Inge Hoppe-Grabinger

Alles gut!



Ich kann es schon nicht mehr hören: Überalll,  zu den unterschiedlichsten Anlässen,  von jungen, mittelalten und alten Menschen wird beschwichtigend  dahergesagt: "Alles gut!".
Wer hat denn damit den Anfang gemacht?   War das eine Berühmtheit, die nicht in meinem  Weltausschnitt  vorkommt?  
In mein Bewusstsein ist diese überstrapazierte Redewendung  erst vor wenigen Wochen getreten.  Wieviel  Monate, Jahre vorher habe ich sie
versäumt? 
Unser Schlüsselerlebnis  zu "Alles gut" möchte ich hier erzählen.
Wir, d.h. mein Mann und ich,  hatten ein kleines Hotel in Sachsen gebucht für eine Nacht. Ein Verwandtenbesuch war zu absolvieren.
Schriftlich hatte man uns mitgeteilt, dass das Hotel eigentlich geschlossen sei, aber wir dennoch für diese eine Nacht Gäste sein dürften.
Für ein Frühstück würde gesorgt.
Wir kamen  an  in ekligstem Wetter.  Das Hotel war geschlossen.  Durch einen Telefonanruf wurden wir an eine Hintertür dirigiert, wo wir
nach einer halben Stunde heftigen Hin- und Hertelefonierens  glücklich in den Besitz eines Schlüssels gelangten (der sich in einer Box
befand, die wir einfach immer wieder übersahen, weil wir mit einem Türsummer gerechnet hatten).
Wir waren die einzigen Gäste.  Niemand  im Haus.   Schon etwas merkwürdig! Aber die Heizung funktionierte, eine kleine Zimmerbar
tröstete  und der Handtuchschwan auf dem Bett    ließ uns lächeln. Bei einem  Griechen im Ort  tranken wir uns mit  Rezina Mut für den
Rückweg an und  für den Rest der Nacht.
Am nächsten Morgen, so gegen neun, wagten wir uns  ins Untergeschoss.  In einem großen Raum,  schwarz getäfelt, schließlich war das
mal eine hochherrschaftliche Villa gewesen, befanden sich - bei spärlichster Beleuchtung - mehrere Tische,  und ganz im Hintergrund sah
ein Tisch so aus, als ob darauf ein Frühstück zu finden sei.
Davor aber, an einem langgestreckten Tisch,  saß ein Mann, sein Rücken zu uns gewendet.  Sein Kopf war gar nicht zu sehen, weil er 
auf seinen Armen ruhte.  Auf seinem Rücken konnte  man lesen: "Security".
    An seiner rechten Seite war eine Pistole zu erkennen.
Als wir uns leise näherten, bemerkten wir, dass der Mann  überhaupt keinen Laut von sich gab. Nicht einmal der Ansatz eines Schnarchens oder
eines Atems war zu hören.  Ohne  miteinander zu sprechen, nur durch Blickkontakt, gaben wir  uns zu verstehen, dass der Mann eventuell  tot sei.
Konnte man ihn anfassen? Sollte man ihn rütteln?
.  Aber falls er doch noch lebte, wäre ja nicht auszuschließen, dass er, aus dem Traum erwachend, 
 und, trainiert,  wie er es sicher war, uns als Bedrohung empfinden könnte, und eins, zwei, drei  mir nichts, dir nichts erschießen würde.
Wir verfielen in eine Art Starre,  blieben  im Abstand stehen und  riefen, leise anfangend, immer lauter werdend,  "Hallo"....
Nach einer gefühlt unendlich langen Zeit  sahen wir einen Ruck, der durch den Körper  des jungen Mannes ging. Er richtete sich auf und
sagte, wie aus der Pistole geschossen:  "Alles gut!" "Alles gut!"  "Alles gut!"
Als Sohn der nicht anwesenden Hotelbesitzer hat er uns das Frühstück serviert...   Auch gut ...

So erlebt Ende Oktober 2o16








 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.12.2016. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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