Erika Schmidt

Die geplante Kreuzfahrt

Fortsetzung der Geschichte von der "Ungeplanten Kreuzfahrt"

Vor einem Jahr machte ich meine erste Kreuzfahrt. Es war eine ungeplante, weil ich für meine Schwiegertochter einspringen mußte. Auf dieser Fahrt waren meine 2 kleinen Enkel dabei, und ich habe sie in keiner guten Erinnerung, da die Kinder es mir nicht leicht machten.

Trotzdem hat mir die Reise als solche gut gefallen und ich wollte sie mit meinem Mann wiederholen, in Ruhe. Doch mein Mann hatte den Standpunkt: Niemals auf ein Schiff, das ist zu eng, zu laut, zu viele Leute, nur Rummel und Schlange stehen.

Meine Erfahrungen hatten aber ein ganz anderes Ergebnis gezeigt. Also redete ich mit Engelszungen und vielen guten Argumenten auf ihn ein. Er blieb stur. Nach ein paar Wochen hatte ich ihn dann doch soweit, er mußte zugeben, daß man etwas nicht ablehnen kann, wenn man es nicht kennt. Also wurde gebucht, eine Woche westliches Mittelmeer, auf dem selben Schiff. Das war seine Bedingung. Er wußte aber schon vorher ganz genau, daß das eine "Katastrophe" werden wird.

Ein Jahr vergeht schnell und ich hatte bald den Eindruck, daß er sich doch ein ganz kleines Bißchen darauf freute. Er verreist im Grunde nämlich sehr gerne. Die Fahrt mit dem Auto nach Savona verlief problemlos, er fährt nämlich sehr gerne Auto. Wir übernachteten in einem netten Hotel. Nach dem Frühstück ging es zum Hafen, und da lag das Prachtstück von Schiff in voller Größe vor uns. Wir lieferten das Gepäck ab und machten noch einen kleinen Bummel durch die Stadt. Dabei konnten wir unser Schiff von allen Seiten begutachten. Der Kommentar meines Mannes: "Das ist ja riesig". Er hatte wohl so ein Schiffchen ala Traumschiff erwartet.

Das Einschiffen verlief ohne Probleme, ohne Schlange stehen und ohne Rummel. Der erste Pluspunkt war schon mal gemacht. Beim Mittegessen gab es den zweiten Punkt. Mein Mann war überrascht wie groß das Restaurant war, es gab genug Platz und kein Anstehen am Buffet. Die Kabine sagte ihm auch zu, und nach dem Auspacken zeigte ich ihm die wichtigsten Teile des Schiffes. Seine Skepsis wich immer mehr. Das Schiff war so groß, daß sich die vielen Leute gut verteilten. In manchen Bereichen war überhaupt niemand.

Das Auslaufen genossen wir auf dem obersten Deck. Der nächste positive Punkt war das Abendessen. Das ist ein Thema bei dem mein Mann sehr eigen sein kann. Es wurde bedient, und deshalb gab es trotz der vielen Menschen kein Gerummel, es lief alles ruhig und stilvoll ab.

So verginge die Tage, wir machten in jedem Hafen Besichtigungen oder Ausflüge. Das schöne war, daß man jeden Morgen in einer anderen Stadt und in einem anderen Land aufwachte. Da ich die gleiche Tour letztes Jahr schon machte, konnte ich meinem Mann so einiges zeigen und es gefiel ihm.         
Die Essenszeiten suchten wir uns so aus, daß es keine großen Massen gab. Am Seetag durchstreiften wir das ganze Schiff und schauten uns alles an. Wir machten es uns in den windgeschützten Außenpavillons gemütlich mit lesen, wir stiegen in einen der zahlreichen Wirlpools und sonnten uns an Deck. Das Wetter spielte auch mit, Sonne, Wärme und ruhiges Meer. Alles war bestens. Da spielte es keine Rolle mehr, daß es beim Ausschiffen in Savona in Strömen regnete. Die Heimfahrt verlief im Regen und in den Bergen im Schnee.

Ich hatte die ganze Woche nichts mehr gesagt, aber ich sah, daß mein Mann die Reise genossen hat. Beim Koffer auspacken zu hause fragte er so ganz nebenbei: "Wann machen wir die nächste Kreuzfahrt?" Ich lachte nur und meinte: "Wann immer du willst". Er mußte dann doch zugeben, daß seine Vorurteile nicht eingetroffen sind. Erst neulich habe ich ihn dabei erwischt, wie er neue Angebote gesucht hat, natürlich für eine Kreuzfahrt. Ja, Männer können schon eigenwillige Geschöpfe sein.


Erika Schmidt

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.03.2016. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Die Geschichte spielt im Berlin der 90er Jahre.

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