Ich fahre nicht allzu oft mit der U-Bahn, aber hin und wieder schon. Rolltreppen suche ich zu vermeiden, um körperlich nicht einzurosten,
aber manchmal überkommt mich die Faulheit und ich genieße es, hochgefahren zu werden.
Heute, nach einem langem Tag, war wieder "Entspanntheit" angesagt. Als ich die Rolltreppe verlassen will, kommt ein Mann auf mich zu.
Er ist tiefschwarz mit wilden Haaren , exotisch gekleidet und rollt einen riesigen Koffer hinter sich her.
Da, wo die Rolltreppe endet, stellt er sich hin mit seinem Koffer. Als ob er nicht wüsste, wie es weiter geht. Ich schaue vorsichtig zurück, weil ich mich frage, was der Mann vorhat. Er wird doch wohl nicht die Rolltreppe, die aufwärts fährt, mit seinem Koffer hinuntersteigen wollen?
Kann er etwa die Symbole, die signalisieren, dass hier eine Rolltreppe abwärts führt, nicht richtig deuten?
Eigentlich habe ich es eilig und müsste schon längst weg sein, aber irgendetwas hält mich fest. Der Mann steht mit seinem Koffer immer noch an der
Rolltreppe. Das kann ich dann doch nicht mehr mit ansehen und entschließe mich, den Mann auf Englisch aufzuklären, dass diese Rolltreppe
nur aufwärrs führt. Ich überlege auch, was ich tun sollte, falls er mich nicht versteht, welche Gesten ich verwenden sollte, um das Verbot deutlich
zu machen: nur rauf, aber nicht runter.
Ich gehe auf ihn zu und da geschieht etwas Unerwartetes: Ein Verbotssignal wandelt sich vor meinen Augen in ein Zugangssignal.
Der wilde, schwarze, unheimliche Mann nimmt seinen riesigen Koffer, stellt ihn auf die Rolltreppe und fährt, in aller Seelenruhe, abwärts.
Ich bin so verblüfft, dass vermutlich mein Mund offen stehenbleibt. Woher soll ich auch wissen, dass Rolltreppen jetzt - neuerdings -
hinauf- und hinunter fahren können?
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.02.2016.
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