Wolfgang Küssner

Auf die Gesundheit!

Lassen Sie uns beim Thema Gesundheit mal einen Blick auf eine Krankheit namens Erkältung werfen. Für diese Art temporärer Gesundheitsbeeinträchtigung, Schwächung des Körpers,  gibt es diverse Ursachen: Zum Beispiel Viren, die unseren Organismus attackieren; feuchte Badebekleidung; da treffen unter Umständen verschwitzte Haut und Klimaanlage aufeinander; da bekommt der Fahrtwind dem erhitzten Körper nicht gut; da geht von trockener, heruntergekühlter Luft in Flugzeugen ein Angriff aus; Kälte und unzureichende Kleidung sind auslösend und so vieles andere mehr. Am Ende steht dann jedenfalls häufig eine – richtig - Erkältung.

Ohne Medikamente, so besagt die Faustregel, hat der Mensch 7 Tage unter einer solchen Erkältung zu leiden, mit den entsprechenden Gegenmassnahmen eine Woche. Und was es da alles an Möglichkeiten gibt, wenn die leichte Erkrankung unseren Körper erst einmal befallen hat: Holundertee, Fussbäder mit Salz, Schwitzkur, heisse Zitrone, warmes Bier, Brausetabletten, Ingwertee mit Honig und Limettensaft, Erkältungssirup, Paracetamol und so vieles andere. Achtung! Es gibt auch Erkrankungen, die sich als Erkältung, als Grippe tarnen, wo aber – z. B. in den Tropen – Malaria oder Dengue-Fieber sich hinter verstecken. Nicht alle Mittel – wie beispielsweise die erwähnten Brausetabletten - wären dann ratsam. Brausetabletten würden in diesem Fall die Viren erst so richtig in Schwung bringen, schön im Körper verteilen. Das wäre dann so etwas wie „Happy Hours“ für diese infektiösen Partikel.

Ein Mittel ganz anderer Art gegen Erkältung lernte ich vor vielen Jahren auf der Insel Madagaskar zufällig kennen. Mit einem Fahrer und Vivienne, unserer Reiseführerin, waren wir im Auto unterwegs von Fianarantsoa nach Toliara im Süden dieser riesigen Insel.

Übrigens eine wunderschöne Insel; eigentlich ist es ein kleiner Kontinent für sich, mit Steppen und Reisterrassen, mit bizarren Felsformationen und Dschungel, mit einzigartiger Flora – wie etwa den dickbäuchigen, wie gigantische Bonsais aussehende, Boababs - eine ausgefallene Fauna, mit den langschwänzigen, kletternden und springenden Lemurenarten. Und mit freundlichen, wunderschönen, liebenswürdigen Menschen.

Es war Dezember und so musste mit dem einen oder anderen Regenschauer zu dieser Zeit gerechnet werden. Die einzige Strasse in den Süden war nicht asphaltiert, es war eine einfache Sandpiste. Der Verkehr sehr überschaubar, doch wir hatten sogar Gelegenheit, einen – es blieb allerdings bei diesem einen - öffentlichen Bus zu überholen. Zugegeben, keine grosse Leistung. Die Piste kreuzte einen Fluss, natürlich ohne Brücke. Wir konnten das Flussbett noch durchqueren, doch der zuvor überholte Bus erreichte erst einen Tag später Toliara. Ein plötzlich einsetzender Regen hatte dem Bus die Durchfahrt unmöglich gemacht. Bei dieser Gelegenheit lernten wir, die getriebenen, gestressten Europäer, hier, auf Madagaskar, war der Tag die kleinste Zeiteinheit.

Vivienne, unsere sehr kundige und sympathische Reiseleiterin, hatte Pädagogik studiert und wollte eigentlich Lehrerin werden. Doch es gab in diesem äusserst armen Land nur wenige Jobs und so war sie im sich gerade im Entstehen befindenden Tourismus untergekommen. Bei irgendeinem kleinen Stop hatte sich eine Fliege – vermutlich in der Hoffnung, eine grössere Strecke des Weges bequem in unserem Auto zurücklegen zu können – in das Fahrzeug gemogelt. Als Vivienne, zu ihrem grossen Schrecken, die Fliege kurz darauf entdeckte, zog sie ihren Schuh aus und versuchte, diesen blinden, ungeladenen und schon gar nicht willkommenen Passagier mit einem Klatscher zu erledigen. Oh, wie schlug sie da um sich, unsere Reiseleiterin. Doch der ersehnte Treffer blieb aus und die flotte, kleine, flinke Fliege war sicherlich über die Weiterreise und das bequeme, kraftschonende Vorankommen hoch erfreut.

Am späten Nachmittag erreichten wir dann – gemeinsam - das Hotel Capricorn in Toliara. Ein treffender Name, schliesslich waren wir am südliche Wendekreis angekommen. Die Fliege wurde fortan nicht mehr gesehen. Wir bezogen unsere zugeteilten Zimmer und wollten uns dann in einer guten Stunde im Restaurant des Hotels zum Abendessen treffen. Doch zunächst hatten auch wir im Hotel-Zimmer zum Schuh greifen müssen, nun, es war ehrlich gesagt nur ein einfacher Badelatschen. Nein, jetzt ging es hier nicht um die mitgereiste Fliege, die Herausforderung bestand darin, einen für uns nicht sonderlich angenehmen Kakerlak zu erledigen. Ist doch ehrlich gesagt unangenehm, diese Tierchen mit ihren langen Fühlern im Bett liegend über das Linoleum krabbeln zu hören; ganz zu schweigen, vom Fühler dieser Schaben im Schlaf an Nase oder anderswo abgetastet, gekitzelt zu werden. Egal, ob Kakerlak, Küchenschabe, Cucaracha – wie auch immer sie heissen mögen, ihre Heimat ist dort, wo es feucht und warm ist, aber nicht in unserem Zimmer. Bei uns hiess es beim dritten Versuch ganz einfach: Klatsch! Treffer! – Und das war´s dann für den Kakerlak.
Als wir uns kurz darauf zum Essen trafen, kam natürlich die Frage unserer Reiseleiterin, ob das Zimmer in Ordnung sei und wir berichteten so ganz nebenbei von dem gerade erlegten Kakerlak. Doch die Reaktion unserer gegen harmlose Fliegen kämpfenden Vivienne bescherte uns ein schlechtes Gewissen: „Das darf man doch nicht machen. Kakerlaken sind nützlich. Wir kochen die Tiere und trinken den Saft anschliessend als Mittel gegen Erkältung.“ Okay - andere Länder, andere Sitten. Da kann man auf Malagasy nur sagen: „On Fahasalamana“, oder auf gut Deutsch: „Auf die Gesundheit.“ Vielleicht ja noch ein einheimisches „Cheers“, aber - auch Prost? – Ich weiss ja nicht?
 
April 2016
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