Doris E. M. Bulenda

Tansania – Ngorongoro-Krater

Auf einer Rucksacktour durch Ostafrika war ich auch in Tansania. Kämpfte mich mühsam – hier dauerte alles viel länger als anderswo, Busse und Bahnen fuhren nicht nach Fahrplan sondern nach Laune des Fahrers, wenn überhaupt – durch bis Arusha.
Dieser Ort ist der Ausgangspunkt für Touren zum berühmten Ngorongoro-Krater. Ein riesiger, abgesunkener Vulkankegel, ein Naturschutzgebiet und berühmt für seinen Tierreichtum. Mit ein paar anderen Leuten mietete ich einen Jeep mit Fahrer, der uns hinbringen sollte.
Die Tour ging am frühen Nachmittag los, die Fahrt dauerte ein paar Stunden. Schon auf der Hinfahrt waren wir über den Fahrstil unseres einheimischen Drivers erstaunt – vom Bremsen hielt er nicht viel, er tat es nur, wenn es gar nicht mehr zu vermeiden war. Dabei fuhr er aber eigentlich relativ sicher. Er bremste halt nur ganz, ganz kurz vor einem Hindernis oder einer Kreuzung – dann aber mit vollem Einsatz von Körperkraft „Fuß auf Bremse“.
Kurz vor dem Nationalpark wurden wir in einer miesen Lodge abgesetzt, meine Mitreisenden wollten es so billig wie möglich machen. Na gut, eine Nacht in einer Bruchbude würde ich schon auch noch überleben.
Nach dem Abendessen saßen wir alle noch vor unseren Zimmern auf der Veranda. Ein schöner, warmer Abend – mit Millionen von stechenden Insekten. Für die ich immer und überall bevorzugtes Ziel bin. Ich cremte mich mit „Stichfrei“ ein. Ein spezielles Mückenmittel, das mir eine Bekannte aus einem Jagdgeschäft besorgt hatte. Das wird von Jägern und Anglern verwendet und hält das fliegende Viehzeug auch gut ab – aber es stinkt ganz bestialisch. Ich wurde von meinen englischen Mitreisenden gefragt, was das denn wäre. Ich meinte, es schützt vor Moskitos. Darauf kam die Bemerkung: „No, that protects from EVERYTHING.“ Zugegeben, es stank wirklich ganz furchtbar.
Einer der Jungs zog sich dann in sein Zimmer zurück. Und kam kurz darauf, nur mit einem Handtuch um die Hüften bekleidet, zurück auf die Veranda. Leicht verlegen fragte er mich dann, ob er sich mit meinem Mückenmittel einreiben könne – sein Moskitonetz hätte faustgroße Löcher. Ich lachte und gab ihm natürlich von meinem Wundermittel ab.
Am nächsten Morgen ging's dann in den Ngorongoro-Krater. Einfach phantastisch, ein Erlebnis, traumhaft schön. Die Landschaft, die Tierherden, die Löwen – ein großartiges Stück Erde. Nur war jetzt der Fahrstil unseres Drivers ziemlich nervig. Der bretterte durch die Gegend, als würde er bei einer Rallye mitfahren. Erst nach mehrmaligem Anreden – zum Schluss etwas unfreundlich – mäßigte er die Geschwindigkeit wenigstens so weit, dass man nicht nur vorbeihuschende Schatten der Tiere sah. Wir wurden einmal rundum im Krater gefahren, es war absolut toll. Zebras, Büffel, Antilopen, Gazellen – und noch vieles mehr in riesigen Herden. Die Landschaft ebenso gigantisch und beeindruckend.
Aber nach ein ein paar Stunden mussten wir uns auf den Rückweg nach Arusha machen, wir sollten ja am späten Nachmittag zurück sein. Und so ging's auf die normale Straße – die auch gar nicht so schlecht war. Verkehr war auch nicht viel, also bretterte unser Fahrer wieder wie bei der Herfahrt wie ein Rennfahrer durch die Gegend.
Dann kam ein Berg, es ging bergab, die Straße lag kilometerweit gut sichtbar vor uns. Unten in der Ebene war dann eine langgezogene Linkskurve. Und genau an dieser Kurve führten ein paar Massai-Krieger eine große Rinderherde über die Straße. Das war alles ganz genau schon von weitem zu sehen.
Unser Driver bretterte unbeeindruckt im höchsten Tempo, das der alte Jeep noch hergab, bergab. Es war deutlich zu sehen, dass die Rinderherde niemals ganz über der Straße sein würde, bevor wir an der Stelle angelangt waren. Aber wir kannten ja den Fahrstil unseres Fahrers und dass er nicht gerne bremste. Es erst im letzten Augenblick tat, dann aber voll in die Eisen stieg.
So rasten wir immer näher an die Kuhherde heran. Und der Fahrer bremste und bremste nicht. Jetzt wurde uns allen doch ein wenig anders. Kollektiv schrien wir auf: „Stopp – stopp – you must stopp!“ Der Driver zuckte zusammen, als wäre er aus dem Halbschlaf erwacht.
Erkannte dann endlich die Gefahr und trat mit voller Wucht auf die Bremse. Wir konnten gerade noch – es ging um Zentimeter – die Kollision mit einem Rind vermeiden. Aber dafür landeten wir im Straßengraben. Nicht allzu schnell, nicht mit großer Wucht, es passierte auch nichts, außer dass wir im Auto alle ein paar blaue Flecke bekamen. Nicht mal der Jeep bekam was ab – wir saßen eben nur im Graben fest.
Die Massai-Krieger hatten den Vorfall beobachtet und lachten sich jetzt schief. Ich glaube allerdings, wenn wir eine ihrer Kühe touchiert hätten, dann wären sie nicht so amüsiert gewesen …
Als wir uns im Wagen ein wenig gefasst hatten und die Massai mit dem Lachen fertig waren, sprangen die Männer aus dem Auto – ich als einzige Frau durfte drin sitzenbleiben. Manchmal hat’s halt doch Vorteile, ein weibliches Wesen zu sein.
Dann kamen auch die Massai angelaufen und zusammen mit unserem Fahrer und den männlichen Mitfahrern wurde das Auto zurück auf die Straße geschoben. Wir lachten alle gemeinsam nochmal herzlich über das Missgeschick. Die Massai trieben anschließend die restlichen Kühe über die Straße.
Damit konnten wir dann auch weiterfahren. Aber wenn jetzt jemand glaubt, dass der Driver irgendwas daraus gelernt hatte, dann irrt er sich. Der fuhr in genau dem gleichen Stil weiter. Wer allerdings was draus gelernt hatte, waren wir Mitfahrer. Wir hielten jetzt die Augen genau offen – bereit, bei dem nächsten Vorfall etwas eher zu schreien.
Aber es passierte nichts mehr, wir erreichten Arusha und wurden fast pünktlich an unseren Hotels abgesetzt. Ich brauchte dann aber als Erstes einen großen, starken Drink, um diese Rückfahrt zu verarbeiten.
 
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.10.2016. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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