Corinna König

Josie - Mein Leben und ich TEIL 3

Den restlichen Arbeitstag bekommen wir auch noch gut gelaunt um und wollen grade in unseren wohlverdienten Feierabend starten, da steht völlig unerwartet Dennis vor der Kanzlei. Total überrumpelt starre ich ihn an. „Was machst du denn hier?“ „Ich wollte dich abholen!“ Ich bin so überrascht, dass ich gar nicht wirklich weiß, wie ich das finden soll. „Ich hab uns in einer halben Stunde einen Tisch bei Pepe reserviert!“ „Wow, das ist ja echt süß von dir!“ „“Tja, dann muss ich heute wohl alleine nach Hause laufen und mich selbst ums Essen kümmern…! Viel Spaß euch beiden!“, bemerkt Linda in einem merkwürdigen Ton während sie winkend Richtung WG läuft. Wie genau ich diese Verabschiedung einordnen soll, weiß ich nicht. Aber jetzt bin ich erstmals gespannt auf den Abend.


Während ich Pepe’s umwerfende Spaghetti Amatriciana samt Beilagensalat verputze, entschuldigt sich Dennis einsichtig bei mir. Dafür, dass er gestern Abend so blöd reagiert hat, nur weil ich eine Nachricht bekommen hab, dafür, dass er in letzter Zeit sehr eifersüchtig ist und schlussendlich dafür, dass er in letzter Zeit oft überreagiert. Ich schaue ihn an und ehe ich antworten kann, beginnt er, mir sein Innerstes preiszugeben: „Es liegt nur daran, dass ich dich über alles liebe. Ich bin vielleicht verrückt, aber ich habe das Gefühl, dass ich mit dir nicht durch die Stadt laufen kann, ohne dass du angegafft wirst! Bei jedem Kerl, der dich auch nur nach einem Taschentuch oder von mir aus auch nach einem Feuerzeug oder nach dem Weg fragt, denke ich gleich, dass es eine Anmache ist. Und vor allem dieser Ben ist mir ein riesiger Dorn im Auge! Er zieht dich mit den Augen aus, sobald er dich sieht. Er scharwenzelt dauernd um dich rum und wirft dir diese Blicke zu!“ Ich will ihm gerade erklären, dass er sich das einbildet und zu sowas auch immer zwei gehören, doch er unterbricht mich. „Auch wenn du mir hundertmal beteuerst, dass du nicht an ihm interessiert bist, hab ich trotzdem diese Angst! Bitte versuch, das zu verstehen.“ Seine Worte lassen mich förmlich dahin schmelzen. So etwas hat er noch nie zu mir gesagt. Ich dachte immer, seine Eifersucht und seine Szenen sind Machogehabe, aber dass es in Wirklichkeit schlichte Verlustangst ist, damit hatte ich nicht gerechnet. Ich wünschte nur, ich hätte mit Ben heute Mittag auch so ehrlich sprechen können und ihm sagen können, dass wir besser nicht allzu viel Kontakt haben sollten. Das schlechte Gewissen übermannt mich. Um mir nichts anmerken zu lassen, frage ich, was er denn für den Abend noch so geplant hat. Er grinst mich an und meint, dass seine Eltern ein paar Tage ausgeflogen wären und wir den Abend dort in der riesigen Eckbadewanne ausklingen lassen könnten. Da bin ich natürlich sofort dabei.


Kurze Zeit später sitze ich entspannt in der besagten Badewanne. Dennis hat Kerzen angezündet und ist gerade dabei, eine Flasche Sekt und zwei Gläser zu organisieren, da kommt er mit versteinerter Miene ins Badezimmer. Ich frage ihn, warum er so entgeistert schaut. „Was hast du denn?“ „Du… du hast ne neue Nachricht!“ Mir schwant nichts Gutes. „Von Ben!!“ Wutentbrannt lässt er mein Handy auf den Boden fallen und stürmt aus der Tür. Ich springe auf, lege mir ein Handtuch um, schnappe mir mein Handy und folge ihm. „Dennis!! Ich… Es tut mir leid!“ „Ihr schreibt euch? Ihr habt überhaupt Nummern getauscht?“, schreit er mich an! „Dennis! Hör mir zu!“ „Was willst du mir denn erzählen? Ich hoffe, du hast mir vorhin zugehört, als ich dir mein Herz ausgeschüttet hab! Du machst alles kaputt!“ Sie ganze Situation lädt sich von Wort zu Wort mehr auf! „Dennis, da läuft nichts! Er hat meine Nummer nicht von mir!“ Er unterbricht mein Gezeter mit einen bestimmten und enttäuschten: „Raus!“ Für einige Sekunden herrscht Totenstille! Ich sehe ihn an und bemerke, wie sich seine Augen mit Tränen füllen! „Verschwinde!“ Ohne ein Wort zu sagen, beuge ich mich seinem Willen, ziehe mich im Bad wieder an und gehe schließlich, als er auf meine Erklärungsversuche nicht reagiert. Bevor ich das Haus verlasse, sage ich noch zu ihm, dass ich ihn liebe, er entgegnet mit zitternder Stimme: „Ich dich ja auch, aber das ist mir grad alles zu viel!“ Weinend frage ich noch: „Meldest du dich?“ Er küsst mich auf die Stirn und meint: „Ja, bald!“


Als ich völlig verheult zuhause ankomme, will Linda selbstverständlich genau wissen, was passiert ist: „Ihr seid doch noch so verliebt zum Italiener gegangen!“ Ich erzähle ihr also von dem Debakel. Sie tröstet mich und umsorgt mich mit einer Tasse heißer Schokolade und einer Kuscheldecke. „Aber Schlussmachen war das nicht oder?“ Ich starre sie entgeistert an: „Nein, er hat gemeint, er meldet sich bald!“ Sie blickt auf den Boden und grübelt: „Hmm…“ „Was?“ „Nimm mir das jetzt nicht übel, aber…“ „Aber???“ „Ich weiß gar nicht, wie ich es sagen soll, aber… vielleicht wäre es gar nicht so schlecht gewesen, wenn ihr beide einen Schlussstrich zieht!“ Kaum hat sie den Satz zu ende gesprochen, springe ich wie vom Donner gerührt von der Couch! „Was?“ „Jetzt beruhige dich erstmal und hör mir zu. Ihr streitet in letzter Zeit unentwegt. Jede Zusammenkunft von euch beiden endet mit Türenschlagen oder Schmollen! Eine Auszeit kann natürlich auch helfen, aber ich weiß nicht, ob eine Trennung nicht das Beste wäre.“ Über Lindas Worte sinnend, sacke ich wieder auf der Couch zusammen. Womöglich hat sie recht. In letzer Zeit streiten wir nur noch. Linda unterbricht meine Gedankengänge: „Und außerdem…“ druckst sie herum „was ist mit Ben?“ „Ben?“, schaue ich sie mit riesen Augen fragend an. „Naja, so ganz uninteressiert bist du ja nicht oder?“ „Ich weiß gar nicht, was ich dir darauf antworten soll! Ich finde Ben nett, aber ich kenne ihn ja gar nicht näher.“ Linda nimmt meine Hand, gibt mir ein Küsschen auf die Backe und meint mit aufmunternder Stimme: „Naja, du musst wissen, was am besten für dich ist. Das wird sich schon alles wieder einrenken!“ Sie verschwindet in ihrem Zimmer – eine Sekunde lang! Dann streckt sie ihren Kopf aus dem Türrahmen: „Sag mal: Was hat Ben dir denn überhaupt geschrieben?“ „Das… das hab ich noch gar nicht nachgelesen!“ Sie springt zu mir aufs Sofa und es kann ihr gar nicht schnell genug gehen, die Nachricht von Ben zu lesen. >Hey Hey: )Am Samstag veranstalten wir in der PANORAMA ne kleine Beach-Party! Wir stellen einen Grill auf die Terrasse, schütten Sand auf, verteilen Hula-Ketten und legen karibische Musik auf. Es gibt auch ne eigens kreierte Karibik-Cocktail-Karte! Würd mich freuen, wenn du auch kommst - ich werd dir deinen Barhocker jedenfalls freihalten... ; )< "Aaaah, du kannst ja schon wieder lachen!", posaunt Linda mir aus voller Kehle ins Ohr. Ein kleines Schmunzeln kann ich mir tatsächlich nicht verkneifen. Doch so schnell wie es mir über die Lippen kam, verschwindet es auch schon wieder.

Als ich am nächsten Tag aufwache - noch bevor überhaupt der Wecker geklingelt hat - fühle ich mich wie gerädert. Im meinem Kopf hämmert es und ich überlege dauernd, ob das mit Dennis wirklich am vorherigen Abend so geendet hat, oder ob ich das geträumt hab. Doch um zu träumen, muss man schlafen - und mehr als zwei bis drei Stunden Schlaf hab ich leider letzte Nacht nicht abbekommen. Zu sehr beschäftigt mich der Streit mit Dennis. Vor allem sein Abgang. Ich setze mich also in meinen Lieblingssessel und blicke noch einige Minuten aus dem Fenster. Am liebsten würde ich mein Zimmer nicht verlassen, bis sich das mit Dennis wieder eingerenkt hat. Doch ich höre Geräusche aus der Küche. Neugierig strecke ich meinen Kopf aus der Tür. Da hetzt Linda wie ein aufgescheuchtes Huhn durch die Küche und bereitet mir ein wahnsinnig tolles Frühstück. "Was treibst du denn da?", frage ich, während ich Richtung Küche tapse. "Oh mein Gott, hast du mich erschreckt!", entgegnet sie mir mit weit aufgerissenen Augen und einen Satz nach hinten springend. "Wieso bist du denn schon auf?", will sie wissen. "Ach weißt du, ich konnte nicht so richtig schlafen, also bin ich eben aufgestanden!" "Och Mensch, aber ich bin doch noch gar nicht fertig mit dem Frühstück!" Ich starre den bis auf den letzten Zentimeter belegten Tisch an, ich starre sie an, ich starre wieder den Tisch an: "Was fehlt denn noch?" "Ach ich wollte noch Rühreier mit Speck machen und und und..." Ich gehe auf sie zu und drücke sie. "Das brauchst du nicht! Ich bin gerade - fast - wunschlos glücklich!"


Die nächsten Tage vergehen wie im Flug. Immer wieder fragt Linda mich, ob wir nach der Arbeit noch was unternehmen. Aber ich fühle mich wie gelähmt. Ich will bereit sein, wenn Dennis sich meldet. Jämmerlich - so ein Verhalten passt gar nicht zu mir. Doch ich kann nicht anders. Hinzu kommt, dass Linda immer wieder was mit Dave und Ben unternimmt - gerade von Ben möchte ich mich fernhalten. Immerhin hängt er ja in der ganzen Streitsache mit drin. Tag für Tag warte ich auf irgendeine Nachricht von Dennis - vergebens. Kein Anruf, keine Nachricht, nichts. Als schließlich eine Woche ohne ein Lebenszeichen von Dennis vergangen ist und meine Emotionen schon von traurig über wütend zu enttäuscht und verzweifelt umgeschlagen sind, versuchen Linda und Sara gemeinsam, mich zu dieser Beach-Party zu überreden. "Ganz ehrlich Mädels: Mir ist nicht nach feiern!", schnaufe ich mit hängenden Schultern. "Das wissen wir! Aber genau deswegen musst du ja mitgehen!" "Eben! Du kannst hier nicht noch Jahre lang versauern, während du auf eine Reaktion von Dennis wartest!", reden sie zu zweit auf mich ein. "Ben würde sich auch freuen, dich mal wieder zu sehen, nachdem wir deinetwegen schon die ganze Woche woanders zu Mittag gegessen haben!", meint Linda. Doch es ist, als würden sie gegen eine Wand reden. Ich bin nicht umzustimmen und bleibe zuhause.


Nach einiger Zeit, die ich damit verbracht habe, auf dem Sofa rumzugammeln und fern zu sehen, klingelt plötzlich mein Handy auf der Küchenablage. Ich zögere wenige Sekunden, um sicherzugehen, dass es auch wirklich klingelt und ich mir das nicht einbilde. Tatsache - ein Anruf! Ich springe blitzschnell von der Couch, sprinte zu meinem Handy und sehe..., dass Ben mich anruft?! Wieso das denn?! Ich überlege kurz, doch ich lasse es klingeln. Mir ist gerade nicht danach, mit ihm zu sprechen - oder überhaupt mit irgendjemandem zu sprechen. Ich trotte also mit dem Handy in der Hand wieder Richtung Sofa, da klingelt es nochmal. Vor Schreck lasse ich es fallen. "Wieder Ben. Was will er denn? Es wird doch nichts passiert sein?!", murmele ich vor mich hin, ehe ich mich dazu entschließe, doch abzuheben. "Hallo?" Es dauert einen Moment, bis Ben antwortet. Vermutlich hat er nicht mehr damit gerechnet, das ich ran gehe. "Josie? Hey, ich bins... Ben!" "Hi." "Ich... Hör zu ich... Also...", stammelt er. So kenne ich ihn gar nicht. Ich unterbreche ihn: "Was gibts denn?" "Gehts dir gut?" "Was meinst du?" "Naja, die Mädels haben gesagt, du fühlst dich nicht so wohl, deshalb bist du auch nicht mitgekommen." Tja, auf meine Mädels ist eben Verlass! "Oh ja, stimmt. Ich bin heut irgendwie so... und dann konnte ich... also bin ich..." "Naja, ich wollt nur mal kurz von dir hören! Also... Gute Besserung dann.", meint er und erhebt seine Stimme am Ende des Satzes. "Danke!" Stille in der Leitung. Ich merke, dass er gerne noch irgendwas sagen möchte, doch ich bin nicht sicher, ob ich es überhaupt hören möchte und lege lieber auf.


Am nächsten Morgen wache ich von Lindas lauter Musik auf. Ich fühle mich etwas besser - zwar immer noch gerädert, aber immerhin etwas besser. Ich wanke noch schlaftrunken auf die Terrasse, wo Linda rumhoppelt und nebenbei einen Milchkaffee trinkt. "Hey, du bist ja gut drauf!" "Heeeeey! Mäuscheeen! Guten Morgen! Allerdings, das bin ich." Obwohl ich es kaum erwarten kann, zu erfahren, wo die gute Laune herkommt, muss ich mir erstmal auch einen Milchkaffee machen, bevor ich richtig ansprechbar bin. Zurück auf dem Balkon, frage ich Linda also aus: "Erzähl mal, was ist denn passiert, dass du so tolle Laune hast?" Sie schwärmt mir - nicht zum ersten Mal - von Dave vor. "Er hat den ganzen Abend über nur Augen für mich gehabt - so gut wie. Er hat die anderen Tussen, die ihn angegraben haben, total abblitzen lassen und sich so gut wie nur um mich gekümmert." "Das ist aber schlecht fürs Geschäft...", mache ich mich über sie lustig. "Ach du bist doof! Ich war bis zum Schluss und hab danach noch geholfen, etwas aufzuräumen." "Was heißt denn >bis zum Schluss

Dennis' Aktion schwirrt mir auch nachmittags, als Linda und ich einkaufen gehen, noch im Kopf herum. Ich kann sein Verhalten gar nicht einordnen. Nicht nur, dass er meine Freundinnen ignoriert - nein, er scheint sich auch überhaupt nicht für mich zu interessieren. Dass er nicht gefragt hat, wo ich bin oder irgendwas! Doch - Gott sei Dank - unterbricht Linda meine Gedankengänge, während sie den Wagen mit allerlei Mädchenkram, wie Deo, Haargummies, Handcreme, Nagellackentferner und Tampons voll lädt . "Also was außer Tomaten, Rucola und Mozzarella brauchen wir noch fürs Essen?" "Tja, am besten Spaghetti!" "Ach jaaa, stimmt!" Wir schlendern also zum Nudel-Regal, als Linda plötzlich Dave erspäht. "Oh Mist!" Ich versteh wie immer nur Bahnhof. "Da ist Dave! Ich seh heute so kacke aus! Wir treffen uns an der Kasse!", zischt sie noch, bevor Sie mir die Tampons in die Hand drückt und inkognito im Laden verschwindet. Es dauert nicht lange, da steht schon Dave vor mir! "Hey Josie!" "Hi Dave! Wie gehts denn immer so?!" "Gut, danke! Schade, dass du gestern nicht in der Bar warst! Hast echt was verpasst." "Ja, hab schon gehört, dass es echt toll gewesen sein muss! Naja, ich nehm eben die nächste Beachparty mit!" "Gehts dir denn wieder besser?", erkundigt er sich. "Ja, danke! Alles wieder gut soweit!" Der Satz ist kaum ausgesprochen, da blicken wir beide nach unten. Auf meine Hände. In denen sich die Tampons befinden! Peinlich... Nach einer kurzen Verabschiedung, hetze ich noch schnell zum Nudel-Regal und ab an die Kasse, wo Linda sich schon hinter einer Fußball-Zeitschrift versteckt. "Also, wenn das glaubwürdig sein soll, hättest du statt Fußball, lieber ne Frauenzeitschrift nehmen sollen!", maule ich in einem leicht genervten Ton. "Hat er mich gesehen?" "Nein, ich denke nicht, dass er dich gesehen hat! Dafür denkt er jetzt, dass ich gestern wegen Menstruationsbeschwerden nicht mit auf die Fete konnte!" "Was?" "Weil du Depp mich mit den Tampons hast stehen lassen!!!", gröle ich sie an. Nicht anders als erwartet, bricht sie in heiterem Gelächter aus! Tja, wenigstens ihr gehts zurzeit gut...


Während Linda und ich unsere verdammt leckeren Spaghetti Caprese mit Rucola auf der Terrasse verspeisen, kann ich immer noch nicht aufhören, über Dennis' sehr fragwürdiges Verhalten nachzudenken. Ich spüre, wie sich langsam aber sicher ein ungeheurer Zorn in meinem Bauch breit macht. Wieso sollte ich mich von ihm unterbuttern lassen und brav zuhause rumsitzen, während er plötzlich feiern geht?! Warum soll ich auf seine Antwort warten, wenn ich Freunde hab, die mich nie und nimmer hängen lassen würden? Warum genieße ich die Zeit nicht einfach, jetzt wo ich nicht auf Schritt und Tritt verfolgt werde? "WARUM???", plärre ich plötzlich wie eine Geisteskranke über den Tisch! Vor Schreck bleiben Linda fast die Nudeln im Hals stecken. Nach einem mittelschweren Würganfall, schimpft sie mich: "Waff?? Waff hafft du denn?“ „Oh, tut mir leid! Ich war grade in Gedanken!“ „Das waren aber laute Gedanken… Was denkst du denn so angestrengt nach?“, will sie natürlich wissen. „Wir gehen heute feiern! Volles Rohr!“ „Waaas?! Woher der Sinneswandel?“ Ich erzähle ihr also, was ich mir so gedacht habe und muss mich nicht wundern, dass sie sofort dabei ist! „Wo wollen wir denn hin? In die Bar? Oder…“ „Disco meine Liebe! Wir lassens heute ordentlich krachen!“


Nachdem wir unsere Teller bis auf den letzten Rest leergeputzt haben, werfen wir meinen Laptop an und sehen nach, wo was los ist. Mitten in der Stadt müssen wir natürlich nicht lange suchen. Wir gehen also in die „Vegas“, eine angesagte – und leicht überteuerte – Disco. Selbstverständlich beginnt dann auch die große Suche nach dem richtigen Outfit!


Gefühlte 100 Mal Umziehen später, 10 Mal Lippenstift nachziehen und Nachpudern sind wir endlich fertig. Untypischerweise hab ich mir meine engste Jeans und mein am weitesten ausgeschnittenes Top aus dem Schrank gepickt. „Du siehst mega aus, Josie! Ich bin so froh, dass du endlich wieder besser drauf bist!“ „Das bin ich auch! Ich pfeif jetzt einfach drauf, ob Dennis sich meldet oder nicht.“ Ich versuche, mir nicht anmerken zu lassen, dass diese ganze Unklarheit mich innerlich zerreißt und mime einfach die Gute-Laune-Maus. Die mittlerweile vorhandene Wut auf Dennis hilft mir dabei. Wir wollen gerade aufbrechen und Linda öffnet die Tür, als wie aus heiterem Himmel Dennis vor der Tür steht. „Wir müssen reden!“, sagt er mit düsterer Miene. Ich bekomme am ganzen Körper Gänsehaut. „Wir wollten eigentlich grad weggehen!“, entgegnet ihm Linda in einem wütenden Ton. Scheinbar ist sie nach dem ganzen Kram noch weniger gut auf ihn zu sprechen. Wir sehen sie beide an und geben ihr zu verstehen, dass wohl kein Weg an dem Gespräch vorbeiführt. „Gut, ich geb euch 10 Minuten!“, sagt sie, bevor sie in ihrem Zimmer verschwindet.


Ich versuche möglichst abgeklärt zu wirken und frage ihn, woher der Sinneswandel und der plötzliche Drang zu reden kommen. „Ich wollte dir nur sagen, dass ich… ich muss für zwei Monate weg!“ „Was meinst du damit? Weg?“ „Ja, die Firma schickt mich und zwei Kollegen für zwei Monate nach England.“ Mir entgleisen sämtliche Gesichtszüge. „Und unser verlängertes Wochenende? Wir wollten doch nächste Woche wegfahren!“ „Ja, ich hab die Reservierung bereits storniert. Das Geld müsstest du am Montag auf deinem Konto haben!“ „Das ist doch wohl nicht dein Ernst!“ „Josie, was soll ich machen? Die Firma schickt mich weg!“ Ich merke, wie meine Augen sich mit Tränen füllen, er wirkt so ungewohnt kühl und abweisend. „Und wie geht’s mit uns weiter?“ Es dauert einige Zeit, bevor er mir eine Antwort gibt. Für mich fühlt es sich an, als würden Stunden vergehen, bis er mir seine Antwort entgegen schmettert: „Das weiß ich nicht.“ Kaum hat er den Satz zu Ende gesprochen, will er schon wieder die Flucht ergreifen, doch so schnell kommt er mir diesmal nicht davon. „Was soll denn das heißen? Verdammt nochmal, renn nicht schon wieder weg, Dennis! Was ist denn überhaupt dein Problem? Du behandelst ich, als hätte ich seit Monaten eine Affäre laufen!“ „Josie, können wir das nicht nach dem Auslandsaufenthalt besprechen?“ „Nein! Bestimmt nicht! Das besprechen wir hier und jetzt! Also raus damit!“, rede ich stinksauer auf ihn ein. Ungehalten prescht er plötzlich vor: „Vielleicht hast du keine Affäre laufen, aber wer weiß, ob das nicht eigentlich dein Wunsch ist?! Komm schon, du kannst nicht abstreiten, dass da irgendwas mit diesem Ben im Busch ist!“ „Ich weiß nicht, wovon du da redest! Aber ich hab dir noch nie einen Grund gegeben, mir zu misstrauen!“ „Fühlst du dich etwa nicht von ihm… angezogen oder was weiß ich?!“ Bevor ich antworten kann, motzt er vor sich her: „Ach, wie auch immer! Ich kann das jetzt nicht! Ich melde mich!“ Und da verschwindet er.


Kaum hat er die Tür zugeknallt, steht schon Linda neben mir und legt ihren Arm um meine Schulter. „Na?! Doch zuhause bleiben?“, fragt sie mich ganz einfühlsam. „Pff… Nix da! Jetzt erst recht!“ Schnell die Jacken geschnappt, hauen wir ab.


In der Disco angekommen, machen wir es uns erstmal an der Bar bequem und nehmen ein paar Cocktails zu uns, während wir die Disco genauer unter die Lupe nehmen. Es ist wirklich ein total vornehmer Laden. Alles glitzert und glänzt. Während wir uns unterhalten, merke ich, dass der Barmann, die ganze Zeit in unsere Richtung schielt, doch ich tue mal so, als würd ich das gar nicht merken. „Sag mal, was hättest du Dennis geantwortet wenn er nicht abgehauen wäre?“ „Worauf? Was meinst du?“ „Naja, ob du dich von Ben angezogen fühlst?“ „Boah, keine Ahnung, was ich ihm geantwortet hätte. Da war ich dann glatt froh, dass er gleich gegangen ist.“, lache ich. „Und wenn ich dich das frage? Was antwortest du dann?“, bohrt sie nach. „Aaaach, Linda! Keine Ahnung! Der hat schon was, aber ich hab mir da noch gar nicht so wirklich Gedanken drüber gemacht…“, gaukle ich ihr vor.


Einige Cocktails, mehrere Tanzeinlagen und mehr oder weniger tiefsinnige Gesprächsthemen später fragt der Barmann, der uns schon den ganzen Abend beobachtet doch glatt nach Lindas Nummer. Und als müsste ich nicht ohnehin schon schmunzeln, antwortet sie ihm: "Tut mir leid! Ich bin schon vergeben!" Als ich mein Gelächter nicht mehr zurückhalten kann, denkt sie kurz über ihre Antwort nach und fügt hinzu: "Also fast zumindest... so... ein bisschen... also bald... so... äääh..." Der Barkeeper hat darauf nur noch: "Schon klar!" zu antworten. Natürlich dauert es nicht lange, bis sie ihre Erklärung loswerden muss. Sie erzählt mir also, dass sie noch nie jemanden kennengelernt hat, der so ist wie Dave. Und dass er sie versteht und zum Lachen bringt und dass er ja so gut aussieht und überhaupt! Die Tatsache, dass ich schon ziemlich einen im Tee hab, bringt mich bei dem Gespräch dann auf die Idee, Dave doch einfach zu besuchen. "Wie meinstn das?! Jetz?! Hää?!" "Na wir gehen jetz in die Baaar!", lalle ich. "Jetz noch? Es is doch schon... äääh...", stammelt sie, während sie ihren Arm verdreht und feststellen muss, dass sie gar keine Uhr trägt. "Es iss swei Uhr, Linda! Ssswei Uhr!", kann ich auf meinem Handydisplay erkennen. "Schon Ssswei? Meins du, da is noch was looos?" "Das werden wir gleich seeehn!", sage ich, während ich total lässig vom Barhocker springen will, was mir aber zugegebenermaßen überhaupt nicht gelingt! ; )


In der Bar angekommen, bietet sich uns folgendes Bild: Dave und Ben wischen gerade die Bar, während Mike die Stühle auf die Tische stellt! Tja, davon lassen wir uns doch nicht stören und setzen uns an die Bar. "Hey Mädels, wo kommt ihr denn so spät noch her?" "Haaallo Hallooo!! Wir waren FEIEEERN! Upps...", gröle ich vom Barhocker rutschend. "Neineinein... wir SIND feieeern, Josie! Wir feiern doch noch! Oder feiern wir nicht mehr? Wir feiern doch! Also ich feiere!" Die Jungs bemerken unseren Pegel und grinsen sich an. "Naja, wir wollten aber eigentlich grade zu machen.", meint Dave. "Aber ich bin extra noch hergekomm... weil ich dich sehen wollte! Wills du mich nich seeehn?!", plappert Linda vor sich her. "Doch klar, aber wie gesagt, es ist schon so spät und wir wollten grade schließen." "Gut, dann gehen wir! Komm Josie! Wir geeehn!", sagt sie in einem beleidigten Ton und zerrt an meinem Ärmel rum. "Wartet noch kurz, Mädels, ich glaub, ich bring euch lieber.", meint Ben. Dass ich die ganze Zeit über auf dem Barhocker gesessen war und ihn angegrinst hab, fällt mir natürlich erst hinterher auf. Jedenfalls verabschiedet sich Linda noch mit einem Küsschen auf die Wange von Dave. Ich hingegen laufe lieber winkend gegen die Tür. Oh je, Oh je!

Kurze Zeit später stehen wir vor der Wohnungstür und ich folge Linda in die Wohnung. Ben nimmt meine Hand, also drehe ich mich um. Er steht da und sieht mich mit großen Augen an. "Gehts dir auch wirklich gut?" "Jajaaa, ein bisschen betrunken, aber sonst..." "Das mein ich nicht, Josie!", reagiert er mit ernster Stimme. "Du hast dich seit Tagen nicht mehr in der Bar blicken lassen. Wenn ich dir schreibe, bekomme ich keine Antwort. Also was ist los? Macht dein Typ Probleme?" "Ich war doch jetzt gerade in der Bar!", antworte ich flapsig. Er hält mich an den Schultern fest und sagt eindringlicher: "Josie!" Ich ordne kurzerhand meine Gedanken, und versuche, alles zu beschönigen. "Nein, es ist nichts!" "Wieso bist du dann so abweisend zu mir?" "Es ist... ach Ben... ich..." Ben unterbricht mein Gestotter: "Weißt du, ich verbringe gern Zeit mit dir! Es wäre wirklich schade, wenn unsere... Freundschaft vor die Hunde geht. Also sei bitte ehrlich!" Seine Worte treffen mich so sehr, dass ich die Maskerade nicht mehr aufrecht erhalten kann. "Ja, du hast Recht! Dennis möchte nicht, dass wir beide Kontakt haben!", gebe ich also mit Tränen in den Augen zu! "Er will nicht, dass wir befreundet sind oder Zeit miteinander verbringen oder was weiß ich." Er lässt meine Schultern los. "Und willst du das auch?" Zögerlich versuche ich, die richtigen Worte zu finden: "Ben... Er... er ist mein Freund! Mittlerweile schon seit über zwei Jahren! Ich... ich liebe ihn!" Er schaut kurz auf den Boden, meint: "Also gut!" und geht schließlich. Ich weiß nicht, ob es am Gespräch mit Ben oder an der Menge an Alkohol liegt, die ich heute zu mir genommen hab, aber plötzlich bekomme ich stechende Kopfschmerzen. Natürlich möchte ich gleich mit Linda reden und ihre Meinung hören, doch das wird wohl so schnell nichts. Sie liegt mit weit aufgerissenem Mund wie eine Tote in Ihrem Bett und schläft ihren Rausch aus. Gute Idee, das werd ich jetzt auch tun und vielleicht sieht morgen alles schon wieder anders aus. Mit klarem Kopf, lässt sichs ja auch besser grübeln.


Bei einem ausgiebigen Katerfrühstück besprechen Linda und ich also die Lage. "Und dann hat er wirklich so enttäuscht reagiert?", will sie wissen. "Ja irgendwie schon! Aber ich konnte ihn ja auch nicht dauernd anlügen! Oder?" "Nein, natürlich nicht, aber ich denke, du hast den falschen "in die Wüste" geschickt!" "Was meinst du?" "Naja, ich finde, du lässt dir in letzter Zeit ziemlich von Dennis auf der Nase rumtanzen!", wirft sie mir schnippisch vor. "Das stimmt doch gar nicht!" "Überleg doch mal: Du schießt Ben in den Wind, mit dem du dich wirklich gut verstehst - auf welcher Grundlage auch immer - nur weil Dennis dir das vorschreibt?! Und dann ist er auch noch ohne wirklich erkennbaren Grund sauer auf dich und meldet sich Tage lang nicht?! Ich finde echt, das war nicht deine beste Entscheidung!" "Aber Linda, ich bin mit Dennis zusammen! Seit Langem! Und mit Ben bin ich... befreundet. Und ich kenne ihn noch gar nicht lange und..." "Das ändert aber auch nichts daran, dass du Gefühle für ihn hast!" So bestimmt und streng kenne ich Linda gar nicht. Doch irgendwo hat sie Recht. Natürlich bin ich zu stur, das zuzugeben und verkrieche mich in meinem Zimmer.


Nachmittags kommt Linda rein gestürmt. Ich geh mit Dave an den See! Kommst du mit? Ehe ich antworten kann, schiebt sie noch hinterher: "Nur dass du's weißt: Ben kommt auch mit!" Gut, dass sie das noch gesagt hat, so kann ich mir eine neue - unbedenkliche - Antwort überlegen. "Ach weißt du, ich hab heut ziemliche Bauchschmerzen. Ich werd wohl meine Tage bekommen. Ich bleib lieber zuhause." Sie schaut mich ungläubig an und zischt nur: "Wie du meinst!" Nachdem sie meine Tür geschlossen hat, und ich realisiere, dass ich meine beste Freundin einfach so angelogen hab - Lappalie hin oder her - und dann noch auf meinem Handy sehe, dass ich Dennis' letzte Nachricht vor mehr als zwei Wochen bekommen hab, beschließe ich, doch mitzukommen. Ich springe also aus meinem Zimmer und renne auf Linda zu, die gerade mit Dave telefoniert. "Ich komm doch mit! Ich komm doch mit!" Völlig irritiert, haspelt sie ins Telefon: "Moment Dave, warte mal kurz. Also du willst doch mit?" "Ja! So schlimm sind die Bauchschmerzen gar nicht", zwinkere ich ihr zu. "Also gut. Dave? Wir kommen doch beide! Jap. Genau! Dann sehen wir uns dort! Bis gleich!" Auf dem Weg zum See, kaue ich Linda regelrecht ein Ohr ab. "Weißt du, du hattest Recht. Ich lasse mich wirklich von Dennis unterbuttern. Soll er doch die Wände hoch gehen, wenn es ihn stört! Der meldet sich ja eh nicht! Wer weiß, was er da jetzt im Ausland macht? Da hab ich ja auch kein Auge drauf! Also nehm ich jetzt einfach keine Rücksicht auf ihn!" "Naja, das glaub ich jetzt nicht, dass er im Ausland irgendwas anstellt, aber du solltest wirklich aufhören, alles zu tun, was er verlangt! Ohne Rücksicht auf Verluste!" "Allerdings! Ich werd mich auch gleich bei Ben entschuldigen. Ich mag gar nicht dran denken, was er jetzt von mir hält! Ich war echt fies!" "Das stimmt, aber ich denke nicht, dass Ben da so ist!" "Hoffentlich..." Am See angekommen, wartet Dave schon auf uns. Ben ist jedoch weit und breit nicht zu sehen. Wir begrüßen Dave und warten erstmal ab, ob Ben vielleicht noch am Auto ist oder Getränke besorgt oder sonstwas. Doch Dave läuft in Richtung Liegewiese. "Können wir?!" "Ähm, ist Ben wohl schon vorgegangen oder...", möchte ich wissen. Dave streicht sich durch die Haare und sagt zögerlich: "Ähm... also der wollte lieber zuhause bleiben." "Wieso denn? Gehts ihm nicht gut?", frage ich auch noch völlig bekloppt nach. "Doch, aber als er gehört hat, dass du doch mitgehst, hat er gemeint, er möchte lieber zuhause bleiben. Habt ihr wohl Stress?" Daves Aussage trifft mich wie ein Schuss. Ich starre auf den Boden und weiß gar nicht, wie mir geschieht. "Dann... dann... lass ich euch alleine. Macht euch nen schönen Tag." Beide starren mich überrascht an. "Was?! Wieso das denn jetzt?!" "Naja,...", ringe ich nach Worten und Ausflüchten. "Ähm Dave, suchst du schon mal nen schönen Platz aus?! Ich komm dann gleich.", meint Linda und stellt sich mit den Händen in der Hüfte vor mich. "Ist das dein Ernst?! Du willst wieder gehen?!" "Ja! Du ich fühl mich hier irgendwie fehl am Platz. Ben ist nur meinetwegen nicht gekommen." "Und da wunderst du dich?!" Ich sehe sie mit großen Augen an - eine Antwort hierauf hab ich nicht. "Immerhin hast du zu ihm gesagt, dass du ihn nicht mehr sehen willst! Daran hält er sich jetzt eben." "Ich weiß. Ich bin selber Schuld, aber... Ach, ich geh jetzt! Ihr zwei seid doch eh lieber alleine.", sage ich und drehe mich um. "Was hast du denn jetzt vor?!", fragt Linda mich besorgt. "Ich werd zu meiner Mom und meiner Schwester gehen und ein bisschen im Garten chillen." "Essen wir heute Abend zusammen?!" "Nein, nein! Iss du nur mit Dave in der Bar. Ich werd bei meiner Mom essen.", winke ich ab. Sie sieht mich nach wie vor an. Ihren Blick wendet sie erst ab, als ich ihr zulächle und sie sieht, dass es mir "gut" geht.


Die nächsten Tage verbringe ich entweder auf der Arbeit oder auf dem Sofa beziehungsweise in unserem Strandkorb auf der Terrasse. Ab und zu gehe ich mit Linda und Sara nach der Arbeit noch ein Eis essen. Doch zu mehr bin ich momentan wirklich nicht zu gebrauchen. Die Situation, so wie sie im Moment ist, macht mir wirklich zu schaffen. Dennis lässt nach wie vor so gut wie nichts von sich hören. Gerade, dass er antwortet, wenn ich ihm schreibe - und dann auch nur kurz und knapp. Linda unternimmt immer wieder mal was mit Dave - da möchte ich natürlich auch nicht stören. Und dann ist da ja noch die Sache mit Ben. Bei dem einen Mal, das wir in den letzten Tagen in der Bar waren, hat er mich gemieden, wo es nur ging. Jämmerlich, aber ich fühle mich gerade überall überflüssig.


Ich sehe gerade fern, als Linda abends in die WG gestürmt kommt. "Du, Dave und ich treffen uns nachher noch in der Bar. Magst du nicht mal wieder mitkommen?!" "Wozu denn?! Dass ich mich von Ben ignorieren lassen und euch beim Flirten zugucken kann?! Mmmh... nee, hab ich jetzt nicht so Lust drauf!" "Aber du weißt, dass du...", "...dass ich selber schuld bin! Ja weiß ich.", unterbreche ich sie. "Weißt du, vielleicht solltest du einfach mal mit Ben reden. Immerhin erkundet er sich jedes Mal nach dir, wenn er mich sieht. Ich denke nicht, dass er sauer auf dich ist, sondern, dass er dich einfach nicht in Schwierigkeiten bringen will. Zwecks Dennis..." "Wirklich? Er fragt nach mir?", möchte ich erleichtert wissen. "Jap! Jedes Mal." Dieser eine Satz spricht mir so viel Mut zu, dass ich beschließe, tatsächlich mitzukommen. Ich springe also unter die Dusche, lege Make-Up und mein teuerstes Parfüm auf, frisiere mich und suche mir ein hammer Outfit raus.


Auf dem Weg zur Bar bin ich tatsächlich ein bisschen aufgeregt. Wir gehen also rein und total taff und entschlossen gehe ich zu Ben hinter die Bar. Er weiß überhaupt nicht, wie ihm geschieht und ist merklich mit der ganzen Situation überfordert. Ich greife seine Hand und zerre ihn in den Lagerraum im Keller. "Was ist denn jetzt los?!", will er wissen. Ich nehme all meinen Mut zusammen, hole tief Luft und beginne mit meiner Ansprache, die ich in den letzten Tagen bestimmt schon 100 Mal in meinem Kopf durchgespielt hab: "Ich muss mit dir reden, Ben. Dafür war es schon lange Zeit." "Was gibts denn?", fragt er leicht überrumpelt. "Es tut mir leid! Ich wollte dich nicht... wegstoßen oder... keine Ahnung." Die ganzen tollen Sätze, die ich mir im Vorfeld überlegt hatte, sind einfach nicht mehr abzurufen. Immer wieder bricht mir die Stimme ein und ich komme ins Stottern. "Ich wollte dir nur sagen, dass mir das alles unheimlich leid tut. Natürlich können wir uns weiterhin sehen. Ich hab dich… gern. Dennis muss eben sehen, wie er damit zurecht kommt." Ich bin regelrecht stolz auf mich, als ich realisiere, dass ich das wirklich gesagt hab. Zwar mit dem Rücken an der Wand, auf den Boden glotzend und an meinen Haaren rumspielend, aber immerhin. Doch langsam wird es Zeit für eine Antwort. Ich blicke also zu Ben. Er sieht mich an, muss ein bisschen grinsen, streicht sich durchs Haar und kommt auf mich zu. Näher und näher. Mit jedem Schritt, den er auf mich zukommt, schlägt mein Herz stärker. Er stemmt sich mit seinem Arm gegen die Wand, so nah, dass ich sein Parfüm riechen kann. Er holt tief Luft und sagt: "Da bin ich ja froh. Ich will aber nicht, dass du Ärger kriegst, also hab auf dich gehört und mich distanziert." "Tja, in Zukunft hörst du besser nicht mehr auf mich!", versuche ich zu scherzen. "Naja, weißt du, ich möchte aber nicht zwischen euch stehen. Immerhin seid ihr schon eine ganze Zeit lang zusammen. Da möchte ich nicht der Grund für Streitereien sein." "Das krieg ich schon geregelt.", klopfe ich ihm zwinkernd auf die Schulter und will wieder nach oben gehen. Doch Ben hält mich an der Hüfte fest. Ich drehe mich um und er steht noch dichter vor mir, als ohnehin schon. "Aber… ich hab gehört, dass er dich mehr oder weniger hat sitzen lassen?!" Ich bin total überrascht. Woher weiß er das?! Was weiß er überhaupt alles?! Ich will gerade nachfragen, als er mir zuvor kommt: "Naja, also zumindest soll es im Moment sehr schwierig sein. Hab ich gehört. Von Dave. Ist da was dran?!" Ich weiß nicht, ob ich seine Frage als aufdringlich, unverschämt oder einfühlsam werten soll. Wie immer versuche ich, alles zu beschönigen: "Ach, das ist eine lange Geschichte..." Erneut will ich gehen. Doch Ben hält mich wieder fest. "Erzähl sie mir!" Ich weiß gar nicht, wie mir geschieht. Die ganze Situation überfordert mich gerade. Doch als ich ihm in die Augen sehe, merke ich, dass gar keine Antwort mehr notwendig ist. Ich vergesse alles um mich herum. Den Lärm der Bar, das flackernde Kellerlicht, einfach alles. Ben greift mir um die Hüften, ich lege meine Hände auf seine Brust. Wir kommen uns näher und näher. Ich nehme seinen Atem und Herzschlag ganz intensiv wahr. Er schließt die Augen, ich auch… Kurz bevor unsere Lippen sich tatsächlich berühren, geht mit einem Ruck die Türe auf und Mike steht vor uns. Wie von der Tarantel gestochen, springen wir auseinander. Dass ich dabei mal wieder dunkelrot anlaufe, muss vermutlich nicht extra erwähnt werden.
Ich gehe also die Treppe rauf und will grade die Bar verlassen, da höre ich jemanden meinen Namen rufen. Ich blicke in die Runde und da sitzt Linda am Bartresen. Vor lauter Action hab ich ganz vergessen, dass ich ja mit ihr zusammen hergekommen bin. "Wolltest du jetzt etwa gehen?", fragt sie etwas verwundert nach. Ich setze mich neben sie und versuche, ein Lächeln aufzusetzen, das nicht so gequält aussieht, wie es sich anfühlt. Linda starrt mich immer weiter an. Sie beugt sich zu mir rüber und flüstert: "Ist was passiert?! Du wirkst so durch den Wind. Habt ihr euch gestritten? Ist er doch sauer?!" Noch bevor ich mir überhaupt eine Antwort überlegen kann, kommen Mike und Ben aus dem Keller. Ich flüstere ihr also nur zu: "Das erzähl ich dir später." Während Ben an einen Tisch verschwindet, um die Bestellung aufzunehmen, kann ich Lindas und Daves Gespräch leider nicht folgen. Meine Gedanken kreisen dauernd nur um die Situation von eben. „Jooosie! Gibst du mir mal ne Antwort? Schläfst du etwa?“, rüttelt Linda mich „wach“. „Ähm, was?! Sorry, ich war grade… wo ganz anders.“ „Ja das hab ich gemerkt. Aber Dave und ich wollten nochmal einen Versuch starten, an den See zu gehen. Jetzt, wo ihr beiden Zicken euch ausgesprochen habt!“, spielt sie auf die Funkstille zwischen Ben und mir an. Während ich „Äh… also… ich weiß nicht… naja… wir…“, stammle, taucht Ben wieder hinter der Bar auf und fragt nochmal nach, um was es denn geht. Seine unglaublich lapidare Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: „Na klar, wieso nicht?“ Mir fällt fast die Kinnlade runter. „Naja, wir beide haben ja den Nachmittag sowieso frei, dann können wir euch eigentlich in einer Stunde abholen.“, schlägt Dave vor. „Ich muss noch kurz nach Hause, mich duschen. Ich brauch aber nicht lange.“, meint Ben, was meine Gedanken erneut abschweifen lässt. Ben… Unter der Dusche… Das heiße Wasser prasselt auf seinen Körper… Er seift sich langsam ein… Tropfen für Tropfen läuft über seine Brust nach unten über seinen Bauch bis hin zu… „JOOOSIIIEE!!!“, unterbricht Linda quietschend meine Gedankengänge. Es läuft mir eiskalt den Rücken runter. „Ähm, was? Ich hab schon wieder nicht zugehört. Sorry.“ Linda packt mich am Arm, während Dave sich langsam schlapp lacht: „Aaach, du wieder! Los, wir gehen, dass wir pünktlich fertig sind.“

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Corinna König).
Der Beitrag wurde von Corinna König auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.08.2016. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Tierisches und mehr: Kurzgeschichten und Gedichte von Elke Abt



Im Laufe vieler Jahre hat eine große Anzahl Tiere ein Zuhause in der Familie der Autorin gefunden. Sie hat viel Lustiges und manchmal auch Trauriges mit ihnen erlebt. In diesem Buch stellt sie einige mit ihren Besonderheiten vor. Neben Tierischem ist auch das Menschliche nicht vergessen worden, das zum Schmunzeln anregt. Flora und Fauna haben sie außerdem zum Verfassen von Gedichten inspiriert, die nicht immer ernst zu nehmen sind. Wer den Humor liebt, für den sind die individuellen Kurzgeschichten und Gedichte genau richtig.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Liebesgeschichten" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Corinna König

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Josie - Mein Leben und ich TEIL 15 von Corinna König (Liebesgeschichten)
Der Engel meines Lebens von Elke Gudehus (Liebesgeschichten)
Befreiungsschläge von Elke Lüder (Lebensgeschichten & Schicksale)