Robert Süß

Mabu

an meinem dreizehnten Geburtstag kam MABU zu uns ins Waisenhaus. Sein richtiger Name war geschriebene fünfeinhalb Zentimeter lang. Nur Schwester Ameli konnte diesen, wenn sie tief Luft holte, ohne zu stocken wiedergeben. Mabu, drei Jahre jünger, überragte mich gut und gerne um eine Kopflänge, da mein Körper beschlossen hatte einhundertvierzig Zentimeter wären das Mass aller Dinge.
Das einzig freie Bett im ganzen Heim stand neben meinem, und so wurde Mabu mein neuer Zimmerkamerad. Seine Natürliche und vor allem Vorurteilsfreie Art auf Menschen zu zugehen, ließ uns innerhalb kurzer Zeit zu besten Freunden werden. Mabu war wie auch ich als Küchenhilfe eingeteilt, was der hohen Regale wegen durchaus von Vorteil war. Mühelos nahm er die Sachen von hoch oben und Jonglierte diese mit drei Finger wie eine Bedienung am Oktoberfest. So hart die Küchenarbeit auch war, mein innigster Wunsch war es Koch zu werden, Mabu hingegen träumte von einer Karriere als Oberkellner.

Zwei Jahre später adoptierten mich Herr und Frau Balano, Besitzer des angesagten Gourmetrestaurant der Stadt. Sicher war es purer Zufall das kurz davor die Spülhilfe gekündigt hatte und ich meine Erfahrungen sogleich einbringen durfte. Vier harte Lehrjahre später hatte ich dann mein Ziel erreicht. Die mit Auszeichnung bestandene Lehrabschlußprüfung als Koch brachte mir sogar eine Festanstellung im Restaurant meines Ziehvaters ein.

Es war früh morgens um fünf Uhr in der Markthalle als ich ihn wieder sah. Mabu war gerade dabei Gemüse aus einem 7,5 Tonner zu entladen. Es wurde ein feuchtfröhliches Wiedersehen und dennoch spürte ich, Mabu hatte es nicht leicht in den vergangenen Jahren. Das Schicksal wollte das gerade jetzt in Vaters Restaurant ein Kellner gesucht wurde.
Das Vorstellungsgespräch wurde auf kommenden Freitag festgesetzt.

Zehn Minuten vor dem Termin warteten wir beide vor dem Restaurant. Mein Ziehvater kam heraus und blieb sogleich wie angewurzelt im Eingang stehen.
MEIN GOTT, EIN SCHWARZER.....kam es über seine Lippen. Mabu sah erst mich und dann seine Hände an, und mit erstaunter Stimme sagte er: BEI GOTT, TATSÄCHLICH, ICH BIN JA SCHWARZ.....und rollte dabei mit seinen eh schon großen Augen wie das Karusell auf dem Kirmes. STIMMT, JETZT SEH´ ICH ES AUCH.....rief ich, und wir zwinckerten uns dabei zu.

Inzwischen sind acht Monate vergangen. Mabu und ich erfüllten uns mit dem kleinen aber feinen Restaurant "Two Colors" einen Traum.
© Robert M.Süß

und zeig mir den, der "wählt" wer ihn hochzieht wenn er über dem Abgrund hängt!Robert Süß, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.12.2016. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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