Peter Vyskovsky

Wie Kreuzfahrten gelingen

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Wie Kreuzfahrten gelingen
 
 
Ein gutes Übungsbecken, um erste Erfahrungen mit Kreuzfahrten zu sammeln, ist das Mittelmeer. Der Abfahrtshafen liegt meist nicht gar zu weit weg von zu Hause,  Sprachen sind irgendwie bekannt, Länder und Mentalitäten meist auch - besonders, wenn man ans westliche Mittelmeer denkt. Manche Städte hat man vielleicht sogar schon besucht, kann sich diesen Landgang also entweder sparen oder punktuell etwas besichtigen, wovon man schon lange geträumt hat. 
 
Auf einem Kreuzfahrtschiff – im konkreten Fall reden wir von der 2014 gebauten Costa Diadema mit 15 Decks, 1.800 Kabinen und 130.000 BRT – ereignen sich nämlich viele Dinge parallel. Während man etwa zum wiederholten Mal durch die Ramblas in Barcelona  promeniert, gibt es an Bord eine Dichterlesung, ein Volleyball-Match, einen mediterranen Bastel- oder Kochkurs oder einen wunderbaren Aufguss im exklusiven Samsara- Wellnessbereich. Daher gilt es Prioritäten zu setzen und diese auch mit seinen Reisepartnern abzustimmen. Der Tagesplan eines Kreuzfahrers ist in der Tat meist stressiger als vor dem Einschiffen erwartet.
 
Günstig soll eine solche erste Reise häufig auch sein, daher konzentriert sich das Interesse eben meist auf größere Schiffe. Als Routinier werden Sie später die kleineren Schiffe mit bald vertrautem Umfeld  und die dortige Gelassenheit an Bord umso mehr genießen.  Lassen Sie die Reederei Ihre Kabinennummer bestimmen (Flex-Kabine), bringt das eine weitere Ersparnis gegenüber einer Garantie- oder Premiumkabine, bei welcher Sie die Lage Ihres Wohnraums an Bord an Hand von Plänen (wie bei Theaterplätzen) sofort selbst bestimmen können.
 
Fly & Cruise macht’s komfortabel 
 
Manchmal bekommen Sie je nach Auslastung des Schiffes bei der Flex-Buchung auch ein Upgrade, wir wurden zB kostenlos auf eine 17 qm Balkonkabine höhergestuft. Die # 9008 lag sehr ruhig am Bug des gegenwärtigen Flaggschiffs der Costa-Gruppe, wir konnten das Vertauen des Schiffes und das Ein- und Aussteigen der Passagiere stets gut beobachten. Da die Fahrt allerdings entgegen dem Uhrzeigersinn verläuft, wählen Experten, welche häufig die Küste beobachten und fotografieren wollen, besser Kabinen mit ungerader Nummer, also etwa # 9009.
 
Ob Sie beim Reisebüro Ihrer Wahl, bei Internet-Anbietern oder direkt bei Costa buchen ist Service- und  Geschmacksache. Costa nimmt Sie nach Beendigung Ihrer Tour ohnehin in ihr verführerisches Marketingprogramm auf, welches Sie  in regelmäßigen Abständen mit  Cruises zu Sonderkonditionen wieder an Bord lockt. Besonders bequem ist ein Fly & Cruise-Paket, bei welchem die Reederei den Flug im Kabinenpreis bereits eingeschlossen hat. Wir gaben unser Gepäck inkl. der per eMail erhaltenen und selbst “gebastelten“ Kofferanhänger am Airport ab und begrüßten es dann erst wieder in der Kabine. Was Flug und Busfahrt von Genua ins westliche Hafenstädtchen Savona doch erheblich vereinfachte und den Genuss des Bordlebens von der ersten Minute ermöglichte.

Wohlfühldokument Kabinenkarte
 
Beim Check-in an Bord bekamen wir auch das wichtigste Costa Dokument: die Kabinenkarte oder Bordkarte, die nicht nur den Zugang zu ihrem Schlafgemach (innen, außen, Balkonkabine, Samsara- Luxus oder Suite) regelt, sondern gleichzeitig Abrechnungsinstrument für alles darstellt, das Sie an Bord konsumieren. All in gebucht ? Ist doch klar, die Reederei muss uns doch während der Reise  verpflegen, oder ?. Das tut sie auch, aber das Marketing-Team schürt auch Wünsche, die dann eben extra zu berappen sind bzw. auf die allzeit bereite  Kabinenkarte gebucht werden. Cash braucht man in kaum einer Situation an Bord, für die Extras sollte man allerdings die Kreditkarte voll oder limitiert frei schalten, weil man sonst öfter an der Rezeption antreten muss, um die Konto-Balance sicherzustellen.
 
Das 4D-Kino muss doch toll sein ? Rund 5 € für Ihr Budget. Ein Glas Lambrusco oder Prosecco gibt’s in der Vinoteca Toscana  ab 5 €, die duftende Pizza nebenan ab 6 €, die Kugel Eis in der Gelateria Amarillo schon ab 1,5 € und so geht es dahin. Also lohnt es sich doch zumindest für die Drinks, das Getränkepaket von Costa in Betracht zu ziehen, weil Getränke im All-in Reisetarif hier eben nicht inbegriffen sind.
 
Das neue Modell Piu Gusto um rund 28€ pro Tag eröffnet Ihnen freien Getränkegenuss im Glas zum jeweiligen Essen und in rund 10 Bars des Schiffes, aber wie erwähnt nicht in allen Bars und nicht fürs gesamte Sortiment. Zur Beruhigung: Sie können sich dennoch durch rund 70 Cocktails und noch mehr Hard und Soft Drinks schlürfen. Die im Barmenu  mit Sternchen versehenen Spezialitäten werden  allerdings als Extras in Ihrer Endabrechnung aufscheinen. Piu gusto wird auf Ihrer Kabinenkarte vermerkt und ist ein Paket für mittleres Wohlfühlen. Jenes für Mittag- und Abendessen allein kostet etwa die Hälfte und mag für Bar-Abstinenzler gut geeignet sein, jenes, das auch den Inhalt der Minibar in der Kabine inkludiert sowie noch mehr Drink- Specials  rund das Doppelte.
 
Aber das ist ja gerade das Außergewöhnliche an einer Cruise-Woche,: dass man nicht, wie nach der Arbeit, gehetzt ein Bier im Beisel kippt, bevor der Bus kommt. Sondern abgeklärt in Lederfauteuils gestreckt, mit einem eleganten, fruchtig dekorierten Cocktail dem Partner zuprostet und einfach Zeit hat. Zeit zum Gespräch, Zeit zur Entspannung, Zeit zum Träumen oder Entdecken.
 
 

Wenn sich das Theater orange färbt

 
Man bewundert in der Lobby den riesigen Tannenbaum, bestaunt zehn Aufzüge, die dekorativ hinauf- und hinuntergleiten, lernt andere Kreuzfahrer kennen und stimmt sich mit swingender Musik erwartungsvoll auf das erste Dinner ein. Doch halt, so schnell geht das nicht. Diesem ersten abendlichen Höhepunkt steht noch etwas bevor, das Sie in Ihre Kabine zurückzwingt.
 
Die verpflichtende Sicherheitsübung am Abreisetag mit Schwimmweste und entsprechender Ausrüstung, wobei die Herausforderung zunächst darin besteht, laut Plan die eigene der 10 Sammelstationen zu finden. Zu Fuß natürlich, denn im Krisenfall macht der Lift keinen Sinn. Das Reglement wird in 5 Sprachen erklärt, aber man bleibt im Raum (in unserem Fall Master Station A, das Große Theater) und muss kein Rettungsboot besteigen. Die orange Schwimmweste weist Sie jedenfalls als Neuling an Bord aus, wieder eine Gelegenheit etwa nach Übungsschluss in der Lobby miteinander ins Gespräch zu kommen.
 
 

International kommunizieren 

 
Deutschsprechende werden Sie wohl ein bisschen suchen müssen, mit Englisch tut man sich deutlich leichter und die meisten Passagiere kommen aus Italien, Frankreich oder Spanien. Asiaten gibt es auf beiden Seiten des Bartisches, als Mitglieder von  Fernost-Reisegruppen, die einen komfortablen  „EU-Kurzkurs“ machen  oder als stets lächelnde Barkeeper meist mit Herkunft von den Philippinen.
 
Amerikaner tun sich mit der Sprachenvielfalt im Lift, beim Sport, an der Bar, beim Essen meist noch schwerer als wir. Ponte cinque – warum spricht der Lift italienisch ? Warum sprechen hier nicht alle Englisch, hört man sie oft jammern. Andere aber genießen es, einmal so richtig international unterwegs zu sein. Den US-Bürgern ist übrigens auf vielen Costa- Schiffen eine seltsame Ausnahme gestattet. Für sie gibt es Eiswasser gratis an der Bar oder beim Dinner. Weil das in ihrem Lande zur Gewohnheit gehört und sie es anders nicht verstehen könnten. Deren schlaue Kabinenkarte hat das festgeschrieben, unsere nicht..
 
Die sonst effiziente Organisation der Costa- bzw. der britisch-amerikanischen Carnival-Gruppe kann schon mal entgleisen, wenn es Sonderfälle gibt, zu denen wenig oder nichts im Servicehandbuch der Crew steht. Alle Kabinen an Bord sind grundsätzlich Nichtraucherräume, aber in einer der uns zugewiesenen Kabinen war intensiver Zigarettenrauch, offensichtlich vom uneinsichtigen Vorbenutzer, spürbar. Wir meldeten das sofort vor dem Ablegen, aber es dauerte mehr als zwei Tage inkl. Costa’s Aerosol-Spray sowie intensiver eigener Lüftungsmaßnahmen bis das Thema bereinigt war. Einen pragmatischen Vorschlag der Rezeption zu einem Kabinenwechsel gab es nicht.
 
 

Perlenglanz  bei Tisch und auf dem Teller

 
Cena oder das Dinner ist die einzige Mahlzeit, für welche man bei Costa mit seiner Kabinenkarte auch einen definierten Sitzplatz zugewiesen bekommt. Bei anderen Reedereien ist es etwa möglich, jeden Tag in einem anderen Restaurant zu speisen, manchmal auch ohne geregelte Zeitvereinbarung. Das erste Service beginnt um 18h30, die zweite Serie dann um 21h00. Und die Bühnenshow ? Die gibt’s zwei mal, also entweder vor oder nach dem 5 Gang Essen, das uns der engagierte Kellner mit einer italienisch-deutschen Speisekarte ankündigt. 
 
Dank Ihres Einschiffungsformulars, das Sie schon vor der Abreise ausgefüllt haben und der bekannt universellen Kabinenkarte, weiß das lächelnde asiatische Personal längst, dass Sie an einem deutschsprachigen Tisch, bei unserer Familie für 4 Personen, speisen und besitzt  in der Regel auch Kenntnisse dieser Sprache. Das Andularia Hauptrestaurant befindet sind auf Deck 3 zentral neben der großen Lobby mit Rezeption, Liften und Hauptbar.
 
Einmal in der Woche gibt es ein Gala Menu, da wird elegante Kleidung erwartet und die vor allem die Italienerinnen .führen das Beste aus, was der Kleiderschrank zu bieten hat. Im zweiten Gang sind Primi Piatti verzeichnet: Suppen, Risotto, rare Pastaspezialitäten. Der dritte Gang heißt Secondi Piatti und ist die Hauptspeise, wie zuvor  gibt es meist 2-3 Gerichte zur Wahl: Fisch, Fleisch und jeden Tag eine interessant gewürzte, bodenständige Spezialität aus einer anderen Region des Landes: Apulien, Ligurien, Sardinien, Toskana usw. Die wird in der Karte genau erklärt und schmeckt vielen Gästen vortrefflich.
 
Der erste Gang ist eine kleine, aber wunderbar dekorierte Vorspeise mit Fisch oder Fleisch, elegantem Gemüse etc. Nach dem Hauptgang kommt etwas, was wir Fluchtoption getauft haben. Sollte man noch Hunger haben, gibt’s hier täglich 2-.3 verschiedene Sorten klassischer Pasta, anstelle oder als Zusatz zu einem Kapitel in der Speisekarte, das jemanden  nicht besonders angesprochen hat. Den Abschluss bilden eine kleine delikate Käseplatte und eine dreiteilige Dessertauswahl. Das wäre jetzt der einzige Moment im Tagesablauf, wo Sie ihr Eis inklusive schlecken können, ansonst bleibt nur der Weg in die neonbeleuchtete Gelateria  mit Zusatztarifen.
 
Herr über alle Köche auf den 15 Costa-Kreuzern ist ein italienischer Chef namens Bruno Barbieri, der insgesamt 7 Sterne in seinen Restaurants an Land gesammelt hat. Beim Perlhuhn am Galaabend hat uns sein Team allerdings enttäuscht. Kam optisch toll und irgendwie „neureich“ auf den Tisch, hielt aber geschmacklich nicht das, was einige aus unserem Flugzeug sich erwartet haben. Sie „flüchteten“ zu den Hamburgern im Lido-Geschoß.
 
 

Piu Gusto zum Essen und vor der Show

 
Ihr Piu Gusto Getränkepaket liefert Ihnen drei Rot- und Weißweine im Glas zur Wahl oder zwei Fassbiersorten. Die elegante, reichhaltige Weinkarte, die Ihnen Ihr Kellnerteam zu Beginn überreicht hat, umfasst rund 6 Seiten herrlicher italienischer und internationaler Reben zu Tarifen von 5 – 20 € pro Glas. Die speziell für Piu Gusto Gäste zusammengestellte 2 seitige Liste der inkludierten Optionen bekamen wir erst am vorletzten Tag, auf dringenden Wunsch, überreicht. 
 
Je schneller man diese administrativen „Besonderheiten“ lernt, desto sicherer bewegt man sich an Bord und genießt präzise all das, was man schon mit der Getränke- oder Kabinen-Buchung bezahlt hat. Also vor dem Essen ein Aperitif, nach dem Essen ein Digestif, dann in der Lobby einen Black Russian und beim Warten auf die Show im großen 3 stöckigen Theater vielleicht einen fruchtigen Planters Punch. So jetzt sind wir break even mit den Tageskosten unseres Getränkepaketes, obwohl es erst 21h30 ist, oder ?
 
Die erste Show brachte Bekanntschaft mit Stefano, einem großartigen Tenor mit mächtiger Stimme, der alles drauf hatte, was Oper und Musical so fordern.  An anderen Tagen stand Akrobatik und Varieté im Fokus und am 24.12. zu Mitternacht verwandelte sich der Saal in eine nicht nur von Italienern gut besuchte Kirche. Nach Ende der Shows schwärmt man aus in verschiedene kleinere Themen-Bars,  wobei uns das Country & Rock Etablissement neben der Ferrari Prosecco Bar am besten gefallen hat. Wer es ruhiger haben will, zieht sich in die nicht gerade überlaufene Piano Bar zurück.
 
Zum Ausklang genießen Sie einfach Ihre Kabine, in welcher unser Steward Rodolfo inzwischen die Fenster verdunkelt und die komfortablen Betten aufbereitet hat. Ja, man wird wirklich verwöhnt an Bord. Dank der modernen Technik des Schiffes werden Sie die Wellenbewegungen kaum mitbekommen, dafür aber vielleicht vom Programm des nächsten Tages träumen, welches das Costa Reisemanagement im Diario del bordo (Fachtitel, aber in Deutsch) auf 4 Seiten kompakt zusammenfasst. Da finden Sie Startpunkt und Uhrzeit der Ausflüge, Öffnungszeiten der Frühstücksrestaurants und Fitnesstempel sowie weitere Informationen für den Morgen und die mannigfaltigen Aktivitäten des ganzen Tages. Dort steht natürlich auch, was alles an Bord geschieht von Mitternacht bis 4 Uhr früh, während Sie vielleicht schon angenehm schlummern.
 
 

Frühstücken Mexikaner  langsamer ?

 
Der Frühstücksbeginn ist abhängig vom Eintreffen des Schiffes im jeweiligen Hafen, im Hauptrestaurant Fiorentino in der Regel ab 7 Uhr. Wer kürzer/schneller frühstücken will, wählt das SB Lokal Lido auf Ponte/Deck 10. Es ist allerdings schon eindrucksvoll, wenn zu Beginn im zweistöckigen Fiorentino die ganze Koch- und Servicebrigade Spalier steht und 25 Personen die Gäste begrüßen und Plätze zuweisen. Sehr kreativ fand ich die Teilung des Angebotes in einen Bestell- und einen SB-Teil. In der internationalen Frühstückskarte kann man  aus mehr als zehn an den Tisch servierten Ländervarianten auswählen, vom deutschen Frühstück mit Wurst, Käse und Schwarzbrot. norwegischem mit Lachs, mexikanischem mit Eierkuchen und Chili, amerikanischem mit Pancakes samt Ahornsirup oder dem  beliebten Brunch-Hit  Oeufs Benedicte mit Bacon, Gemüse und Sauce Hollandaise.
 
Bei regem Betrieb kann das Service schon mal länger dauern. Wir bedauerten Holländer, die 30 min lang sehnsüchtig auf ihr mexikanisches Frühstück warteten, um es dann nach wenigen Bissen deprimiert zurückzulassen und pünktlich zum Ausflugstreffpunkt zu eilen. Der SB-Teil des Fiorentino bietet alles, was man sich sonst vom Frühstück wünscht, also Croissants, Brot, Wurst & Käse, mediterranes und karibisches Obst, Joghurt, Desserts und mehr. Haben Sie ausführlich Zeit, so denken Sie  danach an einen guten Cognac oder einen Banana & Baileys Cocktail, wie ihn Ihr Piu Gusto Paket freundlich serviert stets für Sie bereit hält-
 
Ausflüge sind ein Thema, das mehrere Aspekte wie Reiseträume, Budgets und Organisationstalent berührt. Die von den Reedereien allgemein angebotenen Exkursionen können Budgets beträchtlich belasten, sind aber in der Regel mit viel Routine, gutem Fachwissen und einem Lächeln am Morgen ausgestattet. Ich finde, einen Ausflug zu einem Ort, den man noch nicht kennt oder zu welchem man eine besondere Beziehung hat, sollte man sich schon leisten. Die anderen Besuche kann man in kleinen Gruppen in Selbsthilfe oder gar zu zweit organisieren.
 
 

Französische Küche bei der Hafenpromenade

 
So fuhren wir mit dem Taxifahrer französisch plaudernd in 12 min zum Vieux Port in Marseille und spazierten durch die geschichtsträchtige Altstadt, um später das neue Mittelmeer-Museum zu besuchen. Mittags nahmen wir einen kleinen Snack in den Arkaden am Hafen und rollten schließlich mit dem Minizug (9 €) hinauf zur Notre Dame de la Garde Kathedrale mit ihrer prächtigen Aussicht über Stadt und Meer. Bekannte von uns unternahmen inzwischen eine Bootsfahrt zum bekannten Chateau d’If, um dort auf den Spuren des Grafen von Monte Christo zu wandeln.  Um 20€ zu viert ging es dann wieder retour an Bord. Sowohl Ein- wie Auschecken war trotz elektronische Gepäckkontrolle in 4 min erledigt. Kabinenkarte und Pass genügen dafür, etwas Geld für Imbiss oder Shopping an Land kann nicht schaden. Eine stilechte Bouillabaisse im Alten Hafen holt immerhin 25€ aus Ihrer Geldbörse.
 
Einige Landgänger stürzten noch ins Buffetrestaurant Corona Blu (Deck 10), wo um 16 Uhr ein besonderes Burgerbuffet veranstaltet wird. Wenn Sie menschliche Habgier und Egozentrik-Verhalten beobachten wollen, hier erleben Sie diese Phänomene jede Minute. Ein Turm von 5 Burgers balanciert durch die Reihen ungeduldig Wartender, Servietten, Senf, Ketchupbeutel und teils auch Besteck hat der Träger in die Taschen gesteckt, der Familien-Nachwuchs folgt mit den Getränken. Wie soll der Burger garniert sein ? Egal, die Menge macht’s. Hier ist legere Kleidung angezeigt, denn nicht jeder leckere Burger gelangt wohlbehalten an sein Ziel rund um den großen Indoor-Pool. Um 17 Uhr ist der tägliche Spuk vorbei und Schluss mit All-in-Essen, bevor um 18h30 die erste Sitzung des Dinners  ihren Auftakt hat. 
 
Gegen Bezahlung kann man natürlich weiterschlemmen, im italienischen Pizzalokal, dem deutschen Biertreff mit zünftiger Musik, dem eleganten Spezialitätenrestaurant mit attraktiver Speisekarte, erstklassiger Küche und gediegenem Service (empfehlenswert um rund 25 € für 3 Gänge und Wein) oder dem Teppanyaki Grill in welchem japanische Chefs gekonnt ihre Beile und Messer schwingen. Kostenbeiträge werden auch für das  Samsara Center für Wellness und Fitness fällig. Für wen das ein wesentlicher Kreuzfahrt-Programmpunkt ist, weil er den mit 6000 qm größten Spa der Costa-Flotte individuell genießen möchte. der wählt die Wochenkarte zu knapp über 100 € und erlebt ein gediegenes, nicht überlaufenes Entspannungs-Ambiente. Kostenlos kann man sich etwa in ein großes Indoor-Schwimmbecken oder in die acht über Deck 6 und 10 verteilten kleinen Outdoor- Whirlpools drängen und der Fröhlichkeit der vielsprachigen Kinderriege lauschen.
 
 

Ausflüge im Paket oder wohlfeil selbst organisiert

 
Barcelona begrüßten wir auf eigene Faust. Ein Shuttle fährt um 3 € direkt zur Metrostation  Drassanes, (am Hafen für kleine Ausflugsboote) und am Fuß der legendären Ramblas. Lassen Sie sich einfach treiben, wählen Sie einige kleinere Museen aus (etwa zur Geschichte Barcelonas oder des Königreiches Aragoniens), rüsten Sie sich mit aktuellen Trikots fürs nächste Match des FC Barcelona aus, . entdecken Sie das Opernhaus Liceu  mit seinem Startenor Juan Diego Florez, schlendern Sie durch den Obstmarkt oder gönnen Sie sich das Shopping Erlebnis im angesagten Warenhaus Corte Ingles, Der Bus bringt Sie alle 20 min zurück zur Diadema und alles Erwähnte ist fußläufig zu bewältigen.
 
Auch Palma de Mallorca macht es Kreuzfahrtgästen leicht, einen ersten Eindruck zu gewinnen. Der 24h Hop/Hop-off Bus hält direkt am Terminal, hat 20 Stationen inkl. Kathedrale, Innenstadt und Festung Belver (Schöne Aussicht) und kostet 17 € bzw. die Hälfte für Senioren und Jugendliche. Breite Alleen laden zum Flanieren, zu einem Café oder Shopping bei Pepe’s Obststand oder Zara’s Modepalast ein. Einfach aussteigen und sich etwa bei der übernächsten Station wieder vom Bus mitnehmen lassen.
 
Ähnliche Informationen finden Sie für alle Häfen, in denen Costa- oder andere Schiffe anlegen, sie werden von der jeweiligen Stadt oder Hafenbehörde im Internet bereitgestellt. Gut vorbereitet macht alles einfach mehr Spaß und schützt vor unangenehmen Überraschungen im Budget oder Zeitplan. Vor Reisebeginn haben Sie meist mehr Zeit diesbezüglich im Web zu surfen und es passt auch zur Vorfreude auf die Kreuzfahrt. An Bord kostet WLAN 25 € pro Tag und vor den Touristik- Auskunftsschalter gibt es oft beträchtliche Warteschlangen.
 
Im Sommer kommt die Diadema den Beach-Fans mit einer leicht geänderten Fahrtroute entgegen, tauscht einen ligurischen Hafen gegen Sardinien aus und bleibt für Strand- und Badefans länger in Mallorca.
 
 

Sonne, Wellen & Meer genießen und Zeit haben

 
Dann einmal kein Landgang, sondern „Tag auf See“. Man kann somit selbst entscheiden, wann man aufsteht, ob man sich Stress macht, einfach am Balkon verweilend bei 16 Grad Mittagstemperatur im Dezember Sonne und Wellen genießt oder in der  Lido Bar am Außendeck seine Piu Gusto Karte so richtig auspresst. Genießen Sie, das zu tun, was Ihnen besonderen Spaß macht oder einfach Zeit zu haben, wie das vielleicht in Ihrem Alltag nicht der Fall ist.
 
Liest man die stündlichen Programmvorschläge im Bordmagazin stellt sich leider sogleich der  vom Alltag bekannte Leistungsdruck ein. Ausgleich ? Vielleicht der Teodora Salon am Heck des Schiffes, die Cigars Lounge, der 500 m lange Jogging Parcours auf Deck 5, die bücherlose Bibliothek, die nur mit eBooks betrieben wird, oder die Freiluftbar Stella del Sud im Abendrot.  Adrenalin ? Das Costa Casino, das Star Laser Maze oder die Grand Prix Simulation zu akzeptablen Zusatzbeiträgen. Erinnerungen ? Für Selfies gibt es genügend attraktive Plätze an Bord, der Kapitän steht beim Bordfotografen für ein persönliches Porträt mit Ihnen zur Verfügung. Günstiger sind Tannenbaum und Santa Claus als Foto-Hintergrund in der Lobby.
 
Heimweh ?  Bruno, ein einsamer italienischer Gitarrist aus Südtirol singt für Sie in der halbleeren Bierstube „Dresden“ das Kufsteinlied, während der freundliche Filipino versucht, Ihnen Münchener Weißwürste schmackhaft zu machen, als Zusatzbudget natürlich und mit Becks Bier, belgischem Leffe oder anderen Kult-Marken. An diesem Tag herrscht eindeutig Aktionitis, auch in den Bordshops, die generell ein attraktives Sortiment an bekannten Designer Artikeln bereit halten. Da passt die am Portobello Plaza präsentierte  Pure de Luxe- Aktionsuhr um 18€90 mit Lederbörse und gülden glitzerndem Kugelschreiber als Gratiszugaben so gar nicht dazu. Aber solche Details über sein Reisegeschenk muss  der Onkel Balduin ja nicht wissen, oder ?  Unbeeindruckt davon genossen wir die bunte, lebendige Abendshow, die diesmal von der Bordcrew gestaltet wurde. Mit dabei auch die Reiseleiterin deutscher Gruppen mit einem respektablen Beitrag aus dem Elisabeth-Musical.
 
 

Rom mit Stadtführer-Kompetenz und Heiliger Pforte

 
Das Frühstück vor der Landung in Civitavecchia hielten wir kurz im SB-Restaurant und sahen von dort schon auf die rund 20 Busse, die alle Landgänger zu verschiedenen Zielen vor allem in Rom bringen sollten. Wir hatten eine eher teure Tour mit Vatikan und Forum Romanum gebucht. Diese Stadt wollten wir mit Reiseführer-Kompetenz erleben, kompakt, mit wichtigen Highlights und vorbei an den auch im Winter lästig langen Warteschlangen. Das gelang auch sehr gut, denn noch bevor wir in die Sixtinische Kapelle eintraten, hatte uns Marco, Italiener mit langjähriger Schweiz-Erfahrung, an Hand von großen Schaubildern  Geschichte, Bedeutung und wichtige künstlerische Elemente des würdevollen Prachtbaus erläutert. Im Petersdom selbst zeigte er bloß einige wichtige Altäre und Grabmäler, gab uns ansonsten Zeit das ehrwürdige Gotteshaus selbst zu erleben. Einen Gruppenteilnehmer sahen wir mehrmals durch die Heilige Pforte schreiten, was ja im Heiligen Jahr so etwas wie einen vollkommenen Sündenablass darstellte. Hoffentlich hat es bei ihm gewirkt, denn ein Durchgang sollte eigentlich schon reichen.
 
Für alle sonstigen touristischen Bedürfnisse wie Getränke, Andenken etc. hat Marco routiniert gesorgt und die zweisprachige kleine Gruppe beim  Mittagessen wieder vereint. Dies war klassisch italienisch mit Pasta, Rinderbraten mit Gemüse und Kartoffeln sowie einem köstlichen Tiramisu und: es  wurde trotz großem Tempo mit einem Lächeln serviert. Der Bus brachte uns dann zum Reiterdenkmal von Viktor Emanuel II, von wo wir dann durch das Forum und schließlich zum Kolosseum promenierten. Für die Piazza Navona oder den Trevi-Brunnen war logischer Weise keine Zeit mehr. Und die Spanische Treppe wird gerade renoviert. Viel Wissenswertes aufgefrischt, einiges Aktuelles erfahren, die von 8h00 bis 17h30 dauernde  Tour hat sich punkto Komfort und Inhalt voll gelohnt. Natürlich  erreichten wir das Weihnachtsessen rechtzeitig, solche Dinge hat Costa bestens im Griff. Nach der Abendshow und der Mette gab es Sekt und Panettone in der großen Lobby, bevor es  auf den diversen Tanzflächen so richtig losging mit lebensfrohen  mediterranen Weihnachten bis in den Morgen hinein.
 
Im ligurischen La Spezia, unserem vorletzten Hafen, kann man einerseits Touren nach Pisa oder  Florenz unternehmen, ein großes Einkaufszentrum stürmen  oder einfach durch die kleine Stadt flanieren, mit Gebäuden aus verschiedenen Epochen von Renaissance, Neoklassizistik bis Mussolini, einem dominierenden weißen Kirchenrundbau und einer  an diesem Wintertag sehr sonnigen bunten Strandpromenade. Transport vom Schiff zur Stadt diesmal kurz und gratis, gespendet von der Hafenbehörde.
 
 

Finale Grande

 
Vor dem Abendessen rief das Costa Reisemanagement dann zu einem „Pflichtseminar“ zum Thema Auschecken, bei dem die verschiedenen Buchstaben und Farben der neuen Kofferanhänger gezeigt wurden, sowie der Gruppen-Sammelplatz vor der Rückfahrt zum jeweiligen Reiseausgangspunkt. Das war nicht italienischer, sondern konsequent amerikanischer Stil, aber es funktionierte.  Um Mitternacht musste sich jeder in Savona aussteigende Passagier von seinem großen Koffer verabschieden und wir sahen unsere erst wieder bei der Gepäcksausgabe nach der Landung. Die 60 min Busfahrt zum Flughafen Genua und den Niki-Flug absolvierten wir  locker mit kleinem Handgepäck.
 
Von kleinen Details abgesehen herrschte bei den meisten Passagieren Zufriedenheit vor, bei jüngeren und älteren Paaren, bei größeren Gruppen und auch bei den Familien. Dank Betreuung für die Kleinen im Squok Club, der Teenie-Disco, kreativer Betätigung und Bastelaufgaben, Kino und weiteren Attraktionen blieb wohl für die Eltern  genügend Zeit abzukoppeln und zu entspannen. Auch unsere Erwartungen wurden erfüllt, das Studium der Costa- Webseite, Kreuzfahrt-Kritiken und andere Berichte haben dazu beigetragen, diese richtig auszubalancieren.
 
Wir waren auf keinem Luxusschiff, aber wir konnten uns doch recht ordentlich verwöhnen lassen. Wir haben üppig gespeist, aber mit Jogging und Landpromenaden schon wieder Kalorien abgebaut. Wir haben fleißig neue Cocktails gekostet und doch  nicht die ganze Karte geschafft. Wir haben „einen Koffer vielfältiger Eindrücke“ mitgenommen und sind doch bequem gereist. Wir waren als Familie gemeinsam an Bord und unternahmen einige Dinge auch gemeinsam. Dennoch hatte jeder den Freiraum, den er haben wollte, um  sich zu inspirieren, etwas Neues zu entdecken, sich sportlich auszutoben oder einfach zu entspannen und den Alltag um eine Woche zu verschieben.
 
Unterwegs wurde eifrig über besondere Episoden und wunderbare Besichtigungen während der nun als kurz erlebten Kreuzfahrtwoche geplaudert, bis hin zur Erkenntnis, dass jemand vielleicht ein paar wichtige Entdeckungen, von denen andere schwärmten, selbst nicht gemacht hat. Aber da kann es ja das Zweite Mal einer Kreuzfahrt geben. Die Diadema fährt die „Rennstrecke“, die wir hier beschrieben haben, wöchentlich das ganze Jahr. Wenn Sie was Wichtiges übersehen habe – einfach nochmals buchen. Oder in einem anderen Gewässer kreuzen mit einer ganz anderen Reederei.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.01.2016. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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