Sarah Hagemeister

Unterm Mistelzweig


Die Straßen erleuchteten Hell, im Licht, der Weihnachtsbeleuchtung. Überall wo man hinsah, waren die Schaufenster, weihnachtlich geschmückt und luden ein etwas bei sich zum Fest der Liebe zu kaufen. Es war Mitte Dezember und wie jedes Jahr herrschte Ausnahmezustand in den Straßen New Yorks so kurz vor Heiligabend. Auch die junge Studentin Isabella Casey war in diesen Tagen unterwegs, um die letzten Besorgungen zu machen. Sie würde Weihnachten mit der gesamten Familie verbringen im Haus ihrer Eltern, in einer Kleinstadt in der Nähe von New York. Sie wollte am nächsten Tag, dem 19. Dezember bereit dort sein, um bei den Vorbereitungen zu helfen. Es war Tradition, dass fast die gesamte Familie sich bei einem Familienmitglied traf, um die Zeit gemeinsam zu verbringen. Dieses Jahr waren Isabellas Eltern an der Reihe und außer ihren Großeltern wollten noch die Isabellas Zwei Schwestern mit ihren Männern und den Kindern kommen, sowie Tanten und Onkel samt Kinderscharr. Das hieß das Haus würde voll werden und laut. Sie war froh als sie alle Geschenke beisammen hatte, es war wie jedes Jahr wieder sehr Teuer geworden, weil sie jedem eine kleine Freude machen wollte, aber die strahlenden Augen zeigten ihr das es das wert war. Sie würden knapp 30 Leute sein.
Am nächsten Tag war sie schon sehr früh auf. Sie kontrollierte noch einmal, ob sie alles gepackt hatte. Sie hatte 2 Koffer, in dem einen Befanden sich sämtliche Geschenke und dem anderen Ihre Kleidung für die nächsten Tage. Ihr Taxi kam pünktlich, alles lief perfekt. Auch ihr Zug kam Pünktlich. Es schien alles reibungslos zu verlaufen. Ihr Vater holte sie vom Bahnhof ab. Die Fahrt nach Hause verlief schweigend. Das schätze sie sehr an ihrem Vater, dass er sie nicht mit nervigen Fragen Bombardierte, ihre Mutter war da schon anders. Denn kaum war sie zur Haustür hereingekommen stürmte sie auch schon aus der Küche. "Hallo liebes" begrüßte sie sie. Dann blickte sie sie fassungslos an. "Wie du bist alleine gekommen?" "Ja Mama" antwortete sie. "Aber was ist den mit dem Jungen von dem du mir letztens erzählt hast??" "Nichts ist mit dem, was soll mit dem sein?" "Nun ja ich dachte er begleitet dich." sagte sie etwas enttäuscht. "Ma" rief sie entrüstet. Sie hatte den Fehler gemacht, ihr zu erzählen, dass sie sich in ihren besten Freund Dylan Tyler verliebt hatte. Jetzt merkte sie, dass sie die nächsten Tage wahrscheinlich noch öfter damit behelligt wurde und das schlimme war, sie kannte ihre Mutter gut genug, dass sie die gesamte Familie damit einbeziehen würde. "Ma wir sind nur Freunde und er weiß nicht was ich für ihn fühle, das wäre doch ein bisschen merkwürdig und auffällig wenn sie ihn mit zu ihrer Familie einladen würde." "Na und? So wird das nichts mit euch beiden, wenn du dem nicht auf die Sprünge hilfst. Was meinst du wie ich deinen Vater kennengelernt habe." sagte sie. "Ja Ma, ich kenne die Geschichte, aber du vergisst eines.-" "Was denn mein Schatz?" "Ich bin nicht du." Damit ließ sie sie stehen und brachte ihre Koffer in ihr altes Jugendzimmer. Ihre Eltern hatten an den Räumen ihrer Kinder nichts verändert. Sie sollten sich wohlfühlen wenn sie nach Hause kamen. Wenig später hörte sie ein klingeln. Sie hörte stimmen von Unten und es klang nach ihrer Schwester und deren Mann Jonah, die mit den Kindern Julius und Nora gekommen sind. Und dann hörte sie noch eine andere, ihr vertraute Stimme. Das war doch Dylan. Wieso in aller Welt? dachte sie. Sie wusste das Julius und Dylan ebenfalls sehr gut befreundet waren. Und tatsächlich, als sie die Treppe runterkam sah sie ihn. Fragend blickte sie ihn an. Er schien sie zu verstehen und sagte:"Meine Eltern sind verreist, deswegen bot mir Julius an, dass ich bei euch mitfeiern kann." "Ist das nicht schön?" fragte ihre Mutter sie und lächelte sie Triumphieren an. Es würde sie nicht wundern wenn sie ihre Finger bei der Sache mit ihm Spiel gehabt hätte. Sie warf ihrer Mutter einen zornigen Blick zu. Dann verschwand sie für die nächsten Stunden in ihrem Zimmer. Erst zum Essen kam sie wieder runter. "Hey, alles Ok bei dir?" fragte Dylen besorgt. Sie nickte. Ihre Mutter hatte dafür gesorgt das die beiden nebeneinander saßen. Sie aßen schweigend. Nach dem Abendessen, wollte sie wieder aufstehen, um auf ihr Zimmer zu gehen, doch ihr Mutter hielt sie auf:" Isabella liebes, gesellst du dich zu mit zu uns ins Wohnzimmer ?" Sie blickte Dylan an, er lächelte. "Ja, Ok" sagte sie. Sie verbrachten einen Gemütlichen Abend miteinander. Ihr Vater und der Mann ihrer Schwester schauten Fernsehen. Ihre Schwester und ihre Mutter unterhielten sich. Zwischen Isabella und Ihrer Schwester Stella lagen knapp 18 Jahre, Sie war damals Zeitgleich mit ihrer Mutter schwanger. Ihre Schwester war damals 18 Jahre alt gewesen. Sie war die ältere von ihren Schwestern, sie war mittlerweile 42, ihre andere Schwester war 30 und sie mit 24 Jahren, das Nesthäkchen. Julius zockte und seine jüngere Schwester las, während Dylan und Isabella sich unterhielten. "Warum feierst du nicht deiner Familie?" wollte sie wissen. Er machte eine abfällige Handbewegung. "Was?" fragte sie. "Ach, ich hatte keinen Bock darauf, dass die sich die ganze Zeit vor mir am streiten sind. Und mit 24 Jahren können sie mich zumindest nicht mehr zwingen mitzukommen." Sie nickte "So schlimm?" "Ja, ich würde mir ja wünschen sie würden sich scheiden lassen, aber nein sie fahren lieber auf die Kanaren." "Na klasse" sagte sie. "Ich finde es bei euch zu feiern schöner, man spürt die liebe richtig. Außerdem sind du und Julius hier, dass macht das Weihnachtsfest umso schöner." sagte er und lächelte. Sie lächelte zurück "Ich finde es auch nicht schlecht, dass du da bist." und in Gedanken fügte sie hinzu du glaubst gar nicht wie sehr. Denn Rest des Abends unterhielten sie sich noch über dieses und jenes. Und sie gingen alle erst sehr spät ins Bett.
Am nächsten Vormittag kam auch ihre andere Schwester, samt Familie. Ihre Zwei Cousinen Emma und Louisa und Ihr Schwager Robert. Es wurde immer voller in dem Großen Haus, Isabella war froh das ihre Eltern so ein großes Haus hatten, zusätzlich zu den Drei Kinderzimmern, hatten sie noch drei weitere Gästezimmer und eine Gästetoilette war auch vorhanden. Ihre Eltern konnten sich das auch leisten, ihr Vater war ein erfolgreicher Geschäftsmann und ihre Mutter Immobilien Maklerin, ebenfalls erfolgreich. Die meiste Zeit des Vormittags verbrachten Julius und Dylan mit zocken, am Nachmittag wollte er zusammen mit Isabella den Weihnachtsbaum schmücken, während der Rest in der Küche Plätzchen backen wollten.
Nachmittags gingen die beiden hoch auf den Dachboden, um den Weihnachtsbaumschmuck zu holen, sie suchten aus mehreren Kisten das passendste raus und machten sich dann im Wohnzimmer ans Werk. Ihr Vater hatte zusammen mit einem seinen Schwiegersöhnen am Vormittag den Baum besorgt, sie hatten eine hübsche Tanne rausgesucht, sie ging bis ca. 20cm unter die Decke und strahlte in einem saftigen dunklen Grün. Die beiden alberten rum, während sie den Baum schmückten. Er pikste sie in die Seite und sie musste lachen "Hör auf das kitzelt" kicherte sie und schob seine Hand weg. "Ach ehrlich?" fragte er und pikste sie erneut in die Seite. "Ja" lachte sie und ließ eine Glaskugel, die sie eben noch in den Händen gehalten hatte fallen. Sie bückten sich beide nach den Scherben und ihre Hände berührten sich. Ein kribbeln durchströmte ihren ganzen Körper, erschrocken zog sie die Hand zurück und wurde rot. Er war ebenfalls zurückgezuckt, als hätte er es auch gespürt. Aber sie traute sich nicht nach zu fragen. Dann taten beide so als wäre nichts gewesen, sie besorgte Handfeger und Kehrschaufel und kehrte die Scherben auf und er verstaute den Rest wieder in die Kisten. Dann brachten sie schweigend die Kisten wieder auf den Speicher und sprachen den ganzen Tag nicht mehr miteinander.
Die restliche Familie trudelte am nächsten Tag ein und das Haus war erfüllt von guter Laune und Festtagsfreude, die letzten Vorbereitungen wurden getroffen und jeder verstand sich gut. Zur Feier des Tages begann es am selben Tag noch draußen zu schneien und binnen weniger Stunden waren die Straßen von einer weißen Schneedecke bedeckt. Bella ließ sich den ganzen Tag nicht blicken, sie wollte nicht auf Dylan treffen, und hatte sich mit der Ausrede, ganz schlimme Frauenprobleme zu haben in ihrem Bett verkrochen. Sie lag nun da und starrte an die Zimmerdecke und hörte wie das Stimmengewirr und lachen von unten zu ihr herauf drang und dachte über Ihn nach. Ihr war gestern so gewesen, als wäre bei ihm auch was. Er schien zumindest etwas gespürt zu haben. Plötzlich klopfte es an der Zimmertür und er trat ein. "Hey" sagte er. "Wie geht es dir?"  "Es geht" sagte sie und lächelte gequält. Einen Moment war Stille, dann sagte er "Hoffentlich geht es dir morgen besser." "Ich hoffe es auch" sagte sie. Einen Augenblick blieb er noch stehen, fuhr sich nervös durchs Haar und ließ sie wieder allein.              
Am nächsten Tag fühlte sie sich wieder imstande ihre Zeit in seiner Nähe zu verbringen. Er stand im Türrahmen des Wohnzimmers, als sie die Treppe runterkam "Guten Morgen" begrüßte er sie lächelnd. "Morgen" murmelte sie noch etwas verschlafen. "Liebes?" rief ihre Ma aus dem Wohnzimmer "Kommst du mal bitte her?" fragte sie. Verwundert betrat sie das Wohnzimmer und merkte auf einmal das sie alle anstarrten, besser gesagt über sie blickten. Sie ahnte es und ihre schlimmsten Befürchtung wurden war, als sie ihren Blicken folgte und nach oben sah, tatsächlich über ihnen hing ein Mistelzweig, sie warf einen nervösen Blick zu Dylan, der noch gar nicht kapiert zu haben schien was los war. Dann aber blickte auch er nach oben und machte große Augen "Na dann" sagte ihre Großmutter Margaret "Ihr müsst euch küssen". Beide blickten sich unsicher an, waren sich aber bewusst, dass ihnen nichts anderes übrig blieb. Er zog sie an sich und küsste sie. Es war als würde ihr Herz für mehrere Sekunden still stehen, seine Lippen fühlten sich weich an und sie hoffte insgeheim, dass er niemals aufhören würde. Dann hörte sie wie ihre Familie klatschte, als hätten sie ein gutes Theaterstück gesehen und ihr kam der irrwitzige Gedanke, sich danach zu verbeugen. Dann war es auch schon vorbei. "Das war der romantischste Kuss den ich seit langem gesehen habe" sagte Margaret. Isabella und Dylan starrten sich an. Sie merkte wie ihr die röte ins Gesicht schoss und rannte in ihr Zimmer. Sie hörte wie ihre Tante fragte:" Was hat sie denn?" Dylan brauchte einen Augenblick bis er verstand was passiert war, dann rannte er nach oben. Er klopfte an die Tür, doch sie reagierte nicht. "Bella!" rief er "Bella, mach bitte die Tür auf." Ein paar Sekunden später öffnete sie zögernd die Tür. Er sah sofort, dass sie geweint hatte. Im ersten Moment wusste er nicht was er sagen sollte und fragte dann "War ich etwa so schlimm?" Sie musste lachen "Nein" sagte sie. "Bella?" fragte er unsicher "Ja" antwortete sie. Die beiden gingen ins Zimmer und schlossen die Tür. Sie sah das er nervös an seiner Pulloverkordel rumspielte. "Ich wollte dir da schon die ganze Zeit was sagen." Er blickte beschämt zu Boden. "Was denn?" fragte sie. Dann stotterte er:"Ich...Ich." er seufzte und dann küsste er sie wieder, einige Minuten standen sie so da und küssten sich nur, sie bemerkten auch nicht, dass Isabellas Vater zwischendurch ins Zimmer reinschaute und als er die beiden so sah schloss er sie wieder leise. Dann ging er zurück ins Wohnzimmer "Und?" fragte seine Frau. "Was und?" fragte er zurück. "Na was schon?" sagte er lächeln, "Jetzt lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen." sagte sie verärgert. "Meine Güte, Frau, die jungen Herrschaften stehen oben und Knutschen." sagte er. Die anderen johlten. "Und du bist nicht dazwischen gegangen?" fragte sie panisch. "Wieso? ich dachte du wolltest das so, außerdem sind sie alt genug."
Die restlichen Tage waren ein harmonisches beisammen sein mit der gesamten Familie. Und Isabella war überglücklich, dass Julius, Dylan zum Fest eingeladen hatte.
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.11.2016. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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