Jürgen Malodisdach

Feenzauber

 

 

Es war einmal

 

Es war einmal ein König aber ohne Königin. Trotzdem hatte er eine Tochter aus einer früheren Beziehung. Der König war ein kluger Kopf , meistens freundlich zu seinen Untergebenen und wurde deshalb respektiert.

Er hatte sich den Titel und auch außer der pompösen Burg mit viel Arbeit und Wissen , ein schönes klingendes Altersruhegeld angeschafft. Das versteckte er nicht in einer Truhe im Burgkeller, sondern ließ es arbeiten.

Er war ein wirklich guter und auch freundlicher Herrscher der sein Handwerk verstand. So kam es, dass er nach und nach noch einige Schlösser dazu sein Eigen nennen konnte.

Dafür setzte er, denn er war auch ein ordentlicher König, für jedes Schloss einen verantwortlichen Verwalter ein.

Und damit alles gut beschützt ist, engagierte er sich von Außerhalb ein paar altgediente Soldaten, die sich hier zusätzliche Dukaten oder Taler oder sonstiges Salier verdienen konnten. Natürlich auch einen Hauptmann, denn der gehört dazu.

Die sollten dann besonders bei Nacht ein wachsames Auge auf das jeweilige Schloss und dessen Umland werfen.

Denn ein wachsamer, wenn auch müder Soldat, war oft noch besser und sicherer, als die üblichen schutztechnischen Einrichtungen, die es ,egal zu welcher Zeit der Menschheits- und Schlossgeschichte , gab.

Tagsüber reichte eine anwesende schon in die Jahre gekommene ältere weiße und dünne, also mickrige Fee, die in und aus ihrer Kemenate meist einen guten Ein-und Überblick hatte, wo fremde Ritter oder sonstige Schlossbesucher mit wem oder bei wem aus-und eingingen.

Wie Feen schon in früheren Jahren selten etwas Sinnvolles zu tun hatten reichte es also aus, wenn sie manchmal eine Papyrusrolle herstellte oder auf ihrem geheimnisvollen Abakus Dinge tun musste, die nur sie selbst verstand.

Auch ein einfaches Siegel konnte sie anfertigen und irgendwo anbringen. Mehr aber auch nicht. Feen haben oft besondere Eigenarten und manchmal auch Fähigkeiten.

So gelten schwarz umhüllte Feen oft als gefährlich, siehe Dornröschen. Weisumhüllte dagegen eher als gutmütig und freundlich.

In dieser Geschichte ist das aber nicht so. Diese Fee ist zwar weiß, nicht weise, dafür genauso klein und mickrig im Kopf wie in ihrem Gehabe und der Statur und sehr von sich eingenommen.

Mit ein paar Helfern kann sie für ihre Umwelt und den Menschen Gefahren herbei zaubern. Dies vor allem zu ihrem eigenen Nutzen und Spaß und sonstigem Ergötzen.

Die Fee wollte ja unentbehrlich erscheinen. Die letzten paar Jährchen bis zu ihrer Ruhigstellung wollte sie ruhig in ihrer Kemenate tagsüber walten und sich ihren Künsten widmen. Dieses kleine bescheidene Ego wollte die unscheinbare weiße Fee noch für sich in Anspruch nehmen, bevor sie abtreten musste oder konnte.

Dazu konnte sie auf Wunsch des Verwalters auch hinwiederum unterschiedliche Mixturen in ihrer Zauberküche herstellen, die dann Besuchern kredenzt werden konnten. Nach dem Genuss derlei flüssiger und fester Zaubererzeugnisse gab es oft viel Heiterkeit und absonderlichen Neigungen zu tollen Ergüssen und anderen Ergebnissen.

Also fühlte sie sich unentbehrlich und war sich trotz nicht so großer Erfolge in der Zauberschule als Fee vierter Klasse gut genug um bis ans Ende der Welt und ihrer Tage hier zu verweilen.

Sie hatte ja noch einen Vorteil. Als Kemenatenfee mit festem Auskommen hatte sie noch einen Zauberdraht zur Tochter des Königs. Das war von nicht unbedeutender Wichtigkeit und

führte auch zu manchen Mutmaßungen, als der Verwalter von einem Tag zum Anderen seinen Abschied nehmen musste. Sanktioniert von der Tochter des Königs. Die hatte inzwischen das Amt vom König in großen Teilen übernommen.

Nun musste die freigewordenen Stelle des Verwalters neu besetzt werden . Also geschah ein großer Zauber, der einer neuen gleichalterigen Gespielin der Tochter des Königs die Chance gab, diesen Platz auszufüllen.

Die weiße Fee blieb davon unberührt, richtete zur Begrüßung schnell alles Mögliche auf und ein. Man verstand sich gleich, man kannte sich ja auch schon länger.

Nun konnte man die nächsten Aufgaben angehen. Einige eingerichtete Dinge der vergangenen Zeit waren nicht nach dem Geschmack der weißen Fee.

So hatte der König während seiner Amtszeit angeordnet, dass die ritterlichen Wächter in ihrer Dienstzeit die Kemenate der weißen Fee betreten durften. Nachts war die Fee ja nicht im Schloss, der Raum also leer. Da das aber der einzig leere Raum war, war die Anordnung des Königs sehr sinnvoll diese Kemenate zu nutzen.

Das passte der weißen Fee aber überhaupt nicht. Sie sträubte sich vehement. Erst mit kleinem Zauber, später mit größerem Donnerrollen.

Dazu gehörte, dass sie dem König weismachen wollte, dass die nächtlichen Schutzsoldaten sich in ihrer Kemenate schlecht benahmen.

So fand sie Abfälle und sonstige Hinterlassenschaften in ihrem Raum. Auch die besonders bemalten und zauberhaft dekorierten Wände und gekachelten aber mit wertvollen Teppichen belegten Fußböden waren auf abenteuerlicher Weise mit eben solchen färbenden und anderen Mitteln verziert. Das machte keinen guten Eindruck. Aber Niemand hatte es getan.

Und jedes mal war ein anderer ritterlicher Beschützer der Angeschmierte und Beschuldigte.

Im Laufe der Zeit bekamen alle Ritter der Nacht ihr Fett weg. Die wurden mit der Zeit aber immer böser, denn sie waren sich keiner Schuld bewusst, unordentlich zu sein. Das schaffte böses Blut um die vielen unwahren und unklaren Anschuldigungen.

Die kamen alsbald dem Hauptmann zu Gehör. Da der sich keinen Rat wusste, wie man die Sache klären konnte, machte er seinem Vorgesetzten , dem Obristen seine Aufwartung und freundliche Mitteilung.

Der bestellte die weiße Fee in seinen Turm und nahm ihr ein paar ihrer Zaubersprüche weg. Dafür musste sie einige seiner härteren Zauberpillen schlucken. Was ihr aber gar nicht schmeckte und sie darob böse und ungehalten werden ließ.

Der große Schlossherr, also der König, hatte für derlei Rangeleien wenig Verständnis. Wurde natürlich wie auch heute, nicht immer vollends in den Einzelheiten gar nicht oder teilweise falsch informiert.

Da er ein netter und weiser Herrscher war, lächelte er trotzdem über diese Sachen. Er sagte nochmals den ritterlichen Wachen, die er gut leiden konnte, die Kemenate der weißen Fee zum Aufenthalt zu. Das passte der Fee schon längst nicht mehr.

Wieder in ihrer Kemenate zurück gekehrt, sann sie auf Rache. Deshalb schmiedete sie mit der mächtigeren aber noch jüngeren und deshalb etwas unerfahrenen Verwalterin der Burg einen kleinen Komplott. Die machte ja oft das was die mickrige Fee vor zauberte.

Man einigte sich dazu zu verschweigen, dass die unangenehmen Vorkommnisse, die Fee selbst her zauberte. Die Ritter waren aber keine Dummköpfe und so erhorchten und erträumten sie die volle Wahrheit über diese Dinge.

So wie heute gab es auch in früheren Jahren der Burggeschichte schon immer interne Machtränke. Dazumal war es so. dass Verwalter und sonstiges Schlosspersonal, wie z.B. der Feen, die die altgedienten aber friedlichen Ritterwachen samt deren Obrigkeit nicht leiden konnte. Die hatten natürlich genügend Erfahrungen im Leben gesammelt. Waren deshalb allesamt zufrieden und freundlich zu den Schlossbesuchern und zu überhaupt allen Leuten und versahen ihren ehrenhaften Dienst so wie es sich gehörte.

Fee und Verwalterin einigten sich und schmiedeten Pläne, um die Ritter aus der Burg zu verdammen. Vielleicht wollten sie auch andere Ritter für weniger Sold anwerben.

Es durfte niemanden auffallen oder zu Gehör kommen, dass alle auftretenden Unregelmäßigkeiten der alten Ritter durch den eigenen Zauber der weißen Fee herauf beschworen wurden.

Einer der Wächter war in der Gunst der weißen Fee etwas besser angesehen. Er durfte näher an ihre dünne Taille und auch tiefer. Dafür musste er aber auch ihre private Kate und dessen Umland säubern, bearbeiten und reparieren.

Manchmal wohnte er auch ein paar Stunden oder Tage zu seiner und ihrer Zufriedenheit in der kleinen Behausung.

Nicht genug damit, versorgte der alte Soldat seine kleine dünne weiße Fee mit allerlei Informationen besonderer , natürlich ganz privater Art über die anderen alten Rittersleut.

Ein anderer ehrenhafter Ritter versorgte wiederum seinen Hauptmann und den Obristen mit seinen Ansichten über passierte oder erdachte Vorhaben und Verhaltensweisen und Geschehnissen und Gedanken aller Beteiligten.

Er wollte wohl auch etwas Gutes davon haben. Es gab ja immer solche Arten der Verbreitung von geheimen oder nicht zur Aufgabe zählenden Weitererzählungen.

So kam es zu vielen Rundumgesprächen in allen Ebenen der Schlösser und Burgen. Was einige Ritter zum Anlass nahmen ihre Stelle zu verlassen und sich anderweitig Beschäftigungen zu suchen.

Trotz aller Wechsel der Ritter und Verwalter und der anderen Bediensteten der Burgen und Schlösser kam es auch danach zu immer neuen Geschehnissen um die kleine weiße aber dünne Fee und ihrer Kemenate und natürlich auch über Freundlichkeiten zu irgendwelchen Feiertagen und Festlichkeiten und auch zur Übergabe von diversen Burg-und Schlossorden.

Das Fazit dieser Maar sollte sein, vertraue deine privaten oder schloßinternen , vielleicht auch vertraulichen oder geheimen Dinge auch wenn sie noch so schön sein sollten, niemanden in deinem Umkreis an , dem du nicht bedingungslos vertrauen kannst. Aber wer kann schon immer ins Innere anderer Erdenbewohner blicken.

Es gibt überall kleine Intriganten und Streber, die besonders bei geringer Intelligenz und Stellung viel Schaden anrichten können. Noch dazu, wenn sie Helfershelfer haben. Denn sie wollen sich nur auf Kosten anderer Leute trotz ihrer Bedeutungslosigkeit auf ihrem Sitz erhöhen. Immer zum Schaden Anderer.

 

P.S. Diese Geschichte ist frei erfunden und hat keinen Bezug zu irgend welchen Vorkommnissen oder Personen.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.04.2016. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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