Doris E. M. Bulenda

INDONESIEN – JAVA – Kleiderkauf in Asien

Kleider und Kleiderkauf – eigentlich eine Sache, die jeder Frau ordentlich Spaß macht. Außer, wenn man in Asien ist und ein bisschen Figur hat. Für europäische Verhältnisse bin ich schlank, und Anfang der 1980er Jahre  war ich noch ein bisschen schlanker. Trotzdem sind die Damen in vielen asiatischen Ländern doch wesentlich zierlicher und kleiner als unsereins.

Mit dem Flugzeug von Bali nach Yogyakarta war ich zwar gut mitgekommen und sicher gelandet, das galt aber leider nicht für meinen Rucksack. Der war verschwunden – und das blieb er auch. Keine Ahnung, wo in der Welt der gelandet ist, das wird für immer das Geheimnis von Garuda Indonesia Airlines bleiben. Sicher war das verdammt  ärgerlich, es waren die letzten Tage nach sechs Wochen Rucksacktour und ich hatte natürlich unterwegs ein paar hübsche Sachen eingekauft. Die wirklich wichtigen Dinge und etwas teureren Souvenirs transportiere ich sowieso immer im Handgepäck, es war eigentlich kein gar so großer Verlust. Wenn man mal davon absieht, dass ich jetzt an Klamotten nur noch das hatte, was ich am Körper trug…

Wie gesagt, Shopping, auch erzwungenes Shopping, ist ja eigentlich eine schöne Sache, in Indonesien gibt es auch Unmengen von Kleidershops. In einem Touristenort wie Yogyakarta auch T-Shirts und andere Klamotten, sogar in – für asiatische Verhältnisse –  „Monstergrößen“. Ich warf also nur schnell mein Handgepäck ins Hotel – das einen wunderschönen, großen Pool hatte – und setzte mich in eine Fahrradrikscha, ließ mich damit auf den Markt fahren.

Eine merkwürdige Angewohnheit hatten die Rikschafahrer damals – man durfte als Fahrgast keinen Meter laufen. Heißt, man wurde von einem Shop zum nächsten gefahren. Wehe, man hätte gewagt, die zwei oder drei Meter zum nächsten Shop zu Fuß zurückzulegen oder gar die Straße zu überqueren! Das wäre eine echte Beleidigung für den Fahrer gewesen. So wurde das Shopping viel sportlicher als geplant – diese ewige Rein- und Rauskletterei aus der Rikscha war deutlich anstrengender als ein paar Meter zu gehen.

Trotzdem machte es ordentlich Spaß, T-Shirts, Rock und Shorts waren in einigermaßen richtiger Größe schnell gefunden, sogar Schuhe in meiner Größe – „nur“ 38, aber für Asien schon richtig groß – bekam ich. Habe ich schon erwähnt, dass das Hotel einen Pool hatte? Ja, und dafür brauchte ich natürlich auch noch „Ausrüstung“. Es war heiß und schwül und ein morgendliches und nachmittägliches Bad im Pool lockte einfach zu sehr. Dass es in dem Land keine Bikinis geben würde, war mir schon klar. Die Asiatinnen gehen, wenn überhaupt, in Shorts und T-Shirt ins Wasser – aber ich nicht.

Diesmal musste der Rikschafahrer denn auch ein bisschen größere Strecken zurücklegen, bis er endlich ein Geschäft ausfindig gemacht hatte, das auch Bademoden führte. Ich betrat mutig diesen Ort und fragte nach einem Badeanzug in meiner Größe. Ja, ja, haben wir, die Verkäuferin nickte zuversichtlich. Ich war weniger zuversichtlich, dieses Mädchen war ein ganz besonders kleines, zierliches Geschöpf. Aber sie lief los, kam auch schnell wieder, in den Händen einen Badeanzug. Ich guckte mir das Teil an, mein erster Gedanke war, der ist für eine Barbie-Puppe…

Auf dem Etikett stand: Hüftweite 58 cm. Du meine Güte, da hatte ich mehr Taille… Ich erklärte der Verkäuferin, das würde nie passen. Sie: „Doch, doch, passt, probieren“. Nun gut, auch wenn ich das Ergebnis schon kannte – ich bewegte mich in die Umkleidekabine. Wie erwartet bekam ich dieses Mini-Teilchen nicht mal über die Oberschenkel. Ich streckte den Kopf aus der Kabine, rief das Mädchen näher und ließ sie einen Blick auf den Badeanzug, der auf der Hälfte der Oberschenkel festsaß, werfen. „Uh – oh – oh, oh“ war alles, was sie dazu zu sagen hatte. Es kam eine andere Verkäuferin dazu, etwas älter, zusammen beratschlagten sie ein bisschen. Dann wurde mir bedeutet, mal kurz zu warten. Es dauerte ein wenig, und noch ein wenig länger, aber schließlich kamen sie mit einem anderen Badeanzug wieder. Ich weiß nicht, woher sie den geholt hatten, sicher nicht aus ihrem Lager. Musste das größte Teil der ganzen Stadt gewesen sein…

Und das Material war ordentlich dehnbar… Auch wenn's nicht ganz (deutlich nicht ganz) meine Größe war, ich konnte meine Figur reinzwängen. Gut, sah ein bisschen gequetscht aus – aber immerhin, für indonesische Verhältnisse war ich anständig bedeckt. Nur gab's da zwei Bänder, die über die Schulter geführt, gekreuzt und in passende Häkchen am Rücken gehakt werden sollten. Keine Chance, konnte ich da nur sagen, da fehlten mehrere Zentimeter – ich schätze mal, gute 15 bis 20 cm. Aber das war lösbar, ich knotete die beiden Bänder im Nacken, das ging und hielt auch. So wurde ich stolze Besitzerin einer Schwimmbekleidung, zur sichtlichen Erleichterung beider Verkäuferinnen. Und ich konnte die Tage im Hotelpool beginnen und beenden – was mir sehr gut tat.

Gelernt habe ich aus dieser Sache durchaus: Seit damals habe ich immer einen Bikini im Handgepäck. Zum Glück ist zwar nie mehr ein Gepäckstück verschwunden, aber man weiß ja nie…

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.09.2016. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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