Doris E. M. Bulenda

Mit dem Kleinflugzeug über den bulgarischen Strand

Ein schöner Urlaub am Meer, in Bulgarien am Sonnenstrand. Langer, gepflegter, breiter Strand, warmes Meer, gutes Essen, schöne Umgebung, nette Leute … Hat alles gepasst. Nur dass ich mich nach einer Woche Faulenzen ganz schön gelangweilt habe.
So lief ich denn eines schönen – wirklich schönen und sonnigen – Tages den ganzen, sehr langen Strand auf und ab. Der Strand hatte die Form eines langgezogenen Hufeisens, mein Hotel war vom Land aufs Meer gesehen am rechten Ende. Ich wanderte vor und immer weiter und weiter. Etwas hinaus über der Mitte des Strandes kam dann die Unterhaltung, die ich nicht direkt gesucht, aber jetzt gefunden hatte. Schon von meinem Badeplätzchen in den Dünen hatte ich immer wieder mal ein kleines Wasserflugzeug bemerkt und ihm sehnsüchtig nachgeblickt. Ich fliege nämlich wirklich absolut gerne – egal wie groß oder klein das Fluggerät ist. Böse Zungen behaupteten, ich würde auch mit Al-Kaida-Airlines fliegen, nur um zu fliegen. (Kann schon sein, dass da was dran ist …)
Jedenfalls sah ich am Strand nun besagtes kleines Wasserflugzeug, wie es im seichten Wasser trudelte. Und ein Pilot saß auch drin – natürlich musste ich da sofort hin und nachfragen, wie es denn mit einem Flug wäre. Ich wurde freudig begrüßt, wir einigten uns schnell auf einen 15-Minuten-Flug über den Strand und ein bisschen über das Vorgebirge, der Preis war akzeptabel. Also hieß es auch schon, an Bord und ab.
Etwas ungeschickt – das Teil schwankte ganz nett – bestieg ich das Flugzeug, das außer dem Piloten nur noch einen Passagier mitnehmen konnte. Der Motor wurde angeworfen, das Flugzeug rauschte raus aufs Meer. Und rauschte raus – rauschte raus – bloß leider war's nix mit dem Abheben. Ich wunderte mich nach einer Weile ein wenig, ich wollte doch fliegen und nicht Bootfahren. Der Pilot drehte sich zu mir um, meinte in nicht allzu üblem Deutsch: „weiß nicht, nochmal probieren“. Er drosselte er den Motor, drehte ihn dann wieder hoch, wir rauschten los – aber blieben wieder auf dem Meer. Dieses Spiel wiederholte sich noch zweimal. Dann war der Pilot endgültig ratlos und blickte mich ein wenig verzweifelt an.
Tja, da konnte ich ihm bloß leider auch keine Hilfe sein – ich weiß von Flugzeugen nur, dass man einsteigt und dann abhebt und fliegt. Nun gut, mein tapferer Pilot meinte, zurück an den Strand, reparieren, nochmal probieren. Auch recht, ich hatte ja Zeit und Muße. Ich war ja schließlich im Urlaub.
Und dann blickte ich mal durchs Fenster gerade nach unten und aufs Wasser. Das hätte ich allerdings lieber gelassen… Das Schwarze Meer hatte am Strand auch eine gewisse Quallen-Population aufzuweisen. Diese Tierchen waren relativ klein, weiß, ein wenig durchsichtig, wie Quallen halt so sind. Und ungiftig waren sie auch – und eigentlich auch relativ freundlich. Wenn man ruhig geschwommen ist, sind sie brav ausgewichen, ich bin nie mit einer zusammengestoßen, auch wenn sie manchmal recht nahe kamen.
Aber hier – hier war das Wasser nicht mehr blau, es war weiß – vor lauter Quallen. Die auch noch ein Stück größer waren als ihre Verwandten in Strandnähe. Ich hatte das Gefühl, die lieben Tierchen waren alle gekommen, um sich dieses komische Gerät, das sich da in ihr Revier eingeschlichen hatte, zu bewundern. Jedenfalls waren es Tausende und Abertausende, die sich da um das Flugzeug „drängten“. Quallen, soweit das Auge reichte.
Und dann wurde ich noch unvorsichtiger – ich drehte mich um und guckte mal, wie weit wir denn vom Land entfernt wären. Sehr, sehr weit, verdammt weit, sehr verdammt weit weg, kann ich nur sagen. Normalerweise bin ich ein geübter und ausdauernder Schwimmer, und ich hätte diese Strecke zwar als anstrengend, aber doch nicht als unüberwindlich angesehen. Aber mit all diesen Quallen – sicher, es war ja keine Rede davon, zurückzuschwimmen, wir wollten schon im und mit dem Flugzeug zurückkehren. Trotzdem durchzuckte mich der Gedanke, was wohl werden würde, wenn wir das schwimmen müssten… Ich bin heute noch davon überzeugt, dass ich sämtliche Weltrekorde in allen Schwimmdisziplinen gewaltig unterboten hätte… Diese Mengen an Quallen hätten mir mächtig Beine gemacht.
Während ich so diesen Gedanken nachhing, hatte der Pilot sein Fluggerät gewendet und wir „paddelten“ langsam zurück zum Strand. Ich kann gar nicht sagen, wie froh ich war, dass das in zwar ziemlich langsamem Tempo, aber doch in der Kabine sitzend, geschah.
Am Strand angelangt, sprang der Pilot raus, bedeutete mir, sitzenzubleiben, das würde nicht lange dauern. Es pfiff einen Helfer herbei, zusammen bastelten sie ein wenig am Flugzeug rum (nein, keine Ahnung, was die da getrieben haben), und schon stieg der Pilot wieder ein. „Nochmal probieren“ – natürlich, was denn sonst.
Und jetzt klappte alles programmgemäß, ein kleiner Anlauf auf dem Wasser, schon ging's in die Luft und ich kam zu meinem wunderschönen kleinen Rundflug über den Sonnenstrand und ein Stückchen Vorgebirge. Ein wirkliches Erlebnis, es war toll. Der Ausblick von oben über den gesamten Strand grandios. Ich habe den Flug wirklich sehr genossen. Die 15 Minuten waren schnell vorbei, wir landeten ohne Probleme auf dem Wasser und fuhren mit vernünftigem Tempo wieder an Land.
Ein Erlebnis – ein echtes Erlebnis. Ich kann jedem nur empfehlen, solche kleinen Flüge einmal mitzumachen, das ist wunderschön und viel, viel aufregender und interessanter als in einem großen Jet.
 

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