Bernhard Pappe

Der Jemand

 
Stelle dir vor, du sitzt auf einer Bank.
Du sitzt und willst gerade eine Aussicht genießen auf das Meer vielleicht, oder die Berge, einen See usw.
Du sitzt und willst dir einen meditativen Moment erarbeiten.
Da kommt ein Jemand und möchte neben dir Platz nehmen.
Du bist nicht unhöflich und bietest ihm einen Platz an.
Stelle dir vor, der Jemand neben dir beginnt dich zu fragen, warum du dein Leben so lebst, wie du es eben bisher gelebt hast.
Stelle dir vor, der Jemand neben dir beginnt dich zu fragen, warum du die Dinge so tust, wie du sie bisher immer getan hast.
Stelle dir vor, der Jemand neben dir beginnt dich zu fragen, ob du genügend Liebe in deinem Leben gegeben hast.
Stelle dir vor, der Jemand neben dir beginnt dich zu fragen, ob du genügend Liebe in deinem Leben empfangen hast.
Stelle dir vor, der Jemand neben dir beginnt dich nach Geschehnissen zu fragen, die du längst vergessen hattest.
Stelle dir vor, der Jemand neben dir beginnt dich nach Dingen zu fragen, über die du nie nachgedachst hast.
Stelle dir vor, der Jemand neben dir beginnt dich nach Dingen zu fragen, zu denen zu nie Stellung bezogen hast.
Stelle dir vor, der Jemand weiß viel über dich, mag sein gar alles.
Dir wird etwas unwohl.
Der Jemand stellt seine Fragen.
In deinem Hirn rotiert es.
Du suchst die Antworten.
Noch während dir die ersten Antworten in den Sinn kommen, merkst du, der Jemand ist verschwunden.
Der Jemand ist weg, seine Fragen bestimmen dein Denken.
Jeder Frage gibst du eine Antwort.
Du weißt, nicht jede Antwort ist endgültig.
Du weißt, dein Denken wird die Fragen alle erneut stellen, irgendwann.
Du fragst lieber nicht, wer der Jemand war.

© BPa / 04-2016
 

So füge ich die Worte eines guten Freundes als
Autorenkommentar ein.

…Fragen, die man sicher nicht gern gestellt bekommt
und denen man selbst (innerlich) nur allzu gerne
auszuweichen sucht – solange man das kann…

Ich höre ab und zu davon, dass man früher durchaus
mit derartigen Dingen umgehen konnte: Eine
‚ländliche‘ Oma einfachen Gemüts setzte sich
allabendlich ans Fenster und ließ in der berühmten
„blauen Stunde“ den Tag Revue passieren – und
dankte hernach Gott für alles (ob gut oder schlimm)
…wir merken manchmal nicht einmal, wann die blaue
Stunde gekommen ist – und wenn, reflektieren wir
nicht (kaum) – die Zeit erscheint zu schnelllebig,
oder man gibt sich mit sich selbst zu wenig Mühe,
oder man ist sich scheinbar der eigenen Gedanken
über sich selbst nicht wert, oder man fürchtet das
Ergebnis einer wirklich ehrlichen Überlegung, oder
oder oder…(© dk-p@int)
Bernhard Pappe, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.04.2016. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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