Sandra Lenz

Stürmisches Herz - Teil X

Ashley hatte den Vormittag damit verbracht, sich zu baden, anzukleiden und zurecht zu machen. Marcus hatte ihr ein Mädchen hochgeschickt, welches ihr dabei behilflich war. Nun stand Ashley wie eine frisch erblühte Blume in ihrem Zimmer und wartete darauf von ihrem zukünftigen Gatten abgeholt zu werden. Sie trug ein luftiges Kleid in violett, in weichen Wellen umschloss es ihre schlanken Beine und oben brachte es ihr herrlich weißes Dekolleté richtig zur Geltung. Um die Schultern hatte sie einen leichten Schal aus Chiffon gelegt. Ihre dunklen Haare waren hochgesteckt und um ihren Hals trug sie ein goldenes Collier mit Diamanten. Sie hatte ihren kleinen goldenen Anhänger vorsichtshalber ausgezogen, damit Marcus ihn nicht entdeckte und ihn ihr vermutlich noch wegnehmen würde. Sie stand regungslos in ihrem Zimmer und wartete auf Marcus. Minuten vergingen, die Ashley wie eine Ewigkeit vorkamen, bevor es an der Tür klopfte und Marcus eintrat.
Anerkennend pfiff er durch die Zähne. Sein Blick glitt über ihren Körper und er ließ keinen Zentimeter aus. Langsam kam er auf sie zu und seine Hände umfassten ihre Schultern. Verlangend blickte er in ihre wunderschönen blauen Augen, bevor er seine Lippen auf die ihrigen senkte. Er zog sie näher zu sich heran und sein Kuss wurde fordernder. Seine Finger glitten ihren Rücken herab und er presste ihr Becken fest an seinen Körper. Deutlich konnte Ashley seine Männlichkeit fühlen. Sie fühlte sich wie paralysiert und war zu keiner einzigen Bewegung fähig. Gefühllos ließ sie seine Berührungen über sich ergehen. Marcus löste seine Lippen von ihrem Mund und sein Atem ging schwer. „Ashley ...„ Sein Atem streifte ihr Gesicht. „Du bist so wunderschön. Ich möchte dich für immer besitzen.„ Erneut senkten sich seine Lippen auf ihren Mund herab und er drängte seine Zunge zwischen ihre Lippen. Ihre Arme hingen an ihrem Körper herab und sie fühlte sich wie eine Puppe, mit der er machen konnte was er wollte. Abrupt ließ Marcus von ihr ab und starrte sie an. Er spürte, das Ashley ihn regelrecht ablehnte und ihm keinerlei Gefühle entgegen brachte. Sie hatte sich steif in seinen Armen angefühlt und es musste ein Qual für sie sein, seine Berührungen über sich ergehen zu lassen. In ihm reifte ein fieser Plan heran.
„Meine Teuerste, komm‘ mit mir und wir gehen ein bisschen draußen spazieren. Die Luft ist angenehm warm und die Sonne scheint. Lasse uns diese Schönheit der Natur genießen. Außerdem ist es mir eine große Freude ein bisschen Zeit mit meiner Braut alleine zu verbringen.„ Er grinste wieder teuflisch und Ashley beschlich ein ungutes Gefühl. Marcus griff nach ihrer Hand und zog sie mit sich hinunter in die Halle. Von dort aus gingen sie über die große Terrasse hinaus auf das riesige Anwesen der Mansons.
Stumm schritten sie einen schmalen Pfad entlang, der tiefer in den Wald führte. Marcus erläuterte ihr die Namen diverser Tiere und Pflanzen im Wald, doch Ashley nahm davon kaum Notiz. Unaufhörlich schritten sie tiefer und tiefer in den Wald hinein. Marcus ergriff Ashleys Hand und hielt sie eisern umklammert. Ashley konnte dem schnellen Schritt von Marcus kaum statt halten in ihren schmalen Schuhen.
Sie erreichten eine kleine Hütte. Neugierig blickte sie sich um. Es war nicht die Hütte, wo Marcus über die beiden kleinen Mädchen hergefallen war. „Sieh‘ nur meine Liebe, dies ist eine der vielen kleinen Hütten im Wald, die früher unseren Bediensteten gedient haben. Sie haben hier gelebt und gearbeitet. Komm‘ ich zeige sie dir einmal von innen.„ Widerwillig ließ sich Ashley von Marcus in die dunkle Hütte führen. Hinter ihr verschloss er sorgsam die Tür und betrachtete sie einen Moment lang. „Ashley, ich weiß das du über mein kleines Geheimnis Bescheid weißt.„ Völlig erschrocken schaute sie in seine dunklen Augen. „Marcus ... ich weiß nicht, was du meinst?„ Instinktiv wich sie ein Stück zurück, um ihn auszuweichen. „Ashley, du brauchst gar nicht so zu tun. Ich weiß Bescheid.„ Langsam kam er auf sie zu. Ashley wich weiter zurück, bis ihr Rücken gegen die Wand stieß und sie nicht weiter konnte. Marcus hatte sie in die Enge getrieben. Er stemmte seine Hände rechts und links von ihrem Kopf gegen die Wand und sein Gesicht neigte sich dem ihrigen entgegen. Sie versuchte ihm noch immer die Unwissende vorzuspielen. „Ashley, ich weiß das du mich in der Hütte beobachtet hast. Leugne es nicht, sonst muss ich dich bestrafen.„ Angst kroch ihren Rücken herauf und es bildete sich ein Kloß in ihrer Kehle. Unfähig ein Wort zu sagen, blickte sie ihn aus ängstlichen Augen an.
Marcus ergriff ihre beiden Handgelenke und drehte sie um. Eisern war sein Griff und Ashley konnte sich ihm nicht widersetzen. Hart und brutal presste er seine Lippen auf ihren Mund und küsste sie. Mit all ihrer Kraft versuchte sie sich gegen ihn zu wehren, doch Marcus war zu stark für sie. Er hob sie hoch und legte sie auf den alten Holztisch. Ashley versuchte nach ihm zu treten, doch Marcus verstand es geschickt sie auf dem Tisch nieder zu drücken und festzuhalten. Er stand nun zwischen ihren Beinen und schob mit einer Hand langsam ihre Röcke herauf. Die andere Hand hielt ihre Handgelenke noch immer eisern umklammert. Seine kalten Finger fuhren ihren Schenkel hinaus und ein Schrei entfuhr ihrer Kehle. „Sei still, sei sofort still Weib.„ Seine Stimme hallte drohend in ihren Ohren. „Du bist jetzt still, oder ich muss ganz böse Dinge mit dir anstellen. Hast du mich verstanden?„ Ashley wimmerte leise und nickte. Marcus senkte seinen Mund auf ihr Dekolleté und ließ seine Zunge über ihre Haut gleiten. Übelkeit stieg in ihr auf und sie musste sich zwingen, sich nicht zu übergeben. Er ließ von ihr ab und zog sie mit sich. Taumelnd wurde sie von Marcus mit nach draußen gezogen. Er zog sie in einen Stall hinein und plötzlich erkannte sie ihr geliebtes Pferd Stormy Wind. Wie kam ihr Pferd hierher? „Ja, schau‘ ihn dir an, meine Liebe. Ich habe dein Pferd holen lassen. Und eins schwör ich dir, wenn du auch nur zu irgendeinem Menschen über die Dinge sprichst, die in der Hütte passiert sind, dann werde ich persönlich dafür sorgen das dieser Gaul endlose Qualen erleiden muss. Ich werde das Tier eigenhändig prügeln und anschließend aufschlitzen. Seinen Kopf werde ich dir dann auf einem Silbertablett bringen.„ Marcus stieß diese Worte grausam hervor und sein Gesicht hatte sich zu einer Fratze verzogen. „Hast du mich verstanden?„ Er zog Ashley an den Haaren und zwang sie ihm ins Gesicht zu sehen. „Hast du mich verstanden?„ schrie er erneut und sein Griff wurde noch härter. Der Schmerz trieb Ashley noch mehr Tränen in die Augen und sie nickte. „Ich ... ich ...„ sie schluchzte, „habe verstanden.„
Marcus ließ von ihr ab und Ashley fiel rücklings auf ihren Hintern. Drohend baute er sich vor ihr auf und blickte auf sie hinunter. „Ab sofort will ich kein einziges böses Wort von dir hören, Weib. Du wirst dich mir gegenüber zärtlich und liebevoll benehmen. Unsere Eltern sollen sehen, wie verliebt du in mich bist und wie besorgt du um mich bist. Und wenn ich zu dir komme ...„ Er ließ einen Moment verstreichen. „Dann will ich, das du dich mir liebevoll zuwendest und ich werde dann mit dir tun und lassen, wie es mir gefällt.„
Ashley nickte erneut. „Gut so, mein Engel.„ Er hielt ihr die Hand hin und half ihr aufzustehen. Seine Hände strichen ihren Rock glatt und er löste ihr Haar. Weich fiel es über ihre Schultern. „So ist es besser. Dann fällt unser kleines Handgemenge weniger auf.„ Er lächelte sie an. Er spürte ihre Angst und genoss die Macht, die er über sie besaß. Jetzt hatte er sie genau dort, wo er sie haben wollte und sie war ihm gnadenlos ausgeliefert.
„Komm‘ mein Herzblatt, ich führe dich wieder nach Hause zurück. Dort wartet bestimmt ein herrliches Mahl im Kreise unserer lieben Eltern auf uns.„

~.~

Ryan und seine Männer ritten unaufhörlich weiter. Sie hatten sich dazu entschlossen mit Pferden zu reisen, anstatt mit dem Schiff. So konnten sie sich im Notfall schneller trennen und verstecken. Außerdem konnten sie sich im Schutz der dunklen Nacht bewegen und das Tageslicht meiden.
Ryan blickte mit grimmigen Gesichtsausdruck in die Ferne. Manson ... dieser Name ließ seinen Zorn auflodern. Wenn er diesen Kerl in die Finger kriegen würde. Hoffentlich hatte er Ashley in der Zwischenzeit kein Haar gekrümmt, ansonsten würde er diesen Typen umbringen und vierteilen. Ashley. Der Gedanke an seinen Sonnenschein zauberte ein Lächeln auf seine Lippen.
Er gab seinem Pferd die Sporen und ritt schneller seinem Schicksal entgegen. Es gab keine Zeit zu verlieren ...

~.~

Das Abendessen war ruhig verlaufen. Die Eltern hatten nichts auffälliges bemerkt und Ashley hatte sich gezwungen, nach außen hin ruhig und gelassen zu wirken. Ständig hatte sie Marcus angelächelt und mit ihm Konversation betrieben. Henry und Henriette Winston hatten beglückt beobachtet, wie liebevoll Marcus und Ashley miteinander umgingen. Sie waren mit der Wahl ihres zukünftigen Schwiegersohnes mehr als zufrieden. Nach Beendigung des Mahls winkte Marcus einen der Diener zu sich und reichte allen Anwesenden ein Glas Sherry.
„Meine lieben Eltern und meine zukünftigen Schwiegereltern„ er legte eine feierliche Pause ein. „Heute hatte ich das immense Vergnügen, einen herrlichen Nachmittag mit Ashley verbringen zu dürfen.„ Seine Augen funkelten sie an und bedeuteten ihr, bloß kein falsches Wort zu sagen. Sie nickte zustimmend, doch dies fiel ihr mehr als schwer. „Ich habe dabei feststellen können, wie viel sie mir tatsächlich bedeutet. Viel mehr, als ich mir bisher selbst eingestanden habe. Ich bin zu dem Entschluss gekommen, das ich mit der Hochzeit nicht mehr lange warten möchte und warten kann. Von daher bin ich zu dem Entschluss gekommen, Ashley noch dieses Wochenende vor den Traualtar zu führen. Ich möchte mein Glück am liebsten sofort mit beiden Händen packen und kann unmöglich noch eine weitere Woche warten. Ich hoffe, ihr seid mit meiner Entscheidung einverstanden?„ Die Eltern applaudierten ihm und sein Vater klopfte ihm auf die Schulter. „Mein Junge, kannst es wohl kaum noch erwarten in den Hafen der Ehe einzulaufen? Aber verstehen kann ich dich sehr gut.„ Er lächelte zu Ashley rüber, die steif auf einem Sessel hockte und an ihrem Sherry nippte.
„Wir unterstützen dich in deiner Entscheidung und werden dich bei den Vorbereitungen tatkräftig unterstützen. Ich denke, ich habe hiermit auch im Namen von Henry und Henriette gesprochen.„ Die Winstons nickten ihm zu. „Aber natürlich begrüßen auch wir seine Entscheidung. Lasst uns auf das bevorstehende Glück anstoßen.„

In dieser Nacht fand Ashley kaum Schlaf. Ständig lief sie in ihrem Zimmer auf und ab und zermarterte sich das Hirn auf der Suche nach einer Lösung aus ihrem Dilemma. Es blieben ihr vier Tage, bevor sie diesem Monster ausgeliefert war. Doch was sollte sie bloß tun? Widersetzte sie sich ihm, dann würde er ihrem geliebten Pferd eiskalt etwas antun. Und das würde ihr das Herz brechen, das konnte sie nie und nimmer zulassen. Sie würde ihn heiraten und ihn mit ihr machen lassen, was er wollte. Aber Stormy Wind durfte nichts geschehen.

~.~

Jason führte Ryan und die anderen durch den dichten Wald zu einer kleinen Blockhütte. Die Pferde stellten sie in dem kleinen alten Stall unter, der an das Häuschen ragte. „Ryan, hier können wir Quartier beziehen. Ich habe gute Kontakte und weiß daher, das diese Hütte nicht mehr genutzt wird. Selbst Marcus kommt hier nicht hin. Er nutzt einige andere Hütten für seine abartigen Spielchen, doch hier kommt er niemals hin.„ Ryan trat mit dem Stiefel gegen die schwere Holztür und stieß sie auf. Abgestandene Luft strömte ihnen entgegen und seinen Augen mussten sich einen Moment an die Dunkelheit gewöhnen die im Inneren herrschte. Außer einem alten Tisch, drei Stühlen und zwei alten Pritschen war die Hütte leer. Im Kamin lag Asche, die von Ewigkeiten herrührte. Schon lange war das Leben aus dieser Hütte gewichen. „Gut, wir werden hier bleiben und von hier aus unsere Beobachtungen auf dem Anwesen der Mansons starten. Jason, versuche du indes herauszufinden was im Haus so vor sich geht und sage mir Bescheid, ob es Ashley gut geht. Die anderen machen so weiter wie abgesprochen.„ Burt nickte ihm zu und ließ sich auf einer der Pritschen nieder. Er zog eine Zigarette unter seinem Hut hervor und steckte sie zwischen seine Lippen. „Aber erst einmal werden wir uns ein Weilchen ausruhen und zu neuen Kräften kommen. Mitten in der Nacht wird schon nichts gefährliches mit Ashley passieren können.„ Grant war der gleichen Meinung und ließ seinen stämmigen Leib auf einem der Stühle nieder. „Ja, ich brauche auch unbedingt eine Verschnaufpause.„
Ryan blickte seine Männer der Reihe nach an. „Gut, dann schlagen wir unser Lager auf und ruhen uns aus. Wir müssen gewappnet sein.„
Larry machte ein Feuer im alten Kamin, während Jason ein paar Decken auf dem Boden ausbreitete und das Nachtlager herrichtete. Kaum hatte sich Grant niedergelassen, als man bereits ein leises Schnarchen vernehmen konnte. Auch Burt und Larry versanken sehr schnell in tiefen Schlaf. Ryan hingegen war noch einmal draußen vor die Hütte getreten, um eine Zigarette zu rauchen. Jack, sein bester Freund leistete ihm dabei Gesellschaft. Schweigend saßen sie nebeneinander und starrten hinaus in die Dunkelheit.
„Ich werde zum Haus gehen und mir einen ersten Eindruck verschaffen. Ich bin zu aufgekratzt um jetzt schlafen zu können.„ Ryan schaute Jack von der Seite an. „Kannst du mich verstehen?„
Jack saß wie immer gemütlich und ruhig da und ließ sich mit seiner Antwort Zeit. „Ryan, ich kenne dich jetzt schon so lange und wir haben mehr als einmal schwierige und gefährliche Situationen gemeistert. Dann werden wir diese hier wohl mit Leichtigkeit meistern können, oder? Und verstehen kann ich dich sehr gut. Ashley ist eine wunderschöne Frau und sie ist es wert. Glaube mir.„ Seine Hand legte sich auf den Rücken seines Anführers. „Komm‘ ich werde dich begleiten. Schauen wir uns das Manson Imperium mal genauer an.„

Nachdem Jason ihnen den Weg durch den Wald zum Haus der Mansons erklärt hatte, waren die Beiden gleich losmarschiert. Nach einiger Zeit Fußmarsch erreichten sie den Waldrand und im Schutz der Bäume überblickten sie das große weitläufige Anwesen. Mittendrin ragte das große Haus heraus. Und in irgendeinem dieser vielen Zimmer befand sich Ashley. Ryans Herz machte einen Sprung als er erneut an sie dachte. Sein kleiner Engel ... jetzt war er hier, um sie zu retten.

~.~

Ashley fand noch immer keinen Schlaf. Sie griff nach ihrem Morgenmantel und legte ihn sich um. Hastig griff sie nach ihren Zigaretten und öffnete die große Glastür, die auf die Terrasse im ersten Stockwerk führte. Kalte Nachtluft ließ sie erschaudern, doch sie trat hinaus in die Dunkelheit und der Geschmack der Zigarette verschaffte ihr eine Art von Entspannung. Sie ging bis ans Geländer heran und lehnte sich vor. Nachts sah die Welt so friedvoll und schön aus.

Ryan und Jack wollten sich gerade auf den Weg zurück zur Hütte machen, als Ryan eine Bewegung im oberen Stockwerk bemerkte. Im Mondschein konnte er erkennen, wie sich eine Tür öffnete und jemand hinaus kam. Er kniff seine Augen zusammen, um besser erkennen zu können, um wem es sich dabei handelte. Seine Hand schoss vor und klammerte sich um den Oberarm von Jack. „Warte ... sieh‘ dort oben. Dort ist Ashley.„ Jack wandte den Kopf und blickte in die Richtung, die Ryan im deutete. Jetzt sah auch Jack die junge Frau oben auf der Terrasse stehen. „Ich muss zu ihr.„ Jack wollte seinen Freund aufhalten, doch Ryan war bereits über die Wiese gelaufen und näherte sich dem Haus.
Ashley bemerkte eine Bewegung unten in der Dunkelheit und wollte schon angsterfüllt zurück ins Zimmer eilen, als sie ihren Namen hörte. Erneut lehnte sie sich über das Geländer und blickte angestrengt hinunter. Dann sah sie ihn. Seine meergrünen Augen blickten zu ihr herauf und eine Woge des Glücks brach über ihr zusammen. Ihr Herz krampfte sich zusammen und drohte auszusetzen. Fast hätte sie hysterisch geschrieen, so erleichtert fühlte sie sich in diesem Moment. Ihre Hand legte sich auf ihren Mund und sie konnte es gar nicht fassen. Er war endlich gekommen um sie zu holen. Ihre Knie drohten nachzugeben und sie musste sich am Geländer festklammern. Er stand jetzt genau unter ihrem Balkon und flüsterte ihren Namen. Sie bedeutete ihm sich zu verstecken und ruhig zu bleiben. Fluchs eilte Ashley zurück in ihr Zimmer und öffnete leise die Zimmertür. Sie lauschte hinaus, doch im Haus war alles ruhig. Auf nackten Füssen huschte sie die breite Treppe hinab und schlüpfte in den Salon. Von hier aus war es ein leichtes unbemerkt in den Garten zu gelangen. Nervös öffnete sie die Glastür und trat hinaus auf die Terrasse. Flink huschte sie die Steintreppen hinab und eilte zu der Stelle, wo Ryan auf sie wartete.

Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, als sie ihn aus einem Schatten heraus treten sah. Ohne ein Wort zu sagen, schmiss sich Ashley in seine Arme und schmiegte sich an ihn. Ryan zog ihr Gesicht zu sich heran und küsste sie. Voller Leidenschaft und Begierde. Schon so lange hatte er sie nicht gesehen und fühlen können, er wollte all dies nachholen. Am liebsten sofort und auf der Stelle. „Ashley mein Schatz„ seine Lippen lösten sich von den ihrigen. „Wie sehr ich mich nach dir verzehrt habe. Kaum konnte ich die Trennung von dir aushalten, doch jetzt wird alles gut werden. Das verspreche ich dir mein Engel.„
Er blickte in ihre veilchenblauen Augen und er konnte darin lesen, das sie genauso tief für ihn empfand, wie er für sie. Ja, er liebte diese Frau mit jeder Faser seines Körpers und niemals wieder würde eine Frau diese Gefühle in ihm auslösen können.
„Ryan, ich liebe dich.„ Sie küsste ihn erneut und ihre Finger verloren sich in seinen dunklen Locken. „Jetzt weiß ich, das alles gut werden wird.„

Marcus stand regungslos am Fenster in seinem Arbeitszimmer. Lange hatte er über sein Benehmen Ashley gegenüber im Wald nachgedacht und über die Sache mit den beiden kleinen Mädchen. Er hatte den restlichen Abend nach dem Essen und der Zusammenkunft mit der Familie im Salon in seinem Arbeitszimmer verbracht. Er musste gewisse Arbeiten erledigen und hatte sich dann eine Flasche Whiskey gegönnt. Über seine Grübelei hinweg war es dann Nacht geworden. Er hatte die Kerzen gelöscht und harrte in der Dunkelheit aus. Seinen Gedanken nachhängend ... dann hatte er Geräusche von draußen vernommen und neugierig war er zum Fenster geschlichen.
Er hatte kaum seinen Augen trauen können. Da stand doch dieser Ryan Vander, sein Erzfeind fast genau vor seinem Fenster und hatte hinauf auf die erste Etage gestarrt. Ein paar Minuten später musste er mit ansehen, wie sich Ashley, seine zukünftige Braut, spärlich bekleidet genau diesem in die Arme geworfen hatte. Leidenschaftlich hatte sie ihn geküsst und ihn verliebt angeblickt.
Marcus ballte seine Hand zur Faust. „Das soll mir dieses Schwein büßen. Ein Manson lässt sich nicht seine Braut ausspannen. Na warte...„ Voller Wut lief Marcus zu einem schwarzen Schrank und riss dessen Tür auf. Innen befanden sich mehrere Gewehre und Revolver. Fast liebevoll strichen Marcus Finger über die einzelnen Waffen und ein diabolisches Grinsen lag auf seinen Lippen. „Nein, dieses Problem werde ich auf eine andere Art und Weise lösen.„ Er kicherte. „Diese Sache werde ich ein für allemal erledigen. Und dann werden wir ja sehen, wie der große Ryan Vander sich verhalten wird.„ Marcus schlich sich hinaus in den Garten und beobachtete aus einiger Entfernung die Zärtlichkeiten zwischen seinem Feind und Ashley.

„Ashley, ich habe dich so wahnsinnig vermisst. Jetzt werde ich dich niemals mehr allein lassen.„ Ryan küsste sie erneut und er drückte sie an sich. Ashley fühlte sich, als würde sie in seinen Küssen ertrinken müssen. All die Ereignisse der letzten Wochen waren wie ausgelöscht und sie fühlte sich sicher und geborgen in seinen Armen. „Mein Herz, wann sollst du diesen Mistkerl heiraten?„ Ashley fühlte sich brutal in die Realität zurückgeholt. „In drei Tagen ist die Hochzeit. Bitte Ryan, lass’ es nicht zu, das ich dieses Tier heiraten muss. Er ... er hat ...„ Ashley kam die Wahrheit nicht über die Lippen. Sie fürchtete noch immer das Marcus ihrem Pferd etwas antun könnte. „Schscht, du brauchst mir nichts zu erklären. Ich weiß, was Marcus für ein Mensch ist.„ Ryans Augen verfinsterten sich wieder ins dunkelgrüne als der Zorn in ihm aufloderte. „Du brauchst mir wirklich nichts über ihn zu erzählen.„ Zärtlich strich er über die seidigen Haare von Ashley. „Aber glaube mir mein Engel, all das hat bald ein Ende.„

Marcus stand in sicherer Entfernung und hörte sich das Gesülze an, welches sein Feind Ryan Vander von sich gab. „Da wird einem ja ganz übel„ murmelte er vor sich hin. „Aber daraus wird nichts. Dafür werde ich schon eigenhändig sorgen.„ Ein teuflisches Grinsen umspielte seine blassen Lippen. „Das werde ich zu verhindern wissen. Und in drei Tagen werde ich Ashley in mein Bett ziehen. Dann werden wir ja mal sehen, wer hier der große Meister ist.„

Ashley und Ryan tauschten noch einige Zärtlichkeiten aus, bevor sie sich zurück ins Haus schlich. Ryan machte sich unterdes auf den Weg zurück in den Wald. Er hatte seinen Schatz wiedergesehen und nun konnte er beruhigt einige Stunden Schlaf nachholen. Morgen würden sie noch genug Zeit haben, um ihren Plan weiter auszufeilen. Ryans Gedanken kreisten ständig um Ashley, so das er überhaupt nicht bemerkte, das ihm eine dunkle Gestalt in weitem Abstand folgte. Marcus hatte sich an seine Fersen geheftet um heraus zu finden, wo sich Ryan und seine Kumpane versteckt hielten. Irgendwie überraschte es ihn gar nicht, das sich die teuflischen Fünf in einer der alten Hütten aufhielten. Er sah Ryan im Inneren verschwinden und nickte selbstzufrieden. „Jetzt habe ich dich mein Bürschchen. Nun hat dein letztes Stündlein geschlagen.„ Kichernd ging Marcus zurück zum Haus.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.06.2003. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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