Elke Lüder

Sanft berührt

Ein Segelboot zieht am Horizont seine Bahnen und ein Seeadler fliegt der Wärme entgegen.

III


Frei und ohne Ängste gleitet er über das Meer. Sanfte Wellen rollen auf den Strand zu.
Das ist nicht immer so. Hin und wieder hat das Meer den Hang, sich selbst zu verraten.
Dann schlagen meterhohe Wellen an die Ufer, Gischt peitscht an die Felsen und es kommt vor, dass kleine Fischerboote, dem wütenden Meer zum Opfer fallen. Selbst der nahe Leuchtturm, mit seinen Leuchtfeuern
verschafft keine Rettung, wenn der Sturm wie aus dem Nichts hereinbricht.

Heute liegt die Bucht, in malerisches Licht getaucht, vor uns.Meine Gedanken schwingen sich mit dem Adler in die Höhe. Freiheit ...schwingt mit.
Du lässt meine Hand los, bückst dich und sammelst etwas auf. Vom Land her erschallt das Zwitschern der erwachenden Vögel, als du dich hinter mich stellst und dein warmer Atem meinen Nacken streift. Du legst deine Arme um mich, öffnest deine Hand, in der du eine Muschel hältst die in zarten Farben erstrahlt.
In den Gesang der Vögel mischt sich der helle Klang der Klosterglocken. Es wird Zeit
für uns den Weg der Rückkehr anzutreten. Die Tiere auf unserem Hof wollen gefüttert werden.

Hinter den Mohnfeldern, neben dem weitläufigen Klostergarten, steht unser kleines Anwesen. Hier haben wir eine Heimat gefunden, auf die wir lange verzichten mussten. Rau und doch voller Wärme hatte uns die Landschaft in ihren Bann gezogen, als wir nach all dem Unbill hier ankamen.
Auch damals blühte der Mohn, empfing uns mit seinen zarten Blütenblättern. Sie tanzten im Wind, der die letzten Regentropfen von den Blüten zupfte. Er nahm unsere Tränen mit.

IV

Noch einmal lassen wir unsere Blicke über die Stille des Meeres gleiten. Tief atmen wir ein. Fast Synchron. Uns verwundert dies schon lange nicht mehr. Das Seegelboot ist inzwischen am Horizont verschwunden, der Adler hatt Beute gemacht und fliegt wieder zu seinem Horst. Die Stille lässt sich fühlen und das Salz des Meeres schmecken wir auf unseren Lippen, als wir uns küssen. Meine Hand sucht die deine und wir halten uns fest. Dazwischen, die kleine Muschel und unser Vertrauen zueinander.

Langsam, die Zweisamkeit genießend, steigen wir die Anhöhe hinauf. Jasminsträucher säumen den schmalen, steinigen Weg und ihre Blüten leuchten in den Tag hinein. Ihr Duft ist betörend und mischt sich mit dem letzter Fliederdolden. In der Nacht haben sich Blütenblätter vom Jasmin gelöst und liegen wie kleine, dahingestreute Sterne am Wegesrand.

Auch heute tanzt der Mohn im Wind. Die Tränen der Vergangenheit sind längst getrocknet und Glückstränen mag der Herr der Winde nicht. Die Sonne fällt uns auf den Rücken, ohne Arglistig zu sein. Natur. Geschenk des Lebens. Wir haben hier einen Platz gefunden, an dem die Natur noch friedlich vor sich hin wachsen und ohne Hektik und Verschmutzung gedeihen kann.

Im Klostergarten sind die Nonnen beschäftigt die kleinen zahlreichen Kräuterbeete zu pflegen. Ein freundliches Kopfnicken auf beiden Seiten durchbricht nicht die Stille, zeigt jedoch Achtung voreinander. Wir haben es nicht mehr weit und uns schallt schon das Schnattern der Gänse entgegen, die aus ihrem Stall gelassen werden wollen. Heute ist es etwas später und ihre innere Zeituhr signalisierte „Hunger“. Die Schafe und Ziegen haben da mehr Glück, sie können den Auslauf auf ihrer Weide immer genießen und unser Hütehund begrüßt uns Schwanzwedelnd. Auch er scheint die Stille zu genießen.

Auf der bunten Bank vor unserem kleinen alten Haus aus Feldsteinen liegt unser Kater in der Sonne. Als wir uns ihm nähern öffnet er verschlafen ein Auge, zuckt mit dem Ohr und versinkt wieder in Katzenträume.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 19.06.2016. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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