Jürgen Skupniewski-Fernandez

Reise in die Ewigkeit

 

 

Ich spürte schon seit geraumer Zeit, dass meine Kräfte abnahmen. Nicht das ich litt oder
gar Schmerzen mich peinigten. Auch entzogen mir keine Depressionen meine Lebens-
energie. Es fühlte sich eher an wie ein weiches Kuscheln auf einer wohltemperierten
Heizdecke.
Mein Atem war flach, mein Herz pochte ruhig und rhythmisch den letzten Takt zum Lied
meines Lebens. Mein Blick war ganz auf mein Innerstes ausgerichtet; ja, nahm überhaupt
meditative Formen an.
Meine Gesichtszüge entspannten und über meinem Antlitz huschte ein sanftes Adieu.
Langsam, sachte, leise verabschiedete ich mich von der Erde. Sanft glitt ich hinab in
eine angenehme warme Tiefe. Und von einem Moment zum anderen flog ich gar wie ein
Vogel über herrlich blühende Landschaften. Was für ein wunderbares Gefühl zauber-
hafter Leichtigkeit. Unter mir breitete sich mein ganzes zusammengefaltetes Leben aus.

Da lag es vor mir: Meine Kindheit, meine Jugend, mein Weinen, meine Tränen und Lachen.
Mein Erwachsenwerden, meine Liebe.
Da spürte mein Seelen Licht; es schwebte nicht alleine durch jene unbekannte Energie.
Ich sah all‘ die anderen leuchtenden Flammen ebenso über ihre Leben kreisen.
So wie ich es tat.
Daraufhin vernahm ich zaghaft zarte Töne; lauschte ihnen entgegen. Leitschienen gleich
führten sie mich und die anderen gezielt in eine vorbestimmte Richtung. Von fern immer
wieder diese einladende Wärme. Ihre Quelle strahlte zugleich ein mir unbekanntes
Licht aus.
Alsbald befand ich mich im himmlischen Saal; mein Seelenkörper demütig, schuldig,
nach unten geneigt, denn auf dem Thron vor uns saß der Vater aller Seelen:
die Flamme der Ewigkeit in ihrer reinsten Form!
Ich wüsste nicht wie ich es sonst beschreiben könnte. Selbst Worte verstummten
und schwiegen geblendet. Der Herr aller Herrlichkeiten umkränzt vom hellsten, reinsten
Licht. Ihm zur Rechten schimmerten menschliche Züge, sein Sohn. Etwas entfernt
saßen erhaben die Propheten und weisesten der Weisen.
Mehr und mehr füllte sich besagter himmlischer Raum. Von überall her stiegen
Lichter auf und kehrten ein. Ich selber war umgeben von einer Gruppe Kinder
Seelen. Artig und brav reihten sie sich auf wie wir alle hier, die sich einfanden,
wartend und gespannt auf ein göttliches Wort der Gnade.
Da öffnete sich hinter uns eine unbekannte Tür. Umrahmt von roter Glut stand
der Schatten und rief verachtend: „Auch Gott hat seine Hölle – Euch Menschen!“

Da erhob sich der Herr von seinem leuchtenden Thron. Im gleichen Moment berührte uns
ein Hauch von Duft. Mein Mund formte sich zu einem offenen Kreis; gleiches geschah
willkürlich auch mit allen anderen anwesenden Seelen.
Und wir spien einen übel riechenden grauen Dunst aus. Der ausgespiene graue Nebel
sammelte sich im oberen Teil, des von fließendem Licht, erfüllten Saales.
Ein Chor bunter Engel verwies mit ihren Chorälen alles Grau aus dem göttlichen Raum.
Die Türe, gerahmt von roten Flammen und seinem dunklen Schatten, verschloss sich
für immer. Da starb die Angst!

Befreit von allen Übeln und Sünden, kehrte ich rein und strahlend aufgenommen zurück
in den Schoß des ewigen Lichts; für immer verbunden mit seinem Universum.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.12.2016. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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