Wolfgang Küssner

Das Gerücht um ein Gericht

Was dem einen sein Sauerkraut und Eisbein, oder seine Paella, sind dem anderen Fish and Ships, Pizza, Couscous, Köfte, Borschtsch oder Kebab. Für Thailand heisst die Anwort auf die Frage nach einem Nationalgericht ganz einfach Phat Thai oder auch Pad Thai geschrieben. Der Leser sollte sich wegen der variierenden Schreibweisen nicht wundern: Das Thai-Alphabet kennt 44 Konsonanten, 26 Vokale und einige zusätzliche Tonzeichen. Da gibt es bei Übersetzungen schon die eine oder andere Abweichung.

Ein Gerücht besagt, dass ein Ministerpräsident und Militär namens Plaek Phibunsongkrham (kurz: Phibun) während des zweitens Weltkrieges Phat Thai zum Nationalgericht erklärt habe, da die Regierung sich in einer Finanzkrise befand und der Reiskonsum reduziert werden sollte. Soweit das Gerücht. Und das Gericht?

Es ist ein Nudelgericht auf Basis von Reisbandnudeln. Diese Nudeln werden aus Reismehl hergestellt. Zum Pad Thai gehören neben den Nudeln, verquirlte Eier, Fischsauce, etwas Tamarindenpaste (leicht säuerlich), Knoblauch, Chilipulver, Sojasprossen, kleine getrocknete Krabben (als Gewürz), etwas Tofu, Fleisch oder Meeresfrüchte (jeweils nach Wahl). Das ganze kann dann noch mit zerstossenen Erdnüssen, frischen Korianderblättern, Frühlingszwiebeln und Limettensaft verfeinert werden.

Noch heute hält sich das Gerücht, sorry, das Gericht, auf nahezu sämtlichen Speisekarten im ganzen Land. Zwei Variationen haben sich im Laufe derJahre herausgebildet: a) eine trockene und leichte traditionelle Art der Zubereitung und b) eine in rotem Öl gebratene, die etwas schwerer und schärfer daherkommt. Ja, neben der morgendlichen Reissuppe (Khaao Tom) ist Pad Thai zu einem Nationalgericht geworden.

Sollte der Leser nun Appetit bekommen haben, er möge es einfach ausprobieren. Die Zutaten bekommt er im nächsten Asia-Shop, Rezepte findet er im Internet, allein Chefkoch.de bietet 39 verschiedene Pad-Thai-Variationen an. Guten Appetit oder auf Thai: Dscharöön aahaan.
 
Juni 2016
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