Inge Hoppe-Grabinger

Klassenbewusstsein



Heute erzählte mein Mann, in fröhlicher Gesprächsrunde,  er habe, als einer der wenigen Schüler seiner KLasse,  eine Telefonnummer gehabt, die im
Klassenbuch vermerkt wurde. 

Zu der Zeit  war in meiner Familie an Telefon überhaupt nicht zu denken. Ich kannte auch niemanden, der ein Telefon besaß.

In der 1O. Klasse  bekam meine Mädchenklasse   im Frühling den Auftrag, ein HERBARIUM anzulegen. Das heisst, man sollte Pflanzen
seiner Umgebung pressen,  in ein Bluch kleben, den deutschen Namen   und auch den lateinischen Namen finden, die übergeordnete Pflanzenfamilie
benennen und den Fundort angeben.
Da es zu der Zeit in Berlin noch jede Menge Ruinen gab,   auf denen reichlich Pflanzen wuchsen,   hatte ich, was die Menge anbetraf, kein Problem
mit der Suche.  Ich erinnere mich vor allem an "Saxifragae",  also Steinbrechgewächse, die  es in Hülle und Fülle gab, und  am Rinnstein gab es
Hirteltäschel, kleine, unscheinbare Pflanzen, deren "Hirtentäschel" man essen konnte.
Im Herbst sollten dann die Herbarien abgeliefert werden, und man sorgte sich darum, möglichst unterschiedliche Pflanzen präsentieren zu können.
Inzwischen waren aber die großen Ferien  zu  Ende gegangen, und einige Schülerinnen, nicht sehr viele, waren, unerhörterweise, in Österreich
gewesen. Und die hatten  in Mengen Edelweiß und Enzian mitgebracht!     Getrocknet!      
Es kam, der Vielfalt wegen, zu  sehr lebhaften Tauschgeschäften:   bei mir vor allem "Steinbrechgewächs" gegen "Edelweiß".  

Ich kann mich nicht an direkte Feindseligkeiten erinnern.  Aber seitdem gab es eine unsichtbare Kluft zwischen  X und Y.  
 

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