Doris E. M. Bulenda

Nicaragua – die Einreise

Ich war auf einer Tour durch Mittelamerika, von Mexiko bis runter nach Panama. Leider musste ich El Salvador auslassen, weil da gerade Bürgerkrieg war. Aber alle anderen Länder auf der Landbrücke habe ich geschafft. So auch das damals berühmt-berüchtigte Nicaragua.
Ich kam von Honduras, und es war zu der Zeit, als die Sandinisten in Nicaragua gerade den Diktator vertrieben und die Macht übernommen hatten. In Honduras schien man die Sache mit ziemlichem Misstrauen zu beobachten und vor allem deutsche Touristen, die nach Nicaragua einreisen wollten, waren verdächtig. Sicher, man hat ja als Rucksackreisender nichts Besseres zu tun, als Waffen oder so was einzuschmuggeln … Mich hat das alles sehr amüsiert.
Das Visum für Nicaragua war auf der Botschaft in Tegucigalpa ganz einfach zu bekommen, und so fuhr ich zur Grenze. Vom großen Bus wurde ich in ein kleines Taxi verladen, das mich näher an die Grenzstation brachte. Dann erklärte mir der Fahrer, dass ich jetzt aussteigen müsse und den Rest zu Fuß gehen. Auch gut, ich lud mir meinen Rucksack auf den Buckel und wanderte los.
Weit war's nicht, es ging ein Stück bergab, dann kam schon die Grenzstation. In Honduras hatte man mir noch Schauergeschichten erzählt, wie schrecklich die Einreise wäre. Wie meist war an diesen Horrorstories nicht viel dran. Mein Gepäck wurde kontrolliert, ich musste ein paar Sachen aus dem Rucksack räumen, bis die Grenzer mir glaubten, dass ich wirklich nur Klamotten dabei hatte.
Dann kam die Frage: Geld? Damals hatten alle Länder in dem Teil der Welt Devisenbewirtschaftung – oder was sie so dafür hielten. Heißt, eigentlich musste man den gesamten Geldbetrag, den man bei sich führte, deklarieren und durfte auch nicht mehr ausführen, als man eingeführt hatte. Theoretisch – ich habe nie was deklarieren müssen und bin weder bei der Ein- noch Ausreise danach gefragt worden.
Das schien sich jetzt bei der Einreise nach Nicaragua zu ändern. Der Grenzer fragte nach: „Deutsches Geld dabei?“ Natürlich hatte ich D-Mark dabei. So suchte ich auf der Einreisekarte nach der Spalte für Devisen, fand aber nichts.
Der Grenzer wiederholte: „Geld aus Deutschland?“ Ich holte meinen Geldbeutel – in dem natürlich nur ein geringer Betrag war, der Rest war im Geldgürtel an meinem Bauch gut verborgen – und überlegte, ob der Beamte jetzt irgendwas nachzählen wollte. Aber ich hatte ja nichts deklariert, deklarieren können?
Als ich mehrere Scheine herausnahm, wurde ich gestoppt. „Nein, nein, nur einen Schein. Wir haben noch nie deutsches Geld gesehen. Wir wollen nur mal sehen, wie das so aussieht.“ Ich lachte, zückte einen 50-Mark-Schein und reichte ihn dem Grenzer. Der hielt ihn gegen das Licht betrachtete ihn von allen Seiten. Dann wurde der Schein rumgereicht, alle anwesenden Offiziellen und nicht so offiziellen Leute kamen, nahmen den Schein in die Hand und musterten ihn genau.
Ich amüsierte mich mittlerweile köstlich über den Ernst, mit dem die guten Leutchen an die Sache gingen. Dann bekam ich meinen Schein zurück mit der Bemerkung, das wäre doch wirklich sehr schönes, geschmackvoll gestaltetes Geld. Man bedankte sich sogar dafür, dass man sich das mal hatte anschauen dürfen.
Damit war ich entlassen, ich packte den Rucksack mit Hilfe des Grenzers wieder auf meinen Buckel und trabte weiter, bis ich ein Taxi fand, das mich in den nächsten Ort und zum Bus nach Managua brachte.
Übrigens blieb der gesamte Eindruck von Nicaragua so, wie er angefangen hatte. Nette, freundliche Leute, ein friedliches Land – mir hat’s dort sehr gut gefallen.
 
 

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