Achim Müller

Positiv - Das Wort der Pharmaindustrie

Da ist ein Kind, nicht einmal 10 Jahre alt. “Ich kann nur leben, wenn die Medizinforscher ihr Wort halten!“
Ja, die Pharmaindustrie hat versprochen ein Mittel gegen Aids zu finden.
Jedoch ist nach über 20 Jahren Forschung und vielen hundert Millionen Doller nichts Großartiges dabei herausgekommen.
Ich höre einem Kind zu, das so viel erlebt hat.
Beide Eltern drogenabhängig. Vater gestorben, als es erst 2 Jahre alt war. Mutter ist an Aids verreckt. Dies ist noch kein Jahr her.
Wie muss sich ein Kind fühlen, wenn des der Mutter von Woche zu Woche immer schlechter geht. Die Mutter immer öfter im Krankenhaus ist. Wie ist es, wenn man schon mit 7, 8 und neun Jahren alleine zu Hause ist?
“Meine Oma hat mir nicht geholfen, die hat sich nicht getraut mich anzufassen.“
Was für ein Satz, den lass ich mir auf der Zunge zergehen. In einem Kindergarten ist diese Kind nicht gewesen.
Mit 7 Jahren in die Schule gekommen. “Da haben die anderen Eltern ihre Kinder zu Hause gelassen, und Unterschriften gesammelt.“ “Ich musste die Schule wieder verlassen.“ Da kann man diesen Eltern nur wünschen, dass deren Kinder gesund bleiben.
Eine ratlose Schulbehörde. Ein untätiges Jugendamt. Die Aidsberatungsstelle vermittelt einen Privatunterricht.
Wie fühlt sich da so ein Kind?
“Ich bin nicht wirklich krank.“ Aber es ist etwas in mir, was mich krank machen kann.“ “Ich kann andere Kinder damit anstecken.“ “ich hoffe dass es bald eine Medizin dafür gibt.“ “Meine Mutter hat so gehofft, dass Sie diese noch rechtzeitig bekommt.“ “Ich will nicht so krank werden, wie Mutter und nicht so sterben.“ “meine Mutter hat so gehofft und gebetet, ich kann nicht mehr an Gott glauben.“
“Hoffendlich wird bald eine Medizin erfunden.“ “Ob es im Himmel auch Aids gibt?“
Die Pharmaindustrie verdient an jedem Schnupfenmittel mehr als an einem Aidsmedikament. Wozu also da viel Geld in die Aidsforschung stecken. Zumal der Werbeetat eines jeden Pharmaunternehmen 20 bis 50-mal höher ist als die Gelder für die Aidsforschung.
Wenn dies wirklich so ist, könnte man daraus ableiten, das die Verantwortlichen der Pharmaindustrie in der Hölle schmoren währen die Aidskranken im Himmel sind. Hoffendlich gibt es also wirklich im Himmel kein Aids. Wenn die Aidskranken ihren Glauben an Gott verloren haben, wer könnte dann da noch helfen.
“Ich habe Angst, dass es bei mir ausbricht, bevor es Medizin dafür gibt.“ “Noch ist es nur bei mir im Blut, es muss nicht als Krankheit ausbrechen.“ “Aber ich habe Angst davor.“ “Ich vermisse meine Mutter sehr.“ “Niemand hat uns geholfen.“ “Auch nicht als meine Mutter sehr krank war.“ “Auch nicht als diese im Krankenhaus war.“ “Ich war ganz alleine im Haus.“ “Oft hatte ich Hunger und nichts zu Essen.“ “Einmal hat mich die Polizei geholt.“ “Ich war dann den ganzen Tag über auf der Polizeiwache.“
“Aber niemand wollte mich haben.“ “Die Polizisten haben dann Geld gesammelt und für mich eingekauft.“ “Abends haben die mich dann wieder nach Hause gebracht.“
“Die Leute von der Aidsberatung haben dann nach mir geschaut, bis meine Mutter aus dem Krankenhaus kam.“
Unglaublich, aber wer will schon ein Aidskrankes Kind? Da hat wohl das Jugendamt keine Pflegeeltern für.
“Meiner Mutter ist es immer schlechter gegangen.“ “Sie ist spindeldürr geworden.“ “Als sie das letzte Mal ins Krankenhaus gekommen ist, ist Sie dort gestorben.“
“Am nächsten Morgen bin ich auch ins Krankenhaus gekommen, obwohl ich gar nicht Krank war.“ “Im Krankenhaus waren alle sehr nett zu mir.“ “Aber am ende der Woche musste ich da wieder raus.“ “Keiner wollte mich haben.“ “Erst war ich zwei oder 3 Tage im Kinderschutzzentrum.“ “Dann in einem anderen Heim.“ “Da hat es Streit unter den Erziehern wegen mir gegeben.“ “Da hat mich das Jugendamt abends wieder abholen müssen.“ “Ich bin dann für 2 Tage bei Leuten gewesen, die für das Jugendamt arbeiten.“
Da haben doch einige Menschen so Angst um ihr Leben, das die dieses einem Kind so deutlich zeigen. So müssen sich Aussätzige im Mittelalter gefühlt haben. Wird mal Jahre später auch darüber lachen können? Hoffendlich aber nicht erst in einigen hundert Jahren. Jedenfalls kann dieses Kind noch nicht darüber lachen.
“Ich bin dann vorigen Monat hier in dieses Haus gekommen.“ “Ich bin in eine Gruppe mit viel älteren gekommen.“ “Lieber währe ich in eine Kindergruppe gegangen.“ “Aber alle wollten vorsichtig sein.“ “Ich weis, dass ich vorsichtig sein muss, mit Blut, Spucke und anderen Sachen.“ “Das hat man mir schon oft erklärt, und ich weis das längst.“ “Ich will auch nicht, dass jemand an mir Krank wird.“ “Eigentlich sollte es niemand wissen, aber in der Gruppe wissen das eh alle.“ “Aber ich habe Angst, dass ich wieder gehen muss.“ “Niemand spricht mit mir wirklich darüber und niemand beantwortet meine fragen.“ “Ich habe Tabletten, aber ob die wirklich helfen, weis ich nicht.“
“Weist du, wenn ich zum Doktor gehe, und der Gummihandschuhe anzieht, um mich anzufassen, und der dann die Handschuhe wegwirft, wenn ich gehe, bin ich traurig.“
Na das man vorsichtig mit einer solchen Krankheit vorsichtig sein muss, und Ansteckungen verhindern muss, ist klar. Ich habe im Internet nachgesehen, eine Ansteckung ist wohl mit etwas Vorsicht nicht zu befürchten.
“Ich bin Anfang des Monats in die 3. Klasse gekommen, und die Lehrerin ist sehr nett.“ “Sie hat mir sogar die Hand gegeben.“
Für uns ist es selbstverständlich jemanden die Hand zu geben. Niemand würde auf die Idee kommen, dass dies etwas Besonderes ist.
Wie müsste es erst sein, mit anfassen, Streicheln und Knuddeln? An Küssen oder gar später an Sex, nicht zu denken.
Kann man nur hoffen, dass diese Krankheit geheilt werden kann. Bei einigen wenigen bricht sie erst gar nicht aus. Das ist etwas Hoffnung. Besonders für ein Kind, welches gesehen hat, wie seine Mutter zugrunde gegangen ist. Ich habe viele Aussagen ohne Kommentar zitiert, diese sprechen für sich.
Ich glaube, es wird sich im Heim herumsprechen. Mir ist dies auch schnell aufgefallen. Ich hoffe, dass dies nicht dazu führen wird, dass dieses Kind gehen muss. Ich gebe zu, dass wir lange zusammen gesessen und gesprochen haben, ich es auch nicht angefasst habe.
Dies ist ein schwieriges Thema. Ich weis auch keine Antworten.

Achim Müller

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 19.06.2003. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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