Renate Strang

Ich liebe dich

Deine Brust wogt auf und ab im Rhythmus deines Atmens. Die sanfte Brise aus Mund und Nase ist wie die Luft über Athen. Wenn ich sie über meine Haut streichen spüre, weiß ich, dass du lebst. Du liegt ruhig neben mir. Deine Brüste heben und senken sich wie die Kämme der wogenden Wellen. Im Wellental ist es feucht. Du schwitzt. Kleine Tropfen salzigen Wassers liegen wie schimmernde Perlen auf deiner Haut. Ich liebe dich.

Während meine Augen deinen Brüsten folgen, die sich im Takt des Atems heben und senken, lasse ich mich treiben. Ich erinnere mich.

Mein Herz machte einen Sprung, als ich dich das erste mal sah. Deine Augen, so blau wie das Wasser des Mittelmeeres, dem du wie einst Aphrodite entstiegen scheinst. Deine Haut, so weiß wie die Kronen einer geschäftigen Welle. Dein Mund, so rot wie der Feuerball, der morgens über dem Wasser aufsteigt, die Welt in unwirkliche Farben taucht, und ihr dann Licht und Wärme schenkt. Dein helles Lachen erinnert an die Sirenen, denen Odysseus auf seiner langen Irrfahrt erlag, und der Zauber deiner Stimme hätte jeden Schiffer das Lied der Loreley vergessen lassen.

Ich fühlte mich als Konquistador, als ich mit deiner Eroberung begann. Du hattest dich in eine Festung aus Distanz, Kühle und Sachlichkeit zurück gezogen. Das Tor war verschlossen, der Schlüssel in deinem Herzen verwahrt. Diese Festung konnte nicht im Sturm erobert werden. Sie verlangte nach Geduld, Verständnis, Toleranz und Liebe.

Ich folgte dem verworrenen Ariadne-Faden zu deinem Herzen und fand den Schlüssel für das äußere Tor. Das erste Geheimnis, das du mir enthülltest, war dein schöner, klarer Verstand. Konversation mit dir plätschert nicht dahin wie der träge Bach an einem lauen Frühlingstag. Sie ist wie die tosende Brandung an der Steilküste Rügens. Du hörst zu und greifst an, wenn der Fels meiner Torheit stark und unüberwindlich erscheint. Mit der zeitlosen Geduld von Wind und Wasser machst du dich daran, das harte Urgestein der Engstirnigkeit Stück für

Stück abzutragen. Das Ergebnis der Erosion ist der blank polierte Stein der Einsicht, dass wir Menschen klein sind im Angesicht der Schöpfung, dass wir Demut zeigen sollen, Toleranz, Ehrlichkeit und Offenheit.

Angefeuert vom Hämmern meines Herzens habe ich das Labyrinth deiner Festung mit Ausdauer erkundet. Hinter dicken Mauern fand ich endlich dich. Du bist so tief wie die See und unberechenbar wie ein Hurrikan. Du bist idealistisch wie die Generation der 68er und liebenswert wie die Venus. Ich habe dir in meinem Herzen einen Tempel erbaut, in dem ich mich täglich opfere.

Du hast mich für meine Mühen belohnt, wie nur eine Frau es kann. Du gewährtest mir Zugang zu den Geheimnissen deines Körpers. Ich tauchte ein in den Duft deiner Weiblichkeit, liebkoste deine zarte Haut und badete in den Tiefen der See in dir. Ich spürte dich erbeben unter meinen Liebkosungen, ahnte die Eruption in den Abgründen des Meeres, spürte das Beben und die Wellen, die sich vom Epizentrum fort bewegten. Die Gewalt der Explosion riss mich mit, und gemeinsam schwammen wir davon auf den Wogen der Wollust, rettungslos aneinander verloren. Ich brauche dich.

Mein Blick wandert von deinen inspirierenden Brüsten zu deinem leicht gewölbten Bauch. So wie einst das Urmeer Leben formte, das aus ihm herauskroch und sich entwickelte, so wächst auch in dir neues Leben heran. Und wie Mutter Erde sich der jungen Kreaturen erbarmte, so nimmst auch du das neue Leben an. Du bist wie das Meer. Du gibst mehr, als du jemals nehmen kannst. Ich liebe dich!

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.06.2003. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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