Doris E. M. Bulenda

Sri Lanka – Das Elefanten-Waisenhaus

In Sri Lanka gibt es in Pinnawala ein Waisenhaus für kleine Elefanten. Und da ich schon in der Nähe war, musste ich mir das natürlich auch ansehen. Ein Taxi brachte mich hin, dann zahlte ich den Eintritt. Eine Frau verkaufte neben dem Eingang Zuckerrohr und meinte, ich bräuchte unbedingt welches. Na gut, war ja nicht teuer, also nahm ich ein Bündel mit.
Ging dann in die wirklich sehr schöne, große Anlage. Die Elefanten werden dort nicht in irgendwelchen Käfigen oder Gehegen gehalten, sondern laufen frei herum. Natürlich sind sie zahm, werden von einer Menge Leute betreut und sind neugierig auf alle Besucher.
Man darf dann beim „Baden“ eines Elefanten im Fluss helfen, man wird umhergeführt und bekommt alles genau gezeigt. In dieser schönen tropischen Landschaft ist das ein echtes Erlebnis.
Gegen ein kleines Trinkgeld kann man sogar auf einem Elefanten reiten. Wie ein Mahout, direkt im Nacken des Tieres sitzend, ohne Sattel oder so was. Ein absolutes Erlebnis, es ist supertoll, so hoch oben zu sitzen und auf die Welt herunterzusehen. Und jetzt wurde auch klar, wozu man das Zuckerrohr braucht. Auf halbem Weg des Spaziergangs bleibt der Elefant stehen, der Rüssel wird in Richtung Tourist gestreckt, „Zuckerrohr bitte Einwurf hier“, sozusagen.
Ich fütterte also mein Bündel Zuckerrohr, wobei der Elefant sehr genau zu wissen schien, aus wie vielen Stängeln so ein Bündel bestand. Denn nachdem ich das letzte Stück verfüttert hatte, ging er von selbst weiter. Nebenbei, natürlich hat ein Einheimischer den „Ausritt“ am Boden begleitet, da man selber ja vom Elefantenreiten wenig Ahnung hat und das Tier nicht lenken könnte. Auch wenn der Elefant seinen Weg genau kennt und genau weiß, was er zu tun hat.
Während der ganzen Zeit in dieser Anlage wurde ich fotografiert. Und zwar hatte mir ein Boy gleich am Eingang meine Kamera „abgenommen“, mit dem Hinweis, dass er alles genau dokumentieren würde. Nun gut, warum nicht. Ich wollte dem Jungen noch erklären, wie er denn mit meiner – für damalige Verhältnisse ziemlich komplizierten – Spiegelreflexkamera umgehen sollte.
Nur bekam ich, als ich mit der Erklärung begann, ziemlich von oben herab zu hören: „Madam, ich mache diesen Job schon etliche Jahre. Ich kenne mich aus. Ich kenne jede Kamera ganz genau.“ Nun gut, ich wollte ihm das mal glauben.
So wurde ich ständig geknipst, beim Elefantenbad – bis zur Hüfte im warmen Flusswasser -, beim Ausritt mit dem Elefanten, beim Streicheln der kleinen Elefanten. Als ich die Anlage verließ, bekam ich gegen ein Trinkgeld auch meine Kamera wieder. Wir verabschiedeten uns alle freundlich und zufrieden voneinander.
Wirklich ein Erlebnis, dieser Besuch. Ich freute mich  schon auf die Bilder, die dabei gemacht worden waren. Nur – der Junge mochte diesen Job, Touristen und Elefanten knipsen, ja wirklich schon jahrelang machen. Aber er hatte mit Sicherheit noch nie die dabei entstandenen Fotos gesehen. Wie auch – damals nahmen die Leute ihre belichteten Filme mit nachhause, ließen sie dort entwickeln und Bilder abziehen. Da waren es noch Jahrzehnte hin bis zu den Digitalkameras …
Es war sehr enttäuschend – alle Bilder aus dem Elefanten-Waisenhaus waren verwackelt und/oder unscharf. Leider, leider – es war kein einziges der vielen Bilder, ca. 20 Stück, brauchbar. Im Nachhinein war mir klar, dass ich dem Boy doch besser genau gesagt hätte, was er wie tun sollte. Ich hätte mir eigentlich denken können, dass er zwar auf den Auslöser drücken konnte, aber eben nie zu sehen bekam, was er da geknipst hatte. Schade, so habe ich von diesem wunderschönen Ausflug kein einziges Bild – nur die Erinnerung in meinem Kopf.
 

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