Gestern gastierte hier in Bad Kissingen der inzwischen weltbekannte Teufelsgeiger David Garrett. Hier hat er schon im zarten Alter von 9 Jahren eines seiner ersten Konzerte gegeben. Deshalb die Verbundenheit mit der Stadt, die er dieses Jahr (2016) bereits zum zweiten Male besucht hat. Wieder ausverkauftes Haus und ein grandioses Konzert von ihm und seinem begleitenden französischen Pianisten.
Nach Kampf hatte ich für meine Frau und mich einen sehr guten Platz in der Loge 1 ergattert. Gute Sicht von oben. Der Max Littmann Saal im Regentenbau verfügt über eine sehr gute Akkustik. Neben uns eine Mutter, Oma und 2 Kinder, die David Garrett schon öfter erlebt haben. Es gibt ja auch gut verdienende oder vermögende, die sich so eine Karte immer wieder leisten können.
Der Pianist spielte die Partituren vom Blatt und hatte eine Dame hinter sich, die für ihn umblätterte. David Garrett hatte zwar auch einen Notenständer, auf den er nur kurz blickte. Er spielte alles auswendig.
Der Junge neben mir fragte in der Pause seine Mutter, ob David Garrett auswendig spiele oder beim Pianisten abgucke. Sie erklärte ihm, dass der Geiger auswendig spiele. Er habe die Noten beim Konzert nicht nötig, denn er kenne das ganze Konzert im Kopf. Der Junge gab aber keine Ruhe und bekräftigte seinen Verdacht. Er meinte, da müsse doch etwas stehen.
Ich mischte mich ein und sagte ihm:"Ich weiß was dort steht, Auf dem Notenständer hat er ein großes Blatt Papier auf dem steht: Ich heiße David Garrett und gebe hier in Bad Kissingen ein Geigenkonzert."
Den Blick des Jungen hätten Sie sehen müssen. Wenn Blicke hätten töten können. Nun das klappte allerdings nicht, auch wenn es knappp davor war.
Wahrscheinlich war auf dem Blatt nur der Verlauf des Konzertes mit Stichworten, eine Art von Merkzettel, den man wohl manchmal braucht.
Nun es war ja gar nicht soweit hergeholt. Bei Lesungen in eigener Sache habe ich mir auch öfter gesagt: "Mein Name ist Norbert Wittke. Warum stehe ich oder sitze ich hier eigentlich? Warum sollte ich Texte von einem unbekannten Autoren vortragen?" Die Antwort dann: Was tut man nicht allesfür das eigene Ich. Der eine geigt und der andere liest.
24.10.2016 Norbert Wittke
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.10.2016.
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