Margit Farwig

In der Elbenküche - Ein innerer Drang


In der Elbenküche geht es heute hoch her. Die Einladung ist ausgesprochen, doch die Elben haben frei und sind auf den Elbendönerberg gestiegen. Sie sind also nicht da und zwei Elben müssen ganz allein den beschwipsten Kuchen backen. Morgen findet ein Kuchenschmaus statt, das neue Rezept soll ausprobiert werden und zwar gleich fünf Kuchen auf einmal.
Flammeri und Dippchen, man hört schon heraus, welche Speisen sie besonders gern essen und gleich mit den Fingern in der Schüssel naschen und das sieht man an den besonders großen Spuren ihrer besonders großen Daumen, die wie Dachrinnen durch den Pudding und die Dippen verlaufen.
Weil sie in letzter Zeit so sehr viel genascht haben, sind sie heute zum Backen eingeteilt, haben den Elbenmeineid geschworen, die Finger von allen Zutaten und fertigen Kuchen zu lassen. Großes Ehrenwort!?
Die Oberelben sind nett, vielleicht manchmal schusselig. Sie haben gar nicht bemerkt, welcher Lust sie Tür und Tor geöffnet haben. Flammeri und Dippchen können nämlich gar nicht aufhören zu naschen. Ein innerer Drang spornt sie immer wieder dazu an. Die Elben würden niemals einem Elbchen Strafpredigten halten, nicht diesen lustigen Gesellen, die so viel Freude zaubern.
„Kennst du den Rosinenbaum?“, fragt Flammeri. „Ich kenne keinen Rosinenbaum. Ich kenne wohl das Land, wo die Zitronen blühen und das Land des Lächelns,“  antwortet Dippchen vergnügt. „Ach, es gehören doch Rosinen in den Likörkuchen, woher sollen wir die denn bekommen?“ „Aber Flammeri, das sind getrocknete Weintrauben und die wachsen an Rebstöcken.“ „Das beruhigt mich außerordentlich“, liebes Dippchen, „ich sah schon schwarz wegen der Schleckerei.“ „Wieso sind die denn schon am Rebstock vertrocknet?“, hakt Flammeri nach. Dippchen gibt sich alle Mühe Flammeri zu erklären, dass die Weintrauben nach dem Pflücken getrocknet werden, schon wegen der Haltbarkeit. „Ach so!“ Er hat es endlich begriffen.
Sie holen die Zutaten aus den Küchen- und Kühlschränken. Die Türen und Schubladen fliegen nur so auf. Die Tüten mit den Rosinen reißt Flammeri auf und schwupp, hast du nicht gesehen, kaut er genussvoll die ersten Rosinen. Dippchen müht sich mit der Eierlikörflasche ab. Ja, sie kann gar nicht groß genug sein, aber schwer ist sie. Dem kann ich wohl abhelfen, denkt Dippchen, ich nehme ein Schlückchen aus der Flasche. Er setzt die Flasche auf den
Küchenboden, stellt sie ein wenig schräg und schlürft ein Schlückchen nach dem anderen. Mit der Zunge langt er kräftig in den Flaschenhals wenn es nicht schnell genug geht. In der Zwischenzeit schafft Flammeri den Zucker, das Mehl, das Kartoffelmehl, das Backpulver, das Öl und die fünf Eier, die Rosinen und die Walnusskerne heran. Dippchen probiert noch und noch. Selbst das Abmessen der Zutaten ist Flammeri nicht zu viel. „So, Dippchen, jetzt geht es los!“
Flammeri besieht sich Dippchen. Wenn wir nicht sofort anfangen, fällt Dippchen aus und wir werden nicht fertig. Er stellt den Elben an die Zutaten, gibt Anweisungen und schafft tatsächlich mit Dippchen die fünf Kuchen, füllt sie in die Formen und schiebt sie in die Elbenbacköfen. Das hat Dippchen nicht mehr erlebt, er fiel einfach um.
© Margit Farwig  2005

 

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