Wolfgang Küssner

Es stinkt gewaltig

Es stinkt gewaltig. Was bitteschön stinkt da so gewaltig? Es, das Gewächs? Nein, sie, die Frucht. Die Durian, mit Beinamen Stinkfrucht. Sie stinkt, zumindest für Nasen aus Europa, Amerika, Australien. Bei den Asiaten, hier im Südosten dieses riesigen Kontinents, ist die Wahrnehmung eine ganz andere. Was dem einen stinkt, ist dem anderen offensichtlich Duft. Oder wäre Geruch vielleicht besser, neutraler? Doch die Frucht heisst Stinkfrucht.  Und was für ein Duft! Erstens nimmt man ihn über grosse Distanzen wahr. Zweitens erzeugt er eine gewisse Unruhe. Bei den Thais, Malayen, Indonesiern, Chinesen etc. Warum eigentlich? Lüften (passt bei der Frucht ganz gut) wir das Geheimnis: Der Verzehr soll potenzfördernde, das Sexualleben stimulierende Wirkung haben. Das macht natürlich verständlich, wie aus Gestank schnell ein Duft werden kann.

Die Durianfrucht erweckt einen sehr unnahbaren, archaischen Eindruck. Der Betrachter ist geneigt, an Panzerechsen, an Tyrannosaurus zu denken. Die Frucht des Durianbaums – auch Zibetbaum genannt, ein Malvengewächs, kann von der Grösse einer Kokosnuss bis zum Ausmass einer grossen, kräftigen Wassermelone reichen. Dunkelgrün mit leichten gelblichen und grauen Tönen, ummantelt mit einer starken Hülle, und bis zu einem Zentimeter langen Stacheln, scheint sie vor Berühung zu warnen, denn das könnte in der Tat schmerzhaft werden.

Im Inneren befinden sich bis zu sechs Fruchtkammern mit  weisslich bis gelbem, faseriegem Fruchtfleisch. Dieses „Fleisch“  umhüllt maximal sechs Samenkerne. Schmierig, fleischig, stark riechend, das ist es, was die Asiaten bei der Durian unruhig werden lässt. Und der Geschmack? Eigentlich unvergleichlich, so Richtung leicht fruchtiger, süsser Zwiebelbrei mit geringen Nuss- und Vanilleanteilen.

In Südost-Asien ist man so vernarrt in die Durian, dass man ihr auch den Beinamen „König der Früchte“ gegeben hat. Die Frucht wird roh verzehrt, zu haltbaren Pasten, zu Marmelade, Bonbons, Speiseeis, Fruchtsäften, Chips etc. verarbeitet. Der Verzehr entfacht ein inneres Feuer, heizt dem Körper ein, bringt ihn in Wallung. Den Rest kann sich der Leser wohl denken. Ob allerdings ein Verzehr zielführend war, dazu schweigt der Geniesser.

Doch Vorsicht ist zum Beispiel bei gleichzeitigem Konsum von brauner, amerikanischer Brause geboten; der Magen wird dann Rülpser auf Rülpser produzieren, die geschmacklich irgendwo zwischen Zwiebelbrei und Erbrochenem angesiedelt sind. Vorsicht ist auch bei parallelem Alkoholgenuss dringend angeraten, es könnte zu Krämpfen, zu erheblichen Schmerzen im Bauch führen. Es wird sogar von vereinzelten Todesfällen berichtet. Alkohol und Durian vertragen sich nicht. Und bitte: Vorsicht beim Durian-Verkehr im Hotel (oh, muss das nun Verkehr oder Verzehr heissen?) , egal, denn das ist nahezu überall untersagt. Ein Zimmer, in dem die Durianfrucht gegessen wurde, kann mindestens in den folgenden drei Tagen nicht neu vermietet werden. Der Fruchtgenuss kann teuer werden. Denn, die Frucht macht ihrem Namen alle Ehre – sie stinkt, es stinkt gewaltig.
 
Juni 2016
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