Christa Astl

Die sieben jungen Geißlein



(Ein bekanntes Märchen - neu bearbeitet)

 
Die Geißenmutter musste fort gehen, um frisches Gras zu besorgen. Meistens liefen die Kleinen mit und sprangen währenddessen übermütig auf der Wiese herum. Weil aber ein kalter grauer Tag war, sagte die Mutter: "Ich gehe heute allein auf die Wiese, es ist so kalt, ihr könntet euch erkälten. Spielt inzwischen schön brav im Haus, - und vor allem, lasst niemanden herein!" Die Geißlein versprachen das natürlich und sie wollten auch ganz brav sein.
Kaum aber war die Mutter weg, ging ein wildes Toben los, eine tolle  Jagd über Tische und Bänke, sie stellten sich Hindernisse auf, um einander den Weg zu versperren, und hatten es dabei sehr lustig.
Plötzlich klopfte es an der Tür. Erschrocken hielten sie inne. "Wer kann das sein? Unsere Mutter hat doch einen Schlüssel!" sagten sie. "Wir wollen nachschauen". Das größte Geißlein stellte sich an die Tür, das zweite auf seinen Rücken und das dritte auch noch oben drauf. So konnte es durch ein Fensterchen in der Tür hinaus sehen. Es erkannte aber nur eine dunkle Gestalt.
Wieder klopfte es. "Wer ist draußen?" , fragte das vierte Geißlein. Eine dunkle Stimme antwortete: "Ich bin es, euer Vater, und habe euch frische Kleeblumen mitgebracht!" -- "Gras bringt uns doch unsere Mutter, die ist vor kurzem weg," antwortete das fünfte Geißlein. "Außerdem ist unser Vater schon seit langem fort, ich glaube, den haben die Menschen gefangen.", meinte das sechste. Die Stimme draußen ließ sich nicht beirren: "Nein, nein, ich bin ihnen entkommen und schnell zu euch nach Hause gelaufen. Lasst mich doch ein!"
Jetzt wussten die Geißlein nicht mehr was tun. Das Jüngste aber bettelte: "Lassen wir ihn doch herein, ich möchte meinen Vater gerne sehen!" Da schoben sie den Riegel zurück, um ihn einzulassen.
Aber kein Geißbockvater, nein, der böse Wolf sprang ins Zimmer und wollte gleich das erste Geißlein fangen. Doch das lief schnell unter dem Stuhl durch auf die andere Seite des Zimmers. Der Wolf musste um den Stuhl herum rennen. Die anderen machten es ebenso. Kaum wollte er nach einem schnappen,  schon war es über ein Hindernis gesprungen oder darunter durchgeschlüpft und das nächste Geißlein befand sich in gefährlicher Nähe seiner  gefletschten Zähne. "Fang mich doch, du kriegst mich nicht", begannen sie nun sogar zu spotten.
Das Spiel gefiel ihnen. Immer toller trieben sie es, dem Wolf schien, als ob zwanzig Geißlein um ihn herum sprangen, ganz schwindlig war ihm schon, so schnell versuchte er sich zu drehen, um eines zu erwischen. Die Zunge hing ihm weit aus dem Maul, er begann wütend und müde zu werden, aber immer schnappte er in die Luft und die Geißlein meckerten vor Vergnügen.
Inzwischen hatte sich Mutter Geiß auf den Heimweg gemacht, die Sorge um ihre Kinder trieb sie zur Eile. Von weitem hörte sie den Lärm, den die Kinder machten und lugte durchs Küchenfenster hinein. Fast blieb ihr das Herz stehen vor Schreck! Da spielten sie doch mit dem ärgsten Feind, dem bösen Wolf, Fangen. Das kann nicht gut gehen, da muss schnell was geschehen! Die Geißenmutter lehnte ihren vollen Korb an die Hauswand und holte einen dicken Prügel, den sie zu Brennholz zerschneiden wollte.
Dann riss sie die Türe auf und schlug damit dem Wolf mit all ihrer Kraft auf den Kopf, sodass er taumelte und zu Boden fiel. Noch ein paar Schläge versetzte sie ihm, bevor sie ihn bei den Beinen packte und zur Türe hinauswarf.
Erst waren die Geißlein enttäuscht, weil die Mutter das schöne Spiel abbrach. Dann aber setzte sie sich zu ihnen und erklärte, in welcher Gefahr sie geschwebt hätten. Aber da alle so gut zusammen gehalten und dadurch den Wolf müde gemacht hatten, haben sie in diesem Spiel mutig um ihr Leben gekämpft und den Wolf besiegt.
Nachdenklich räumten alle gemeinsam die Wohnung auf.
Der vor der Tür  liegende Wolf war inzwischen wieder zum Bewusstsein gekommen. Auf dem Kopf hatte er eine riesige Beule, andere Körperteile taten ihm weh und es war ihm noch immer ganz schwindlig. Mühsam wankte er nach Hause, die Lust auf junges saftiges Ziegenfleisch war ihm vergangen.
 
 
ChA 18.02.16

 

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