Doris E. M. Bulenda

Schimpansen im Zoo

Es war auf einer Reise durch die USA, als ich mir wieder einmal das Vergnügen eines Zoobesuches gönnte. Dieser Zoo hatte auf eine ganze besondere Art und Weise die „Gehege“ für die Menschenaffen konstruiert. Es waren Inseln, ziemlich große sogar, durch einen Wassergraben von den Besuchern getrennt. Mit Bäumen, Sträuchern, Spielmöglichkeiten und vielem mehr. Und ca. 1 Meter vorm Ufer auf der Insel gab es noch einen Elektrozaun, damit die Tiere – die ja eigentlich sowieso wasserscheu sind – nicht aus ihrem Reich entwischen konnten.
Dafür waren sie dann anscheinend auf der Insel total frei und konnten tun und lassen, was sie wollten. Mir gefiel diese Art der Haltung recht gut.
Ich kam zu den Schimpansen und beobachtete sie. Ein junger Schimpanse, deutlich noch ein Halbwüchsiger, spielte mit einem blauen Ball. Und zwar genau so, wie das Menschenkinder auch tun. Er warf den Ball in die Luft, fing ihn wieder auf, rollte ihn ein Stück weg und fing ihn wieder ein. Schoss ihn von vorne und von hinten durch seine Beine und sprang nach, holte ihn zurück und das Spiel begann von neuem.
Nur einmal verschätzte sich der kleine Schimpanse, der Ball rollte weiter, den leichten Abhang zum Wasser hinunter, unter dem Zaun hindurch. Dann blieb das Spielzeug ganz knapp vor dem Wasser liegen. Der Affe schaute dem Ball traurig hinterher. Ich dachte schon, armer Kerl, jetzt ist sein Lieblingsspielzeug weg.
Aber schon erhob sich der Schimpanse, ging zu einem anderen, erwachsenen Schimpansen, der in der Nähe saß. Ich würde mal sagen, das war die Mutter. Jedenfalls stupste der kleine Schimpanse den großen mehrmals an, bis er seine volle Aufmerksamkeit hatte. Dann zeigte er ganz deutlich auf seinen Ball, der außerhalb des Zaunes lag. Dazu schnatterte er auf Schimpansen-Art.
Der erwachsene Schimpanse erhob sich – wenn es ein Mensch gewesen wäre, hätte ich gesagt „seufzend“ – und zog los. Aber in die falsche Richtung. Ich wunderte mich, was jetzt passieren würde. Dann sah ich, dass der Affe durchaus gewusst hatte, was er tat. Er ging zu einer Stelle, an der der Zaun ein bisschen höher über dem Boden verlief.
Rollte sich dann zu einer Kugel zusammen und rollte unter dem Zaun – ohne den Elektrodraht zu berührten – durch. Lief am Wasserrand entlang, schnappte sich den Ball. Lief zurück zum Zaun und wieder rollte sich der Schimpanse ganz geschickt unter dem Draht durch. Ich schaute genauer hin, an den Spuren am Boden sah man, dass dieses Kunststück mit Sicherheit bereits öfter gemacht worden war.
Schon lief die Schimpansen-Mama mit dem Ball zu dem Jungtier und drückte ihm den Ball in die Hand. Der kleine Schimpanse verzog sich – offensichtlich zufrieden und glücklich – wieder an die Stelle, wo er vorher gesessen hatte und begann sein Ballspiel von neuem.
Und ich war total erstaunt, aber auch begeistert. Das war doch ein Musterbeispiel von Kommunikation, Hilfsbereitschaft und Zusammenarbeit. Und auch die Raffinesse beim Überwinden des Hindernisses „Zaun“ fand ich ganz toll. Da sage noch mal einer „blöde Tiere“.
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.10.2016. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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