des zustimmenden Dankes.

 

  • 11 –

  •  

In der Computerzentrale der Airfighter-Basis sieht Ned Burton Manuel auf dem Kontrollschirm, der die Einfahrt zum Grundstück überwacht: Ned öffnet über Funk das Tor zur Einfahrt.

Etwa eine halbe Minute später trifft Manuel Ned in der Zentrale.

Ned: „Hey, Manuel.“

Manuel: „Hallo, Ned.“

Ned: „Was gibt es?“

Manuel, nach wie vor mit dem bekümmerten Gesichtsausdruck: „Sag mal, hat Juan irgendwann heute schon angerufen oder eine Nachricht hinterlassen?“

Ned: „Nicht, dass ich wüsste.“

Ned prüft kurz die Computerprotokolle: „Nein, bisher noch nicht.“

Manuel verzieht sein Gesicht unwillkürlich noch mehr.

Ned: „Stimmt was nicht?“

Manuel: „Eigentlich hatte er sich schon gemeldet haben wollen, vom Ziellager in den Mountains aus über Funk.“

Ned: „Vielleicht ist er k.o. und meldet sich später noch.“

Manuel: „Ich habe irgendwie ein ganz ungutes Gefühl, Ned.“

Ned: „Wie meinst du das?“

Manuel: „Kann ich nicht genau sagen – aber ich fühle irgendwie, dass etwas nicht stimmt. Ich kann plötzlich nicht mehr aufhören, so zu empfinden.“

Ned: „Um Juan musst du dir in einem solchen Trainingscamp garantiert keine Sorgen machen, Manuel.“

Manuel: „Ich weiß – aber es ist irgendwie anders.“

Ned sieht Manuel ein paar Sekunden lang nachdenklich in die Augen, dann beschließt er:

„Wir überfliegen mit der Basis einmal die Mountains und scannen vorsichtshalber nach Juans Biosignaturen!“

Manuel: „Ich danke dir vielmals, Ned!“

 

  • 12 –

  •  

Juan klettert durch die Felsen, bis er erkennt, dass der Felsvorsprung immer enger wird und einige Meter weiter im Nichts enden wird: außerdem sieht er hinter dem nächsten Felsblock die beiden Männer auf der anderen Seite am oberen Ende des Felshanges stehen, die ihre Waffen suchend in die Umgebung ausrichten. Juan ist leicht verletzt und hinterlässt hier und da Blutspuren seiner Hand – daher ist er sich sicher, dass Mason in Kürze von hinten aufrücken wird.

 

Mason funkt die beiden anderen an: „Könnt ihr sehen, wie weit wir von hier noch die Felsen entlang kommen?“

„Wenn ihr dort seid, wo wir denken, nicht mehr allzu weit – der letzte Felsvorsprung endet über der Schlucht.“

Mason grinst: „Wunderbar – behaltet den Vorsprung genau im Auge! Ich denke, Gutierrez wird in den nächsten Minuten dort erscheinen. Dann habt ihr Schussfreigabe!“

„Mit Vergnügen!“

 

Juan blickt vorsichtig über den Felsen hinter ihm zurück und sieht von dort Mason und den zweiten Mann immer näher kommen. Gegenüber stehen die anderen beiden Männer schussbereit oben am Rande der Schlucht: Juan ist eingekesselt und wird in Kürze entdeckt werden! Juans Körper spannt sich sichtlich an, und dann rennt Juan los: sofort erblicken ihn die beiden Männer oben und eröffnen das Feuer auf den zum Ende des Felsvorsprungs hin Rennenden. Juan rennt inmitten des Kugelhagels und springt vom Felsvorsprung: im Fall zielt er mit der entwendeten Waffe Connors und trifft die beiden Killer präzise mit zwei Kopfschüssen. Mason und sein Begleiter sehen auf der anderen Seite des Felsvorsprungs, wie die beiden anderen unter kurz auftretenden Blutfontänen stumm in die Schlucht hinunter stürzen. Juan hält sich krampfhaft an einem tieferen Felsvorsprung fest, wobei er allerdings beim Aufprall die Waffe verliert. Mit letzter Kraft und der blutenden Hand zieht Juan sich hoch und humpelt zwischen den Felsen in Deckung. Mason und sein Begleiter haben oben den Felsvorsprung umrundet und können nur noch kurz auf Juan schießen, als dieser schon weiter unten zwischen den Felsen verschwunden ist.

„Er hat gerade Jason und Jeffrey einfach so erledigt, Mason! Ich fürchte, wir haben Juan Gutierrez gewaltig unterschätzt!“

Mason faucht: „Ich habe solche auch früher schon erledigt, als ich noch Cop war – Scheiße! Denk daran, was die Commodores uns als Gegenleistung bieten!“

 

  • 13 –

  •  

In einer Pause des Gipfeltreffens stehen Chris, Jessica und Bill im Erdgeschoss des Hotels, das nach wie vor von den CIA-Agenten gesichert wird: im Hintergrund gehen ein paar der Abgeordneten an der Hotelbar vorbei, um etwas zu trinken oder eine Kleinigkeit zwischendurch zu essen; ein paar Politiker stehen draußen vor dem Haupteingang und rauchen: sie werden insbesondere von den bewaffneten Sicherheitskräften abgeschirmt. Chris, Jessica und Bill unterhalten sich in der Ecke, in der sie etwas abseits stehen, in gedämpftem Tonfall.

Jessica: „Ich muss schon sagen, Brunts kreatives Talent, die Wahrheit so darzustellen, wie sie ihm zugute kommt, ist auf erschreckende Weise beachtlich.“

Bill: „Und vor allem erzielt er seine gewünschte Wirkung bei der britischen Delegation.“

Chris, mit bitterem Unterton: „Aber in einem Punkt hat Brunt vollkommen Recht: Wenn die Aktivitäten von Schwartz´ Trupp aus BND-Agenten in der Wolf Gorge und möglicherweise auch der Drohnenanschlag auf Bancrofts Delegation einen geheimen Liquidationsschlag der deutschen Regierung gegen die USA darstellen und wir jederzeit außerdem mit einem weiteren Exekutionsschlag durch die russische Regierung rechnen müssen, braucht unser Land verdammt dringend einen politischen Verbündeten!“

Bill und Jessica nicken Chris zu: beide verstehen die unterschwellige Bitterkeit in Chris´ Stimme allzu gut.

Jessica, zögerlich: „Verdient Brunts Regierung das überhaupt noch?“

Bill und Chris sehen Jessica gleichzeitig genau in die Augen: alle drei wissen, wie das gerade geklungen hat.

Chris: „Ich verstehe dich nur zu gut, Jessie.“

Bill: „Absolut, ich kann´s mit meinem Gewissen nicht im Geringsten vereinbaren, Brunts Regierung zu folgen.“

Chris: „Jedoch geht es hier um weitaus mehr.“

Bill: „Das amerikanische Volk weiß nichts von den tatsächlichen Hintergründen.“

Jessica: „Und die Bevölkerung trägt keine Schuld daran.“

Chris: „Aber genau sie würde ein solcher Anschlag treffen.“

Jessica, immer noch Bill und Chris fest in die Augen sehend:

„Also machen wir weiter, indem wir hinter Brunt stehen.“

Bill: „Er ist unser Präsident.“

Chris: „Im Moment geht es einzig darum, unser Volk zu schützen.“

 

  • 14 –

  •  

Die Airifghter-Basis überfliegt bereits die Ausläufer des Green-Stone-Forests am Fuße der Mountains.

Ned blickt besorgt von den Funkkontrollen auf: „Der Campleiter hat gerade bestätigt, dass Juans Gruppe nicht zum vereinbarten Zeitpunkt am Ziellager in den Mountains eingetroffen ist: das Aufsichtspersonal hat schon eine Suchaktion gestartet, jedoch sind sie nicht allzu viele.“

Manuel blickt weiterhin sehr besorgt: „Lass uns bitte über den Mountains runter gehen, Ned – ich fürchte, Juan ist in großer Gefahr!“

 

 

 

Juan ist weiter unten zwischen den Felsen bei einer langen Hängebrücke angekommen, die über die Felsen hinweg führt. Sich umsehend, eilt Juan über die Brücke. Als Juan etwa die Hälfte der Brücke hinter sich gelassen hat, hört er die Stimme von Masons übrig gebliebenem Begleiter: Juan hält inne und sieht sich, angespannt atmend, um. Da taucht der Mann am vor Juan liegenden Ende der Hängebrücke hinter den Felsen auf und blickt allerdings gerade in die entgegengesetzte Richtung, indem er in sein Funkgerät spricht: „Bisher noch nichts von ihm zu sehen.“

Juan spannt seinen gesamten Körper an und rennt mit aller Kraft los. Der Mann dreht sich mit ausgerichteter Waffe in die andere Richtung und sieht plötzlich Juan über die Brücke auf ihn zu sprinten: sofort richtet er die Waffe auf Juan, doch da springt Juan schon in vollem Tempo gegen ihn und kickt ihn auf diese Weise gegen die Felsen. Der Mann verliert zwar seine Waffe, verpasst Juan jetzt aber eine Folge brutaler Schläge abwechselnd in den Bauch und gegen den Kopf.

Über Funk ist Mason zu hören: „Greg, was ist bei dir los zum Teufel?!“

Juan blockt die nächsten zwei Schläge Gregs ab und verpasst diesem jetzt selbst eine Reihe gezielter Fausttreffer ins Gesicht und in die Seiten. Als Greg dann ein Messer zieht und auf Juan einsticht, weicht Juan dem Stich noch knapp aus, wird aber am Arm verletzt. Dem nächsten Stich entgeht Juan, indem er sich auf einem Felsen abstützt, hoch springt und mit einem kräftigen Kick beider Beine Greg über die Felsen stößt: laut schreiend stürzt Greg in die Tiefe, woraufhin er wiederholt im freien Fall gegen die Felsbrocken schlägt und auf diese Weise endgültig verstummt.

Juan hält seinen blutenden Arm und atmet erschöpft durch, indem er aus dem auf dem Boden liegenden Funkgerät erneut Masons Stimme hört:

„Verdammte Scheiße – ich mach dich kalt, Bursche!“

 

  • 15 –

  •  

Während sich die Delegierten zurück zum hoch über ihnen befindlichen Konferenzsaal des Gipfeltreffens begeben, kontrollieren die Sicherheitskräfte ein weiteres Mal die Zugänge zum Hotel sowie den Zugang zum Turm im Innern. Der Sicherheitschef verschafft sich persönlich an allen Stellen den kontrollierenden Überblick. Anschließend geht der Sicherheitschef zurück ins Hotelinnere und klopft dem Sicherheitsposten am Haupteingang im Vorbeigehen erneut auf die Schulter, indem der Mann die verschneite Umgebung nach wie vor konzentriert im Auge behält.

Chris und Jessica sind den Delegierten zurück nach oben in den Konferenzsaal gefolgt, während Bill nach draußen geht und zwischen den mittlerweile deutlich stärker fallenden Schneeflocken verschwindet.

Als sich die komplette Delegation wieder im Konferenzsaal versammelt hat, stellt Premierminister Farrell Präsident Brunt die entscheidende Frage:

„Wenn Sie nun die offene Frage gestatten, Mister President, so würde meine Regierung nun gern wissen, wenn die Situation so ist, wie Sie sie geschildert haben, was spricht für uns dafür, sich Ihnen anzuschließen anstatt Deutschland und Russland, die ja definitiv die engeren Nachbarn wären?!“

Chris´ und Jessicas Blick treffen sich abrupt, und beide halten sichtlich den Atem an.

Brunt zeigt ein – wohl sehr gut eingeübtes – diplomatisches und offen entspannt wirkendes Lächeln: „Ich verstehe Ihr Argument sehr gut, Herr Premierminister, und ich bin Ihnen dankbar, dass Sie meiner Regierung diese entscheidende Frage offen stellen.“

Farrell antwortet mit einem – ebenfalls wohl sehr gut eingeübten – zuvorkommenden Lächeln.

Brunt: „Ich möchte Sie bitten, Folgendes zu bedenken: Angenommen Deutschland und Russland würden ihre global-politischen Intentionen miteinander in Einklang bringen, welche Alternative würden Sie bevorzugen, wenn Sie dieser vereinten Macht gegenüber stehen: dies zu tun mit den USA als starkem politischem Partner oder ohne sie – weil sie vielleicht an der Weltpolitik nicht mehr teilhaben?“

Farrell und seine Abgeordneten wechseln einen langen Blick miteinander, und zuletzt sehen Farrell und Bancroft einander einvernehmlich in die Augen.

Farrell: „Wir haben Ihr Argument verstanden, Mister President, und ich freue mich, Ihnen im Namen der Regierung Ihrer Majestät unsere politische Kooperation zusichern zu können.“

Den Blicken Chris´ und Jessicas ist ihre Erleichterung anzusehen.

Brunt: „Herr Premierminister, ich freue mich aufrichtig über Ihre Entscheidung und auf die zukünftige Zusammenarbeit unserer beiden Länder!“

Während Farrell und Brunt einander die Hand schütteln, flüstert Jessica Chris zu:

„Ich denke, das ist ein deutlicher Punkt für uns!“

Chris: „Allerdings falls Schwartz nach wie vor im Rennen ist, fürchte ich, wird der BND das nicht tatenlos mitansehen!“

 

Unten am Haupteingang dreht sich der Sicherheitsposten, der die gesamte Zeit über die Umgebung des Hotels im Auge behalten hat, das erste Mal herum in Richtung Inneres: es handelt sich um Carl Schwartz!

 

Bill sitzt im Airfighter-Cockpit etwa hundert Meter abseits vom Hotel und behält die Umgebungsüberwachung genau im Auge: Draußen schneit es inzwischen kräftig, so dass die gesamte Landschaft in ein dichtes, trübes Grau eingedeckt ist und man nicht mehr weit sehen kann. Bill merkt sofort auf, als ein kurzes Energieecho registriert wird.

Airfighter: „Bestätige einen kurzen Sensorkontakt auf den angezeigten Koordinaten – keine weitere Registrierung mehr, Bill!“

Bill: „Sehen wir´s uns an, Airfighter!“

Bill startet mit Airfighter senkrecht nach oben, doch die stark eingeschränkte Sicht klart sich nicht auf.

Airfighter: „Das Funkloch auf dem Mount Winterstone beeinträchtigt nach wie vor unseren Funkkontakt zu Jessica und Chris.“

Bill: „Und der dazukommende Schneefall blockiert jetzt wahrscheinlich auch unseren Kurzreichweiten-Funkverkehr.“

Airfighter: „Das muss ich leider bestätigen.“

Im selben Moment und völlig ohne Voranzeichen schießt von schräg hinten eine Rakete herbei, und nur Sekundenbruchteile, nachdem Bill das Donnern soeben registrieren konnte, schlägt die Rakete in Airfighter ein, so dass Bill mit dem Kopf hart gegen die Bordarmaturen schlägt: Airfighter wird brutal seitlich aus der Sicht geschmettert.

 

Gerade stehen President Brunt und Premierminister Farrell einander einträchtig gegenüber und schütteln sich in einer symbolischen Geste die Hände, da taucht hinter den Fensterscheiben eine schwer bewaffnete, schwarze Flugmaschine aus den dicht fallenden Schneeflocken auf und fliegt donnernd frontal auf den hohen Hotelturm zu.

Chris und Jessica reagieren sofort: „Alle auf den Boden!“

Auch Collin Bancroft reagiert umgehend und wirft sich zusammen mit Premierminister Farrell auf den Boden in Deckung.

Draußen vor dem Hotel richten die Sicherheitsagenten sogleich ihre Waffen aus, doch auf Schwartz´ Kommando hin wird nun klar, dass sich ein ganzer Teil der Sicherheitsagenten als Schwartz´ Agenten entpuppt, die jetzt von hinten das Feuer auf die das Gipfeltreffen verteidigenden Agenten eröffnen!

Indem die Flugmaschine das Automatikfeuer auf den Konferenzraum eröffnet und dabei die Turmspitze langsam umrundet, landet eine zweite Maschine, die aus den Schneeflocken auftaucht, auf dem Dach des Hotelturmes: einige Bewaffnete in schusssicheren, schwarzen Kampfanzügen mit Helmen springen aus der aufgesetzten Flugmaschine, während die den Turm umrundende Maschine ihr Feuer einstellt.

Sofort reagieren Jessica und Chris, indem sich ihre Blicke mit denen von Bancroft, Farrell und Brunt, die ebenfalls auf dem Boden liegen, treffen.

Chris: „Auf Stürmung vorbereiten!“

Jessica: „Sie kommen vom Dach!“

Die Sicherheitsposten, Chris und Jessica drehen sich sofort nach draußen zu den zerschossenen Fenstern, wo im dunklen Hintergrund nach wie vor die Flugmaschine kreist. Bancroft ergreift reaktionsschnell die auf dem Boden liegende Dienstwaffe eines niedergeschossenen Wachpostens und postiert sich ebenfalls bereit zur Verteidigung. Als keine drei Sekunden später vom Dach aus der gepanzerte Killertrupp an Seilen zu den Fenstern herein geschwungen kommt, wird aus dem Konferenzsaal das in alle Richtungen zielende Dauerfeuer eröffnet: Ein paar der Killer werden trotz ihrer schusssicheren Kampfanzüge nach draußen geschmettert, wo sie 60 Meter in die verschneite Tiefe stürzen; die übrigen dringen unter dem eigenen brutalen Automatikfeuer in den Konferenzsaal ein.

Im Erdgeschoss des Hotels haben sich Schwartz und sein Trupp den Weg bis zum Aufzug frei geschossen und postieren sich jetzt im Innern: indem sich die Aufzugtüren schließen, laden die Killer ihre Waffen erneut durch und richten die Automatikläufe auf die Türen.

Oben bemerken Chris und Jessica inmitten des brutalen Schussgefechtes, wie der Aufzug auf dem Weg zu ihnen herauf ist.

Chris brüllt gegen den donnernden Schusslärm an: „Achtung, Aufzug kommt!!“

Jessica brüllt hinterher: „Fragt sich nur, wer da drin ist!“

Als die den Turm umrundende Flugmaschine erneut auf Chris´ Seite des Konferenzsaals vorbeifliegt, nimmt Chris Anlauf und springt inmitten des Schussgefechtes durch eines der zerschossenen Fenster nach draußen und hält sich an den Kufen der Maschine fest. Mit umgehängtem Gewehr schwenkt sich Chris nach oben und landet direkt neben der linken Tür mit beiden Füßen auf der Kufe: sofort ergreift er wieder sein Gewehr und feuert mit an die Scheibe gehaltenem Lauf ununterbrochen ins Panzerglas, so dass dies tatsächlich zerbirst und der die Waffensysteme kontrollierende Killer durchs Cockpit und auf der anderen Seite durch die verschlossene Tür nach draußen geschmettert wird. Der Pilot richtet seine Pistole auf Chris, doch dieser schwingt sich ins Cockpitinnere und tritt dem Piloten die Waffe aus der Hand. Chris sieht auf der Anzeige über dem Aufzug im Konferenzsaal, dass die Kabine gerade oben angekommen ist. Sogleich richtet Chris das Bordgeschütz der Maschine über die Cockpitkontrollen neu aus: als sich die Aufzugtüren öffnen und Schwartz und sein Killertrupp das Feuer eröffnen, sehen sie auf der anderen Seite des unter Beschuss stehenden Konferenzsaales Chris in der Flugmaschine und das ihnen genau entgegen gerichtete schwere Bordgeschütz.

Chris zischt: „Falsches Geschoss!“

Dann betätigt er das Bordgeschütz, Schwartz springt noch reaktionsschnell zur Seite und schon wird die gesamte Aufzugkabine donnernd zerfetzt und als brennender Trümmerhaufen auf der Rückseite des Aufzugschachtes nach draußen katapultiert, wo sie im bogenförmigen freien Fall, eine dunkle Rauchwolke hinter sich herziehend, 60 Mieter in die verschneite Tiefe stürzt. Im selben Moment wird Chris im Cockpit von dem Piloten, der die Maschine immer noch steuert, von hinten in einen brutalen Würgegriff genommen.

Jessica und Collin nutzen die Atempause aus und springen ebenfalls mit Anlauf nach draußen, um sich an den Seilen, mit denen der Killertrupp vom Dach gekommen ist, selbst hinauf zu hangeln.

Chris wirft sich mit dem ihn würgenden Piloten mit aller Kraft nach hinten, so dass beide auf dem Boden des Cockpits aufschlagen: sogleich schlägt Chris mit seinem Ellenbogen nach hinten dem Piloten mitten ins Gesicht. Zeitgleich sind Jessica und Collin auf das Turmdach hinauf geklettert und rennen zu der gelandeten Flugmaschine, indem sie die noch auf dem Dach befindlichen drei Killer mit gezielten Schüssen außer Gefecht setzen. Chris springt nach vorn zu den Kontrollen, um den Flug der Maschine wieder zu stabilisieren, da wird er von hinten vom Piloten gepackt und mit dem Kopf gegen die Cockpitscheibe geschlagen: Chris sieht, wie Collin und Jessica auf dem Turmdach gerade ins Visier der Bordgeschütze der gelandeten Maschine genommen werden, auf die sie zu stürmen. Im Vorbeirennen wechselt Jessica einen kurzen Blick mit Chris: Dieser schlägt seinen Kopf nach hinten dem Piloten ein weiteres Mal genau ins bereits blutüberströmte Gesicht, dreht dem Killer den Arm um und wirft ihn durchs Cockpit nach hinten hart gegen die Rückwand. Hier ergreift der sichtlich Mitgenommene die auf dem Boden liegende Automatikwaffe des von Chris erschossenen Bordschützen und richtet diese auf Chris.

Blut spuckend brüllt der Pilot: „Fahr zur Hölle!“

Chris schlägt mit dem Ellenbogen in die Steuerkontrollen hinter ihm: „Nach dir!“

Mit einem mörderischen Trägheitsschub zündet eines der Triebwerke durch und schmettert die komplette Flugmaschine zur Seite weg: Chris und der Pilot werden brutal durch die zerschossene Tür nach draußen in den freien Fall katapultiert, und die Maschine beschleunigt in Schieflage genau auf das Turmdach zu, wo die Bordgeschütze der anderen Maschine das Feuer auf Jessica und Collin eröffnen.

Collin: „Oh Shit!“

Jessica: „Die Seile – schnell!!“

Beide rennen im Kugelhagel zum Rande des Daches zurück und springen in die Tiefe, wo sie sich im letzten Moment wieder an den Kletterseilen festhalten und gegen die Wand schlagen. Keine Sekunde, nachdem beide vom Dach gesprungen sind, stürzt die von Chris durchgestartete Flugmaschine seitlich auf dem Dach genau in die gelandete Flugmaschine hinein, und in einem donnernden Explosionsball stürzen beide seitlich im Bogen vom Dach hinunter und 60 Meter in die Tiefe genau in den See neben dem Hotelturm, dessen Wassermassen beim gewaltigen Aufprall in einer zweiten Explosion in alle Richtungen geschmettert werden.

Jessica: „Double Shit!!“

Jessica und Collin werden an den Seilen mitgerissen und im hohen Bogen in die verschneite Landschaft hinaus katapultiert.

Chris und der Pilot sind auf einem Schneehang relativ weich gelandet, rutschen diesen jetzt allerdings mit hoher Geschwindigkeit hinunter. Der Pilot nimmt Chris ein weiteres Mal in den Würgegriff und tritt ihm brutal in die Seiten. Chris kann nicht mehr atmen und gibt nur noch quietschende Laute von sich. Mit aller Kraft stemmt sich Chris im Rutschen vom Schneehang ab und lässt sich mit beiden Ellenbogen genau in den Bauch des Piloten zurückfallen. Aus dem Würgegriff befreit, dreht sich Chris im Rutschen um und würgt den Piloten mit nur einer Hand: er zieht den Piloten im festen Würgegriff zu sich und stößt ihn dann mit einem kräftigen Stoß nach hinten in die vorbei rasende Schneedecke. Mit einem brutalen Knacken bleibt der Pilot mit dem Kopf im Schnee feststecken und wird augenblicklich bis zum vollen Stopp abgebremst: sein Genick ist gebrochen. Außer Atem rutscht Chris in hohem Tempo auf das untere Ende des Schneehanges zu, wo er durch den großen Schwung den gegenüberliegenden Schneehang wieder ein Stück hinauf katapultiert wird und dort kopfüber im Schnee stecken bleibt – immerhin halbwegs weich.

 

Jessica und Collin sind in ein paar Tannen katapultiert worden, durch deren Zweige sie Meter für Meter nach unten gefallen und dabei aber immer mehr abgefangen worden sind, bis sie etwa zwei Meter über der Schneedecke hängen geblieben sind: mit einem letzten Sprung gelangen sie unversehrt zurück auf den Boden.

 

Der zerschossene Konferenzsaal in der Turmspitze ist inzwischen von Brunts Agenten gesichert worden, und Brunt und Farrell sind über die Feuertreppe zurück nach unten in den ebenfalls zahlreiche Einschusslöcher aufweisenden Eingangsbereich des Hotels gelangt.

Brunt erhält von einem der Sicherheitsagenten die Rückmeldung:

„Mister President, wir bekommen keinen Kontakt mehr zum Airfighter-Team: der Schnee hat den ohnehin kleinen Funkradius noch einmal verringert.“

Brunt: „Hoffen wir, dass sie noch im Einsatz sind...“

Brunt blickt zu Farrell, indem er fortsetzt: „...und Schwartz und seinen Killern auf der Spur!“

 

Chris schlägt sich mit einigem Kraftaufwand aus der Schneewand frei, in der er kopfüber gesteckt hat, und rutscht nach unten, wo ihn der Schnee auffängt. Chris rappelt sich auf und kämpft sich durch den Schnee langsam vorwärts: aufgrund des mittlerweile starken Schneefalls kann er kaum noch etwas erkennen.

 

Jessica: „Sind Sie in Ordnung, Mister Bancroft?“

Collin blickt noch einmal die Tanne hinauf – soweit im Schnee erkennbar –, die Jessica und er Ast für Ast heruntergefallen sind:

„Anscheinend – aber so etwas habe ich auch noch nicht gemacht! Wie geht’s Ihnen?“

Jessica: „Alles scheint noch an einem Stück zu sein. Aber wir müssen schleunigst zum Hotel zurück, und Chris und Bill finden!“

Collin: „Absolut – und ich will wissen, wie der Sicherheitsstatus beim Gipfeltreffen ist!“

Beide stapfen mit Anstrengung durch den Schnee und die wirbelnden Flocken.

 

Chris ist im wirbelnden Schnee einen kleinen Schneehang hinunter gefallen, der aber nicht sehr steil ist, so dass Chris im Schnee weich abgebremst wird. Beim Aufstehen erkennt Chris einige Spuren im Hang und weiter oben einen großen Abdruck, der offenkundig noch von einem hineingeschleuderten menschlichen Körper herrührt. Chris klettert vorsichtig dorthin und erkennt außerdem ein paar Bluttropfen im Schnee. Plötzlich hört Chris das Klicken einer Waffe von irgendwoher und wirft sich reaktionsschnell nach links in den Schneehang, als schon von weiter unten eine Salve Automatikkugeln in die Schneedecke einschlägt – genau dort, wo Chris gerade noch gehangen hat: die komplette Schneedecke löst sich und rollt in Form zahlreicher Schneebrocken zusammen mit Chris ein paar Meter weiter nach unten.

 

  • 16 –

  •  

Mason taucht auf einem großen Felsbrocken auf, auf den er von der Rückseite hinaufgestiegen ist: von hier aus kann er die komplette Hängebrücke und weite Teile des Felshanges überblicken, wo sich irgendwo Juan befinden muss. Mason eröffnet das brutale Dauerfeuer und schießt etwa eine halbe Minute lang ununterbrochen in die Felsen rings um die Brücke herum, so dass dort zahlreiche Felsen zerfetzt werden oder kleinere Steinlawinen den Hang hinunter stürzen. Als sein Magazin leer ist, lässt Mason befriedigt seinen Blick über den Felshang gleiten. Er lässt sein Gewehr auf dem Felsen liegen und zieht ein langes Messer aus dem Rucksack. Er klettert vom Felsen herab und begibt sich zur Hängebrücke, indem er seine Umgebung genau im Auge behält. Die Brücke hat er bei seinem Dauerbeschuss unversehrt gelassen, um sie noch überqueren zu können. Indem Mason zur Mitte der Brücke gelangt, wirkt sein Blick allmählich misstrauisch, da er immer noch keine Spur Juans entdecken kann. Plötzlich schlägt ihm Juan, der sich unter der Brücke festklammert, von der Seite die Beine weg: indem Mason rückwärts auf die Brücke fällt, schwingt sich Juan seitlich wieder auf die Hängebrücke hinauf. Schon dreht sich Mason um und sticht mit dem Messer blind in Juans Richtung. Juan, der sich weiterhin an den Seilen der Brücke festhält, schwingt sich kraftvoll hoch und klammert Masons Hand mit dem Messer zwischen seinen Füßen ein, so dass er Mason durch die Wucht seines Schwungs nach hinten wirft. Wütend schnaubend, springt Mason wieder auf und sticht wiederholt auf Juan ein.

Juan, der außer Atem immer wieder knapp ausweichen kann, keucht:

„Was habe ich dir eigentlich getan, Mann?!“

Mason zischt: „Du bist jemandem in M.C. im Wege, mein Junge!“

Juan, mit böser Erkenntnis: „Den Commodores!“

Mason grinst böse und nickt: „Die können einen gewaltbereiten Ex-Cop halt sehr gut gebrauchen. Ich muss nur dich für sie aus dem Weg räumen, Kollateralschäden spielen keine Rolle. Und außerdem glaube ich, du wirst gewaltig überschätzt, du kleiner Pisser. Als Cop habe ich Typen wie dich fertiggemacht und jetzt werde ich dich auch einfach so killen!“

Mason sticht abermals auf Juan ein und vollzieht dabei zusätzlich eine aufschlitzende Bewegung von unten quer nach oben: Juan kann zwar dem Stich ausweichen, wird aber einmal an seiner Brust entlang geschnitten, so dass jetzt Blut durch sein T-Shirt quillt.

Mason lacht: „Du Schlappschwanz hast mir gegenüber nichts drauf – und jetzt kratz ab!“

Juan schnaubt wütend auf, indem er sich das laufende Blut vom T-Shirt wischt: in Juans Augen blitzt es auf, und sein gesamter Körper wird sichtlich angespannt. Juan weicht den nächsten Stichen präzise aus und verpasst Mason jedes Mal danach einen brutalen Tritt mitten ins Gesicht: nacheinander fliegen Zähne weg, platzt Masons gesamte Lippe auf und bricht sein Nasenbein. Mit blutüberströmtem Gesicht rennt Mason mit dem Messer voran auf Juan zu, doch Juan gelingt es nun, Masons Arm mit dem Messer festzuhalten, und indem Juan einmal über Mason hinweg springt, dreht er diesem den Arm mit dem Messer auf brutale Weise auf den Rücken, wobei das laute Knacken brechender Knochen zu hören ist. Mason schreit laut auf, wobei ihm eine ganze Salve Blut aus Mund und Nase läuft. Von hinten nimmt Juan Mason, der das Messer fallen lassen hat, in den festen Würgegriff.

Juan zischt Mason bedrohlich an: „Unterschätze mich niemals! Der nächste Versuch, mich zu töten, wird dein letzter sein – verstanden, Mann?!“

Mit rot anlaufendem Kopf und einem stierähnlichen Brüllen zieht Mason ein zweites Messer aus seinem Gürtel und setzt mit der linken Hand zu einem Stich nach hinten genau in Juans Hals an – doch Juan dreht Masons Kopf im Würgegriff ruckartig zur Seite, und auf ein brutales Knacken hin lässt Masons Hand das Messer mitten in der Bewegung einfach fallen und sackt Masons Körper reglos zusammen. Juan lässt sich erschöpft auf die Bretter der Hängebrücke sinken und beginnt, seine Verletzungen notdürftig mit Kleiderfetzen zu verbinden. Da hört Juan ein schnell nahendes Donnern, und er sieht, wie sich die Airfighter-Basis von oben über der Schlucht herab senkt. In der geöffneten Luftschleuse steht Manuel und springt, als er auf gleicher Höhe angelangt ist, in einem waghalsigen Sprung über den tiefen Abgrund auf die Hängebrücke ab. Manuel winkt Ned zu, und dieser zieht mit der Basis wieder ein Stück nach oben.

Manuel läuft zu Juan und stützt diesen: „Hey, bis du noch ganz?“

Juan grinst: „Was hat dich so lange aufgehalten?“

Manuel erwidert das Grinsen: „Ich wollte dich nicht beim Training stören.“

Manuel hilft Juan auf und sieht sich dabei um.

Mit aufrichtigen, ernstem Blick sieht Manuel Juan wieder an:

„Es tut mir leid, dass ich nicht früher hier gewesen bin.“

Juan entgegnet Manuel den gleichen aufrichtigen Blick: „Danke, dass du gekommen bist.“

Manuel: „Kannst du gehen?“

Juan, gespielt entrüstet: „Ich bin zwar älter als du, aber so alt auch noch nicht!“

Manuel lacht: „Okay, okay – sorry, großer Bruder!“

Juan blickt Manuel an – ihm fällt auf, dass Manuel mittlerweile sogar ein Stück größer als er selbst ist: „Wo sind die Zeiten geblieben, als du noch mein kleiner Bruder warst?“

Manuel: „Du bleibst auf jeden Fall immer mein großer Bruder.“

 

  • 17 –

  •  

Inmitten eines kleinen Feuerkraters steht Airfighter rauchend inmitten der umherwirbelnden Schneeflocken.

Bill, der eine Beule am Kopf hat: „War der Systemneustart erfolgreich, Airfighter?“

Airfighter. „Positiv, Bill – die Triebwerke müssen noch anlaufen, aber der Triebwerksbrand konnte rechtzeitig gelöscht werden, bevor der Schaden zu groß geworden wäre.“

Bill: „Ich will mir nicht vorstellen, was gerade beim Gipfeltreffen passiert – verdammt!“

Er schlägt mit der Faust halbfest auf die Armaturen.

 

Chris kämpft sich durch die wenigen auf ihm liegenden Schneebrocken hindurch: zum Glück war die Schneewand noch sehr locker und die Massen, die ihn begraben hatten, entsprechend leicht. Chris atmet tief durch, als er sich aus dem Schnee frei gegraben hat. Auf dem Rücken liegend, sieht er sich genau um: nichts ist zu sehen, aber der umherwirbelnde Schnee beschränkt die Sicht sowieso auf nur einige Meter. Dann steht Chris mit einem Satz auf und rennt unter allem Kraftaufwand durch den Schnee, um irgendeinen Schutz zu finden. Nach etwa zweiminütigem Schneelauf erkennt Chris einen großen dunklen Schatten durch den wirbelnden Schnee: außer Atem läuft er darauf zu, indem dieser zunehmend als Hütte erkennbar wird. Als er direkt vor der Hütte steht, hält Chris das erste Mal seit zwei Minuten wieder inne: Luft holend blickt er nachdenklich zur Hüttentür.

Aus den umherwirbelnden Schneeflocken tritt eine Gestalt hervor, die nach und nach als Carl Schwartz erkennbar wird: Schwartz blickt durch die Schneeflocken ebenfalls zu der erkennbaren Hütte hinüber und richtete seine Automatikwaffe kalten Blickes aus. Sofort eröffnet er das brutale Dauerfeuer auf die Hütte, deren Holzwände durchschlagen und deren Inneres inmitten unzähligen Splitterhagels zerfetzt wird. Nach etwa einer halben Minute des Dauerbeschusses, während dessen er immer weiter einen Schneehang hinauf gegangen ist, stellt Carl das Feuer ein. Er steht jetzt oberhalb der Hütte und springt mit einem leichten Anlauf auf das schneebedeckte Hüttendach: erneut feuert er eine lange Automatiksalve senkrecht nach unten durch das Hüttendach ins Innere ab. Nach dem Einstellen des Feuers hält Carl zwei Sekunden inne, in denen kontrastierende Stille herrscht. Da hört er plötzlich ein leises Geräusch von rechts und reagiert sofort: er schießt in diese Richtung und sieht gerade noch einen Schneeball, den ihm der weg springende Chris vom Schneehang aus mit voller Wucht entgegen wirft. Der Ball trifft Carl mitten ins Gesicht, so dass Carl rückwärts auf das Hüttendach fällt und zusammen mit diesem in die zerschossene Hütte hinein kracht.

 

Jessica und Collin stapfen durch den Schnee, ohne durch die Schneeflocken weit sehen zu können.

Collin: „Das Hotel muss jeden Moment in Sicht kommen, so weit können wir ja nicht weg geflogen sein.“

Jessica: „Wenn nur die Richtung stimmt, in die wir gehen...“

Sogleich hören beide ein leises Klicken und rufen einander synchron zu: „Runter!“

Kaum auf den Boden geworfen, donnern Automatikschüsse über die beiden hinweg: sie befinden sich inzwischen an einer Stelle, die von mehreren halbgroßen Fichten und Krüppelkiefern umwachsen ist.

Collin ruft gegen den Schusslärm an: „Irgendwo hinter den Bäumen!“

Jessica: „Wir versuchen, uns ebenfalls dort zu verstecken!“

Beide robben sich durch die Schneedecke in Richtung der nächstgelegenen Kieferhecke, während um sie herum die Kugeln in den Schnee einschlagen und diesen aufwirbeln. Sich an den Schüssen orientierend, pirschen Jessica und Collin sich durch die Tannenzweige ungesehen an jeweils einen der Schützen heran und schalten die Killer, ohne Aufmerksamkeit zu erregen, aus. Beide ergreifen die erbeuteten Gewehre und schießen ein paar Mal in die Tannenhecke hinein. Dann werfen sie sich in den Schnee, als schon das Feuer aus verschiedenen Richtungen erwidert wird: ihr Plan geht auf, und ein paar der Schützen erschießen sich, blind durch die umherwirbelnden Schneeflocken, gegenseitig. Doch die übrigen Schützen nehmen jetzt die Tannen ins Visier, die unbehelligt geblieben sind, und eröffnen erneut das Dauerfeuer: Collin und Jessica pressen sich fest in die Schneedecke. Da wird die kleine Lichtung zwischen den Tännchen hell erleuchtet, und Bill senkt sich mit Airfighter im Gegenschub der Positionstriebwerke herab: Bill feuert aus den Bordgeschützen eine Automatiksalve zur Warnung mittig in den Schnee ab, die donnernd einschlägt.

Bill, über Außenlautsprecher: „Lassen Sie unverzüglich die Waffen fallen und ergeben Sie sich – oder die nächste Salve wird gezielt!“

Die Schützen kommen ohne Waffen aus den kleinen Tannen heraus auf die Lichtung ins Scheinwerferlicht und halten ihre Hände hoch. Auch Jessica und Collin kommen zwischen den Tannenzweigen hervor und winken Bill dankend zu.

 

  • 18 –

  •  

Carl Schwartz schmettert mit einem kräftigen Tritt die Hüttentür aus ihren Angeln und feuert sogleich eine Automatiksalve in einem fast 180°-Bogen in die wirbelnden Schneeflocken hinaus. Reaktionsschnell wirft er sich zur Tür hinaus auf den Rücken in den Schnee und feuert eine weitere kurze Salve nach oben auf das Hüttendach ab – doch nirgendwo kann er eine Spur von Chris erkennen. Da schlägt Chris, der hinter einem Holzbrett versteckt an der Hüttenwand gelehnt hat, Carl dieses Brett mit voller Wucht entgegen und schleudert ihm damit das Automatikgewehr aus den Händen: Chris springt Carl entgegen, und beide stürzen in den Schnee. Nach dem Austausch einiger Faustschläge, bei denen sich die beiden durch den Schnee gewälzt haben, springen sie zurück in den Stand und setzen ihren Faustkampf inmitten der wirbelnden Schneeflocken fort; dabei bricht im Hintergrund die Hütte endgültig in sich zusammen. Nach etwa einer Minute brutalem Schlagabtausch sind beide zu einem verschneiten Fichtenwäldchen gelangt, und auf eine weitere Attacke hin stürzen beide zwischen den dicken und teilweise bogenförmig aus dem Boden ragenden Fichtenwurzeln hindurch einen Hang hinter, wobei sie sich mehrmals zwischen den Wurzeln überschlagen und immer wieder in ihrer Sturzrichtung ruckartig umgelenkt werden. Chris kann sich mit aller Kraft an einer der dicken Wurzeln festhalten, da schwingt sich von der Seite schon Carl in seine Richtung und verpasst Chris einen brutalen Tritt in die Seite. Chris schlägt Carl mit dem Ellenbogen genau ins Gesicht, schwingt sich einmal um die Wurzel herum und lässt sich jetzt ebenfalls mit dem gewonnenen Schwung gegen Carl prallen: beide verlieren ihren Halt und stürzen den Hang weiter hinunter, sich immer wieder beim Aufprall gegen die großen Wurzeln unkontrolliert überschlagend. Schließlich verläuft der Hang beinahe senkrecht, und der Fichtenwaldboden weicht schroffem Felsgestein: Über einen dieser Felsbrocken hinweg werden Carl und Chris in die Tiefe geschleudert und landen auf einer vereisten Hängebrücke, die über eine tiefe Felsenschlucht hinweg führt. Chris landet mit dem Gesicht nach unten hart auf der Brücke und sieht zwischen den vereisten Brettern in großer Tiefe einen kristallklaren Bach rauschen. Als Chris Carl hinter sich auf der Brücke hört, springt er sofort in den Stand zurück, und beide gehen erneut aufeinander los. Chris pariert Carls Faustschlag und schlägt Carl dafür in den Bauch. Carl verpasst Chris einen Kinnhaken, woraufhin Chris Carl den Arm auf den Rücken dreht und ihn mit dem Kopf gegen die Glasscheibe eines Kastens an der Brücke schlägt, in dem sich ein Eispickel für Notfälle befindet: die Glasscheibe hat beim Aufprall von Carls Kopf einen Sprung bekommen. Geistesgegenwärtig schlägt Carl die Glasscheibe mit seinem Ellenbogen ein und ergreift den Eispickel, um mit diesem auf Chris loszugehen. Chris springt zurück, indem Carls Schlag mit dem Eispickel dicht vor Chris´ Brust ins Leere schnellt. Dem nächsten, tiefer angesetzten Schlag Carls entgeht Chris, indem er sich an den Ketten der Hängebrücke festhält und hochspringt. Reaktionsschnell tritt Chris, sich immer noch an den Ketten festhaltend, mit beiden Füßen gegen Carl, der nach hinten stolpert. Der nächste Schlag Carls verfehlt Chris aufgrund des vergrößerten Abstandes und geht mit voller Wucht Funken schlagend gegen eine der Ketten, die die Hängebrücke stabilisieren. Dann schlägt Carl von oben nach unten, und Chris kann dem Hieb nur durch einen erneuten Satz nach hinten ausweichen: der Eispickel zerschmettert zwei der vereisten Bretter der Hängebrücke. Chris springt hoch und schwingt sich an einer der Ketten von der Brücke weg, als schon hinter ihm der nächste Schlag mit dem Eispickel ins Leere geht und in eine weitere der stabilisierenden Ketten einschlägt: ein abrupter Ruck erfasst die komplette Brücke. Chris schwingt sich hinter Carl einmal von links nach rechts über die Brücke und hält sich auf der anderen Seite an einer anderen Kette fest, indem Carl mit dem Eispickel ausholt und sich einmal mit Schwung um 360 Grad auf der Brücke hinter Chris her dreht. Mit seinem Schwung lässt Chris die Kette wieder los, als in diese schon der Eispickel einschlägt, und lässt sich unter die Brücke fallen, wo er sich an den Holzbrettern festklammert: tief unter ihm rauscht der Bach. Carl steht über Chris auf den Brettern der Hängebrücke, die zunehmend in Schieflage driftet, und holt mit dem Eispickel aus: „Hätten Sie etwas dagegen, Commander, diesen Einsatz jetzt zu Ende zu bringen?“

Gerade will Carl mit dem Eispickel durch die Bretter hindurch auf Chris einhacken, da hört er ein gewaltiges Donnern, und aus den umherwirbelnden Schneeflocken taucht Airfighter im Tiefflug auf und hält mit seinen Positionstriebwerken direkt neben der Hängebrücke inne. Die kurze Ablenkung ausnutzend, schwingt Chris zurück nach oben, durchbricht mit den Füßen die Bretter der Hängebrücke und kickt Carl mit voller Wucht auf die Bretter. Indem Chris wieder auf den Füßen landet, ergreift er sofort eine der letzten intakten Stabilisierungsketten der Hängebrücke und hält diese reaktionsschnell hoch, als Carl schon wieder zu einem brutalen Schlag mit dem Eispickel ausgeholt hat: der Hieb schlägt unter erneuten Funken mit voller Kraft in die Kette ein, und mit einem Mal löst sich die gesamte Hängebrücke aus ihrer Fixierung und stürzt von ihrem einen Ende an in den freien Fall. Chris rennt los, indem Carl mit einem Schrei zusammen mit der Hängebrücke abstürzt. Chris rennt über die Brücke, bis diese auch unter seinen Füßen nachgibt: im beginnenden freien Fall kommt Chris durch den Schwung seines Laufens noch soeben bis zu den Kufen Airfighters gesprungen, an denen er sich jetzt festklammert, indem tief unter ihm Carl und kurz nach diesem die Hängebrücke von dem rauschenden Bach verschlungen werden.

Indem Bill mit Airfighter vorsichtig wieder hochzieht, blickt er Chris mit gespielt vorwurfsvollem Kopfschütteln an.

Chris: „Kein Wort, Bill!“

Dann beginnt Chris, noch völlig außer Atem zu grinsen: „Danke dir vielmals!“

Bill erwidert das Grinsen: „Gern geschehen – wie immer war das Timing doch perfekt!“

 

  • 19 –

  •  

In einer dunklen Tiefgarage tritt der Mann, der Mason den Rucksack zukommen lassen hatte, auf jemanden im Dunkeln stehenden zu: „Mister Mason und sein Team waren leider nicht erfolgreich. Gutierrez hat sie bis auf den letzten eliminiert, Chef.“

Derjenige im Dunkeln antwortet mit einer röhrenden, Angst einflößenden, fast robotisch klingenden Stimme: „Der Boss wird enttäuscht sein. Ich frage ihn, ob ich es nicht doch selbst tun darf!“

Die dunkle Gestalt hält ihre rechte Hand hoch und ballt die Finger zu einer Faust: die Hand ist vollständig mechanisch, und die Finger bestehen aus blitzendem Metall!

 

  • 20 –

  •  

Ein paar Stunden später sehen Chris, Jessica und Bill aus dem unweit des Hotels stehenden Airfighter, wie President Brunt Premierminister Farrell draußen verabschiedet; Bancroft steht wachsam direkt neben Farrell. Auf einem Bildschirm sind Juan, Manuel und Ned in der Zentrale der Airfighter-Basis zu sehen.

Juan: „Es wird eine gründliche Untersuchung folgen, aber ich bezweifle, dass die Commodores etwas hinterlassen haben, dass Hinweise geben könnte.“

Chris: „Wir sind froh, dass du okay bist, Juan!“

Juan: „Dank Manuel und Ned.“

Manuel: „Na ja, ganz so war´s auch nicht...“

Bill: „Sie hatten sich eben mit dem Falschen angelegt, nicht wahr?!“

Juan: „So in etwa – aber bei euch war´s ja auch nicht langweiliger, wie´s aussieht.“

Jessica: „Schön, dass du zurück bist.“

Bill und Chris nicken bestätigend.

Juan: „War auch an der Zeit, finde ich.“

 

Nach dem Beenden der Funkverbindung treten Chris, Jessica und Bill Brunt entgegen, der auf den im Schnee stehenden Airfighter zu kommt: mittlerweile schneit es nicht mehr, und es ist wieder der blaue Himmel zu sehen.

Brunt: „Immerhin ist das Gipfeltreffen erfolgreich verlaufen, was die zukünftige Zusammenarbeit der britischen Regierung mit der unseren betrifft.“

Chris: „Eine bittere Ironie des Anschlages ist, dass Schwartz der britischen Regierung wenigstens unmittelbar die durch den BND ausgehende Bedrohung vor Augen geführt hat.“

In diesem Moment tritt einer von Brunts CIA-Agenten an diesen heran:

„Entschuldigen Sie, Mister President – aber die nachgerückten Kollegen haben Neuigkeiten: die deutsche Bundesregierung hat sich gestern gemeldet und möchte gern ein Treffen zwischen Ihnen und der Bundeskanzlerin vereinbaren.“

Bill: „Das war noch vor dem Anschlag durch Schwartz´ Agenten!“

Jessica: „Das ergibt keinen – außer das hier war keine Operation des BND!“

Brunt: „Schwartz hat Ihnen aber gesagt, er sei BND-Agent.“

Chris: „Da wäre ich mir nicht mehr sicher. Ich fürchte, er hat uns damit erneut getäuscht.“

Die Blicke der vier zeigen böse Vorahnungen.

 

Story by Christian Scheffel –

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.01.2016. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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