Ewald Frankenberg

R.I.P. David Bowie (meine 1. Platte)

Heute , 11.01., es ist elf Uhr, ich habe gerade einen neuen Einsatzort erreicht,
sitze noch im Auto und habe im Radio die Nachrichten laufen „David Bowie ist tot“.
Dreimal durchatmen, einmal schlucken, nee nich? Die nächste Aktion, der Griff zum
Handy, meine Frau informieren, da sehe ich, „sie haben eine nachricht erhalten“,
sms von meiner Frau: „ich bin geschockt, David Bowie ist tot“. Zwei Seelen, ein
Gedanke, diesen spontanen Austausch hätte es für keinen Anderen V.I.P. gegeben.

Ich gedenke den Stars aus meinem Plattenregal immer, indem ich sie Abends dann
auflege, wenn ich meinen kompletten Bowie durchhören will, erzähle ich heute jedem,
brauch ich die nächsten zwei Tage Urlaub und das wird noch knapp, denn mit momentan
an die 30 Einheiten ist er in meinem Regal wohl der bestvertretene Plattenstar.

Meine Anspieltips: Helden (die deutschsprachige); Amsterdam; Station to Station (live mit u.a.
Adrian Belew); I´m afraid of Americans (live mit Sonic Youth); Hallo Spaceboy (live mit Foo Fighters);
Scary Monsters; Moonage Daydream; ...

Und ich gedenke Ihm indem ich hier einen älteren Aufsatz von mir hochlade, der zwar
nur am Rande mit David Bowie zu tun hat, aber lest selbst:

 
Meine 1. Platte:
 
David Bowie: Aladin Sane RCA 1973

In den Sechzigern gab es in unserer Familie nur das Radio, vor dem ich bevorzugt mit
meiner Mutter saß und Schlagersendungen hörte. Und kaum dass ich den Schraubendreher
handhaben konnte, wollte ich die Musiker, die ich in dem Kasten vermutete, auch noch sehen,
was für mich enttäuschend aber glimpflich ausging.

Als ich denn langsam in Richtung zweistelliges Alter ging, blieb ich auch immer öfter an Sendern
hängen, die meiner Mutter das Radiohören verübelten, aber mich immer noch neugieriger
machten. Nun war da leider kein großer Bruder, der einen gleich an „richtige“ Musik heranführte,
aber immerhin ein Vater, der einem jedesmal sagte, was überhaupt keine Musik war, und das
war genau das, was ich hören wollte.

Anfang der Siebziger war das vorwiegend Glamrock, und da liefen im Radio bevorzugt so
Boygroups wie Mud, Glitterband oder Sweet, es gefielen mir aber auch Oldies wie
„Whole Lotta Love“ oder „Paranoid“. Und im ausklingenden 1972 enterte „The Jean Genie“
von David Bowie die Hitparade. Zwar auch noch unter Glamrock geführt hatte der Song irgendwie
eine ganz andere Substanz (fast ein Spoken Word Song, vielleicht würde man heute Hip Hop sagen),
und hat sich in meinem Kopf als meinen allerersten wirklichen Lieblingssong festgesetzt.

1975 begann dann meine Ausbildung, so dass ich etwa am 1. September mein erstes Geld zur
Verfügung hatte, der Plattenspieler, ein kleines Kompaktding, dass damals alle hatten, war schon
ausgesucht, brauchte auf dem Weg zum Plattenladen nur abgeholt werden, und dann war noch Geld
für 5 Schallplatten übrig. Und die, die mich am meisten begeisterte war „Aladin Sane“ von
David Bowie, mit eben „The Jean Genie“. „Watch That Man“ oder „Cracked Actor“ waren für meine damaligen Hörgewohnheiten fast harte Rocker, das Stones-Cover „Let´s Spent The Night Together“
ein pianogetriebener Rock´n Roller und nicht nur der mit toller Gitarre von Mick Ronson. Fesselnd
durch seine wahnsinnige Rhythmik wurde „Panic In Detroit“ einer meiner Favoriten, das Titelstück
fand ich etwas zwiespältig, auf jeden Fall fesselte mich damals schon das fast jazzige Pianospiel
von Mike Garson. Und Bowie war die faszinierende Persönlichkeit schlechthin. Am liebsten wollten
wir die Haare stylen wie er, vielleicht habe ich einen müden Abklatsch hinbekommen, den bunten
Blitz, den er auf dem Coverphoto im Gesicht trägt, trauten wir uns nicht wirklich, wir kamen über
zaghafte Lidschattenversuche nicht hinaus.

Anfangs nummerierte ich meine Neuerwerbungen noch durch, und diese Platte steht tatsächlich
immer noch mit der Kennzeichnung EF1 im Regal, was auch bedeutet, dass sie im Freundeskreis
nicht so sehr auf Gegenliebe stieß, denn von den ersten ca. 100 Platten meiner Sammlung
überstanden die wenigsten die wilde Partyzeit.

Meine Vorlieben änderten sich im Laufe der Zeit, und obwohl mit mehr als 20 Einheiten quantitativ
zur Spitze gehörend, Bowie ist nicht der Favorit, da führe ich eher seinen Spezie Iggy Pop an,
aber Bowie schaffte es über die Jahre auch immer wieder in mein Blickfeld. In meinem Regal ist Musikhistorisch die wichtigste Platte die mit Andy Warhols Banane von Velvet Underground & Nico,
weil ein Großteil meiner Musik sich auf ebendiese berufen kann.

Ende der Achtziger bereicherte denn auch ein CD-Player meine Anlage, und der Konsum der
Silberlinge wurde immer mehr, bis ich vor ein paar Jahren feststellen musste, dass diese
tatsächlich im lauf der Jahre ihre Spielbarkeit einbüßen, was mich sauer machte und veranlasste,
wieder vermehrt auf Vinyl, das heute auch immer seltener nur schwarz ist, zurückzugreifen.
Wenn ich denn in 30 Jahren durch meine Plattensammlung gehe, dann fehlen mir leider fast die
kompletten neunziger, aber ich stelle immer wieder fest, es war alles schon mal da und so kann
ich optimistisch sein, dass alles auch noch einmal wiederkommt.

 
Ewald Frankenberg

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.01.2016. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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