Hans Witteborg

Trauerschwäne



„Nein länger trag ich nicht die Qualen, die Angst, die jede Hoffnung raubt. Für welche Schuld muß ich so schwer bezahlen...“ An diese Arie aus dem Freischütz von Karl Maria von Weber fühle ich mich erinnert, wenn ich von einen Ort mit dem Zusatz – Besser Vorsatz- „BAD“ lese.
Meist ist das verbunden mit dem Zusatz „Rehabilitations-Zentrum“. Das weist auf Gebrechen und in vielen Fällen auf alte Leute hin, deren Leben durch ebensolche erschwert wird.
In Nordrhein-Westfalen gibt es viele solcher Heilstätten, die mit dem Flair eines Kurparks den Betroffenen das Hochgefühl besonderer Lebensqualität vermitteln sollen. Es wird die Illusion von Ruhe vermittelt (ausgenommen die Hetze in den Behandlungsfolgen) sonst jedoch auch durch die Einwohner selbst, die in Mehrheit sich dem Altersdurchschnitt der Patienten angeglichen haben. Das heißt, Ruhe wird hier nicht verordnet sondern ist immanent.
So auch in dem wunderschönen Bad Sassendorf, gleich hinter der Soester Pampa links, älteste Gemeinde Deutschlands. Dies nicht von der Gründungsurkunde her sondern vom Altersdurschnitt der Bewohner und das hat Folgen nicht nur für Amüsement und Stimmungslage.
Was hat man dort zu bieten: reine Luft durch die Salinen, Kliniken mit Ärzteschaft –man denke auch an Notfälle-  und natürlich einen Kurpark in dem auch ein kleiner Teich nicht fehlen darf.
Wo ein solcher ist, gibt es auch Wasservögel, die man, wenn auch nicht erlaubt, gerne füttert.
Ein Altershobby der neckischen Art, zu schön anzusehen, wie sich z.B. die Enten um das Futter prügeln, man hat ja sonst nichts Erfreuliches.
Schwäne gibt es auch, die sind aber zu vornehm, um sich um Brosamen zu streiten.
Die ziehen eher majestätisch ihre Bahnen oder ruhen sich auf dem Rasen aus. Aber irgendwie sind sie auch noch anders! Wir erinnern uns, daß es sehr, sehr ,sehr viele Ältere Menschen in unserem schönen Bad Sassendorf gibt. (Nein nicht? Dann müßt ihr noch einmal von Beginn an lesen!!) Zurück zu der Geschichte.
Das Anderssein der Schwäne bezieht sich auf ihre Farbe. Die Schwäne tragen Trauer, angepaßt an die Situation von Besuchern und Bewohnern, gewissermaßen im Vorgriff auf das zu Erwartende. Trotzdem sind sie beliebt und man nähert sich den Hoheiten immer wieder gerne. Die lassen es mit Würde über sich ergehen.

So lange sich die Zweibeiner in natürlicher Haltung nähern, bleiben sie ganz friedlich.
„Sind doch auch nur Geschöpfe ohne Flügel,“ denken sich die klugen Tiere, gehören wie wir zur Natur, also keine Aufregung, zumal ihre Bewegungen nicht einmal geschmeidig schnell sind!“
Insofern hätte ich mir die Geschichte auch sparen können. ABER:

Das Verhalten der Trauerschwäne ändert sich abrupt, wenn ein Besucher im Rollstuhl oder sich mit einem Rollator nähert. Dann gehen sie in Kampfstellung und schlagen wie wild mit den Flügeln um sich. Wer von so einem Schlag getroffen wird, hört die Engelein im Himmel singen, was einem gewissermaßen vorweg genommenen Ereignis* gleichkommt.
Ja, wer die Schwäne stört**...wenn sie Trauer tragen!**

*Anmerkung: wenn jemand meint, ich hätte etwas gegen ältere Leute, dann stimmt das nicht, da ich doch selbst jenseits von Gut und Böse bin, meine Ruhe haben möchte und dies bitte ohne jede Rehabilitation. Ich mag auch Schwäne und gönne auch ihnen ihren Frieden!

**Titelanleihe v. Harper Lee   / Titelanleihe britisch-italienischer Horrorfilm 1973
Trauerschwäne

„Nein länger trag ich nicht die Qualen, die Angst, die jede Hoffnung raubt. Für welche Schuld muß ich so schwer bezahlen...“ An diese Arie aus dem Freischütz von Karl Maria von Weber fühle ich mich erinnert, wenn ich von einen Ort mit dem Zusatz – Besser Vorsatz- „BAD“ lese.
Meist ist das verbunden mit dem Zusatz „Rehabilitations-Zentrum“. Das weist auf Gebrechen und in vielen Fällen auf alte Leute hin, deren Leben durch ebensolche erschwert wird.
In Nordrhein-Westfalen gibt es viele solcher Heilstätten, die mit dem Flair eines Kurparks den Betroffenen das Hochgefühl besonderer Lebensqualität vermitteln sollen. Es wird die Illusion von Ruhe vermittelt (ausgenommen die Hetze in den Behandlungsfolgen) sonst jedoch auch durch die Einwohner selbst, die in Mehrheit sich dem Altersdurchschnitt der Patienten angeglichen haben. Das heißt, Ruhe wird hier nicht verordnet sondern ist immanent.
So auch in dem wunderschönen Bad Sassendorf, gleich hinter der Soester Pampa links, älteste Gemeinde Deutschlands. Dies nicht von der Gründungsurkunde her sondern vom Altersdurschnitt der Bewohner und das hat Folgen nicht nur für Amüsement und Stimmungslage.
Was hat man dort zu bieten: reine Luft durch die Salinen, Kliniken mit Ärzteschaft –man denke auch an Notfälle- und natürlich einen Kurpark in dem auch ein kleiner Teich nicht fehlen darf.
Wo ein solcher ist, gibt es auch Wasservögel, die man, wenn auch nicht erlaubt, gerne füttert.
Ein Altershobby der neckischen Art, zu schön anzusehen, wie sich z.B. die Enten um das Futter prügeln, man hat ja sonst nichts Erfreuliches.
Schwäne gibt es auch, die sind aber zu vornehm, um sich um Brosamen zu streiten.
Die ziehen eher majestätisch ihre Bahnen oder ruhen sich auf dem Rasen aus. Aber irgendwie sind sie auch noch anders! Wir erinnern uns, daß es sehr, sehr ,sehr viele Ältere Menschen in unserem schönen Bad Sassendorf gibt. (Nein nicht? Dann müßt ihr noch einmal von Beginn an lesen!!) Zurück zu der Geschichte.
Das Anderssein der Schwäne bezieht sich auf ihre Farbe. Die Schwäne tragen Trauer, angepaßt an die Situation von Besuchern und Bewohnern, gewissermaßen im Vorgriff auf das zu Erwartende. Trotzdem sind sie beliebt und man nähert sich den Hoheiten immer wieder gerne. Die lassen es mit Würde über sich ergehen.

So lange sich die Zweibeiner in natürlicher Haltung nähern, bleiben sie ganz friedlich.
„Sind doch auch nur Geschöpfe ohne Flügel,“ denken sich die klugen Tiere, gehören wie wir zur Natur, also keine Aufregung, zumal ihre Bewegungen nicht einmal geschmeidig schnell sind!“
Insofern hätte ich mir die Geschichte auch sparen können. ABER:

Das Verhalten der Trauerschwäne ändert sich abrupt, wenn ein Besucher im Rollstuhl oder sich mit einem Rollator nähert. Dann gehen sie in Kampfstellung und schlagen wie wild mit den Flügeln um sich. Wer von so einem Schlag getroffen wird, hört die Engelein im Himmel singen, was einem gewissermaßen vorweg genommenen Ereignis* gleichkommt.
Ja, wer die Schwäne stört**...wenn sie Trauer tragen!**

*Anmerkung: wenn jemand meint, ich hätte etwas gegen ältere Leute, dann stimmt das nicht, da ich doch selbst jenseits von Gut und Böse bin, meine Ruhe haben möchte und dies bitte ohne jede Rehabilitation. Ich mag auch Schwäne und gönne auch ihnen ihren Frieden!

**Titelanleihe v. Harper Lee / Titelanleihe britisch-italienischer Horrorfilm 1973

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.01.2016. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Vom Ufer aus von Hans Witteborg



Die Gedichte begleiten durch die vier Jahreszeiten und erzählen wie die Natur erwacht, blüht und welkt, wissen von reicher Ernte zu berichten. Der Spätsommer im Park, winterliche Gefilde oder Mailandschaften scheinen auf. Der Autor verwendet meist gereimte Zeilen, zeigt sich als Suchender, der neues Terrain entdecken möchte. Der Band spricht von den Zeiten der Liebe, zeigt enttäuschte Hoffnungen und die Spur der Einsamkeit. Wut und Trauer werden nicht ausgespart. Es dreht sich das Kaleidoskop der Emotionen. Der kritische Blick auf die Gesellschaft und sich selbst kommt zum Zuge. Kassandras Rufe sind zu hören. Zu guter Letzt würzt ein Kapitel Humor und Satire. So nimmt der Autor seine Zettelwirtschaft aufs Korn, ein hoffnungsloser Fall.

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