Iris Klinge

Antifragilität

Was ist das ? Ein neues Wort, das von dem libanesischen Philosoph Nassim Taleb kreiert wurde, um etwas auszudrücken, das es schon lang in der Natur gab. Er hat es auch beim Menschen festgestellt und ein Buch darüber geschrieben. Er nennt es „Anleitung für eine Welt, die wir nicht verstehen“.

Für ihn ist Antifragilität mehr als nur der Widerstand (Resilienz) gegen unvorhergesehene negative Herausforderungen, sondern die Fähigkeit, an den widrigen Umständen zu wachsen.

Er sagt, dass wenn wir stark genug sind, brauchen wir ein gewisses Maß an Chaos, Unsicherheit, Stress und Irrtümern als Anreiz zum Wachstum. Im Gegensatz dazu bringt uns ein strukturiertes und ineffektives Leben mit einem vorgegebenen Stundenplan nach der Stoppuhr nicht zu wahrer Kreativität.

Es erinnert mich an den Ausspruch „Was dich nicht umbringt, macht dich stark“.

Wie oft wurde ich mit unangenehmen Ereignissen konfrontiert und reagierte zunächst mit Verzweiflung oder Wut, dass ausgerechnet mir so etwas passieren musste. Nach der ersten Enttäuschung mobilisierte ich alle meine Kräfte, um mich an die neue Situation anzupassen, anstatt aufzugeben und zu resignieren. Es war wie ein Fingerzeig des Schicksals, einen anderen Weg als den eingeschlagenen zu gehen.

Es kann eine Krankheit sein, oder ein Schicksalsschlag, der uns aus dem gewohntem Trott zum Umdenken zwingt. Später entdecken wir dann vielleicht, wie gut diese Lebenskrise war, dass sie notwendig war und uns davor bewahrt hat, in die falsche Richtung weiter zu rennen.

Wenn es Frauen gelingt, sich aus einer destruktiven Ehe oder Partnerschaft zu befreien, dann ist es sicher anfänglich sehr schmerzhaft, doch im Nachhinein wohl die einzige Strategie, ihre wahre Natur zu entdecken und authentisch zu leben.
Das gilt natürlich genauso für Männer, doch diese haben mehr Möglichkeiten, ihre Bedürfnisse außerhalb des trauten Heims zu befriedigen.

Wer kennt das nicht auch, als Kind in eine bestimmte Richtung erzogen worden zu sein und gar nicht zu wissen, wer wir wirklich sind. Selbst der Beruf wird oft von den Eltern bestimmt, der Sohn muss den Betrieb des Vaters übernehmen, ob er will oder nicht, oder die Tochter hat keine Wahl als die, sich innerhalb der Familie nützlich zu machen, und z. B. Krankenschwester zu werden.

Dann kommt in der sogenannten Midlife-Krise das böse Erwachen und die Frage, ob
das jetzt alles gewesen sein soll. Viele in meinem Bekanntenkreis sind zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr aus ihrer Ehe oder dem erlernten Beruf ausgebrochen und haben etwas ganz Neues angefangen. Obwohl mit viel Schmerz und Zukunftsangst verbunden, haben sie ihren geheimen Traum verwirklicht gegen alle Widerstände von außen. Und sie haben es nie bereut.

Antifragil zu sein bedeutet also – laut Nassim Taleb - risikobereit und robust allen Unwägbarkeiten des Lebens zu begegnen, ja sogar sie herauszufordern, um an ihnen zu wachsen.



 

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