Klaus Makollus

Spiegel

Spiegel sind ein Teil der Wohnungseinrichung. Sie gelten als Mobiliar. Im Badezimmer helfen sie dem Mann bei der Rasur (auch bei den Pflastern hinterher), den Damen beim Auftragen des Lippenstiftes. Im Schlafzimmer helfen Spiegel beim Ankleiden, ebenso in der Garderobe im Flur. Eitle Menschen können sich im Wohzimmer im Spiegel selbst bewundern. Und mit dem Spiegel in der Handtasche kann man sich unterwegs bewundern.

Angesichts meines voluminösen Körperbaus brauche ich natürlich großflächige Spiegel, besonders im Wohnzimmer - meine Eitelkeit ist schließlich auch nicht von schlechten Eltern. Nur der Spiegel im Badezimmer bereitete mir Sorgen. "Spieglein, Spieglein an der Wand: Sag mir - wer ist der Schönste im ganzen Land?" Offensichtlich brachte ich ihn damit in Verlegenheit - er zerbrach mir jeden Tag aufs Neue. "DU bestimmt nicht, Hans-Adalbert. Und schau´ her: Nur um dir deine Häßlichkeit vorenthalten zu müssen, zerspringe ich jetzt in viele Einzelteile." Der Glaser meines Vertrauens hat eines Tages damit begonnen, mich regelmäßig mit neuen Badezimmer-Spiegeln zu beliefern, nahm aber auch ein Vermögen für diesen Service.

Der Handspiegel in meinem Aktenkoffer war da schon ein wenig robuster. Er war zwar nicht sehr großflächig, dafür aber haltbarer. Er ging nur einmal im Monat kaputt.
 

Der Mini-Cooper. Klein, flink, wendig und paß in jede Parklücke. Doch was tun, wenn viele unmännliche Wölbungen den Herrn der Schöpfung verzieren? Genau: Man besorgt sich einen Maxi-Cooper. Dahinter verbirgt sich eine neue, flexible Konstruktionsweise extra für beleibtere Personen.

Die Besonderheit des Maxi-Coopers: Das Auto stellt sich vor Antritt der Fahrt auf den Fahrer ein. Ein Strahler mißt Leibesumfang und Gewicht der Person. Die Karosserie wird bei Bedarf verstärkt, der Sicherheitsgurt auf die entsprechende Länge eingestellt. Auch Sitzhöhe, Kupplung und Lenkrad werden den Gegebenheiten angepaßt. So ist gewährleistet, daß jemand mit extremen Bauchumfang, kurzen Beinen und nicht sehr langen Armen Auto fahren kann.

Irgendwann war ich die Tücken des Alltags leid. Süßigkeiten und Bier schmecken einfach zu lecker, um auf sie zu verzichten. Verzweifelt wie ich bin, setze ich lieber meinem einsamen, trostlosen Leben ein Ende, als daß ich verzichte und abnehme.

Zuerst versuchte ich es mit Schlaftabletten. "Bei Ihrem Gewicht brauchen Sie schon eine ganze Packung, um überhaupt müde zu werden," behauptete die Apothekerin. Als ich 10 Packungen verlangte, behauptete sie lapidar: "Die sind nicht gut für die Leber." Und verweigerte sie mir prompt.

Als nächstes versuchte ich, mich mit dem Strick zu entleiben. Im heimischen Wohnzimmer zerriss zuerst das Seil, bevor mir der Kronleuchter auf den Kopf fiel, als ich mich vom Stuhl stürzte. "Der Balkon ist wohl besser geeignet," dachte ich dann. Doch es kam, wie es kommen mußte - der Balkon brach ab, ich stürzte in die Rosen - beschädigt wurde so auch mein Gesäß.

In der Folgezeit stürzte ich mich (versehentlich) hinter einen Zug. Und was stand am nächsten Tag in der Zeitung? "Leichtes Erdbeben - Zug entgleist".

Um anderen Adipositasgeplagten und Eitlen ein ähnliches Schicksal wie mir zu ersparen, gründete ich mit Gleichgesinnten eine Suizid-Selbsthilfegruppe. Unsere Erfolge sind bescheiden - nur wenigen Gruppenmitgliedern gelang tatsächlich der Suizid. Vielen anderen gelang dafür die Flucht aus dem Übergewicht. Jetzt, da sie gertenschlank sind, haben sie wieder Lebensfreude, einige sogar Frau, Freundin und Kinder.

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